InnovationSyntube Doppelventil-Schlauch

Dimitri Lehner

 · 09.01.2014

Innovation: Syntube Doppelventil-SchlauchFoto: Georg Grieshaber
Innovation: Syntube Doppelventil-Schlauch
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Wird das die Innovation des Jahres? „Syntube“ nennt sich die Konstruktion. Wir testen das System nun seit mehreren Monaten und sagen euch, ob man sich so einen Doppelventil-Schlauch zulegen muss.

  Zwei Ventile für ein Halleluja: In der Originalbohrung sitzt das "Syntube"-Ventil. In der neuen Bohrung weiter links sitzt das Ventil für den Mantel. Aufgepumpt wird erst rechts dann links. So drückt der innere Schlauch den Mantel ins Felgenhorn – funktioniert auch mit der Handpumpe auf dem Trail! Übrigens: Das "Syntube"-System soll auf allen Felgen funktionieren, die ein zweites Loch vertragen.Foto: Georg Grieshaber
Zwei Ventile für ein Halleluja: In der Originalbohrung sitzt das "Syntube"-Ventil. In der neuen Bohrung weiter links sitzt das Ventil für den Mantel. Aufgepumpt wird erst rechts dann links. So drückt der innere Schlauch den Mantel ins Felgenhorn – funktioniert auch mit der Handpumpe auf dem Trail! Übrigens: Das "Syntube"-System soll auf allen Felgen funktionieren, die ein zweites Loch vertragen.

Die besten Ideen sind oft ganz simpel. Dauertüftler Jo Klieber von Syntace hatte so eine Idee: Eine Hochdruck-Luftwurst im Innern eines klassischen Schlauchlos-Systems. Das Ergebnis: Obwohl mit Minimaldruck gefahren (unter 1 Bar!) soll der Reifen pannenresistent, traktionsstark, leicht und die Felge beulenresistent sein. Die Zukunft?

Nur mit dem Versprechen, so lange nicht über das System zu berichten, bis alle Patente gesichert und der Herstellungsdeal mit Schwalbe unter Dach und Fach ist, konnten wir Jo im letzten Sommer einen Prototypenlaufradsatz abschwatzen. Und wir waren skeptisch, denn kurz zuvor hatten wir dem Syntace-Laufradsatz "W 30 MX" eine zu hohe Beulenanfälligkeit für Freeriding und aggressives Endurofahren attestiert. Doch mit dem neuen, "Syntube" getauften System sollten Beulen jetzt tatsächlich Geschichte sein, versprach uns Klieber – bei Luftdrücken von unter 1 Bar!

Verlagssonderveröffentlichung

"Syntube" erkennt man von außen nur an dem zweiten Ventil. Eine klassische Befüllung und Druckprüfung im Mantel war beim Prototypen nicht möglich. Nur bei der inneren Kammer funktioniert das Manometer. Hier waren 6 bis 7 Bar vorgeschrieben. Den "Syntube"-Reifen sollten wir gerade so weit mit Luft füllen, dass man mit den Handballen und dem Druck des eigenen Körpergewichtes den Mantel bis auf die hart aufgepumpte "Syntube"-Wurst runterpressen konnte. Ein entsprechend aufgepumpter, klassischer Vergleichsmantel hatte dann nur
1 Bar Druck – eigentlich unfahrbar. Denn dann reicht schon leichter Anpressdruck in der Kurve, um den schwammigen Mantel wegknicken zu lassen und bei Tubeless die Luft zwischen Reifen und Felge nach außen zu pressen – von Durchschlägen mit Felgenbeulen als Folge ganz zu schweigen.

  Das Syntube-Schlauchsystem im QuerschnittFoto: Georg Grieshaber
Das Syntube-Schlauchsystem im Querschnitt

Schon auf dem Parkplatz fühlt sich das "Syntube"-System komplett anders an: Bei zackigen Richtungswechseln schmiert das Gummi hörbar über den Asphalt, ohne wegzuknicken. Dabei rollt das Bike nicht spürbar schlechter, obwohl die Reifen ziemlich breitgequetscht aufliegen. Im Gelände ist das Aha-Erlebnis sofort da. Eine Klasse komfortabler schluckt unser ansonsten identisch abgestimmtes Enduro-Testbike Wurzelpassagen. Die Überraschung wartet aber in Kurven. Hier ist die Traktion höher, der Grenzbereich breiter. Man kann sich in bis dato unmögliche Schräg­lagen wagen. Das erfordert eine Umgewöhnung, denn der Kopf glaubt erstmal nicht, was der Reifen plötzlich halten kann.

Um die angepriesene Beulenresistenz der Felge zu testen, nahmen wir das System mit zu einigen Endurorennen und prügelten es zuletzt auf unserer Hausstrecke in Bozen, auf der ein paar Monate zuvor einige Laufradsätze mit der gleichen Felge und normalem Luftdruck ihr Leben ausgehaucht hatten. Die insgesamt fünf Rennen absolvierte der "Syntube"-Laufradsatz ohne einen Defekt. Und erst nach Abfahrt Nummer 6 auf der Felswüsten-Strecke in Kohlern und diversen erzwungenen Brutalo-Aktionen konnten wir eine kleine Delle in die hintere Felge hämmern. Alles mit normalen Enduroreifen ohne speziell verstärkte Karkasse wohlgemerkt. Die Laufräder blieben immer dicht und funktionieren noch heute.


UNSERE MEINUNG: Die Idee von einem Hochdruckschlauch ist simpel, aber der Effekt ist riesig. Wir glauben: Das ist die Zukunft. Ob das spätere Seriensystem von Schwalbe genauso gut und effektiv funktioniert wie der handgefertigte Prototyp von Syntace, muss sich erst zeigen. Wir werden es testen, sobald die "Revolution" auf den Markt kommt. Ende dieses Jahres sollte es soweit sein.


PLUS bessere Traktion, kein Tubeless-Rülpsen, kaum Mehrgewich, keine Dellen mehr, nachrüstbar
MINUS Gibt’s noch nicht zu kaufen


Fazit: "Syntube" ist ein kleiner Schlauch mit großer Wirkung. Er erlaubt Minimaldrücke ohne Risiko und ohne Nachteil. Der Traktionsgewinn in Kurven ist enorm, der Komfortgewinn durch die verbesserte Dämpfung ebenso.


Gewicht: Zirka 150 Gramm Mehrgewicht pro Laufrad.
Preis: steht noch nicht fest.
Info: www.schwalbe.com

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