Die schlechte Nachricht vorneweg: Bergab durch die Schallmauer zu brechen wie die Downhillstars Jackson Goldstone oder Asa Vermette, das wird dem Normalo auch mit der neuen Fox 40 kaum gelingen. Der kalifornische Fahrwerksspezialist hat aber mächtig an allen Knöpfen gedreht, um die abfahrtsfokussierte Palette noch besser zu machen. Zahlreiche Änderungen im Detail erfinden zwar die Federgabel nicht neu, machen in Summe aber doch einen spürbaren Unterschied. Fox greift dabei zum Teil auf Erkenntnisse von der letztes Jahr neu vorgestellten 36 und vor allem der sündteuren High-End Gabel Fox Podium zurück.
Schon ausreichend verwirrt? Keine Sorge, so komplex ist es nicht. Kern des Updates rund um die neue Fox 40 Gabel ist eine überarbeitete Dämpfung. Konkret kommt in der Druckstufe (blauer Einstellknopf) ein neues Mid-Valve zum Einsatz. Das Prinzip: Mehr Öldurchfluss durch großzügigere Öffnungen soll ermöglichen, dass man mehr Dämpfung fahren kann, ohne dass sich die Gabel harsch anfühlt. Mehr Grip und Kontrolle sollen die Folge sein. Sichtbar ist das an vergrößerten Bohrungen und seitlichen Ausfräsungen am neuen Mid-Valve-Bauteil.
Überraschung: Ganz neu ist die Dämpfung gar nicht. Klammheimlich hat Fox das neue Mid-Valve-Bauteil letztes Jahr schon im Inneren der High-End Upside-Down Gabel Podium eingeführt. Mit Erfolg: Vielleicht nicht nur aber auch deswegen konnte sich die Podium in unserem Test gegenüber Zeb und 38 deutlich absetzen.
Die Podium nutzt den kompletten Federweg, geht aber nie auf Block oder schlägt hart durch. Gabel und Dämpfung arbeiten konstant und definiert. Die Traktion ist der Wahnsinn. - Peter Nilges, BIKE-Testleiter
Fox selbst spricht in Bezug auf die neue Dämpfung nicht von mehr Komfort, sondern legt eher Wert auf Kontrolle und Traktion. Der sportlich-definierte Charakter der Fox-Gabeln dürfte also weiterhin erhalten bleiben. Wer durch den größeren Ölfluss eine generell weniger straffe Dämpfung erwartet, könnte enttäuscht werden.
Auch im linken Gabelholm mit der Luftkammer hat Fox Einiges verändert. Das Ziel der Entwickler: Eine größere Luftkammer für eine potentiell linearere Kennlinie und weniger Bauteile für weniger Reibung im Inneren und ein noch besseres Ansprechverhalten.
Reibung in der Gabel ist ungewollte Dämpfung. Je weniger Reibung im System ist, desto mehr Dämpfung können wir über den Öldurchfluss auf der Dämpfungsseite abbilden. Und desto mehr Kontrolle bietet am Ende die Gabel. - Fox
Spätestens jetzt muss auch ein Verweis auf den Wettbewerber erlaubt sein. Auch Rockshox setzt mit der neuen Boxxer auf ein ähnliches Prinzip: Größere Luftkammer, linearere Kennlinie, weniger Reibung. Fox stattet die neue Luftfeder in der 40 außerdem mit kleinen Gummipuffern für maximale Sensibilität bei kleinen, schnellen Schlägen aus. Eine Technik die sich ebenfalls beide Federgabel-Giganten teilen. Eine Überarbeitung der Überdruckventile am Casting und der Spacer-Tausch mittels eines klassischen Kassetten-Tools wie bei der seit letztem Jahr neuen Fox 36 runden das Update ab.
Passend zum Gabel-Update - weniger Bauteile, besserer Öldurchfluss, weniger Reibung - bekommen auch die Dämpfer Float X (Luftdämpfer mit Ausgleichsbehälter) und DHX (Traildämpfer mit Stahlfeder) eine entsprechende Frischzellenkur. Dabei wurde der Hauptkolben deutlich überarbeitet, ebenso wie die Dämpfung. Beide Dämpfer sollen damit einen verbesserten Grip am Hinterrad bieten und näher an den bereits letztes Jahr neu aufgelegten Enduro und Downhill Luftdämpfer Float X2 rücken. Beide Dämpfer sind nun auch mit dem neuen Fox Live Valve Neo System (hier im Test) verfügbar.
Mit der neuen Dämpfungskartusche und der frischen Luftfeder ist die neueste Modellpflege der Fox 40 mehr als nur ein kleines Update. Wenn Kontrolle und Traktion tatsächlich so nah an die Upside-Down-Gabel Podium rücken, wie Fox verspricht, wäre das ein relevanter Fortschritt. Aber auch die “alte” Technik arbeitet schon auf hohem Niveau. Ein Wechsel auf die neue Technik dürfte sich also nur für ambitionierte Profis mit dickem Budget lohnen.

Redakteur