In der Welt der Fahrrad-Komponenten ist Titan der Stoff, aus dem Träume geschmiedet werden. Doch während das Material oft wegen seiner Ästhetik gefeiert wird, geht die neue Kollaboration zwischen Brunk Industries, White Industries und Moots weit über die Optik hinaus. Diese Kurbel ist das Ergebnis einer technologischen Synergie, wie man sie in der Bike-Branche nur selten findet.
Der Ursprung dieses Projekts liegt in der Hochpräzisionsfertigung von Brunk Industries in Lake Geneva, Wisconsin. Seit über 60 Jahren ist Brunk ein weltweit führender Spezialist für Metallumformung, dessen Bauteile man normalerweise in der Luft- und Raumfahrt oder in hochkomplexen medizinischen Geräten findet. Das Unternehmen beherrscht Techniken zur Formung von Titan, die weit über das hinausgehen, was in der Fahrradindustrie üblich ist.
Doch ein Medizintechnik-Spezialist baut noch keine Fahrradkurbel. Hier kamen zwei Legenden ins Spiel: White Industries aus Kalifornien, seit 1978 Inbegriff für feinste CNC-Fräskunst und durchdachte Drivetrain-Lösungen, und Moots aus Colorado, die seit über 35 Jahren als die "Schweiß-Götter" des Titan-Rahmenbaus gelten. Gemeinsam schufen sie ein Produkt, bei dem man die spezifischen Stärken jedes Partners herausgearbeitet haben will.
Das Herzstück der Innovation liegt im Fertigungsverfahren der Kurbelarme. Während herkömmliche High-End-Kurbeln meist aus massiven Blöcken gefräst (CNC) oder aus Carbon-Layups laminiert werden, nutzt diese Kooperation die Umformtechnik von Brunk Industries. Titan wird hierbei unter extremem Druck in Form gebracht. Dieser Prozess verändert die Gefügestruktur des Metalls positiv und sorgt für eine Materialverdichtung in den hochbelasteten Zonen.
Das Ergebnis soll eine Kurbel sein, die nicht nur extrem leicht ist – mit ca. 420 Gramm für den 165 mm Arm inklusive Welle –, sondern vor allem eine unübertroffene Ermüdungsbeständigkeit aufweisen soll. Titan ist bekannt für sein "Gedächtnis" und seine Flexibilität, doch durch die gezielte Formgebung wurde hier laut Hersteller eine Steifigkeit erreicht, die auch im harten MTB-Einsatz keine Wünsche offen lässt.
Nachdem die Arme bei Brunk geformt wurden, reisen sie nach Steamboat Springs zu Moots. Dort werden sie final verschweißt und veredelt. Moots bringt hier seine jahrzehntelange Erfahrung ein, um sicherzustellen, dass jede Schweißnaht nicht nur optisch ein Genuss ist, sondern die strukturelle Integrität des Titan-Gefüges perfekt erhält.
White Industries hingegen zeichnet für das "Gehirn" des Systems verantwortlich: die Systemarchitektur. Das Ziel war ein modulares System. Dank verschiedener Wellen-Optionen kann die Kurbel problemlos zwischen einem schmalen Road/Gravel-Setup (68/86,5 mm Gehäusebreite) und einem breiten MTB-Setup (73/91,5 mm Gehäusebreite) wechseln. Auch bei der Kettenlinie zeigt sich das System flexibel: Von 47,5 mm für Gravel-Einsätze bis hin zum modernen 55 mm MTB-Standard ist alles möglich.
Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Zukunftsfähigkeit gelegt. Die Kurbel nutzt ein 8-Loch-Interface für das Kettenblatt. Das macht sie nicht nur kompatibel mit modernen Direct-Mount-Blättern, sondern auch mit gängigen Power-Meter-Spidern. Ein entscheidender Faktor für die Zielgruppe der leistungsorientierten Fahrer.
Die Titan-Kurbel von Moots und White Industries ist eine Investition in die Ewigkeit. In einer Zeit, in der Komponenten oft nach zwei Saisons technisch überholt oder verschlissen sind, setzt das Titan-Triumvirat aus USA auf Unverwüstlichkeit und zeitloses Design. Ein Statement gegen die Wegwerfmentalität und für die amerikanische Ingenieurskunst - das aber seinen Preis hat.

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