Wer baut die beste E-Bike Schiebehilfe?

Markus Greber

 · 21.09.2021

Wer baut die beste E-Bike Schiebehilfe?Foto: Markus Greber
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Wohl kein anderes E-Bike-Feature ist so unsexy wie die Schiebehilfe. Vielleicht der Grund für Motoren-Hersteller wie Bosch & Co., die Weiterentwicklung so lange verschoben zu haben. Wir haben acht Schiebehilfen an E-MTBs getestet.

Das Thema scheint in etwa so aufregend, als würde man über Reha-Geräte mit Krankenkassenzuzahlung diskutieren. Aber jeder, der auf E-Bike-Tour schon mal eine unfahrbare Passage überwinden musste, weiß die Vorteile einer funktionierenden Schiebehilfe am E-MTB zu schätzen. Und die Betonung liegt hierbei bewusst auf „funktionierend“, denn das war bis vor Kurzem gar nicht so selbstverständlich. Erst seitdem E-Bike-Motoren speziell für den Geländeeinsatz konzipiert wurden, hat die Schiebefunktion überhaupt Bedeutung erlangt. Denn vorher war sie eigentlich nur dazu gedacht, das E-Bike mal kurz die Tiefgaragenauffahrt oder über Treppen hochzubugsieren.

Die Schiebehilfe aktiviert man bei der alten Bosch Purion-Bedieneinheit so.Foto: Markus Greber
Die Schiebehilfe aktiviert man bei der alten Bosch Purion-Bedieneinheit so.

Entscheidend bei E-Bike Schiebehilfen: die Ergonomie des Bedienknopfes

Wer also seine Touren-Planung nicht nur auf einfache Schotterwege beschränkt, sondern in schwierigem Gelände unterwegs ist, der kann sich mit einem guten System einiges an Ärger und Kraft sparen. Um herauszufinden, welche E-Bike Schiebehilfen den Anforderungen in den unterschiedlichen Situationen am besten gerecht werden, haben wir die acht relevantesten Modelle zusammengetragen und sie nach festgelegten Kriterien auf einer repräsentativen Strecke getestet: ein steiler, verblockter Karrenweg mit Wurzeln und Felsklötzen, griffigen und rutschigen Passagen – das sollte den E-Bike-Systemen beim Schieben das Leben schwermachen. Den Trumpf hat dabei derjenige Motor auf seiner Seite, der in diesen Passagen kräftigen und möglichst gleichmäßigen Vortrieb liefert. Das wichtigste Kriterium aber, und das wissen wir nicht erst seit diesem Test, ist die Ergonomie. Wer alle Hände voll damit zu tun hat, ein Bike jenseits der 20 Kilo einen steilen Trail hochzuschieben, gleichzeitig aber mit dem Daumen ein kleines, schwer erreichbares Knöpfchen gedrückt halten soll, der kommt nach kürzester Zeit an seine Grenzen.

  100 % ergonomisch: Der MacGyver-Trick mit einem Stück Fahrradschlauch und einem eingetapten Kieselstein. Diese Idee sparte dem Autor dieses Tests auf einer Alpenüberquerung viel Kraft und Nerven. Bei Bedarf einfach über die Bosch-Kiox-Bedieneinheit gezogen und den Schiebehilfenschalter blockiert, hat man freie Wahl bei der Griffposition. Sicher gibt es aber auch andere McGyver-Lösun­­gen – der Krea­tivität sind hier keine Grenzen gesetzt.Foto: Markus Greber
100 % ergonomisch: Der MacGyver-Trick mit einem Stück Fahrradschlauch und einem eingetapten Kieselstein. Diese Idee sparte dem Autor dieses Tests auf einer Alpenüberquerung viel Kraft und Nerven. Bei Bedarf einfach über die Bosch-Kiox-Bedieneinheit gezogen und den Schiebehilfenschalter blockiert, hat man freie Wahl bei der Griffposition. Sicher gibt es aber auch andere McGyver-Lösun­­gen – der Krea­tivität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Ideallösung bei Schiebehilfen am E-MTB gibt es bisher nicht

Als ergonomisch einigermaßen gelungen empfanden wir nur die Tasten der Brose-Bedieneinheit am Rotwild sowie das in die Jahre gekommene erste Bosch-Purion-System. Beide E-Bike Schiebehilfen funktionieren sehr leichtgängig und besitzen einen klar spürbaren Druckpunkt. Die Ideallösung allerdings gibt es bisher nicht. Wie die aussähe? Auf unseren Wunschzettel haben wir eine arretierbare Schiebehilfe notiert. Welcher Motoren-Produzent oder E-Bike-Hersteller dieses Feature als erster im Rahmen der engen Gesetzesvorschriften durchbringt, wird sich sicher einen Marktvorteil verschaffen. In einer anderen Frage dürfte sich wohl kaum etwas machen lassen: bei der Maximalgeschwindigkeit für E-Bike Schiebehilfen. Die hat der Gesetzgeber auf 6 km/h festgelegt.

Bei Specialized E-Bikes wird die Schiebehilfe mit nur einem Knopfdruck aktiviert. Dieser sitzt beim Turbo Levo unter der Bedieneinheit, die man aus ergonomischen Gründen weit nach oben drehen muss.Foto: Markus Greber
Bei Specialized E-Bikes wird die Schiebehilfe mit nur einem Knopfdruck aktiviert. Dieser sitzt beim Turbo Levo unter der Bedieneinheit, die man aus ergonomischen Gründen weit nach oben drehen muss.

Yamaha und TQ liefern die einzigen Schiebehilfen in unserem Test, bei denen sich die Geschwindigkeit einstellen lässt.

Den kompletten Vergleichstest der acht Schiebehilfen aus EMTB 2/2021 können Sie bequem unter dem Artikel als PDF herunterladen. Der Test kostet 1,99 Euro.

Diese E-Bike-Schiebehilfen haben wir getestet

  • Bosch Kiox | Bosch Purion
  • Mahle | Specialized Levo SL
  • Brose | Specialized Levo
  • Brose | Rotwild
  • Giant Syncdrive
  • Shimano EP8
  • TQ
  • Yamaha PW-X2
Bosch Kiox | Bosch Purion
Foto: Markus Greber

Nach diesen Kriterien haben wir die E-Bike Schiebehilfen getestet

Ergonomie

Position, Ansprechver­halten und Kraftaufwand, um den Schiebehilfenknopf zu betätigen. Hier ist noch viel Luft nach oben.

Geschwindigkeit

Nicht zu schnell und nicht zu langsam: Die Schiebegeschwindigkeit sollte der Laufgeschwindigkeit auf einem steilen Trail angepasst sein.

Einstellbarkeit der Geschwindigkeit

Im Idealfall lässt sich die Schiebegeschwindigkeit an die Gegebenheiten anpassen.

Kraft

Eine gute Schiebehilfe muss in der Lage sein, mit Druck auf dem Sattel Traktion am Hinterrad aufzubauen. Nur dann ist sie auf steilen, rutschigen Trails eine echte Hilfe.

Ansprechverhalten

Reagiert das System sofort oder mit Verzögerung, weich oder abrupt? Das Ansprechverhalten beschreibt, wie die Schiebehilfe direkt nach dem Knopfdruck reagiert.

Das Schieben mit dem Shimano EP8 E-Bike-Motor funktioniert zuverlässig. Die Verzögerung bei der Erstaktivierung der Schiebehilfe ist allerdings lästig.Foto: Markus Greber
Das Schieben mit dem Shimano EP8 E-Bike-Motor funktioniert zuverlässig. Die Verzögerung bei der Erstaktivierung der Schiebehilfe ist allerdings lästig.

Memory-Effekt

Ob mit Absicht oder versehentlich – manchmal rutscht der Finger vom Schiebehilfenknopf, und der Motor stoppt. Wie schnell lässt sich das System reaktivieren? Am besten sofort und ohne Verzögerung dank Memory-Effekt.

Hindernis

Auf plötzliche Hindernisse reagieren manche E-Bike Schiebehilfen allergisch und stoppen. Das ist natürlich auf dem Trail ärgerlich. Also ein wichtiges Kriterium.

Gleichmäßigkeit

Mal schnell, mal langsam, mal schwach, mal kräftig – dieses Verhalten mancher E-MTB-Antriebe beim Schieben nervt. Eine gute Schiebehilfe liefert spürbaren, konstanten Vortrieb in allen Situationen.

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