Seite 1: Test 2016: Spank Vibrocore

Nie mehr Arm-Pump mit dem Spank Vibrocore?

  • Christian Artmann
 • Publiziert vor 4 Jahren

An MTB-Lenkern wirken hochfrequente Erschütterungen, die Schmerzen und Ermüdung verursachen können. Spank will das Problem mit der Vibrocore-Technologie in Lenkern gelöst haben. Ist das gelungen?

Früher galt Komfort als fauler Bruder von Performance, ein komfortables Bike als träger Grenzgänger zwischen Mountain- und Trekkingbike. Bis die Industrie lernte, komfortbringende Eigenschaften so gezielt einzusetzen, dass sie die sportlichen Attribute eines Bikes nicht gefährdeten, sondern sogar förderten. Komfortsattelstützen, flexende Sitzstreben, dämpfende Reifen – was auf den ersten Blick physikalische Nachteile nahelegt, kann am Ende durch biomechanische Vorteile zu einem Leistungsgewinn führen.

Viele Hersteller widmen sich mittlerweile dieser Frage: Wie kann man den Spaß am Biken fördern, ohne Abstriche in Sachen Performance machen zu müssen? Spank, seit Jahren eine feste Größe im Komponentenmarkt, hat es sich zum Beispiel zur Aufgabe gemacht, den perfekten Gravity-Lenker zu konstruieren. Perfekt heißt: stabil, steif, leicht und direkt im Handling, aber dennoch komfortabel. Damit die Aufgabe nicht zu leicht wird, schrieben die Produkt-Manager ihren Ingenieuren zwei weitere Ziele ins Pflichtenheft: Anders als die meisten Highend-Carbon-Lenker, sollte der neue Spank-Bar auch recycle- und bezahlbar sein.

Der Stein des Anstoßes zu diesem Projekt kam von Fabien Cousinie, Manager und Racer des von Spank gesponsorten United Ride Teams. Cousinie bekam vom Biken ständig taube Hände und Arme. Das als "Arm-Pump" bekannte Syndrom betrifft alle möglichen Personengruppen, die es mit Vibrationen zu tun haben – Bauarbeiter, Motorradfahrer, Schreiner zum Beispiel. Die steten, hochfrequenten Erschütterungen führen zur Taubheit einzelner Nervenstränge in Händen und Armen und in Folge dessen zu einer unterbewussten Fehleinschätzung der Griffstärke. Dadurch greift man noch fester zu, was die Muskulatur noch schneller ermüdet.

Wie also kann man einen Lenker steif und leicht bauen und gleichzeitig die hochfrequenten Schwingungen absorbieren? Als Basis nahmen die Spank-Ingenieure die hauseigenen, mehrfach konifizierten Alu-Lenker. Diese wurden mit unterschiedlichen Hightech-Schäumen kombiniert. Nach zwei Jahren war Vibrocore geboren, ein komplexer, aufwändig zu verarbeitender Mehrkomponentenschaum. Die Vibrocore-Füllung des Spank-Lenkers wiegt nur 20 Gramm, soll aber die hochfrequenten Vibrationen dämpfen und den Lenker zusätzlich haltbarer gegen Materialermüdung machen. Soweit die Aussagen des Herstellers. Diverse Spank-Team-Fahrer bestätigen den positiven Effekt auf langen Abfahrten. Für uns noch lange kein Beweis. Deswegen haben wir einen Spank-Vibrocore-Lenker mit Messelektronik ausgestattet und ausgiebig in der Praxis getestet.

So haben wir den Spank Vibrocore getestet


Shift-up: Das 2010 gegründete Ingenieursbüro besteht aus zwei Personen und arbeitet als Beratungsfirma für unterschiedliche Kunden. Die Fahrtests für den Innovations-Check führte BIKE zusammen mit Pierre-Geoffroy Plantet durch, der neben seinem Ingenieursberuf aktiver Cross-Country-Weltcup-Fahrer ist. Mit ihren selbst entwickelten Sensoren wirkte Shift-Up bereits für die Accell-Gruppe am E:i-Shock-System mit. Kunden wie SR Suntour oder Bosch zählen zum Kundenstamm und nutzen das Messequipment.

Neben den normalen Testrunden wurden auch Messfahrten mit Beschleunigungsmessern an Lenker (im Bild) und Vorbau unternommen. Die dabei aufgezeichneten Kurven zeigen die Beschleunigungswerte (s.u.).


Zum Messsystem: Neben Wegsensoren, mit denen sich beispielsweise Federwege an Gabel und Dämpfer aufzeichnen lassen, entwickelt Shift-Up unterschiedliche Dreiachs-Beschleunigungssensoren. Im Gegensatz zu vielen anderen Datarecording-Systemen am Markt übertragen die Sensoren die Daten drahtlos per Bluetooth an ein Iphone, was die Handhabung stark erleichtert. Mit den speziellen Sensoren lässt sich bereits im Sensor der Durchschnitt aus den Erschütterungen bilden, wodurch sich die Datenmenge selbst bei längeren Testfahrten in Grenzen hält. Dadurch waren Testrunden von 17 Minuten Länge kein Problem und lieferten ausreichend Messdaten, um die drei Lenker genau miteinander zu vergleichen. Der abgedeckte Frequenzbereich reicht bis 500 Hz.

Hier der Beschleunigungsmesser am Vorbau. Die Vibrationen am Vorbau (ungefiltert) wurden mit denen an den Lenkerenden verglichen.


Die Messergebnisse: Spike 800: 97,55 %, Spike 800 Vibrocore: 98,41 %, Syntace Carbon: 98,78 %. Je kleiner die Zahl, desto stärker die Dämpfung. 100 % bedeutet: alle Vibrationen/Frequenzen werden ungefiltert weitergegeben.

Die Kurven zeigen die Beschleunigungswerte bei unseren Messfahrten.

Die Kurven zeigen die Beschleunigungswerte aus den Messfahrten. Die blaue Kurve bildet die Beschleunigungswerte vom Vorbau ab (ungefiltert), die rote Kurve zeigt die Beschleunigungswerte an den Lenkerenden. Der dämpfende Effekt von Vibrocore fällt demnach sehr gering aus. www.shift-up-engineering.com

"Ich hatte schwer unter dem Arm-Pump-Syndrom zu leiden. Nicht mal eine OP half. Das war der Anstoß, Vibrocore zu entwickeln. Wir haben mit Mick und Tracey Hannah intensiv getestet. Selbst in Blindtests – mit und ohne Vibrocore – fiel uns das direktere Feedback mit Vibrocore auf. Man merkt es allerdings noch deutlicher im Langzeiteinsatz." (Fabien Cousinie, Manager/Racer United Ride Team)

Unser Test-Fazit zum Spank Vibrocore

In den Spank-Lenkern steckt viel Knowhow. Sie sind durch die aufwändige Konifizierung angenehm zu fahren, leicht und bezahlbar. Und die eigentliche Innovation? Der vermeintliche Vorteil von Vibrocore war nicht nachzuweisen.

Vielleicht braucht es das Fingerspitzengefühl eines Downhill-Profis oder eben die Vorbelastung durch das Arm-Pump-Syndrom, um die positive Wirkung von Vibrocore zu erspüren. Unserem Testteam war es jedenfalls nicht vergönnt, in der Praxis einen Unterschied zwischen dem Spank Spike 800 Race mit und ohne Vibrocore und dem Syntace-Carbon-Referenzlenker zu erfühlen. Dennoch: Beide Spank-Lenker fahren sich für so direkte Alu-Lenker sehr komfortabel – nur einen Effekt von Vibrocore konnten wir im Test nicht spüren. Deswegen haben wir das Team von Shift-Up bemüht, die Vorzüge wenigstens messtechnisch nachzuweisen. Doch auch hier liegen die Ergebnisse so nahe beieinander, dass selbst geringste Änderungen im Reifendruck mehr Wirkung für den Fahrer haben. Der Spike 800 ohne Vibrocore war dabei sowohl subjektiv als auch messtechnisch der komfortabelste, wenn auch nur um Haaresbreite.


Fazit: Unsere Messfahrten und unser Praxiseindruck auf normalen Trails zeigen keinen verifizierbaren Komfortgewinn. Dennoch können wir nicht ausschließen, dass Vibrocore einen positiven Effekt auf sehr langen und harten Abfahrten hat.

Chris Artmann, BIKE-Tester


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    Teil 2: Die Spank-Lenker mit Vibrocore

Themen: Innovations CheckLenkerSpankTestVibrocore


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