Pro/ConWie laut darf ein MTB-Freilauf sein? Zwei Typen, zwei Meinungen

Laurin Lehner

 · 09.08.2026

Pro/Con: Wie laut darf ein MTB-Freilauf sein? Zwei Typen, zwei MeinungenFoto: Max Fuchs
Lange galt: Je lauter, desto cooler. Der aggressive Freilauf-Sound war auf dem Trail fast ein Statussymbol – „Hört her, ich komme." Doch der Trend dreht sich.
​Laut und lärmig, oder leise und lauernd? Wie laut darf ein Freilauf sein? Je lauter, umso besser? Zwei Typen, zwei Meinungen.

Der Freilauf ist das Herzstück der Hinterradnabe. Er verbindet die Kassette (Ritzelpaket) mit der Nabe – aber nur in eine Richtung. Trittst du in die Pedale, greift er und überträgt die Kraft. Hörst du auf zu treten, entkoppelt er – das Rad rollt, die Pedale bleiben still. Simpel, genial, unverzichtbar.

Woher kommt das Geräusch?

Im Inneren arbeiten meist Sperrklinken – kleine gefederte Zähne, die in ein Ratschenrad einrasten. Beim Freilaufen gleiten sie über die Zähne: tick-tick-tick. Je mehr Zähne, desto mehr Klicks pro Umdrehung – desto lauter.

Warum laut – warum leise?

Laut: Viele Zähne, wenig Schmierung, harte Materialien. Systeme wie der Star Ratchet von DT Swiss sind berühmt-berüchtigt für ihren aggressiven Sound.

Leise: Viel Fett, Rollenkupplungen oder speziell gedämpfte Mechanismen schlucken das Geräusch fast vollständig.

Der Trend

Lange galt: Je lauter, desto cooler. Der aggressive Freilauf-Sound war auf dem Trail fast ein Statussymbol – „Hört her, ich komme." Chris King baute regelrechte Kultnaben rund um diesen Sound.

Doch der Trend dreht sich. Besonders im Trail- und Naturschutzbereich wächst der Wunsch nach leisen Freiläufen – um Wildtiere nicht zu stören und einfach die Natur zu genießen. Zwei Lager, zwei Religionen – der Streit ist so alt wie der Sport selbst.

Pro: Henri Lesewitz

​„Nichts nervt beim Biken so sehr wie Geräusche. Schreien, Knacken, Knarzen, das alles ist wie Splitter für die Nerven. Die Sinfonie eines Freilaufs dagegen verzückt mich zutiefst. Jede Nabe hat ihren eigenen Sound. Manche heulen schrill und heißer auf, andere rattern dumpf grollend vor sich hin. Freilauf-Sound ist der Flirt von Fahrer und Maschine. Speed wird von Bike in Melodie transferiert. Der Klang hängt vom Material und von der Mechanik der Nabe ab. Früher habe ich das Fett aus dem Freilauf gewischt, um dem Sound zu verstärken. Heute gibt es eine breite Auswahl an wohlklingenden Naben. Mein Lieblings-Sound ist der von Chris King. Angry Bee“.
“Freilauf-Sound ist der Flirt von Fahrer und Maschine”, sagt Lesewitz.Foto: Henri Lesewitz“Freilauf-Sound ist der Flirt von Fahrer und Maschine”, sagt Lesewitz.

Contra: Dimitri Lehner

​„Die Welt mutiert zur Boombox, so kommt es mir vor. Kein Ort, wo man nicht beschallt wird. Das ist Folter für die Seele! Daher achte ich darauf, niemanden mit Lärm zu nerven. Erst recht nicht in der Natur. Zwischen Farnen und Buchen will ich lautlos unterwegs sein – wie ein Uhu in Pirschflug. Ob mit Mountainbike oder Gravelbike. Das Surren der Hinterradnabe wirkt im Wald wie eine Kreissäge im Petersdom. Okay, auf Asphalt lass ich mir das Knattern der Naben noch eingehen, ob als Klingelersatz, Imponiergehabe, Wichtigteuerei oder Penisverlängerung. Doch im Wald will ich bitte nur echte Bienen summen hören“.
“Im Wald  will ich bitte nur echte Bienen summen hören“, sagt Dimitri Lehner.Foto: Laurin Lehner“Im Wald will ich bitte nur echte Bienen summen hören“, sagt Dimitri Lehner.

Artikel teilen:
Kommentare

Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.

Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

Meistgelesen in der Rubrik Komponenten

Shorts