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E-Bikes und gerade solche mit SUV-Allüren sind voll im Trend. Breiter Einsatzbereich, hoher Komfort-Faktor, sicheres Fahrgefühl auch auf Schotter. Der Johnny Watts von Schwalbe wurde genau dafür entwickelt und gehört seit Jahren zu den Verkaufsschlagern im Schwalbe-Portfolio. Jetzt denkt Schwalbe den Allrounder konsequent neu. Aber wer den neuen Schwalbe Johnny Watts neben seinen Vorgänger (hier im Test) legt, wird auf den ersten Blick kaum einen Unterschied erkennen. Gleiches Profil, gleiches Design – und trotzdem steckt in diesem Reifen eine Revolution. Als erster Hersteller überhaupt wagt sich Schwalbe mit einem radialen Reifen in den Touren-Bereich.
Vorsicht, hier kommt etwas Theorie. Doch die ist wichtig um zu verstehen, warum Radial so einen großen Unterschied bei Grip und Komfort machen kann. Es ist nämlich so: Bei herkömmlichen Fahrradreifen verlaufen die Textilfäden der Karkasse – also das innere Gerüst, das dem Reifen seine Stabilität verleiht – im 90-Grad-Winkel übereinander. Unterhalb der Lauffläche entsteht dabei ein Rautenmuster.
Beim Radialreifen hingegen, der bereits seit Jahrzehnten im Auto- und Motorradbereich Standard ist, verlaufen diese Fäden in einem deutlich flacheren Winkel. Das Ergebnis: Die Lauffläche kann sich beim Abrollen leichter verformen, und die Aufstandsfläche vergrößert sich bei identischem Luftdruck um nahezu ein Drittel. Die Folge ist klar: Mehr Aufstandsfläche heißt auch - mehr Grip!
Radial hat aber noch einen zweiten Trumpf im Ärmel. Durch die flexiblere Karkasse kann der Reifen auch auf Hindernisse oder Schläge leichter reagieren. Das macht sich in Form von deutlich gesteigertem Abrollkomfort bei gleichem Luftdruck bemerkbar - gerade für lange Touren interessant. Theoretische Nachteile können Rollwiderstand und Pannenschutz sein. Die spielen beim Johnny Watts aber nach bisheriger Erkenntnis kaum eine Rolle, siehe unten.
Im Mountainbike-Segment hat Schwalbe die Radial-Technologie bereits vor zwei Jahren erfolgreich eingeführt – mit spürbarem Effekt besonders bei E-MTBs, wo erhöhter Grip und Fahrsicherheit besonders gefragt sind. Mit dem neuen Johnny Watts Radial hält diese Technik nun erstmals Einzug in den Tourenbereich.
Schwalbe bietet den Johnny Watts in drei Varianten für verschiedene Einsatzzwecke an. ALLE sind Radialreifen - die klassische Variante wird gestrichen. Das zeigt, wie sehr Schwalbe auch im Tourenbereich von der neuen Technik überzeugt ist. Neben dem Johnny Watts TLR gibt es auch noch den Johnny Watts Plus mit extra viel Pannenschutz und den Johnny Watts 365 für eine besonders hohe Haltbarkeit und guten Grip auch bei Kälte und Nässe.
Verfügbar ist der Reifen in 27,5 und 28/29 Zoll, jeweils in den Breiten 2,35, 2,60 und beim Plus-Modell auch 2,80 Zoll. Alle Varianten sind auch für schnelle E-Bikes zugelassen (E-50), die 2,80er-Version für E-25. Der Hybrid Johnny Watts setzt vornehmlich auf die umweltfreundliche Addix Green Gummimischung mit besonders hohem Recyclinganteil und ist auch mit Reflex-Streifen erhältlich.
Wir haben den neuen Johnny Watts Radial im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger unter identischen Bedingungen und mit gleichem Luftdruck getestet – und der Unterschied ist eindeutig spürbar. Kleinigkeit vorweg: Auf der Waage legt der neue Reifen leicht zu. 50 Gramm mehr sind bei einem E-Bike Reifen um ein Kilogramm aber absolut verschmerzbar.
Komfort
Bereits beim ersten Hindernis macht sich die größere Aufstandsfläche bemerkbar: Schlaglöcher und Bordsteinkanten werden merklich sanfter abgefedert. Der Reifen schluckt Unebenheiten auf eine Art, die man von einem Touren-Reifen in dieser Klasse bisher nicht kannte. Gerade für oft schlecht oder gar nicht gefederte Tourenräder kann das ein Argument sein - egal ob im Stadtverkehr oder auf langen Touren, wo auch der ein oder andere schlechte weg nicht ausbleibt.
Grip und Traktion
Auf losem Untergrund zeigt der Johnny Watts Radial seine zweite große Stärke: Er liegt spürbar satter auf der Straße. Das Traktionslimit wird in Kurven und auf rutschigem Untergrund erst spürbar später erreicht als beim Vorgänger. Profilbedingt gilt das allerdings vor allem für einigermaßen feste Untergründe. In tiefem Sand oder Schlamm, wo das Profil eine größere Rolle spielt, dürfte der Johnny Watts nach wie vor nicht in seinem Element sein.
Neben der Radial-Karkasse kann der Johnny Watts übrigens noch mit einem anderen Trumpf punkten. Die gängigen Varianten sind tubelessfähig - das war bisher den reinen Mountainbike-Reifen von Schwalbe vorbehalten. Dadurch lässt sich mit dem Johnny Watts auch ein niedriger Luftdruck ohne Angst vor Durchschlägen (Snake-Bites) und Schäden am Schlauch fahren. Komfort und Grip profitieren zusätzlich.
Rollwiderstand
Trotz der vergrößerten Aufstandsfläche soll der Rollwiderstand laut Schwalbe auf dem Niveau des bisherigen Johnny Watts bleiben. In unseren ersten Tests konnten wir keine nennenswerten Nachteile, zum Beispiel bei der Reichweite gegenüber dem Vorgänger feststellen. Das an sich ist bemerkenswert. Unabhängige Labortests dazu stehen aber noch aus.
Lenkverhalten und Pannenschutz
Die radiale Bauweise bringt theoretisch Risiken in puncto Lenkpräzision und Pannenschutz mit sich. Beim Hybrid Johnny Watts hat Schwalbe diese Themen aber gut im Griff. Sowohl das Lenkverhalten als auch der Pannenschutz bewegten sich auf gewohnt hohem Niveau. Nur wer mit hohem Gewicht und sehr niedrigem Luftdruck um 1,5 Bar unterwegs ist, kann den Hybrid Johnny Watts als leicht schwammig empfinden.
Erfahrungsgemäß fahren die meisten Tourenfahrer ihre Reifen aber lieber zu hart als zu weich. 3 Bar aus Angst vor Plattfüßen und höherem Rollwiderstand sind keine Seltenheit. Gerade sie profitieren von der Radialen Konstruktion, weil der neue Hybrid Johnny Watts eben auch bei höherem Luftdruck flexibel bleibt und sich souverän an den Untergrund anschmiegt.
Der Schwalbe Hybrid Johnny Watts ist mehr als ein Facelift – er ist ein echter Technologiesprung für den Tourenbereich. Grip und Komfort sind so entscheidend besser, dass an sich schon bemerkenswerte Vorteile wie der Wechsel zu tubelessfähiger Bauweise kaum noch eine Randnotiz Wert sind. Für die meisten Tourenfahrer, die sich ein sicheres Fahrgefühl und viel Komfort wünschen, ist das vielleicht sogar der beste Reifen am Markt. Angst vor erhöhtem Rollwiderstand muss man trotz der großen Aufstandsfläche nicht haben. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik

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