Dünn oder dickSo wählst du die richtigen MTB-Griffe für deine Hände

Stefan Frey

 · 30.07.2026

Dünn oder dick: So wählst du die richtigen MTB-Griffe für deine HändeFoto: Georg Grieshaber
Einfach zugreifen? In der Regel keine gute Idee. Wir erklären, warum es bei der Wahl des passenden Griffs vor allem auf die Größe ankommt und wie man das ideale Modell findet.
Dünne Griffe geben Kontrolle, dicke Griffe spenden Komfort? Das ist nur die halbe Wahrheit. Denn die Wahl des richtigen MTB-Griffs hängt stark von der Größe der Hände und auch vom Einsatzbereich ab. Welche Probleme die falsche Griffgröße verursachen kann und wie man den individuell passenden Griff findet, verraten wir in dieser Kaufberatung.

Themen in diesem Artikel

Viele Mountainbiker verbringen Stunden damit, die optimale Reifenmischung zu finden, die Fahrwerksabstimmung zu perfektionieren oder den passenden Lenker auszuwählen. Beim Thema Griffe fällt die Entscheidung dagegen oft nebenbei: Farbe gefällt, Profil sieht griffig aus, gekauft.

Ein Fehler, wie sich spätestens auf langen Abfahrten zeigt. Denn die Griffstärke zählt zu den wichtigsten Faktoren für Komfort, Kontrolle und Sicherheit auf dem Mountainbike. Ist der Durchmesser zu klein oder zu groß gewählt, drohen taube Finger, schmerzende Handballen oder frühzeitig ermüdende Unterarme.

Doch welche Griffdicke passt zu welcher Handgröße? Gibt es überhaupt eine ideale Größe? Und warum fahren manche Enduro-Profis bewusst dickere Griffe als XC-Racer? Wir erklären, wie du die perfekte Griffstärke für dein Mountainbike findest.


Warum die Griffdicke so entscheidend ist

Der Griff bildet die direkte Verbindung zwischen Fahrer und Bike. Über ihn werden Lenkimpulse übertragen, Schläge absorbiert und Bremsmanöver kontrolliert.

Das Problem: Unsere Hände arbeiten dabei permanent unter Belastung. Auf ruppigen Trails entsteht ein ständiger Wechsel aus Halten, Stabilisieren und Bremsen. Schon kleine Unterschiede beim Griffdurchmesser können deshalb große Auswirkungen auf das Fahrgefühl haben.

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Die Griffdicke beeinflusst:

  • Kraftaufwand beim Greifen
  • Druckverteilung in der Hand
  • Kontrolle über das Bike
  • Vibrationsdämpfung
  • Ergonomie der Fingerhaltung
  • Ermüdung von Händen und Unterarmen

Anders gesagt: Die falsche Größe kann selbst den besten Griff zu einer schlechten Wahl machen.


Was passiert bei zu dünnen Griffen?

Auf den ersten Blick wirken dünne Griffe oft sportlich und direkt. Tatsächlich erfreuen sie sich besonders bei vielen XC- und Marathon-Fahrern großer Beliebtheit. Doch sie haben auch Nachteile: Ist der Griff für die eigene Hand zu klein, muss die Hand stärker geschlossen werden. Die Finger umklammern den Lenker stärker und die Muskulatur steht permanent unter Spannung.

Typische Folgen:

  • Höherer Druck auf den Handballen
  • Schnellere Ermüdung der Finger
  • Mehr Belastung für die Unterarme
  • Höheres Risiko für Arm Pump
  • Taubheitsgefühle auf langen Abfahrten

Gerade Fahrer mit großen Händen berichten häufig, dass sie unbewusst deutlich fester zupacken müssen, wenn die Griffe zu dünn ausfallen.


Was passiert bei zu dicken Griffen?

Das andere Extrem ist ebenfalls problematisch. Ein überdimensionierter Griff kann verhindern, dass die Finger den Lenker sicher umschließen. Die Hand verliert an Feinmotorik und Gefühl für den Untergrund.

Typische Folgen:

  • Weniger direkten Kontakt zum Bike
  • Eingeschränktes Lenkgefühl
  • Höherer Kraftaufwand beim Bremsen
  • Schlechteres Gefühl für technische Passagen

Besonders Fahrer mit kleineren Händen haben häufig Schwierigkeiten, dicke Griffe sauber zu kontrollieren. Das Bike fühlt sich dann oft weniger präzise an, obwohl der Griff eigentlich mehr Komfort bieten soll.


Die Faustregel: Handgröße entscheidet

Eine allgemeingültige Formel gibt es zwar nicht, dennoch dient die Handgröße als guter Ausgangspunkt. Gemessen wird hierfür in der Regel der Abstand zwischen der Spitze des Mittelfingers und der Daumenbeuge. Eine grobe Einteilung der Größen lässt sich in etwa so vornehmen:

Kleine Hände - bis ca. 13 cm Länge

Typischerweise geeignet:

  • Dünnere Griffe
  • Durchmesser zwischen 28 und 30 Millimetern

Vorteile:

  • Bessere Umgreifbarkeit
  • Mehr Kontrolle
  • Leichteres Erreichen der Bremshebel

Besonders interessant für:

  • Frauen
  • Jugendliche
  • Fahrer mit kurzen Fingern

Mittlere Handgrößen - bis ca. 15 cm Länge

Typischerweise geeignet:

  • Griffe mit 30 bis 32 Millimetern Durchmesser

Vorteile:

  • Gute Mischung aus Kontrolle und Komfort
  • Universell einsetzbar
  • Größte Modellauswahl am Markt

Diese Kategorie bildet den klassischen Allroundbereich.


Große Hände - ab ca. 15 cm Länge aufwärts

Typischerweise geeignet:

  • Griffe ab 32 Millimeter
  • Komfortmodelle mit 34 Millimeter oder mehr

Vorteile:

  • Weniger Druckpunkte
  • Entspannte Fingerhaltung
  • Mehr Komfort auf langen Abfahrten

Besonders Enduro- und E-MTB-Fahrer profitieren häufig von größeren Durchmessern.


Griffdicke und Arm Pump – der oft unterschätzte Zusammenhang

Kaum ein Thema wird im Gravity-Bereich häufiger diskutiert als Arm Pump. Das schmerzhafte Anschwellen der Unterarmmuskulatur entsteht durch dauerhafte Belastung und eingeschränkte Durchblutung. Die Griffstärke spielt dabei eine größere Rolle als viele denken.

Ist der Griff zu dünn:

  • Die Finger müssen stärker greifen.
  • Die Muskulatur arbeitet permanent.
  • Die Unterarme ermüden schneller.

Ein etwas größerer Griff kann die Hand entspannen und den notwendigen Kraftaufwand reduzieren. Deshalb wechseln viele Fahrer vor einer teuren Fahrwerks- oder Bremsenoptimierung zunächst ihre Griffe.


Die perfekte Griffstärke finden – ein einfacher Praxistest

Die einfachste Methode ist überraschend unkompliziert. Greife einen montierten Griff in normaler Fahrposition. Achte dabei auf folgende Punkte:

  • Die Fingerspitzen sollten die Handfläche nicht berühren.
  • Die Hand sollte den Griff locker umschließen können.
  • Der Griff darf nicht das Gefühl vermitteln, "verloren" in der Hand zu liegen.
  • Die Bremshebel müssen bequem erreichbar bleiben.
  • Die Handmuskulatur sollte auch nach einigen Minuten entspannt bleiben.

Treten bereits im Stand Druckgefühle oder Verkrampfungen auf, passt der Durchmesser meist nicht optimal.


Diese Anzeichen sprechen für einen Griffwechsel

Viele Fahrer gewöhnen sich an Beschwerden und halten sie für normal. Dabei liefern die Hände oft deutliche Warnsignale. Ein anderer Griffdurchmesser kann sinnvoll sein, wenn:

  • Die Finger häufig einschlafen
  • Die Unterarme schnell ermüden
  • Handballen schmerzen
  • Die Hände verkrampfen
  • Der Lenker ständig zu fest gehalten wird
  • Die Kontrolle auf langen Abfahrten nachlässt

In vielen Fällen lässt sich das Problem mit einem Griffwechsel für wenige Euro deutlich verbessern.


Komfort oder Kontrolle – muss man sich entscheiden?

Die gute Nachricht: Moderne MTB-Griffe schaffen heute häufig beides. Viele Hersteller kombinieren größere Durchmesser für mehr Komfort mit weichen Lamellenzonen für bessere Dämpfung. Einige Griffe am Markt setzen an neuralgischen Zonen auf einen dünneren Kunststoffkern oder verzichten stellenweise ganz darauf. Das ermöglicht den Einsatz von Mehr Material zur besseren Dämpfung. Und zuletzt können auch unterschiedliche Gummimischungen in ein und demselben Griff kombiniert werden, um das Maximum an Grip und Dämpfung herauszuholen.


Fazit: Die ideale Griffstärke ist so individuell wie deine Hand

Die Wahl des richtigen Griffdurchmessers zählt zu den am stärksten unterschätzten Themen am Mountainbike. Dabei hat kaum ein anderes Bauteil für so wenig Geld einen vergleichbaren Einfluss auf Komfort, Kontrolle und Fahrspaß.

Wer häufig mit müden Unterarmen, tauben Fingern oder schmerzenden Händen kämpft, sollte nicht sofort das Fahrwerk, den Lenker oder die Bremsen verdächtigen. Oft steckt die Ursache schlicht in der falschen Griffstärke.

Mein Tipp: Kaufe auf keinen Fall Griffe rein nach Farbe oder Aussehen. Die Größe deiner Hand, der Einsatzbereich und ein kurzer Praxis-Check helfen dir verlässlich bei der Wahl des passenden Modells.

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Stefan Frey

Stefan Frey

Redakteur

Stefan Frey ist Niederbayer, er liebt die moosig-lehmigen Trails des Bayerischen Waldes ebenso wie den schroffen Fels der Dolomiten. Für technische Abfahrten nimmt er nahezu jeden Anstieg in Kauf – gerne aus eigener Kraft. Als Zubehör-Spezialist ist er die erste Anlaufstelle bei Fragen zu Ausrüstung und Anbauteilen, während er als Textchef die Sprachkrümel von den Seiten der BIKE-Print-Ausgaben fegt.

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