Adrian Kaether
· 02.04.2026
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DT Swiss zeigt mit der neuen 1700er Serie, wie man eine Mittelklasse richtig macht: Statt Kompromisse für alle gibt es spezialisierte Lösungen für jeden Einsatzbereich und dennoch wird das Portfolio schlanker. Besonders die Carbon-Option beim XC-Laufrad und die Downhill-Zulassung beim Enduro-Modell sind starke Ansagen. Die Preise ab 749,80 Euro sind angesichts der gebotenen Technik fair kalkuliert. Ultraleicht sind die DT Laufräder weiterhin nicht, dafür gibt’s große Versprechen in Sachen Haltbarkeit.
Weniger Produkte, dafür mehr Spezial-Parts für noch mehr Haltbarkeit und Performance: Bei DT Swiss steht ein umfassendes Update ins Haus. Statt immer mehr Einheitslösungen für alle Einsatzbereiche schwimmt der Laufradhersteller gegen den Trend und präsentiert vier spezialisierte Laufradmodelle, die mit eigenen Felgen und Naben vorne und hinten optimal auf ihre Disziplin zugeschnitten sein sollen. So will man Haltbarkeit und Gewicht gleichzeitig verbessern. Damit sich der Aufwand lohnt, wurde aber auch aufgeräumt im Portfolio: Dank der Updates werden sowohl die Light-Support Serie (LS) wie auch spezialisierte Downhill-Produkte nicht mehr gebraucht.
Zur Erinnerung: Der schweizerische Laufradbauer DT Swiss hat sich vor allem mit hochwertigen Systemlaufrädern (Felge, Nabe und Speichen fertig eingespeicht) in den letzten Jahren immer mehr am Markt etabliert. Die Laufräder gelten als besonders robust und wartungsarm, sind dafür aber meist nicht superleicht. Den Einstieg markiert die 1900er Serie. 1700 ist traditionell die Preis-Leistungsklasse. Außerdem gibt es noch Laufräder in der 1500er und der 1200er Serie, mittlerweile fast durchgängig in Carbon für die Oberklasse.
Bei der Entwicklung der neuen 1700er hat sich DT Swiss intensiv mit den Erkenntnissen aus der High-End-Serie 1200 Spline sowie den extrem haltbaren Freeride-Felgen FR 541 beschäftigt. Das Ergebnis soll durchgängig mehr Haltbarkeit bei teils geringerem Gewicht und nochmal verbessertem Fahrverhalten sein.
Zentrales Element der Neuentwicklung sind durchgängig asymmetrische Felgen. Das Laufrad bleibt natürlich zentriert. Die Felgen bringen aber eine gleichmäßigere Speichenspannung und damit bessere Kraftverteilung und höhere Haltbarkeit. Zudem setzt DT Swiss verstärkt auf eigens entwickelte Komponenten und unterschiedliche Felgen für Vorder- und Hinterrad, um jedes Laufrad optimal auf seine spezifischen Belastungen abzustimmen.
Alle Laufräder außer den XRC 1700 kommen mit DT Swiss eigenem einstellbarem Freilauf. Mit der Position der inneren Zahnscheibe kann hier werkzeugfrei der Leerweg des Freilaufs verstellt werden, um das gefürchtete Pedal-Kickback zu umgehen. 0, 10 oder 20 Grad (HX nur 0 und 10 Grad) stehen zur Auswahl um verschiedene Vorlieben abzudecken. Heißt auf Deutsch: Die Federung wird potentiell fluffiger und das Bike liegt satter auf dem Trail ohne Zusatzkosten oder Mehrgewicht wie das etwa bei einem O-Chain oder Crankbrothers Sidekick Nabe.
Erstmals bekommt die Cross Country-Variante eine Carbon-Felge – hookless und tubeless-ready mit 30 mm Maulweite. Mit 1.410 Gramm für den 29-Zoll-Satz positioniert sich das Laufrad im leichten Mittelfeld und dürfte damit für ambitionierte XC-Racer interessant werden. Die Nabe: DT Swiss' bewährte 350 Straightpull mit der leichten 54T Ratchet SL-Verzahnung.
Das heißt natürlich auch: Auf einige der Features unten verzichtet man im Cross-Country zugunsten des Gewichts. Wegen der Carbon-Felge liegt der Preis mit 1.299,80 Euro etwa 500 Euro höher, als der der bisherigen XR 1700. Der Gewichtsvorteil liegt bei fast 300 Gramm und für Carbon ist das Laufrad trotzdem recht günstig. Freigegeben ist die XRC Serie bis ASTM-Kategorie 3 (Trail, Downcountry) das maximale Systemgewicht liegt bei 120 Kilogramm.
Für All-Mountain und Trail-Einsätze gibt es die XM 1700 Spline mit Aluminium-Felge. Auch hier: asymmetrischer Aufbau, 30 mm Maulweite, tubeless-ready. Das Laufrad bringt in 29 Zoll 1.881 Gramm auf die Waage, also minimal mehr als bisher, verfügt dafür aber über das DEG DF System mit einstellbarem Eingriffswinkel und sollte nochmal haltbarer sein. Besonders interessant: Die 350er-Nabe mit 72 Zähnen hält bis zu 100 Nm Drehmoment aus – ein klares Statement Richtung motorisierter Unterstützung. Preis: ab 749,80 Euro, ASTM 4, 130 Kilogramm Systemgewicht.
Die Enduro-Variante EX 1700 Classic wird mit J-Bend-Speichen aufgebaut und nutzt die 350 CLASSIC-Nabe mit 72T Ratchet DEG DF. Speichen sind also klassisch eingehängt und lassen sich im Defektfall leichter wechseln. Damit will DT Swiss Enduro- und Downhillfahrer glücklich machen. Denn, richtig gelesen: Das Laufrad ist nach ASTM-Kategorie 5 also offiziell auch für Downhill-Einsätze freigegeben. Mit 2.010 Gramm (29 Zoll) bleibt das Gewicht trotzdem im Rahmen und liegt etwa 100 Gramm über dem bisherigen Wert. Schon erstaunlich, zumal die neue Felge stabiler sein soll, als selbst die brutale FR 541. Auch hier gilt: 100 Nm maximales Drehmoment, ebenfalls ab 749,80 Euro erhältlich.
E-Biker müssen nicht auf die neue Serie verzichten: Die HX 1700 Spline ist speziell für motorisierte Mountainbikes konzipiert. Mit 2.127 Gramm ist sie das schwerste Modell der Serie, dafür aber für 150 Kilogramm Systemgewicht und ASTM 4 ausgelegt. Das Mehrgewicht kommt über dickere Speichen und eine speziell verstärkte Nabe. Die 60T-Verzahnung verspricht einen prinzipiell schnellen Eingriff. Mit dem DF System können auch E-Biker dem Antriebsstrang bis zu 10 Grad Freiheit für eine verbesserte Feder-Performance gewähren. Preis: ab 759,80 Euro.
Bei DT Swiss gibt’s keine Überraschungen und das ist gut so. Die Laufradfirma arbeitet weiterhin mit schweizerischer Präzision und meidet auch mit der neuen Serie die Extreme. Im Rahmen des Presscamps konnten wir schon einige Runden auf den neuen Laufrädern drehen und dabei sowohl die EX 1700 als auch die E-Bike-Version HX 1700 antesteten.
Beide gaben sich maximal unkompliziert und immer berechenbar. Die Laufräder sind definitiv auf der stabilen statt der ultimativ weichen Seite, fahren sich aber nie harsch und vermitteln viel Vertrauen. Über das DEG DF System auf dem Trail (Achtung Kleinteile!) den Leerweg zu verstellen um den Hinterbau vom Pedal-Kickback zu befreien, war ein echter Augen-Öffner. Wir sind gespannt, wie sich die Versprechen von maximaler Haltbarkeit in der Praxis auswirken.

Redakteur