Neue RockShox Lyrik Federgabel170 Millimeter Hub sind zurück, aber was sind Butterwagons?

Max Fuchs

 · 07.04.2026

RockShox hat die Federwegsbandbreite der Lyrik wieder auf 140 bis 170 Millimeter aufgestockt. Beim Vorgänger war bei 160 Millimetern Schluss. Enduro-Fahrer können damit künftig selbst entscheiden, ob sie zur leichteren Lyrik oder zur brachialen ZEB greifen.
Foto: Rockshox
Die neue RockShox Lyrik ist ein kompletter Neustart. Und wer die Lyrik-Geschichte kennt, freut sich über eine Rückkehr: eine Enduro-Variante mit 170 Millimeter Federweg. Dazu kommt ein vollständig überarbeitetes Innenleben mit neuer Luftfeder, neuer Dämpfungskartusche und einem cleveren System zur dauerhaften Gleitbuchsenschmierung. Was die neue All-Mountain- und Trail-Federgabel alles drauf hat, klären wir hier im Detail.

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Fazit von Max Fuchs, BIKE-Testredakteur

​Auf dem Papier bietet die größere Federwegsbandbreite der Lyrik in meinen Augen den größten Mehrwert. Die Möglichkeit, zugunsten eines geschmeidigeren Fahrgefühls wieder zur schlankeren Lyrik greifen zu können, ist vor allem für leichte Enduro-Piloten ein großer Vorteil. In der Praxis prägt die Linear XL-Luftfeder den Fahreindruck. Der Federweg lässt sich hervorragend ausnutzen, und man hat jederzeit das Gefühl, genau zu wissen, wo man im Federweg steht. Komfort und Kontrolle? Check! Das Ansprechverhalten ist erstklassig, die Traktion überragend. Auch die Bandbreite der Druckstufenregler hat RockShox gut getroffen. Die 0-Position bietet für das Grundsetup einen guten Ausgangspunkt. Von dort aus ist jeder Click auch auf dem Trail spürbar, sodass man schnell das perfekte Setup findet.

Leichter, geschmeidiger – und wieder mit 170 Millimetern Hub

Die Lyrik war schon immer die leichtere, geschmeidigere Alternative zur ZEB. Das bleibt so: Die schmaleren 35-mm-Standrohre sparen gegenüber der ZEB Gewicht und sorgen für etwas mehr Flex. In der Ultimate-Ausführung wiegt die Lyrik in 29 Zoll 2.280 Gramm.

Neu ist, dass die Lyrik ihre größere Federweg-Bandbreite zurückbekommt. Die letzte Generation bot maximal 160 Millimeter – wer als Enduro-Pilot mehr wollte, musste zur ZEB wechseln. Die neue Lyrik geht wieder von 140 bis 170 Millimeter. Enduro-Fahrer können damit künftig selbst entscheiden, ob die leichtere Lyrik oder die steifere ZEB besser zu ihrem Setup passt. Die Preise: 1.015 Euro für die Select-Version, 1.375 Euro für das Ultimate-Modell.

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​Technische Daten: RockShox Lyrik MY27

MerkmalDetails
Preis1.375 € (Ultimate) / ab 1.015 € (Select)
DämpfungCharger 3.2 mit ButterCup
FederLinearXL mit ButterCup
Federweg140 / 150 / 160 / 170 mm
Standrohrdurchmesser35 mm
Steckachse15 x 110 mm
Gabel-Offset37 mm (27,5") / 44 mm (27,5") / 44 mm (29")
Laufradgröße27,5" / 29"
EinstellungenHigh- und Lowspeed-Compression, Rebound
Gewicht2.280 g (29")

Linear-XL-Luftfeder: Konstant statt progressiv

Das Innenleben der neuen Lyrik ist vollständig neu gedacht. Den Grundstein legt RockShox mit der Linear-XL-Luftfedereinheit im Kartuschen-Design – ein System, das auf eine möglichst lineare Federkennlinie zielt. Anders als bei progressiv abgestimmten Gabeln steigt die Kraft zum Komprimieren der Feder hier über den gesamten Federweg konstant an. Das Fahrgefühl wird dadurch berechenbar, vorhersehbar, fast schon wie das einer Stahlfeder.

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Die technische Grundlage dafür schafft RockShox mit einem kleineren Verhältnis zwischen Kolbenoberfläche und Luftschaft. Gleichzeitig schaffen die Amerikaner mehr Luftvolumen in der Negativkammer – beides Maßnahmen, die einer möglichst linearen Federkennlinie zugutekommen. Die Kraft, um das Losbrechmoment der Gabel zu überwinden, fällt durch die große Negativkammer sehr gering aus, und die Feder kann zu Beginn des Federwegs extrem feinfühlig arbeiten. In der Mitte bietet sie viel Gegenhalt, und gegen Ende schützt ein mechanischer Durchschlagschutz vor Durchschlägen.

AirAnnex: Gleiches Luftvolumen auf beiden Seiten

Am unteren Ende der Luftfederseite sitzt die sogenannte AirAnnex – eine zusätzliche Luftkammer, die das Luftvolumen im linken Tauchrohr an das des rechten angleicht. Das ist nötig, weil die neue Luftfederkartusche mehr Platz beansprucht als die kompaktere Dämpfungseinheit im rechten Tauchrohr. Ohne diesen Ausgleich würde die Luft beim Einfedern in beiden Seiten unterschiedlich stark komprimiert werden, was eine ungleichmäßige Progression erzeugt.

Breather Holes: Gleichmäßige Luftzirkulation

Zwei kleine Bohrungen unterhalb der Öldichtungen in jedem Standrohr – die Breather Holes – sorgen dafür, dass die Luft im Casting beim Einfedern schnell und gleichmäßig zirkulieren kann. Auch das dient dem Ziel einer möglichst linearen Federkennlinie.

Entwarnung für alle, die ein progressives Setup bevorzugen: Die Kennlinie der neuen Lyrik kann man nach wie vor mit Volumenspacern feintunen. Die neuen Features zugunsten der Linear XL Luftfeder sollen nur ungewollte Progression verhindern – gezielte Anpassungen sind weiterhin jederzeit möglich.

ABO: Verstellbarer Durchschlagschutz

Eine lineare Kennlinie bedeutet auch, dass die Gabel den maximalen Federweg besser und leichter ausnutzt als ein progressiv abgestimmtes Modell. Kehrseite: Sie schlägt leichter durch. Der ABO (Adjustable Bottom Out) ist die Antwort darauf – ein per Inbus verstellbarer Anschlagpuffer. Je nach Einstellung greift er auf den letzten 10 bis 17 Millimetern des Federwegs ein und fängt harte Einschläge ab.

ButterWagon: Öl, wo es gebraucht wird

Ein zweiter Entwicklungsschwerpunkt der neuen Lyrik ist die Reibungsreduzierung. Die ButterWagon-Technologie setzt dabei auf ein Netz aus Ausfräsungen auf den Standrohren unterhalb der Öldichtungen. Bei jeder Federbewegung nehmen diese Vertiefungen Öl auf und transportieren es direkt über die Gleitbuchsen. Diese automatische Schmierung reduziert die Reibung beim Einfedern und zahlt auf die Haltbarkeit ein. Ergänzt wird das System durch dickflüssigeres Maxima-920-W15-Öl, überarbeitete Abstreifer und neues Fett – allesamt Maßnahmen, die die Reibung im System weiter senken.

Charger 3.2: Straffere Dämpfung, weil weniger Reibung

Wer Reibung aus dem System nimmt, reduziert gleichzeitig auch die natürliche Dämpfung. Da RockShox die Reibungsverluste der neuen Lyrik im Vergleich zum Vorgänger deutlich gesenkt hat, muss also auch ein neuer und härterer Druckstufen-Tune her. Et voilà: die neue Charger-3.2-Dämpfungskartusche mit insgesamt mehr Dämpfung im System. So sackt die reibungsärmere Gabel nicht unkontrolliert durch den Federweg.

Neu ist die Einstelllogik der Druckstufenregler: nummeriert, mit 0 als Ausgangspunkt, von dem aus die Dämpfung schrittweise erhöht (+) oder reduziert (–) werden kann. Zugstufe sowie getrennte Highspeed- und Lowspeed-Druckstufe bleiben wie gewohnt per Hand einstellbar.

ButterCups: Bewährte Vibrationsdämpfung

Die ButterCups sind kein neues Feature, aber ein bewährtes: Elastomere am unteren Ende von Luftfeder und Dämpfungseinheit lagern beide Einheiten schwimmend im Chassis und reduzieren hochfrequente Vibrationen laut RockShox um 20 Prozent.

Verbesserter Buchsensitz und maximale Reifenfreiheit

Am überarbeiteten Casting fallen auf den ersten Blick die AirAnnex und die sogenannten Speed Ports auf – Verstrebungen an der Frontseite der Gabelbrücke, die unter Last Spannungen aus den Buchsensitzen nehmen und so die Reibung weiter reduzieren. Unter der Kunststoffabdeckung in der Mitte der Gabelbrücke verbergen sich zudem Montagepunkte für RockShox-eigene Mini-Schutzbleche, die sich nahtlos in die Gabelbrücke integrieren, ohne die Reifenfreiheit zu beeinflussen.


Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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