Richtig viel schenken sie sich nicht. Die Preis/Leistungslaufräder der etablierten Marken rollen Kopf an Kopf. Mit Preisen zwischen 519 und 749 Euro stehen acht Arbeitstiere für den All-Mountain-Einsatz in 27,5 Zoll im Test. Weder sündteures Carbon noch bleischwere No-Name-Ware sind in diesem Preisgefüge vertreten. Es ist sozusagen die Vernunftsklasse der Touren-Biker.
Wie eng es in diesem Vergleich zugeht, zeigt ein Blick ins Labor. Lediglich 183 Gramm trennen den leichtesten vom schwersten Laufradsatz. In Sachen Beschleunigung geht es daher ähnlich knapp zur Sache. Bei der mit dem Auditor Inertia-Chronographen ermittelten Massenträgheit ergibt sich innerhalb der Laufräder ein maximaler Unterschied von gerade einmal zehn Prozent. Im Blindtest wäre es daher unmöglich zu erkennen, welcher der acht Laufradsätze sich momentan im Bike dreht. Zudem geht die Trägheit der Laufräder im Gesamtsystem unter, wie die Messungen des Mavic-Crossmax-XL-Laufradsatzes mit montierten Reifen zeigen. Beschleunigt man einen Komplettlaufradsatz mit Reifen und Schläuchen, so beansprucht der nackte Laufradsatz alleine nur etwa 40 Prozent der Beschleunigungsenergie. Wer ein agileres Bike will, tuned daher wirksamer an Schlauch (Stichwort "Tubeless") oder Reifen, auf die der Löwenanteil der Massenträgheit entfällt.
Ist es also egal, welches Laufrad man fährt? Nicht ganz. Neben Gewicht und Trägheit spielen weitere Faktoren wie Rundlauf, Verteilung der Speichenspannung, Steifigkeit und Unempfindlichkeit gegenüber Überlast eine Rolle. Die gute Nachricht: Einen wirklich groben Patzer gab es in den von uns bewerteten Kriterien nicht. Alle der getesteten Laufräder wurden mit Sorgfalt gefertigt und fachmännisch zentriert. Lediglich die Sram-Roam-40-Laufräder fallen durch die am Vorderrad stark unterschiedliche Speichenspannung negativ aus der Reihe. Die Abweichung von bis zu 40 Prozent bringt Unruhe ins Speichengeflecht, was die Dauerhaltbarkeit negativ beeinflussen kann und Rückschlüsse auf die Felgenqualität zulässt.
Da es die perfekt runde Felge nicht gibt, stehen Rundlauf und gleichmäßige Speichen-spannung im Widerspruch zueinander. Entweder, das Laufrad läuft ohne Seiten- und Höhenschläge perfekt rund, was eine etwas unterschiedliche Speichenspannung erfordert, oder die Speichen sind alle exakt gleich stark vorgespannt, und es gibt dafür größere Abweichungen beim Rundlauf. Für die Hersteller gilt es, aus diesen beiden Größen den optimalen Kompromiss zu finden, wobei eine gleichmäßige und insgesamt ausreichend hohe Spannung entscheidender für die Haltbarkeit eines Laufrades ist.
Um nicht nur auf Erfahrungswerte in Sachen Haltbarkeit zurückzugreifen, wie z. B., dass ein Zahnscheibenfreilauf (DT Swiss und Syntace) höhere Drehmomente übertragen kann und in der Regel langlebiger ist, haben wir einen Ermüdungstest für Laufräder entwickelt. Die große Kunst dabei ist es, die komplexen Belastungen aus der Praxis im Zeitraffer auf dem Prüfstand nachzuahmen, sodass die gleichen Defekte wie in freier Natur auftreten. Um einem aussagekräftigen Prüfstandard näher zu kommen, absolvierte jedes einzelne Laufrad bis zu 5000 Kilometer auf einem modifizierten Prüfstand der Firma Bohle. Da sich noch nicht alle Belastungen wie Kurvenfahrt, Antrieb und Bremsen auf dem Prüfstand abbilden lassen und sich die Schadensbilder noch nicht hundertprozentig mit denen der Praxis decken, fließen die Ergebnisse noch nicht in diesen Test ein. Der unter unseren Testbedingungen stabilste Laufradsatz kam jedoch von Ritchey und absolvierte die 5000 Kilometer Dauerlauf ohne erkennbaren Schaden.
Bei einem derartig homogenen Testfeld müssen am Ende einzigartige Details entscheiden. DT Swiss und Syntace heben sich durch einen robusten Zahnscheibenfreilauf ab, während Ritchey und Mavic mit einer echten Tubeless-Felge ohne Klebebandgefummel aufwarten. In Sachen Felgenbreite liegen Ritchey und Syntace vorne.
Fazit Peter Nilges, BIKE-Testredakteur
"In den von uns bewerteten Kriterien liegen die Laufräder sehr dicht zusammen. DT Swiss und Mavic sammeln die meisten Punkte, während Sram leicht abfällt. Wer für eine bessere Reifenstabilität bei niedrigem Druck dem sinnvollen Trend breiterer Felgen folgen will, findet bei Ritchey, Spank und Syntace die breitesten Exemplare in diesem Test. Zudem fallen die Laufräder von Ritchey und Syntace gemessen an der Felgenbreite auch noch sehr leicht aus."
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DREHPUNKT LAUFRAD
Beim Thema "Gewicht" und der damit verbundenen Massenträgheit schenken sich die Testlaufräder nur wenig. Die Unterschiede stecken im Detail: Zahnscheiben- oder Sperrklinkenfreilauf, Alu- oder Stahlspeichen, Tubeless-Felge oder Tubeless-Band? Und nicht zuletzt die Verarbeitungsqualität.
LAUFRÄDER IM DAUERTEST
Um nicht nur die Qualität eines Laufrades im Neuzustand zu beurteilen, arbeitet BIKE an einem Prüfstandard für die Dauerhaltbarkeit. Die große Herausforderung dabei ist es, die Belastung so zu wählen, dass sich die Schadensbilder vom Prüfstand mit den Defekten aus der Praxis decken. Als Grundlage zum Datensammeln absolvierte jedes mit 65 Kilo belastete Laufrad bei einem Reifendruck von 3,7 bar bis zu 5000 Kilometer oder 164 Stunden auf einem modifizierten Outdoor-Rollenprüfstand der Firma Bohle. Mit jedem Umlauf wurden vier zwölf Millimeter hohe Leisten als Hindernis überrollt. Alle 40 Stunden wurden die Laufräder auf optisch erkennbare Defekte wie gelockerte oder gebrochene Speichen und Risse in Felgen und Naben hin überprüft. Da sich die auftretenden Defekte noch nicht zu 100 Prozent mit der Praxis decken, fließen die gewonnenen Ergebnisse noch nicht in die Bewertung dieses Testes ein. Der unter unseren Bedingungen stabilste Laufradsatz kommt von Ritchey. Um in Zukunft auch die Haltbarkeit zu bewerten, bleibt BIKE weiterhin am Thema dran.
GEWICHT UND MASSENTRÄGHEIT
Je größer das Massenträgheitsmoment der Laufräder, desto schlechter lassen sie sich beschleunigen. Dabei ist nicht nur das Gewicht, sondern die Verteilung der Masse (Entfernung vom Drehpunkt) entscheidend. Zum Vergleich: Das leichte 29er-Laufrad besitzt ein hohes Trägheitsmoment.
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LAUFRAD FAQ
Genau wie ein Reifen oder ein Bremsbelag ist ein Laufrad einem gewissen Verschleiß ausgesetzt, der stark von der Kilometerleistung und der Beanspruchung abhängt.
Kann ich 11fach nachrüsten?
Shimano-11fach-Kassetten benötigen keinen speziellen Freilaufkörper. Den XD-Driverbody für Sram-11fach Kassetten haben fast alle Hersteller im Programm.
Welche Achsstandards gibt’s aktuell?
Vorne 15x100 mm und hinten 12x142 mm sind am gängigsten. Viele Hersteller bieten Austauschendkappen für alternative Standards an. Der bei 29ern neu aufkommende Boost-Standard ist nicht kompatibel.
Kann ich auf Tubeless umrüsten?
Nahezu alle Laufräder lassen sich mit einem Tubeless-Felgenband und -Ventil für den Schlauchlosein-satz mit Latexmilch umrüsten.
Wie breit muss die Felge sein?
Die Felgenbreite sollte zur Reifenbreite passen. Ein breiter 2,3er-Reifen sollte auf einer mindestens 22 mm weiten Felge gefahren werden. Eine breite Felge stützt den Reifen besser ab und lässt einen niedrigeren Luftdruck zu.
Gibt es eine Gewichtsbeschränkung bei Laufrädern?
Alle All-Mountain/Enduro-Laufräder in diesem Test sind für ein Fahrergewicht von mindestens 110 Kilogramm freigegeben.
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