Neulich schrieb uns unsere Leserin Uschi: „Ich bin sehr lange nicht mehr mit dem Rennrad mit Klickpedalen gefahren und nun beginnt die neue Saison und ich möchte gerne wieder damit starten. Gibt es einen Trick, damit ich mich wieder sicher fühlen kann?“ Diese Frage haben wir aufgegriffen und mit Fachleuten darüber gesprochen, welche Vor- und Nachteile Klickpedale tatsächlich haben.
Bei Klickpedalen wird der Radschuh über einen speziellen Mechanismus fest mit dem Pedal verbunden. Gelöst wird die Verbindung durch eine Drehbewegung der Ferse nach außen. Anfangs wirkt das oft kompliziert, doch mit etwas Übung wird die Bewegung schnell zur Gewohnheit und bringt einige Vorteile mit sich.
„Du hast ein viel besseres Handling auf dem Fahrrad“, erklärt Sebastian Klaus, Diplom-Sportwissenschaftler und Gründer von Komsport in Köln. Und weiter: „Sobald diese Bewegung zum Automatismus geworden ist, bist du in Gefahrensituationen sofort draußen, ohne darüber nachzudenken.“
Vor allem auf unebenem Untergrund können Klickpedale zusätzliche Sicherheit bieten. Auf wurzeligen Wegen oder bei Nässe besteht bei normalen Plattformpedalen deutlich eher die Gefahr, abzurutschen. „Wenn du am Rhein langfährst, der Rheinradweg ist ja ganz häufig durchzogen von Wurzeln – mit normalen Pedalen rutschst du da einfach brutal weg“, sagt Klaus.
Wer sehen möchte, was mit einer festen Verbindung zwischen Fuß und Pedal möglich ist, kann einen Blick auf den Profisport werfen. Dort überwinden Fahrerinnen und Fahrer Hindernisse durch Sprünge, bei denen sie das gesamte Fahrrad aktiv anheben. Das funktioniert nur, weil die Füße fest mit den Pedalen verbunden sind.
Trotz der Vorteile gilt: Klickpedale sind nicht automatisch die sicherere Wahl. Sebastian Klaus sieht gerade bei Anfängerinnen und Anfängern einen wichtigen Punkt: „Für Anfänger finde ich es erstmal gefährlicher.“
Der Grund liegt im Ausklicken. Die seitliche Drehbewegung der Ferse gehört nicht zu den gewohnten Bewegungsmustern und muss zunächst erlernt werden. Solange dieser Ablauf nicht automatisiert ist, kann das Sturzrisiko tatsächlich erhöht sein.
Eindeutige Unfallstatistiken, die Klickpedale als eigenständigen Risikofaktor belegen, gibt es bislang nicht. Eine Fallstudie im British Journal of Sports Medicine aus dem Jahr 2004 beschrieb zwar Verletzungen bei Mountainbikern, die nicht rechtzeitig aus dem Pedal kamen. Die Autoren kamen jedoch zu dem Schluss, dass eine korrekte Einstellung der Auslösehärte die Unfälle wahrscheinlich verhindert hätte.
Entscheidend sind daher weniger die Pedale selbst als vielmehr eine passende Einstellung, ausreichend Übung und Geduld beim Umstieg.
Häufig wird bei Klickpedalen vom sogenannten „runden Tritt“ gesprochen, also vom aktiven Ziehen am Pedal während der Aufwärtsbewegung. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten jedoch keine eindeutige Effizienzsteigerung für normales Radfahren nachweisen.
Der eigentliche Vorteil liegt an anderer Stelle: Die feste Position des Fußes reduziert unerwünschte Bewegungen im Fuß- und Kniebereich und verhindert ein Abrutschen vom Pedal. Besonders auf langen Touren kann das helfen, Überlastungsbeschwerden vorzubeugen.
„Je steifer die Sohle und je stabiler der Fuß auf dem Pedal steht, desto weniger Rotation und Scherkräfte – und desto weniger Überlastung“, erläutert Klaus. „Darum geht es im Endeffekt: Je weniger Rotation wir im gesamten System haben, desto mehr Vortrieb.“
Es geht also nicht primär darum, aktiv nach oben zu ziehen, sondern das gesamte System aus Pedal, Schuh und Bein möglichst stabil zu halten. Genau dieses Prinzip lässt sich auch bei erfolgreichen Profiathletinnen und Profiathleten beobachten.
Die Ingenieurin und Radtrainerin Andrea Jeschke begleitet regelmäßig Menschen beim Einstieg in das Klicksystem. Ihr wichtigster Tipp lautet: „Die Auslösehärte auf minimal stellen. Das ist vielen gar nicht bewusst, dass das geht.“
Besonders geeignet für Einsteiger seien Shimano-SPD-Pedale aus dem Mountainbike-Bereich. Sie lassen sich sehr fein einstellen und können auch an vielen anderen Fahrradtypen problemlos verwendet werden.
Die Expertinnen und Experten empfehlen ein schrittweises Vorgehen:
Viele Menschen verzichten bewusst auf Klickpedale und fahren mit Turnschuhen oder Sneakern. Laut Sebastian Klaus ist dabei die Steifigkeit der Sohle entscheidend.
„Je weicher die Sohle ist, desto mehr Verwringung haben wir in dem Schuh und desto mehr Rotationen entstehen“, erklärt er. Dadurch geht nicht nur Kraft verloren. Die zusätzlichen Bewegungen können langfristig auch Kniebeschwerden begünstigen.
Sein Rat für Fahrerinnen und Fahrer ohne Klicksystem: Trailrunning-Schuhe. Diese verfügen meist über eine deutlich stabilere Sohle und eignen sich daher besser für sportliches Radfahren als viele klassische Freizeitschuhe. Stark gedämpfte Lifestyle-Sneaker hält Klaus dagegen eher für kurze Alltagswege als für längere sportliche Ausfahrten geeignet.
Auch ohne Klicksystem spielt die Wahl der Pedale eine wichtige Rolle. Sebastian Klaus empfiehlt robuste Flatpedale aus dem Mountainbike-Bereich, idealerweise aus Metall und mit Stahlpins.
Die kleinen Pins sorgen dafür, dass der Schuh zuverlässig auf dem Pedal haftet. Gerade bei Nässe bieten sie deutlich mehr Grip als einfache Kunststoffpedale, die an vielen Serienrädern montiert sind.
„Dann wird es wirklich gefährlich“, sagt Klaus über rutschige Plastikpedale. Zudem sei die Kraftübertragung bei solchen Modellen häufig deutlich schlechter.
Wer sich an Klickpedale noch nicht herantraut, kann Magnetpedale als Alternative ausprobieren. Hier halten Magnete im Schuh und auf dem Pedal den Fuß in Position. Gleichzeitig löst sich die Verbindung bei seitlichen Bewegungen sofort wieder. „Das ist ganz gut, wenn man sich nicht traut“, sagt Klaus.
Dennoch sieht er die Lösung eher als Zwischenschritt. Eine wirklich feste Verbindung zwischen Fahrer und Fahrrad entsteht nicht. Kommt Bewegung ins System, geht der Halt schnell verloren. Entsprechend fällt auch die Kraftübertragung schwächer aus als bei klassischen Klickpedalen. Magnetpedale können daher beim Einstieg helfen, ersetzen die Vorteile eines echten Klicksystems aber nur teilweise.

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