Regelmäßiger Service für MTB-Gabel und Dämpfer nötig?

Stefan Frey

 · 17.07.2019

Regelmäßiger Service für MTB-Gabel und Dämpfer nötig?Foto: Robert Niedring

Der Mythos hält sich schon lange: Müssen Federgabeln und Dämpfer am Mountainbike immer wieder beim Fachmann zum Service? BIKE klärt auf.

Das Problem

„Der Punkt wird beim Verkaufsgespräch gerne verschwiegen. Doch nicht nur das Fahrrad an sich, sondern auch Federgabel und Dämpfer brauchen regelmäßig etwas Zuwendung. Der Grund: Keine Dichtung ist perfekt, und so kommt auch bei guter Pflege und einem sauberen Mountainbike etwa ein Prozent des aufgesammelten Schmutzes immer ins Innere der Federelemente. In der Folge verschleißen die Gabelbuchsen, was zu erhöhtem Spiel und schlechterem Ansprechverhalten führt.

Abrieb an den Dichtungen führt irgendwann zu Undichtigkeiten, und alternde Additive im Dämpfungsöl bewirken immer weiter abnehmende Fading-Resistenz und Schmierwirkung. Daher raten praktisch alle Hersteller dazu, die Federelemente einmal im Jahr oder alle 100 bis 200 Fahrstunden komplett überholen zu lassen.

Die Antwort: Ja, Gabel und Dämpfer benötigen regelmäßig einen Profi-Service.

Gerade ein kleiner Service zum „Auffrischen“ unter dem Jahr kann für geübte Hobbyschrauber aber auch leicht zu Hause durchgeführt werden und größere Schäden von vornherein verhindern. Einen umfangreichen Service beim Händler kann das im besten Fall aber nur hinauszögern. Für den großen Service sind oft teure Spezialwerkzeuge nötig, die sich für die Hobbywerkstatt nicht rechnen. Oft werden auch Ersatzteile gar nicht an den Endkunden verkauft.

Da sich in meiner Schublade genügend "Horrorbilder" von eingelaufenen Standrohren, geplatzten Dämpfern und schmutztriefenden Schaumstoffringen finden, würde ich hier nicht von einem Mythos sprechen. Wer sich also einen regelmäßigen Service nicht selbst zutraut, findet beim autorisierten Fachhändler kompetente Hilfe. Neben dem Service werden zudem oft auch Tuning-Teile verbaut oder das Fahrwerk optimal auf den Fahrer eingestellt."

TIPPS ZUM FEDERGABEL-SERVICE AM MOUNTAINBIKE

Hier zeigen wir Ihnen die wichtigsten Tipps für den kleinen Gabel-Service zu Hause. Formeller Hinweis: Die Hersteller von Federgabeln und Hinterbaudämpfern können die Haftung für Schäden ablehnen, die nachweislich infolge von selbst durchgeführten Ölwechseln oder Wartungsarbeiten entstanden sind. Wer auf Nummer sicher gehen will, gibt also Gabel und Dämpfer beim Profi ab.

  Handschuhe und Schutzbrille: Beim Gabel- und Dämpfer-Service, wie hier beim Ölwechsel, gilt: Aus Sicherheitsgründen sollten Sie immer Handschuhe und Schutzbrille tragen. Weil die Federelemente unter hohem Druck stehen, dürfen Sie außerdem nicht vergessen, vor dem Service die Luft abzulassen! Vorsicht: Die unsachgemäße Demontage kann sehr gefährlich werden!Foto: Robert Niedring
Handschuhe und Schutzbrille: Beim Gabel- und Dämpfer-Service, wie hier beim Ölwechsel, gilt: Aus Sicherheitsgründen sollten Sie immer Handschuhe und Schutzbrille tragen. Weil die Federelemente unter hohem Druck stehen, dürfen Sie außerdem nicht vergessen, vor dem Service die Luft abzulassen! Vorsicht: Die unsachgemäße Demontage kann sehr gefährlich werden!
   Lösen der Tauchrohreinheit: Beim Lösen der Tauchrohreinheit kann Öl aus der Gabel austreten. Deshalb sollten Sie unter der Arbeitsfläche eine Wanne platzieren. Lösen Sie dann die beiden Seiten der Tauchrohreinheit zunächst nur bis zur Hälfte. Ansonsten können Sie die Tauchrohre nicht von den Standrohren trennen.Foto: Robert Niedring
Lösen der Tauchrohreinheit: Beim Lösen der Tauchrohreinheit kann Öl aus der Gabel austreten. Deshalb sollten Sie unter der Arbeitsfläche eine Wanne platzieren. Lösen Sie dann die beiden Seiten der Tauchrohreinheit zunächst nur bis zur Hälfte. Ansonsten können Sie die Tauchrohre nicht von den Standrohren trennen.
  Ausschlagen der Tauchrohreinheit: Tauch - und Standrohreinheit sind noch immer fest zusammengepresst. Um die Verbindung zu lockern, müssen Sie von unten mit einem Gummihammer kräftig auf die Nuss am linken Holm klopfen, auf der rechten Seite auf den Inbus-Schlüssel. Erst dann kann man die Schrauben komplett lösen. Foto: Robert Niedring
Ausschlagen der Tauchrohreinheit: Tauch - und Standrohreinheit sind noch immer fest zusammengepresst. Um die Verbindung zu lockern, müssen Sie von unten mit einem Gummihammer kräftig auf die Nuss am linken Holm klopfen, auf der rechten Seite auf den Inbus-Schlüssel. Erst dann kann man die Schrauben komplett lösen. 
   Schaumstoffringe baden: Die Schaumstoffringe, die unter den Staubdichtungen sitzen, sind für die Schmierung der Standrohre zuständig. Die neuen Ringe sollten ausreichend mit 15W-Gabelöl getränkt werden. Am besten badet man die Ringe für kurze Zeit in einem kleinen Schälchen oder dem Deckel der Ölflasche.Foto: Robert Niedring
Schaumstoffringe baden: Die Schaumstoffringe, die unter den Staubdichtungen sitzen, sind für die Schmierung der Standrohre zuständig. Die neuen Ringe sollten ausreichend mit 15W-Gabelöl getränkt werden. Am besten badet man die Ringe für kurze Zeit in einem kleinen Schälchen oder dem Deckel der Ölflasche.
   Unser Schrauber-Experte Florian Ohnesorg: Der Zweirad-Mechatroniker war bereits Schrauber-Europameister und besitzt einen Bikeshop in Ingenried bei Schongau. Es gibt kaum ein Bike Problem, das er nicht lösen kann. Bereits am Geruch des Gabelöls kann Florian auf die Kilometerleistung des Bikes schließen. Foto: Robert Niedring
Unser Schrauber-Experte Florian Ohnesorg: Der Zweirad-Mechatroniker war bereits Schrauber-Europameister und besitzt einen Bikeshop in Ingenried bei Schongau. Es gibt kaum ein Bike Problem, das er nicht lösen kann. Bereits am Geruch des Gabelöls kann Florian auf die Kilometerleistung des Bikes schließen. 

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