Viele Mountainbiker verbringen Stunden damit, die optimale Reifenmischung zu finden, die Fahrwerksabstimmung zu perfektionieren oder den passenden Lenker auszuwählen. Beim Thema Griffe fällt die Entscheidung dagegen oft nebenbei: Farbe gefällt, Profil sieht griffig aus, gekauft.
Ein Fehler, wie sich spätestens auf langen Abfahrten zeigt. Denn die Griffstärke zählt zu den wichtigsten Faktoren für Komfort, Kontrolle und Sicherheit auf dem Mountainbike. Ist der Durchmesser zu klein oder zu groß gewählt, drohen taube Finger, schmerzende Handballen oder frühzeitig ermüdende Unterarme.
Doch welche Griffdicke passt zu welcher Handgröße? Gibt es überhaupt eine ideale Größe? Und warum fahren manche Enduro-Profis bewusst dickere Griffe als XC-Racer? Wir erklären, wie du die perfekte Griffstärke für dein Mountainbike findest.
Der Griff bildet die direkte Verbindung zwischen Fahrer und Bike. Über ihn werden Lenkimpulse übertragen, Schläge absorbiert und Bremsmanöver kontrolliert.
Das Problem: Unsere Hände arbeiten dabei permanent unter Belastung. Auf ruppigen Trails entsteht ein ständiger Wechsel aus Halten, Stabilisieren und Bremsen. Schon kleine Unterschiede beim Griffdurchmesser können deshalb große Auswirkungen auf das Fahrgefühl haben.
Die Griffdicke beeinflusst:
Anders gesagt: Die falsche Größe kann selbst den besten Griff zu einer schlechten Wahl machen.
Auf den ersten Blick wirken dünne Griffe oft sportlich und direkt. Tatsächlich erfreuen sie sich besonders bei vielen XC- und Marathon-Fahrern großer Beliebtheit. Doch sie haben auch Nachteile: Ist der Griff für die eigene Hand zu klein, muss die Hand stärker geschlossen werden. Die Finger umklammern den Lenker stärker und die Muskulatur steht permanent unter Spannung.
Typische Folgen:
Gerade Fahrer mit großen Händen berichten häufig, dass sie unbewusst deutlich fester zupacken müssen, wenn die Griffe zu dünn ausfallen.
Das andere Extrem ist ebenfalls problematisch. Ein überdimensionierter Griff kann verhindern, dass die Finger den Lenker sicher umschließen. Die Hand verliert an Feinmotorik und Gefühl für den Untergrund.
Typische Folgen:
Besonders Fahrer mit kleineren Händen haben häufig Schwierigkeiten, dicke Griffe sauber zu kontrollieren. Das Bike fühlt sich dann oft weniger präzise an, obwohl der Griff eigentlich mehr Komfort bieten soll.
Eine allgemeingültige Formel gibt es zwar nicht, dennoch dient die Handgröße als guter Ausgangspunkt. Gemessen wird hierfür in der Regel der Abstand zwischen der Spitze des Mittelfingers und der Daumenbeuge. Eine grobe Einteilung der Größen lässt sich in etwa so vornehmen:
Typischerweise geeignet:
Vorteile:
Besonders interessant für:
Typischerweise geeignet:
Vorteile:
Diese Kategorie bildet den klassischen Allroundbereich.
Typischerweise geeignet:
Vorteile:
Besonders Enduro- und E-MTB-Fahrer profitieren häufig von größeren Durchmessern.
Kaum ein Thema wird im Gravity-Bereich häufiger diskutiert als Arm Pump. Das schmerzhafte Anschwellen der Unterarmmuskulatur entsteht durch dauerhafte Belastung und eingeschränkte Durchblutung. Die Griffstärke spielt dabei eine größere Rolle als viele denken.
Ist der Griff zu dünn:
Ein etwas größerer Griff kann die Hand entspannen und den notwendigen Kraftaufwand reduzieren. Deshalb wechseln viele Fahrer vor einer teuren Fahrwerks- oder Bremsenoptimierung zunächst ihre Griffe.
Die einfachste Methode ist überraschend unkompliziert. Greife einen montierten Griff in normaler Fahrposition. Achte dabei auf folgende Punkte:
Treten bereits im Stand Druckgefühle oder Verkrampfungen auf, passt der Durchmesser meist nicht optimal.
Viele Fahrer gewöhnen sich an Beschwerden und halten sie für normal. Dabei liefern die Hände oft deutliche Warnsignale. Ein anderer Griffdurchmesser kann sinnvoll sein, wenn:
In vielen Fällen lässt sich das Problem mit einem Griffwechsel für wenige Euro deutlich verbessern.
Die gute Nachricht: Moderne MTB-Griffe schaffen heute häufig beides. Viele Hersteller kombinieren größere Durchmesser für mehr Komfort mit weichen Lamellenzonen für bessere Dämpfung. Einige Griffe am Markt setzen an neuralgischen Zonen auf einen dünneren Kunststoffkern oder verzichten stellenweise ganz darauf. Das ermöglicht den Einsatz von Mehr Material zur besseren Dämpfung. Und zuletzt können auch unterschiedliche Gummimischungen in ein und demselben Griff kombiniert werden, um das Maximum an Grip und Dämpfung herauszuholen.
Die Wahl des richtigen Griffdurchmessers zählt zu den am stärksten unterschätzten Themen am Mountainbike. Dabei hat kaum ein anderes Bauteil für so wenig Geld einen vergleichbaren Einfluss auf Komfort, Kontrolle und Fahrspaß.
Wer häufig mit müden Unterarmen, tauben Fingern oder schmerzenden Händen kämpft, sollte nicht sofort das Fahrwerk, den Lenker oder die Bremsen verdächtigen. Oft steckt die Ursache schlicht in der falschen Griffstärke.
Mein Tipp: Kaufe auf keinen Fall Griffe rein nach Farbe oder Aussehen. Die Größe deiner Hand, der Einsatzbereich und ein kurzer Praxis-Check helfen dir verlässlich bei der Wahl des passenden Modells.

Redakteur
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