Gabeln | DämpferVier 140-mm-Federgabeln im Vergleichstest

Ludwig Döhl

 · 06.02.2019

Vier 140-mm-Federgabeln im VergleichstestFoto: Wolfgang Watzke

Niemand verkauft mehr hochwertige MTB-Federgabeln als Rockshox und Fox. In diesem Vergleichstest von All-Mountain-Gabeln mit 140 Millimetern Federweg liefern Fox 34 und Rockshox Pike die Gründe dafür.

Die Großen fressen die Kleinen. Das Gesetz gilt nicht nur im Haifischbecken, sondern anscheinend auch in der Fahrradindustrie. Immer weniger Marken streichen immer mehr Marktanteile ein. Schaltungen kommen von Shimano oder Sram. Nahezu alternativlos. Bei Reifen vertrauen über 75 Prozent unserer Leser auf Schwalbe, Conti, oder Maxxis. Für Vittoria, WTB oder Onza bleiben nur die Krümel des großen Kuchens übrig. Und auch bei Federgabeln zeichnet sich ein deutliches Bild ab. Es scheint, als teilten die großen amerikanischen Firmen Rockshox und Fox den Markt für hochwertige Federgabeln unter sich auf. Klickt man durch verschiedene Web-Seiten der immerhin noch zahlreichen Fahrradhersteller, so stellt man fest: Kaum ein Bike oberhalb der 2000-Euro-Marke verzichtet auf ein Fahrwerk der Marktführer. Zu behaupten, es gäbe keine Alternativen zu den Platzhirschen, wäre aber falsch. SR Suntour, Formula, Manitou und viele andere Hersteller produzieren ebenfalls gute Gabeln, nur sind deren Produkte in freier Wildbahn kaum zu sehen. Dabei beweist die DVO Sapphire in diesem Test, dass auch Krümel sehr gut schmecken können – sprichwörtlich formuliert.

Einen Vorgeschmack darauf, warum Rockshox und Fox sich den Markt teilen, liefern die beiden All-Mountain-Gabeln Pike und Float 34 bereits auf der Waage in unserem Testlabor. Mit 1827 Gramm ist die Fox 34 Float in der hochwertigen Factory-Version über 200 Gramm leichter als die Konkurrenten von DVO oder X-Fusion. Die Rockshox Pike belegt im Gewichts-Ranking mit 1910 Gramm immerhin Platz zwei. Nach dem Messen der Verdreh- und Bremssteifigkeit schrumpft der Vorsprung der Fox-Gabel jedoch leicht. Denn mit 22 Newtonmeter pro Grad Verdrehsteifigkeit liegt sie fast

30 Prozent hinter der Konkurrenz. In der Praxis lässt sich jedoch kaum ein Unterschied bei der Lenkpräzision zwischen der X-Fusion (steifste Gabel) und der Fox feststellen.

  Das Setup der Federgabel beeinflusst die Fahreigenschaften des kompletten Bikes. Viele Hersteller drucken Luftdruckempfehlungen auf die Gabel, um die Einstellung zu erleichtern.Foto: Wolfgang Watzke
Das Setup der Federgabel beeinflusst die Fahreigenschaften des kompletten Bikes. Viele Hersteller drucken Luftdruckempfehlungen auf die Gabel, um die Einstellung zu erleichtern.

Vor der ersten Testfahrt muss das BIKE-Testteam aber noch eine Hürde nehmen. Denn das Setup einer modernen Federgabel fordert nicht nur viel Zeit, sondern auch einiges an Fachwissen. Bei den zahlreichen Einstelloptionen bleibt manchmal sogar Fachleuten der Blick in die Bedienungsanleitung nicht erspart. Immerhin liefern bis auf X-Fusion und DVO alle Hersteller eine Luftdruckempfehlung entsprechend des Fahrergewichts auf der Rückseite der Gabel. Fox und Rockshox sind sich einig, dass für Touren-Fahrer eine einfache Verstellung der Druckstufe reichen muss. Die beiden Marktführer bieten neben dem kleinen Stellrädchen für die Lowspeed-Druckstufe zusätzlich noch die Option, mit einem großen, handlichen Regler eine effektive Plattform und sogar ein Lockout einzulegen. Die optimale Lösung, um sein Fahrwerk für den berühmten Ortsschild-Sprint oder einen langen Alpenanstieg zu straffen. DVO und X-Fusion setzen beide auf separat einstellbare High- und Lowspeed-Druckstufen und stellen damit das Fachwissen und das Feingefühl des Bikers auf die Probe. Die differenzierte Einstellung der Einfedergeschwindigkeit braucht viel Zeit und Erfahrung und ist unserer Meinung nach im Touren-Segment fehlplatziert. Sie passt besser zu Enduro-Rennfahrern, die in der Abfahrt um das letzte Zehntel kämpfen. Die OTT-Verstellung zur Anpassung des Ansprechverhaltens der DVO-Gabel ist dagegen selbsterklärend und gefällig.

Auf dem Trail untermauern Fox und Rockshox ihre Marktmacht dann endgültig. Beide Gabeln stehen hoch im Federweg und filtern Schläge effektiv, bevor sie den Fahrer erreichen. Die DVO arbeitet auf ähnlich hohem Niveau. Die günstige X-Fusion spricht schlecht an und hat vor allem mit schnellen Schlägen im rauen Gelände zu kämpfen.


Fazit Ludwig Döhl, BIKE-Testredakteur:
Fox und Rockshox lassen keine Zweifel an ihrer marktbeherrschenden Stellung aufkommen. Beide Gabeln sind nicht nur leicht, sondern lassen sich auch einfach abstimmen und überzeugten beim Praxistest auf den Trails von Finale Ligure. Wobei sich die Rockshox Pike mit einem breiteren Einsatzbereich und deutlich höherer Steifigkeit den Testsieg holt. Die Fox 34 Float Factory hat einen sportlicheren Charakter. Die DVO funktioniert in der Praxis sehr gut, verliert aber durch hohes Gewicht und kompliziertes Einstellen wichtige Punkte. X-Fusions Trace 36 wirkt veraltet und kann nicht mit dem Rest des Testfelds konkurrieren. In vergangenen Tests hatten auch Hersteller wie Formula oder Manitou nicht das Zeug, die Vormachtstellung der Marktführer anzugreifen.

  Ludwig Döhl, BIKE-TestredakteurFoto: Boris Beyer
Ludwig Döhl, BIKE-Testredakteur


DIE DETAILS

Federgabelhersteller lassen sich immer wieder Details einfallen, um auf Kundenfang zu gehen. Nicht alles ist sinnvoll.

  Bei X-Fusion und DVO lassen sich die High- und die Lowspeed-Druckstufe separat einstellen. Viele Biker sind hier ohne Bedie­nungsanleitung überfordert. Für Touren-Gabeln finden wir eine einfache Druckstufeneinstellung wie bei Rock­shox oder Fox passender. Zudem fehlt eine Plattform zur raschen Anpassung der Gabel auf dem Trail.Foto: Georg Grieshaber
Bei X-Fusion und DVO lassen sich die High- und die Lowspeed-Druckstufe separat einstellen. Viele Biker sind hier ohne Bedie­nungsanleitung überfordert. Für Touren-Gabeln finden wir eine einfache Druckstufeneinstellung wie bei Rock­shox oder Fox passender. Zudem fehlt eine Plattform zur raschen Anpassung der Gabel auf dem Trail.
  Rockshox und X-Fusion haben breit ausgefräste Ausfallenden, welche neben herkömmlichen Naben (Auflagefläche mit 20 Millimetern Durchmesser) auch Naben mit einer breiten 30-Millimeter-Auflagefläche aufnehmen können. Die Unterschiede zwischen beiden Versionen in der Verdrehsteifigkeit liegen aber nur zwischen 1,5 und 6 Prozent.Foto: Georg Grieshaber
Rockshox und X-Fusion haben breit ausgefräste Ausfallenden, welche neben herkömmlichen Naben (Auflagefläche mit 20 Millimetern Durchmesser) auch Naben mit einer breiten 30-Millimeter-Auflagefläche aufnehmen können. Die Unterschiede zwischen beiden Versionen in der Verdrehsteifigkeit liegen aber nur zwischen 1,5 und 6 Prozent.
  X-Fusion hat keinen Schnellspanner, sondern nur eine Steckachse mit Inbus-Schlüsselfläche. Muss man das Rad ins Auto laden oder hat einen Platten, ist man auf ein Mini-Tool angewiesen.Foto: Georg Grieshaber
X-Fusion hat keinen Schnellspanner, sondern nur eine Steckachse mit Inbus-Schlüsselfläche. Muss man das Rad ins Auto laden oder hat einen Platten, ist man auf ein Mini-Tool angewiesen.
  Fox und Rockshox liefern sogenannte Spacer oder Tokens mit, mit denen sich die Luftkammer der Gabel verkleinern lässt. Das lässt die Kennlinie steiler ansteigen (mehr Progression). Allerdings muss man zum Einbau die Gabeln öffnen.Foto: Georg Grieshaber
Fox und Rockshox liefern sogenannte Spacer oder Tokens mit, mit denen sich die Luftkammer der Gabel verkleinern lässt. Das lässt die Kennlinie steiler ansteigen (mehr Progression). Allerdings muss man zum Einbau die Gabeln öffnen.


DIE TESTERGEBNISSE

All-Mountain-Gabeln müssen einen Spagat zwischen Gewicht, Steifigkeit und Funktion schaffen. Rockshox und Fox meistern die Herausforderung am besten.

DVO SAPPHIRE 29"


Preis / Gewicht¹ 899 Euro / 2037 Gramm
Federweg¹ / Werksangabe 142 mm / 140 mm


Herstellerangaben
Einstellmöglich­keiten Federhärte über Luftdruck, Zugstufe, H.- und L.-Druckstufe, Ansprechv.
Absenkung / Plattform nein / nein
Max. Ø Disc / Gewichts-Limit 203 mm / nein
Verfügbare Schäfte Taper
Verfügbare Ausfallenden 15x110 mm; 15x100 mm


Messwerte¹
Einbaulänge 550 mm
Verdrehsteifigkeit 29 Nm/°
Bremssteifigkeit 206 Nm/°
Sensibilität (15 %) 12 von 12 Punkten
Uphill (15 %) 8 von 12 Punkten
Downhill (30 %) 9von 12 Punkten
Handhabung (10 %) 8 von 12 Punkten
Steifigkeit (15 %) 10 von 12 Punkten
Gewicht (15 %) 8 von 12 Punkten


FAZIT Die Einstellung des Ansprechverhaltens über den OTT-Knopf ist einzigartig und zeigt große Wirkung. Keine Gabel spricht besser an. Das Setup mit zwei separaten Druckstufen ist kompliziert. Nach Geländestufen sackt die Gabel leicht weg. Den vollen Federweg gibt die Sapphire nur in absoluten Notsituationen frei.


BIKE-Urteil² SEHR GUT

  DVO SapphireFoto: Georg Grieshaber
DVO Sapphire
  DCO Sapphire: Die Kennlinie der DVO ist linear, steigt aber steiler an als bei der Konkurrenz. Die letzten zwei Zentimeter Federweg sind deshalb nur schwer zu holen. Das Ansprechverhalten ist einstellbar. Foto: BIKE Magazin
DCO Sapphire: Die Kennlinie der DVO ist linear, steigt aber steiler an als bei der Konkurrenz. Die letzten zwei Zentimeter Federweg sind deshalb nur schwer zu holen. Das Ansprechverhalten ist einstellbar. 

FOX 34 FLOAT FACTORY SERIES FIT 4 29"


Preis / Gewicht¹ 1169 Euro / 1827 Gramm
Federweg¹ / Werksangabe 143 mm / 140 mm


Herstellerangaben
Einstellmöglich­keiten Federhärte über Luftdruck, Zugstufe, Druckstufe, Progression
Absenkung / Plattform nein / ja
Max. Ø Disc / Gewichts-Limit 205 mm / nein
Verfügbare Schäfte Taper
Verfügbare Ausfallenden 15x110 mm; 15x100 mm


Messwerte¹
Einbaulänge 550 mm
Verdrehsteifigkeit 22 Nm/°
Bremssteifigkeit 198 Nm/°
Sensibilität (15 %) 10 von 12 Punkten
Uphill (15 %) 10 von 12 Punkten
Downhill (30 %) 11 von 12 Punkten
Handhabung (10 %) 9 von 12 Punkten
Steifigkeit (15 %) 8 von 12 Punkten
Gewicht (15 %) 9 von 12 Punkten


FAZIT Die Fox ist die sportlichste Gabel im Testfeld, denn selbst bei komplett geöffneter Druckstufe gibt sie ein deutliches Feedback vom Untergrund. Sie steht hoch im Federweg und arbeitet sehr linear. Bei flottem Tempo fühlt sich die Gabel richtig wohl, Touren-Fahrer vermissen etwas Komfort. Leichteste Gabel im Test.


BIKE-Urteil² SUPER

  Fox 34 Float Factory Series Fit 4Foto: Georg Grieshaber
Fox 34 Float Factory Series Fit 4
  Fox 34 Float Factory Series Fit 4: Die 34er hat von Anfang bis Ende eine konstant ansteigende Kennlinie. Die straffe Druckstufe kommt in dieser Grafik nicht zum Ausdruck. Sie setzt erst bei schnellen Kompressionen ein.Foto: BIKE Magazin
Fox 34 Float Factory Series Fit 4: Die 34er hat von Anfang bis Ende eine konstant ansteigende Kennlinie. Die straffe Druckstufe kommt in dieser Grafik nicht zum Ausdruck. Sie setzt erst bei schnellen Kompressionen ein.

ROCKSHOX PIKE RCT 3 29"


Preis / Gewicht¹ 970 Euro / 1910 Gramm
Federweg¹ / Werksangabe 139 mm / 140 mm


Herstellerangaben
Einstellmöglich­keiten Federhärte über Luftdruck, Zugstufe, Druckstufe, Progression
Absenkung / Plattform nein / ja
Max. Ø Disc / Gewichts-Limit 203 mm / nein
Verfügbare Schäfte Taper
Verfügbare Ausfallenden 15x110 mm; 15x100 mm


Messwerte¹
Einbaulänge 550 mm
Verdrehsteifigkeit 33 Nm/°
Bremssteifigkeit 231 Nm/°
Sensibilität (15 %) 11 von 12 Punkten
Uphill (15 %) 12 von 10 Punkten
Downhill (30 %) 12 von 12 Punkten
Handhabung (10 %) 10 von 12 Punkten
Steifigkeit (15 %) 11 von 12 Punkten
Gewicht (15 %) 8 von 12 Punkten


FAZIT Die neue Pike hat den breitesten Einsatzbereich, denn je nach Druckstufeneinstellung ist sie komfortabel oder sportlich straff. Der Verstellbereich der Charger-2-Kartusche ist sehr effektiv. Nach Stufen neigt sie minimal zum Wegsacken. Das Ansprechverhalten ist sehr gut. Top Kompromiss aus Gewicht und Steifigkeit.


BIKE-Urteil² SUPER

  Rockshox Pike RCT 3Foto: Georg Grieshaber
Rockshox Pike RCT 3
  Rockshox Pike RCT 3: Die Pike arbeitet linear. Erst im letzten Viertel wird die Kennlinie leicht progressiv. Davor sorgt sie mit moderater Steigung für viel Komfort. Der Anfangsbereich ist Deckungsgleich mit Fox.Foto: BIKE Magazin
Rockshox Pike RCT 3: Die Pike arbeitet linear. Erst im letzten Viertel wird die Kennlinie leicht progressiv. Davor sorgt sie mit moderater Steigung für viel Komfort. Der Anfangsbereich ist Deckungsgleich mit Fox.

X-FUSION TRACE 36 29"


Preis / Gewicht¹ 1100 Euro / 2096 Gramm
Federweg¹ / Werksangabe 141 mm / 140 mm


Herstellerangaben
Einstellmöglich­keiten Federhärte über Luftdruck, Zugstufe, H.- und L.-Druckstufe
Absenkung / Plattform nein / nein
Max. Ø Disc / Gewichts-Limit 203 mm / nein
Verfügbare Schäfte Taper
Verfügbare Ausfallenden 15x110 mm


Messwerte¹
Einbaulänge 550 mm
Verdrehsteifigkeit 32 Nm/°
Bremssteifigkeit 256 Nm/°
Sensibilität (15 %) 6 von 12 Punkten
Uphill (15 %) 8 von 12 Punkten
Downhill (30 %) 8 von 12 Punkten
Handhabung (10 %) 9 von 12 Punkten
Steifigkeit (15 %) 12 von 12 Punkten
Gewicht (15 %) 8 von 12 Punkten


FAZIT Die X-Fusion spricht schlecht an und bietet im groben Gelände wenig Komfort. Bei schnellen Schlägen verhärtet die Gabel komplett und sorgt deshalb für dicke Unterarme nach langen Abfahrten. Die zwei Verstellknöpfe für die Druckstufe sind schlecht gerastert und zeigen zudem wenig Wirkung. Hohes Gewicht.


BIKE-Urteil² GUT

  X-Fusion Trace 36Foto: Georg Grieshaber
X-Fusion Trace 36
  X-Fusion Trace 36: Die Kennlinie wird nach erreichen des Sags deutlich flacher. Der steile Bereich zu Beginn der Kennlinie erklärt das harsche Gefühl der Gabel, vor allem bei Landungen nach Sprüngen.Foto: BIKE Magazin
X-Fusion Trace 36: Die Kennlinie wird nach erreichen des Sags deutlich flacher. Der steile Bereich zu Beginn der Kennlinie erklärt das harsche Gefühl der Gabel, vor allem bei Landungen nach Sprüngen.

¹Messwerte aus dem BIKE Labor ²Das BIKE-Urteil gibt die Labormesswerte und den subjektiven Eindruck der Testfahrer wieder. Das BIKE-Urteil ist preisunabhängig.
BIKE-Urteile: super, sehr gut, gut, befriedigend, mit Schwächen, ungenügend. ³Exakter Preis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.


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