Darum sollten Mountainbiker kürzere Kurbeln fahren155 mm vs. 170 mm – ein Selbstversuch

Max Fuchs

 · 06.05.2026

Darum sollten Mountainbiker kürzere Kurbeln fahren: 155 mm vs. 170 mm – ein SelbstversuchFoto: Max Fuchs
Die Standard-Kurbellängen liegen bei Mountainbikes meist zwischen 165 und 175 mm. Das britische Label Hope ist einer der wenigen Hersteller, der Kurbelgarnituren bereits ab 155 Millimetern anbietet.
Kurze Kurbeln sind im World Cup kein Geheimtipp mehr. Was im Downhill längst Standard ist, etabliert sich jetzt auch an E-MTBs – und schleicht sich sogar ins Enduro-Segment. Hope schickte uns seine gefrästen Evo-Alu-Kurbeln zum Test. 155 Millimeter gegen 170: Wie fährt sich das? Und für wen lohnt sich der Wechsel?

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Fazit von Max Fuchs, BIKE Test Redakteur

Für E-MTBs und Gravity-Bikes geht eine klare Empfehlung raus: Die kürzeren Kurbelarme vermitteln bergab mehr Sicherheit, erzeugen einen festeren Stand und erleichtern das Handling. Die geringere Hebelkraft beim Treten kann man ganz einfach mit einem kleineren Kettenblatt kompensieren. Für alle, die auf maximale Abfahrtsperformance abzielen, gibt es also keine Entschuldigung. Kürzere Kurbeln sind besser!

Von 170 auf 155 Millimeter lange Kurbeln

15 Millimeter kürzer – das klingt nach wenig. Ist es aber nicht. Weil die Kurbel in beide Richtungen kürzer wird, schrumpft die Gesamtstandbreite nämlich um 30 Millimeter. Das spürt man sofort. Das Bike wirkt kompakter, der Körperschwerpunkt rückt weiter in die Mitte und man steht sicherer auf den Pedalen.

Abfahrt: Mehr Kontrolle, mehr Stabilität

Das entscheidende Argument für kurze Kurbeln im Downhill: Man kann die Fersen weiter absenken. Besonders auf dem hinteren Pedal fällt es durch die stärkere Streckung im Bein schwer, die Fersen betont tief zu halten. Das gelingt durch den kompakteren Stand auf den 155er-Kurbeln deutlich besser.

Doch was bringen tiefe Fersen? Je tiefer die Fersen, desto tiefer der Schwerpunkt. Je tiefer der Schwerpunkt, desto sicherer fühlt man sich hinter dem Cockpit integriert. So steht man auch auf Highspeed-Passagen oder im kniffligen Gelände sicher im Bike – die perfekte Ausgangslage, um das Bike gezielt und kontrolliert durch das Gelände zu bewegen. On top verbessert ein tieferer Schwerpunkt auch die Bremstraktion. ​

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Ein weiterer Benefit von kurzen Kurbeln: Steuert man auf schwer einsehbare Trailabschnitte zu oder erschreckt sich, weil das Vorderrad über eine nasse Wurzel rutscht, neigt man dazu, sich aufzurichten, die Fersen hochzuziehen und in einer höheren, instabileren Fahrposition zu verkrampfen. Das geschieht intuitiv und ist im anspruchsvollen Gelände quasi das Worst-Case-Szenario und raubt einem in heiklen Situationen meist vollends die Kontrolle. Durch den sichereren Stand auf den kürzeren Kurbeln verharrt man in kritischen Situationen grundsätzlich länger im sicheren Stand, bevor man sich aufrichtet. Vereinfacht gesagt: Mit kürzeren Kurbeln bringen einen Schrecksekunden weniger schnell aus der Ruhe.

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Pedalieren durch technisches Terrain: Stabiler unter Last

Mit gezielten Kurzsprints aus Kurven heraustreten, durch Pedalimpulse das Bike über Kanten hieven oder bei langsamer Fahrt die Balance halten – auch das gelingt mit kürzeren Kurbeln kontrollierter. Denn durch die kleinere Kreisbahn, auf der die Pedale kreisen, schrumpft der Bewegungsradius der Beine beim Pedalieren. Der kleinere Aktionsradius der Beine verursacht bei technischen Klettereinheiten weniger Unruhe und erleichtert die Kontrolle. Außerdem verbessert sich natürlich auch die Bodenfreiheit, wodurch man über holprige Passagen einfacher hinwegtreten kann.

Das große Aber: Weniger Hebel

Wer glaubt, kürzere Kurbeln seien ein reines Upgrade ohne Haken, irrt. Der Nachteil ist spürbar: weniger Hebelkraft beim Treten. Mit kürzeren Kurbeln fällt es beispielsweise in technischen Uphills schwerer, das Bike aus dem Stand heraus in Schwung zu bringen. Anderes Beispiel: Man drückt im leichtesten Gang eine steile Rampe hinauf und bewegt sich an der Grenze des Fahrbaren. Mit derselben Übersetzung kommt man mit längeren Kurbelarmen bei gleichem Krafteinsatz steilere Rampen hoch. Sprich: Wenn einem bergauf die Gänge ausgehen, tut man sich mit längeren Kurbeln leichter.

Das gilt sowohl für Bikes mit und ohne Motor. Mit Motorunterstützung halten sich die Konsequenzen aber in Grenzen – hier muss lediglich mehr Motorpower abgerufen werden. Beim Bio-Bike helfen lediglich dickere Waden oder man wechselt auf ein kleineres Kettenblatt, um die Übersetzung an die reduzierte Hebelkraft anzupassen. In unserem Test wechselten wir bei den 155er-Kurbeln von einem 32er-Kettenblatt auf 28 Zähne. Das Resümee: 4 Zähne weniger, und die Klettereigenschaften sind wieder hergestellt.


Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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