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Tune geht mit dem Nano Gravel 45 einen interessanten Weg: Statt auf maximalen Leichtbau zu setzen, präsentieren die Badener einen durchdachten Kompromiss aus niedrigem Gewicht, aerodynamischer Effizienz und breit gefächerter Einsetzbarkeit. Die 45 mm hohe Carbonfelge positioniert den Laufradsatz zwischen klassisch-niedrigen Gravel-Laufrädern und aerodynamisch optimierten Road-Modellen.
Mit einer Innenbreite von 30 mm folgt Tune dem aktuellen Trend zu breiteren Felgen. Das ermöglicht den Einsatz voluminöser Gravel-Reifen bei gleichzeitig niedrigerem Luftdruck – ein Vorteil bei Komfort, Grip und Pannenschutz auf rauem Untergrund. Die Außenbreite von 36 mm sorgt für eine saubere Aerodynamik, wenn schmälere Reifen montiert werden.
Bemerkenswert ist die von Tune kommunizierte Reifenkompatibilität: Von 38 bis hin zu satten 66 mm sollen die Nano eine gute Figur machen. Das erweitert das Einsatzspektrum erheblich – vom schnellen 40-mm-Rennreifen bis zum voluminösen 66-mm-Pneu für anspruchsvolles Gelände.
Während viele Hersteller bei modernen Carbon-Laufrädern auf Hookless-Technologie setzen, geht Tune bewusst den traditionellen Weg: Die Nano Gravel 45 verfügt über klassische Hooked-Felgen mit Felgenhorn. Das schränkt zwar die Tubeless-Performance minimal ein, erhöht aber die Reifenkompatibilität und bietet ein zusätzliches Sicherheitsnetz – gerade bei höheren Drücken oder extremen Bedingungen.
Mit 1355 Gramm (±3%) bewegt sich der Laufradsatz im oberen Mittelfeld der Leichtbau-Liga. Zum Vergleich: Reine Leichtbau-Laufräder kratzen an der 1200-Gramm-Marke, während robuste Gravel-Wheelsets oft über 1500 Gramm wiegen. Tune positioniert sich hier als goldener Mittelweg und gibt gleichzeitig ein maximales Systemgewicht von 130 kg an – deutlich mehr als bei vielen Ultraleicht-Konkurrenten.
Die hauseigene Nano CL Nabe mit POEntry-Technologie bietet 69 Rastpunkte für schnelles Engagement. Enduro-Lager in Stahl- oder Keramikausführung sind verfügbar, ebenso wie drei Farboptionen (Schwarz, Silber, Rot). Die Speichenbestückung erfolgt mit 24 SAPIM CX-Ray Speichen vorne und hinten – ein bewährter Standard bei hochwertigen Laufrädern.
Tune bewirbt den Nano Gravel 45 als "Schweizer Taschenmesser". Tatsächlich aber scheint die Auslegung durchdacht: Die 45-mm-Felgenhöhe bringt aerodynamische Vorteile bei höherem Tempo, ohne bei Seitenwind zur Belastung zu werden. Die breite Felge ermöglicht moderne Reifensetups, während die Hooked-Bauweise Kompatibilität sichert.
Ob sich das Konzept in der Praxis bewährt, wird sich zeigen. Für Race-orientierte Gravel-Fahrer, die auch mal auf Asphalt unterwegs sind, dürfte der Mix aber interessant sein. Auch für Bikepacker, die Wert auf geringes Gewicht legen, ohne Kompromisse bei der Stabilität einzugehen, ist der Laufradsatz eine Option.
Der Preis liegt bei 2290 Euro. Viel Geld, aber nicht ungewöhnlich für ein Carbon-Laufrad. DT Swiss GRC1400 ist etwa ähnlich teuer und schwer bei einer Felgenhöhe von 50 Millimetern. Die großzügige 10-Jahres-Garantie, die Tune auf Felgen, Nabenkörper, Achse und Endkappen gewährt, unterstreicht das Vertrauen des Herstellers in die eigene Produktqualität.
Der Tune Nano Gravel 45 ist kein revolutionäres Produkt, sondern eine durchdachte Evolution. Wer einen leichten, vielseitigen Carbon-Laufradsatz mit klassischen Felgenhörnern sucht, findet hier eine interessante Option. Die Kombination aus moderater Felgenhöhe und breiter Innenweite spricht für einen pragmatischen Ansatz, der sich im rauen Gravel-Alltag bewähren könnte.

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