Hybrid Johnny Watts im TestRadiales Grip-Monster für Tourenfahrer

Adrian Kaether

 · 05.09.2026

Dank Radial-Karkasse soll der neue Hybrid Johnny Watts Maßstäbe beim Grip und Komfort von Tourenreifen setzen.
Foto: Georg Grieshaber

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Deutlich mehr Grip und Komfort, bei gleichem Profil: Radiale Reifen setzen sich beim Mountainbike immer mehr durch. Jetzt bringt Schwalbe mit dem SUV-Reifen Johnny Watts Radial-Technologie auch ans Tourenbike. Wir sind den Reifen schon gefahren.

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E-Bikes und gerade solche mit SUV-Allüren sind voll im Trend. Breiter Einsatzbereich, hoher Komfort-Faktor, sicheres Fahrgefühl auch auf Schotter. Der Johnny Watts von Schwalbe wurde genau dafür entwickelt und gehört seit Jahren zu den Verkaufsschlagern im Schwalbe-Portfolio. Jetzt denkt Schwalbe den Allrounder konsequent neu. Aber ​wer den neuen Schwalbe Johnny Watts neben seinen Vorgänger (hier im Test) legt, wird auf den ersten Blick kaum einen Unterschied erkennen. Gleiches Profil, gleiches Design – und trotzdem steckt in diesem Reifen eine Revolution. Als erster Hersteller überhaupt wagt sich Schwalbe mit einem radialen Reifen in den Touren-Bereich.

Was bedeutet „radial"?

Vorsicht, hier kommt etwas Theorie. Doch die ist wichtig um zu verstehen, warum Radial so einen großen Unterschied bei Grip und Komfort machen kann. Es ist nämlich so: Bei herkömmlichen Fahrradreifen verlaufen die Textilfäden der Karkasse – also das innere Gerüst, das dem Reifen seine Stabilität verleiht – im 90-Grad-Winkel übereinander. Unterhalb der Lauffläche entsteht dabei ein Rautenmuster.

Beim Radialreifen hingegen, der bereits seit Jahrzehnten im Auto- und Motorradbereich Standard ist, verlaufen diese Fäden in einem deutlich flacheren Winkel. Das Ergebnis: Die Lauffläche kann sich beim Abrollen leichter verformen, und die Aufstandsfläche vergrößert sich bei identischem Luftdruck um nahezu ein Drittel. Die Folge ist klar: Mehr Aufstandsfläche heißt auch - mehr Grip!

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Mehr Grip aber auch mehr Komfort

Radial hat aber noch einen zweiten Trumpf im Ärmel. Durch die flexiblere Karkasse kann der Reifen auch auf Hindernisse oder Schläge leichter reagieren. Das macht sich in Form von deutlich gesteigertem Abrollkomfort bei gleichem Luftdruck bemerkbar - gerade für lange Touren interessant. Theoretische Nachteile können Rollwiderstand und Pannenschutz sein. Die spielen beim Johnny Watts aber nach bisheriger Erkenntnis kaum eine Rolle, siehe unten.

Im Mountainbike-Segment hat Schwalbe die Radial-Technologie bereits vor zwei Jahren erfolgreich eingeführt – mit spürbarem Effekt besonders bei E-MTBs, wo erhöhter Grip und Fahrsicherheit besonders gefragt sind. Mit dem neuen Johnny Watts Radial hält diese Technik nun erstmals Einzug in den Tourenbereich.

Johnny Watts: Die Fakten im Überblick

Schwalbe bietet den Johnny Watts in drei Varianten für verschiedene Einsatzzwecke an. ALLE sind Radialreifen - die klassische Variante wird gestrichen. Das zeigt, wie sehr Schwalbe auch im Tourenbereich von der neuen Technik überzeugt ist. Neben dem Johnny Watts TLR gibt es auch noch den Johnny Watts Plus mit extra viel Pannenschutz und den Johnny Watts 365 für eine besonders hohe Haltbarkeit und guten Grip auch bei Kälte und Nässe.

  • Hybrid Johnny Watts TLR: Die Tubeless-Ready-Version mit RaceGuard-Pannenschutz und ADDIX Green-Gummimischung (recycelter Ruß aus eigenem Reifenrecycling), UVP 49,90 Euro >> hier erhältlich
  • Johnny Watts Plus: Rundum-Schutz mit extra dicker GreenGuard-Pannenschutzlage à la Marathon Plus als Drahtreifen, UVP 43,90 Euro >> hier erhältlich
  • HYBRID 365 Johnny Watts Plus: Ganzjahresversion mit ADDIX 365-Mischung als Faltreifen, UVP 52,90 Euro >> hier erhältlich

Verfügbar ist der Reifen in 27,5 und 28/29 Zoll, jeweils in den Breiten 2,35, 2,60 und beim Plus-Modell auch 2,80 Zoll. Alle Varianten sind auch für schnelle E-Bikes zugelassen (E-50), die 2,80er-Version für E-25. Der Hybrid Johnny Watts setzt vornehmlich auf die umweltfreundliche Addix Green Gummimischung mit besonders hohem Recyclinganteil und ist auch mit Reflex-Streifen erhältlich.


So fährt sich der Johnny Watts Radial

Wir haben den neuen Johnny Watts Radial im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger unter identischen Bedingungen und mit gleichem Luftdruck getestet – und der Unterschied ist eindeutig spürbar. Kleinigkeit vorweg: Auf der Waage legt der neue Reifen leicht zu. 50 Gramm mehr sind bei einem E-Bike Reifen um ein Kilogramm aber absolut verschmerzbar.

Komfort

Bereits beim ersten Hindernis macht sich die größere Aufstandsfläche bemerkbar: Schlaglöcher und Bordsteinkanten werden merklich sanfter abgefedert. Der Reifen schluckt Unebenheiten auf eine Art, die man von einem Touren-Reifen in dieser Klasse bisher nicht kannte. Gerade für oft schlecht oder gar nicht gefederte Tourenräder kann das ein Argument sein - egal ob im Stadtverkehr oder auf langen Touren, wo auch der ein oder andere schlechte weg nicht ausbleibt.

Grip und Traktion

Auf losem Untergrund zeigt der Johnny Watts Radial seine zweite große Stärke: Er liegt spürbar satter auf der Straße. Das Traktionslimit wird in Kurven und auf rutschigem Untergrund erst spürbar später erreicht als beim Vorgänger. Profilbedingt gilt das allerdings vor allem für einigermaßen feste Untergründe. In tiefem Sand oder Schlamm, wo das Profil eine größere Rolle spielt, dürfte der Johnny Watts nach wie vor nicht in seinem Element sein.

Neben der Radial-Karkasse kann der Johnny Watts übrigens noch mit einem anderen Trumpf punkten. Die gängigen Varianten sind tubelessfähig - das war bisher den reinen Mountainbike-Reifen von Schwalbe vorbehalten. Dadurch lässt sich mit dem Johnny Watts auch ein niedriger Luftdruck ohne Angst vor Durchschlägen (Snake-Bites) und Schäden am Schlauch fahren. Komfort und Grip profitieren zusätzlich.

Rollwiderstand

Trotz der vergrößerten Aufstandsfläche soll der Rollwiderstand laut Schwalbe auf dem Niveau des bisherigen Johnny Watts bleiben. In unseren ersten Tests konnten wir keine nennenswerten Nachteile, zum Beispiel bei der Reichweite gegenüber dem Vorgänger feststellen. Das an sich ist bemerkenswert. Unabhängige Labortests dazu stehen aber noch aus.

Lenkverhalten und Pannenschutz

Die radiale Bauweise bringt theoretisch Risiken in puncto Lenkpräzision und Pannenschutz mit sich. Beim Hybrid Johnny Watts hat Schwalbe diese Themen aber gut im Griff. Sowohl das Lenkverhalten als auch der Pannenschutz bewegten sich auf gewohnt hohem Niveau. Nur wer mit hohem Gewicht und sehr niedrigem Luftdruck um 1,5 Bar unterwegs ist, kann den Hybrid Johnny Watts als leicht schwammig empfinden.

Erfahrungsgemäß fahren die meisten Tourenfahrer ihre Reifen aber lieber zu hart als zu weich. 3 Bar aus Angst vor Plattfüßen und höherem Rollwiderstand sind keine Seltenheit. Gerade sie profitieren von der Radialen Konstruktion, weil der neue Hybrid Johnny Watts eben auch bei höherem Luftdruck flexibel bleibt und sich souverän an den Untergrund anschmiegt.


BIKE-Fazit: Bestmarken bei Grip und Komfort

Der Schwalbe Hybrid Johnny Watts ist mehr als ein Facelift – er ist ein echter Technologiesprung für den Tourenbereich. Grip und Komfort sind so entscheidend besser, dass an sich schon bemerkenswerte Vorteile wie der Wechsel zu tubelessfähiger Bauweise kaum noch eine Randnotiz Wert sind. Für die meisten Tourenfahrer, die sich ein sicheres Fahrgefühl und viel Komfort wünschen, ist das vielleicht sogar der beste Reifen am Markt. Angst vor erhöhtem Rollwiderstand muss man trotz der großen Aufstandsfläche nicht haben. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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