Acht Jahre lang hat ein Team des Schaltungsherstellers Pinion an der Entwicklung einer Antriebseinheit gearbeitet, die Motor und Getriebe vereint. Das Ergebnis ist die „Motor Gear Unit“, die dieses Jahr auf der Eurobike Premiere feiert. Dabei handelt es sich um eine Neun- oder Zwölf-Gang-Schaltung, die zusammen mit einem Elektromotor in einem Gehäuse untergebracht ist. Die Motor-Getriebe-Einheit ist nur unwesentlich größer als die bisher üblichen Elektromotoren, die Gewichtsersparnis soll jedoch erheblich sein. Zudem ist das System äußerst wartungsarm, da es keine offen liegenden Schaltelemente und Kabel gibt und zudem einfach mit einem Riemenantrieb kombiniert werden kann. Gerade im Trekking- und Mountainbike-Segment ermöglicht dies neue Entwicklungen. Zudem werden die Gänge elektronisch angesteuert, was die Schaltbarkeit des Getriebes verbessern soll. Die weiteren Komponenten wie Akku und Display stammen von der Biketec GmbH, die mit dem System „Fit“ ein individuelles E-Bike-System mit digitalen Schnittstellen anbietet. Eingebaut ist das System beispielsweise in das E-Expeditionsrad „Pamir One“ (7.999 Euro), das E-Trekkingrad „Appia Select 4.1“ (6.999 Euro) - beide von Tout Terrain - und das E-Crossover „Goroc TR:X“ von Flyer (Preis noch unbekannt).
Das E-Bike mit echtem Expeditionscharakter. Gemacht für Abenteurer, die die Welt auf zwei Rädern erkunden wollen. Das einzige E-Bike in seiner Kategorie mit der weltweit neuartigen Antriebseinheit von Pinion, die einen kraftvollen Motor mit präzisem Schaltgetriebe vereint. Aus dem in Europa hergestellten Rahmen sowie sogfältig ausgewählten Komponenten wird das Pamir in unserer Manufaktur in Freiburg von Hand gefertigt. Ausgestattet mit der Tout Terrain Adventure Fork II Carbon-Gabel, dem modularen E-Expedition Rack und einer Akkukapazität von bis zu 1.250Wh bringt es den Fahrer zuverlässig in die entlegensten Regionen – und sicher wieder zurück. Bergründung der Eurobike-Jury
Auch andere Hersteller setzen auf harmonische elektronische Schaltungen, um den Fahrkomfort zu erhöhen. Schaltungshersteller wie Enviolo, Rohloff und 3X3 verbessern das Zusammenspiel mit den Motoren, z.B. mit dem System von Bosch. Durch eine kurze Drosselung des Motors während des Schaltvorgangs ermöglicht das System einen weichen, synchronisierten Gangwechsel. Das automatische Herunterschalten zum besseren Anfahren ist bei elektronischen Schaltungen für E-Bikes mittlerweile Standard. Ein Beispiel ist die „Electric 9-Gang“ von 3X3. Die Nabenschaltung arbeitet völlig kabellos und sorgt für ein aufgeräumtes, sauberes Fahrrad. Die Schaltung kann in E-Bikes, aber auch in Light Electric Vehicles, kurz LEV, eingebaut werden.
Ein Trend im E-Bike-Bereich ist das Light-E-Bike. Dabei wird ein kleiner, leistungsstarker Motor mit einem kleinen Akku kombiniert. So entstehen leichte E-Bikes, die das Fahrgefühl eines konventionellen Fahrrads mit elektrischer Unterstützung versprechen. Dies ist vor allem bei E-Gravel- und E-Mountainbikes gefragt. Aber auch E-Urbanbikes profitieren von dieser Entwicklung. Denn leichte E-Bikes sind auch in der Stadt eine Lösung. Sie können über Treppen, in Keller, Hausflure oder andere Hindernisse getragen werden. Marktführer Bosch bietet mit der „Performance Line SX“ einen neuen Antrieb für diesen Einsatzbereich, der E-Bike-Gewichte von unter 20 Kilogramm ermöglicht. Ein Beispiel ist das „Upstreet SL“ von Flyer (Preis noch nicht bekannt). Brose setzt bei seinem neuen Antrieb „Drive 3 Peak“ (verfügbar ab 2024) auf ein 48-Volt-System. Der Vorteil: Bordnetze mit höheren Betriebsspannungen können bei gleichem Leitungsquerschnitt mehr Strom transportieren. Verlustleistung, Bauraumbedarf für Kabel und damit Gewicht können reduziert werden. Das Ergebnis ist eine höhere Leistung bei kompakteren Abmessungen.
Mit dem Trend zu leichten E-Bikes erlebt ein weiterer Motortyp eine Renaissance: der Hinterradnabenmotor. Diese Antriebe gelten als wartungsarm und leistungsstark. In Kombination mit kleinen Akkus bilden sie ein leichtes Antriebssystem, das sich gut für den Stadtverkehr eignet. Für die kommende Saison bringt der Hersteller Mivice erstmals eigene Akkus und damit ein komplettes System auf den Markt. Hinzu kommen mit dem „M100“ und dem „M200“ zwei neue Hinterradnabenmotoren, die für den Einsatz in leichten E-Urbanbikes konzipiert sind.
Mit einem Systemgewicht von 1,75 Kilogramm in der Variante M100 bei einem maximalen Drehmoment von 40 Newtonmetern eignet sich die neue Antriebsgeneration besonders gut für das Gravel-Segment und für urbane Light-E-Bikes, deren Fahrer sich über die direkte Kraftentfaltung des Heckmotors freuen dürften. Der M200 leistet laut Hersteller 45 Newtonmeter bei einem Gewicht von 2,25 Kilogramm und soll sich unter anderem durch seine Achsbreite von 148 Millimetern für leichte Reise- und Trekking-E-Bikes eignen. Mivice hebt besonders das gute Verhältnis von geringem Gewicht und hoher Leistung hervor. M100 und M200 unterscheiden sich in Einbaumaß, Achsnorm und Gewicht und sind mit den weit verbreiteten Sechs-Loch-Bremsscheiben und Zwölf-Gang-Kassetten kompatibel. Beide Motoren werden kabellos über einen Steckkontakt im Ausfallende montiert, was den Radwechsel erheblich erleichtern soll.

Chefredakteurin