Mahle M40 E-Bike-Motor im TestLeicht & superstark - deutsch-spanische DJI-Alternative

Florentin Vesenbeckh

 · 08.04.2026

Viel Power auf kleinem Bauraum: Der Mahle M40 ist ein kompaktes Kraftppaket.
Foto: Max Fuchs
Schön klein und dabei richtig stark: Der Mahle M40 ist einer der leichtesten E-MTB Power-Motoren den wir kennen - und hat trotzdem massiv Power. Jetzt bekommt der E-Antrieb noch neue smarte Funktionen spendiert. Wir konnten den Neuling und die spannenden Features schon ausführlich testen.

Themen in diesem Artikel

BIKE Fazit zum Mahle M40

Volle Power bei kompakter Bauform und geringem Gewicht - diese Kombi macht E-Mountainbikes besser. Die Leistung des kleinen Mahle-Kraftpakets ist absolut beachtlich, denn einen Bosch CX steckt der M40 locker in die Tasche. Die größten Nachteile sind die auffällige Geräuschkulisse und die aktuell noch geringe Verfügbarkeit von Bikes. Wir sind gespannt, ob sich das bald ändert.

Wenn es um Nabenmotoren für E-Bikes geht, gerade an leichten Road- und Gravelbikes, ist Mahle ganz vorne mit dabei. Die kompakten Kraftpakete Mahle X20 und X35 sind zu Recht die erste Wahl vieler Bike-Hersteller. Jetzt will der deutsche Automotive-Riese auch bei E-Mountainbikes durchstarten. Der M40 ist ein klassischer Mittelmotor, seine Kernkompetenz: Bei kompakter Bauform und geringem Gewicht will er trotzdem enorme Power liefern. 105 Newtonmeter maximales Drehmoment und eine Spitzenleistung von 850 Watt stehen im Datenblatt. Wir konnten testen, ob der Neuling den bewährten Bosch Performance CX auch in der Realität abhängt - wie es die nackten Zahlen vermuten lassen.

Vorab ein kleiner Exkurs in die Mahle-Welt: Die Mahle Group hat ihren Ursprung in Stuttgart und agiert als großer Automotive-Experte inzwischen International mit 135 Standorten weltweit. Die E-Bike-Abteilung Mahle Smartbike Systems hat ihren Sitz mit der kompletten Entwicklungsabteilung in Spanien. Obwohl der Fokus bisher auf Nabenmotoren lag, ist Mahle bei E-Mountainbikes alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Der Specialized SL-Motor, der Light-E-Bikes mit dem allerersten Levo SL salonfähig machte, stammt ebenfalls aus dem Mahle-Werk und wurde in enger Zusammenarbeit der beiden Firmen entwickelt.

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​Die Fakten zum Mahle M40

  • Spitzenleistung: 850 Watt
  • Max. Drehmoment: 105 Newtonmeter
  • Unterstützung: max. 600 Prozent
  • Gewicht: 2,5 Kilo (Herstellerangabe)
  • Unterstützungsstufen: Level 1, Level 2, Level 3 und Smart Assist
  • Kabellose Remote
  • Update mit smarten Funktionen: Smart Assist, Traction Control und Auto Hold
  • Einstellung der Motorcharakteristik auch ohne App direkt über die Bedienelemente

Praxistest: So stark ist der Mahle M40 wirklich

​Mit nur gut 2,5 Kilogramm Motorgewicht und einem maximalen Drehmoment von 105 Newtonmetern positioniert sich der Antrieb als kompakte Kraftquelle für anspruchsvolle Mountainbike-Einsätze. Die Zahlen klingen ambitioniert. Das zeigt der Vergleich zum Klassiker Bosch Performance CX: 2,85 Kilo bei 100 Nm und 750 Watt. Wir haben die beiden Antriebe back to back im Gelände verglichen und sind den Systemen auch mit Vergleichsfahrten mit Wattmesspedalen und Gewichtsausgleich zu Leibe gerückt. Um es kurz zu machen: Der M40 hängt den Performance CX tatsächlich ziemlich deutlich ab. Der Durchzug ist richtig kraftvoll und die Beschleunigung immens. So viel Power bei so geringem Gewicht kennen wir bisher nur vom DJI Avinox M1 - der allerdings minimal schwerer und größer ausfällt.

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Unser Feldtest verpackt das Gefühl vom Trail in harte Fakten. Mit Wattmesspedalen und Ausgleichsgewichten bewaffnet, schicken wir Mahle M40 und Bosch Performance CX unseren Norm-Anstieg hinauf. Die Prüflinge müssen 90 Höhenmeter auf einer Strecke von 600 Metern zurücklegen, das bedeutet eine durchschnittliche Steigung von satten 15 Prozent. Der Fahrer tritt konstant mit 220 Watt, um die volle Power der Antriebe anzuregen und das Systemgewicht haben wir auf exakt 120 Kilo eingelevelt. In drei aufeinanderfolgenden Vergleichsläufen kommt der Mahle M40 konstant auf 1:59, 2:01 und 2:00 Minuten. Beim Bosch Performance CX mit Power-Update (hier im Test) und aufgedrehten Reglern auf 100 Nm und 750 Watt sind es 2:24, 2:25 und 2:26 Minuten. Mahles M40 ist also um gut 20 Prozent schneller - eine Zahl, die unser Gefühl aus dem Praxistest auch gut wiedergibt. Hut ab, Mahle!

Vollgas-Test: So lang brauchen die Motoren für unseren Standard-Anstieg*

  • Bosch CX (Power Update): 2:25 Min
  • Mahle M40: 2:01 Min
  • DJI Avinox M1: 1:45 Min

*Testprozedere: 600 Meter Standard-Anstieg mit 90 Hm (15 % Steigung). 220 Watt Tretleistung, 120 kg Systemgewicht, maximale Motorunterstützung.

​Software-Update zündet nächste Stufe

Im Zuge eines Software-Updates soll der M40 jetzt aber nicht nur Leistung satt liefern, sondern durch neue Funktionen und ein besseres Fahrgefühl auch bei den Softskills nachgelegt haben. Herzstück des Updates ist Smart Assist, ein dynamischer Automatikmodus, der die Motorunterstützung kontinuierlich an Fahrereinsatz und Geländebedingungen anpasst. Das System analysiert in Echtzeit Parameter wie Fahrerleistung, Trittfrequenz, Geschwindigkeit und Steigung – ein manuelles Wechseln zwischen Unterstützungsstufen soll damit entfallen.

Im Praxistest hat es uns dieser neue Automatikmodus besonders angetan. Der Motor orientiert sich dabei sehr stark am Leistungsinput des Fahrers. Wer in der Ebene oder flachen Forststraßenanstiegen nur locker pedaliert, bekommt auch vom Motor nur seichten Support. So ist man energiesparend und geschmeidig unterwegs. Wenn man zum Sprint ansetzen will oder in steilen Passagen Gas gibt, reagiert der Motor auf den gesteigerten Input sehr dynamisch und kraftvoll. Die eigene Leistung potenziert sich und so fühlt man sich wie Superman mit den stärksten Beinen der Welt. Die Regelung und Modulation ist in diesem Modus richtig angenehm und natürlich. Eine einzige Unterstützungsstufe für die komplette Tour? Genau das liefert Smart Assist ziemlich gut.

Wie alle Modi ist auch Smart Assist über die App nach persönlichen Vorlieben individualisierbar. So kann man sich die Unterstützung kraftvoller oder energiesparender einstellen, ganz nach Gusto. Das ist absolut gelungen. Im Vergleich zu den Modi E-MTB und E-MTB+ von Bosch liefert Smart Assist einen größeren Leistungsumfang und deckt so einen breiteren Leistungsbereich der Motorunterstützung ab. In Sachen Modulation ist der Bosch CX aber noch etwas feinfühliger unterwegs. Doch auch der M40 reagiert super auf den Pedaldruck und beschleunigt spritzig. Das fühlt sich absolut stimmig an.

Nie mehr Durchdrehen dank Traction Control?

Ein weiteres neues Feature ist Traction Control. Über einen hochauflösenden Geschwindigkeitssensor am Hinterrad, der 84 Messungen pro Umdrehung vornimmt, detektiert der Motor permanent die Traktion am Hinterreifen. Wird ein Durchrutschen erkannt, reguliert das System die Drehmomentabgabe automatisch, um die Traktion zu halten. Ähnliche Ansätze gibt’s zwar auch bei anderen E-Bike-Systemen, doch so konsequent wie beim M40 wird diese Funktion von niemandem umgesetzt. Gut: Das Feature kann je nach persönlichem Gusto oder Einsatzbereich ein- und ausgeschaltet werden.

In der Praxis ist Traction Control sehr deutlich spürbar. Es kommt zu deutlich weniger Rutschern am Hinterrad und damit einer vorhersehbaren Fahrweise. Davon profitieren weniger versierte E-Biker noch mehr als echte Profis. Wie hilfreich die Funktion ist, hängt stark von den Bedingungen und dem Untergrund ab. In vielen Situationen auf Tour sorgt die Traktionskontrolle für ein gleichmäßiges, rundes Fahren. Wenn es besonders rutschig und zugleich extrem steil wird, kann Traction Control allerdings auch hinderlich sein. Das gilt besonders, wenn versierte Biker in extremen Uphills das letzte Quäntchen herauszukitzeln wollen. Denn das reduzierte Drehmoment kostet Schwung und Punch, um grenzwertig steile Passagen durchzuziehen. Da hilft es, dass man die die Funktion direkt am Mahle-Drücker passend zur Geländesituation aktivieren oder deaktivieren kann.

Mit dem Dynamic Overrun hat der M40 ein weiteres Tool für schwierige Anstiege parat. Der Nachlauf des Motors reagiert situationsangepasst. Auf kräftigen Antritt reagiert der Motor mit einem längeren Nachlauf, um Steine und Wurzelpassagen leichter überwinden zu können. Bei gemächlichem Tritt fadet der Motor hingegen seicht und geschmeidig aus. Die Länge des Nachlaufs kann ebenfalls in den Motoreinstellungen (in der App oder direkt am Display) angepasst werden.

Die Anfahrhilfe fürs E-Bike

Mit der Funktion Hill Hold führt Mahle ein Feature ein, das wir sonst nur vom Schiebehilfe-Modus kennen. Bleibt das Bike in einer steilen Passage stehen, setzt der Motor automatisch eine Art Handbremse ein. So rollt das Bike nicht rückwärts und der Fahrer kann entspannter wieder anfahren. Keine Sorge: Überschlagsgefahr nach hinten besteht nicht, denn der Neigungssensor erkennt die Lage des Bikes und löst die Handbremse sofort, sollte es kritisch werden. Auch dieses Feature gibt besonders unbedarften Bikern ein Plus an Sicherheit.

Für M40-Bikes, die bereits im Umlauf sind, soll das Software-Update ab Ende Mai verfügbar sein.

Der Mahle M40 im Überblick

Stärken

  • Sehr hohe Power
  • Leicht und kompakt
  • Intuitives Bedienkonzept

Schwächen

  • Geräuschkulisse
  • Wenig Bikes verfügbar

Florentin Vesenbeckh sitzt seit seinem zehnten Lebensjahr auf dem Mountainbike. Schon auf der allerersten Tour standen Singletrails im Fokus – und die gehören für ihn auch nach über 30 Jahren im MTB-Sattel zur Quintessenz des Bikens. Seine Jugend verbrachte er mit Wettkämpfen in verschiedenen Bike-Disziplinen und später prägten Jahre als Fahrtechnik-Coach seine radsportliche Vita. Beruflich stehen für den erfahrenen Testredakteur inzwischen E-Mountainbikes im Fokus. In den letzten Jahren testete der diplomierte Sportwissenschaftler und ausgebildete Journalist über 300 Bikes und mehr als 40 verschiedene Motorsysteme in Labor und Praxis.

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