​Neue RockShox ZEBWas die Downhill-Weltcup-Technologie mit einer Enduro-Gabel macht!

Max Fuchs

 · 07.04.2026

Die ZEB bringt mit ihren dicken 38-Millimeter-Standrohren in der Ultimate-Ausführung 2.568 Gramm auf die Waage.
Foto: Callum Woods
Vom Downhill-Rennzirkus auf den Enduro-Track – so entstand RockShox’ neue Enduro-Federgabel ZEB. Herzstück ist die Linear-XL-Luftfedereinheit – jene Technologie, die RockShox gerade erst in seiner neuen Downhill-Gabel Boxxer vorgestellt hat. Was das für die ZEB bedeutet und was sonst noch neu ist, klären wir hier.

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Fazit von Max Fuchs, BIKE-Testredakteur

Die Neuerungen an der ZEB zeigen Wirkung – Neustart gelungen! Gerade auf Highspeed-Passagen frisst die ZEB grobe Schläge regelrecht in sich hinein, gibt großzügig, aber kontrolliert ihren Federweg frei und zieht selbst fiese Steinfelder oder Wurzelteppiche glatt – so, wie es sich für eine Highend-Enduro-Gabel eben gehört. Beim Geradeauslauf kommt die neue ZEB unserer Einschätzung nach sogar nah an die Fox Podium heran, die im Enduro-Segment aktuell die Benchmark markiert. Was Traktion und Spurtreue in Kurven oder Off-Camber-Passagen angeht, ist die Podium konstruktionsbedingt mit ihrer deutlich geringeren Verdrehsteifigkeit allerdings nach wie vor der Maßstab.

Vier Jahre, ein komplett neues Produkt

Mit der neuen ZEB beendet RockShox den längsten Gabelproduktionszyklus seiner Geschichte – und macht dabei keine halben Sachen. Vom Vorgänger bleibt genau ein Bauteil übrig: die Steckachse. Casting, Gabelkrone, Standrohre, Luftfeder, Dämpfung – alles neu. Die bewährten 38-mm-Standrohre sorgen für die nötige Steifigkeit im Enduro-Einsatz. Der Federweg reicht von 150 bis 180 Millimetern, erhältlich in 27,5 und 29 Zoll. Die Preise starten bei 1080 Euro für die Select-Version, das Ultimate-Modell ist für 1415 Euro erhältlich. Die Select+-Varianten sind vorerst nicht im Einzelhandel erhältlich.

​Technische Daten: RockShox ZEB MY27

MerkmalDetails
Preis1415€ (Ultimate) / ab 1.080 € (Select)
DämpfungCharger 3.2 RC2 mit ButterCup
FederLinearXL mit ButterCup
Federweg150 / 160 / 170 / 180 mm
Standrohrdurchmesser38 mm
Steckachse15 x 110 mm
Gabel-Offset37 mm (27,5") / 44 mm (27,5") / 44 mm (29")
Laufradgröße27,5" / 29"
EinstellungenHigh- und Lowspeed-Compression, Rebound
Gewicht2.568 g (29")

Berechenbar: Die Linear-XL-Luftfeder

Das technische Herzstück der neuen ZEB entstammt dem Downhill-Weltcup: Die Linear-XL-Luftfedereinheit im Kartuschen-Design wurde in enger Zusammenarbeit mit den RockShox-Athleten entwickelt und findet sich jetzt erstmals auch in einer Enduro-Gabel wieder. Das Prinzip: Wie der Name schon sagt, erzeugt sie eine lineare Federkennlinie. Das heißt, dass die Kraft zum Komprimieren der Feder über den gesamten Federweg konstant und gleichmäßig ansteigt – das Ergebnis ist ein konstantes und vorhersehbares Fahrgefühl, ähnlich einer Stahlfeder.

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Um das zu erreichen, hat RockShox das Verhältnis zwischen Kolbenoberfläche und Luftschaft verkleinert und gleichzeitig mehr Luftvolumen in der Negativkammer geschaffen – beides Maßnahmen, die einer möglichst linearen Federkennlinie zugutekommen. Die Kraft, um das Losbrechmoment der Gabel zu überwinden, fällt durch die große Negativkammer sehr gering aus, und die Feder kann zu Beginn des Federwegs extrem feinfühlig arbeiten. In der Mitte bietet sie viel Gegenhalt, und gegen Ende schützt ein mechanischer Durchschlagschutz vor Durchschlägen.

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AirAnnex: Die Beule mit Funktion

Die markante Beule am unteren Ende der Luftfederseite ist kein Designelement, sondern die sogenannte AirAnnex – eine zusätzliche Luftkammer, die das Volumen im linken Tauchrohr vergrößert. Der Hintergrund: Die Dämpfungseinheit im rechten Tauchrohr baut kompakter als die neue Luftfederkartusche. Ohne Ausgleich würden beide Seiten mit unterschiedlichem Luftvolumen arbeiten, was beim Einfedern zu ungleichmäßiger Progression führen würde. Der AirAnnex verhindert genau das.

Breather Holes: Zwei kleine Löcher, große Wirkung

Unterhalb der Öldichtungen hat RockShox jedes Standrohr mit zwei Bohrungen versehen – die sogenannten Breather Holes. Sie ermöglichen eine schnellere und gleichmäßigere Luftzirkulation im Casting beim Einfedern. Ziel ist auch hier, unkontrollierte Progressionsspitzen zu verhindern und eine möglichst lineare, berechenbare Kennlinie zu gewährleisten.

Volumenspacer bleiben möglich

Wer eine progressivere Kennlinie bevorzugt, kann weiterhin Volumenspacer einbauen. AirAnnex und Breather Holes sollen ausschließlich ungewollte Progression verhindern – eine gezielte Anpassunge der Kennlinie über das Luftvolumen ist weiterhin möglich.

ABO: Wenn der Federweg vollständig genutzt wird

Die linearere Kennlinie bringt einen Haken mit sich: Weil der maximale Federweg leichter genutzt werden kann, schlägt die Gabel im Extremfall auch leichter durch als Gabeln mit einer progressiveren Kennlinie. Genau dafür hat RockShox den ABO (Adjustable Bottom Out) entwickelt – einen per Inbus verstellbaren Anschlagpuffer. Er greift auf den letzten 10 bis 17 Millimetern des Federwegs ein und fängt auch harte Einschläge ab. Der typische metallische Knall beim Bottom-out bleibt dadurch aus.

ButterWagon: Konstante Gleitbuchsenschmierung

Weniger Reibung ist der zweite große Entwicklungsschwerpunkt der neuen ZEB. Die ButterWagon-Technologie löst das Problem mit einem ebenso simplen wie eleganten Ansatz: einem Netz aus Ausfräsungen auf den Standrohren, unterhalb der Öldichtungen. Die Vertiefungen erinnern von der Struktur her an die Oberfläche eines Golfballs – nur mit größeren Abständen. Bei jeder Federbewegung nehmen sie Öl auf und geben es über die Gleitbuchsen wieder ab. Die kontinuierliche Schmierung reduziert Reibungsverluste, ermöglicht ein feineres Ansprechen und zahlt auf die Haltbarkeit ein. Flankiert wird das System durch dickflüssigeres Maxima-920-W15-Öl, neues Fett und überarbeitete Abstreifer – allesamt Maßnahmen, die die Reibung im Chassis weiter senken.

Charger 3.2: Mehr Dämpfung, weil weniger Reibung

Weniger Reibung klingt erst mal nur nach Vorteilen – hat aber eine direkte Konsequenz für die Dämpfung. Denn Reibung wirkt beim Einfedern wie eine zusätzliche, natürliche Dämpfung. Da RockShox bei seinen neuen Gabeln Reibungsverlusten den Kampf angesagt hat, fällt der Tune der neuen Charger-3.2-Einheit deutlich straffer aus als bei der Charger-3.1-Dämpfungskartusche im Vorgängermodell. Das kompensiert die fehlende, natürliche Dämpfung und verhindert, dass die Gabel unkontrolliert durch den Federweg rauscht.

Der Funktionsumfang bleibt vertraut: Zugstufe sowie getrennte High- und Lowspeed-Druckstufe, alles von Hand einstellbar. Neu ist die Nummerierung der Druckstufenregler. Die Grundeinstellung beginnt bei 0, von dort lässt sich die Dämpfung schrittweise erhöhen (+) oder reduzieren (–).

ButterCups: die Vibrationsfilter

Nicht alles ist neu. Neben der Steckachse sind auch die ButterCups geblieben. Die Elastomere am unteren Ende von Luftfeder- und Dämpfungseinheit kennt man bereits aus der alten Gabelgeneration. Sie lagern beide Einheiten schwimmend im Chassis und reduzieren laut RockShox hochfrequente Vibrationen um bis zu 20 Prozent. Das Ergebnis: weniger Belastung für Hände und Unterarme, weniger Ermüdung auf langen Abfahrten, weniger Armpump.

Neues Casting: Speed Ports und Schutzblech-Aufnahme

Am neuen Casting fallen neben der AirAnnex noch zwei weitere Details auf. Erstens: die sogenannten Speed Ports – Verstrebungen an der Frontseite der Gabelbrücke, dort, wo sie in die Tauchrohre übergeht. Sie machen die ZEB zwar nicht direkt zu einer schnelleren Gabel, nehmen aber unter Last Spannungen aus den Buchsensitzen und senken so die Reibung noch weiter. Zweitens: Unter der Kunststoffabdeckung in der Mitte der Gabelbrücke verbergen sich Montagepunkte für RockShox-eigene Mini-Schutzbleche – nahtlos integriert, ohne die maximale Reifenfreiheit einzuschränken.

Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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