Max Fuchs
· 27.01.2026
Der Bosch Performance CX ist in der E-Mountainbike-Welt allgegenwärtig, der Entwicklungsansatz des Whyte ELyte Evo RS hingegen einzigartig. Wie harmonieren Mainstream und Nische? Wird das Bosch-System seinem Hype gerecht – und wie wirkt sich die Motor-Power auf die Lebensdauer des Bikes aus? Nach einem Jahr im Dauereinsatz ziehen wir Bilanz.
Außer dem dumpfen Poltern der Reifen untermalt vom dezenten Schnurren des Freilaufs will ich in der Abfahrt nichts hören. Klappert es, schaltet mein Körper automatisch in den Notlauf: Die Finger verkrampfen an der Bremse, und der Bewegungsapparat sträubt sich, das Bike weiter Richtung Tal zu prügeln. Der Fahrspaß? Wie weggeblasen. Leise Mountainbikes gibt es zwar en masse – doch leider gilt das nicht fürs E-Segment. Besonders die Full-Power-Motoren quälten mich bisher allesamt mit chronischem Getriebeklappern und torpedierten damit mein geräuschempfindliches „Stoke-Level“. Dieses nervtötende Klackern – teils so penetrant, als würden die Zahnräder wie Bingokugeln in einer Lostrommel durchs Motorgehäuse kullern – hat mich bislang sogar davon abgehalten, auch abseits des Testalltags bei BIKE in die Welt der E-Mountainbikes einzutauchen.
An meinem Dauertest-Bike waren diese Buchsen nach fast 700 Kilometern so stark ausgeschlagen, dass der Motor spürbares Spiel entwickelte. - Max Fuchs, BIKE Testredakteur
Doch dann präsentierte Bosch Ende 2024 die fünfte Generation seines Performance-CX-Motors. Ein patentiertes Freilaufsystem entkoppelt das Motorinnere vom Antriebsstrang und soll Klappergeräusche damit endlich eliminieren. Bislang gelang das höchstens Light-Motoren oder manchen Nischenprodukten. Doch nun soll ausgerechnet der beliebteste und am weitesten verbreitete E-Bike-Motor bergab keinen Mucks mehr von sich geben? Ich war angefixt. Stimmt das wirklich? Und noch wichtiger: Ist der Bestseller auch zuverlässig? Um das zu checken, meldete ich mich für die Saison 2025 erstmals mit einem E-Bike zum Dauertest an.
Als Basis entschied ich mich für das brandneue Whyte ELyte Evo RS. Im Tretlagerbereich: der Bosch Performance CX. Kombiniert mit einem fest verbauten 400-Wh-Akku liefert die Einheit genügend Wumms und Reichweite für schnelle Feierabend-Laps – und drückt das Gewicht gleichzeitig auf starke 20,51 Kilo. Der passende Range-Extender für längere Ausfahrten ist inklusive: 250 Wattstunden Zusatzenergie zum Andocken. Leichte Power-Bikes nennen wir diese kleine Gegenbewegung im Akku-Wettrüsten moderner E-Mountainbikes.
Wie alle unsere Testbikes mit Motor musste sich auch das ELyte Evo RS bei unserem standardisierten Reichweiten-Test behaupten. Mit dem integrierten 400er-Akku und dem 250-Wattstunden-Range-Extender sammelte das Whyte bis zum Kraftversagen 1548 Höhenmeter bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 13,6 km/h. Damit klettert der Kandidat unter denselben Bedingungen minimal langsamer und etwas weniger hoch als ein Bosch-CX-Bike gepaart mit einem klassischen 600er-Akku (ca. 1600 hm / 14 km/h).
| Modell | Whyte ELyte Evo RS |
| Rahmenmaterial | Carbon |
| Preis / Gewicht | 8499 Euro / 20,51 kg |
| Größe / Reach | M / 456 mm |
| Federweg vorne / hinten | 150 mm / 142 mm |
| Gabel / Dämpfer | RockShox Lyrik Select (nicht im Bild) / Deluxe Select+ |
| Bremse / Schaltung | SRAM Code RZ / SRAM S1000 |
| Motor | Bosch Performance Line CX Gen. 5 |
| Akku | 400 Wh PowerTube fest verbaut + 250 Wh Range-Extender (inklusive) |
| Laufleistung | 1531 km / 74.265 hm |
Häufige Kurzstrecken und viel Vollgas – ein Fahrprofil, das Verbrennungsmotoren schnell dahinrafft, entpuppt sich am E-Mountainbike nach acht Monaten zumindest als Verschleiß-Booster. Denn lange Touren oder entspannter Pendelbetrieb standen im Testzeitraum nicht auf dem Programm. Stattdessen fütterte ich den Probanden unermüdlich mit Trail-Kilometern. Forstweg im Boost-Modus hoch zum Trail-Einstieg, mit V-Max wieder runter shredden – und das so lange, bis der Akku schlappmacht. Ganz nach dem Motto: maximale Downhill-Action in kürzester Zeit. Unter diesen Bedingungen fraß sich der Zahn der Zeit förmlich durch Hardware, Bedienelemente und andere Anbauteile.
Den größten Patzer leistete sich die Motoraufhängung. Wie bei Bosch-Bikes üblich, hängt der Antrieb an zwei Bolzen im Rahmen, die auf der Nicht-Antriebsseite jeweils durch eine Gummibuchse laufen. An meinem Dauertest-Bike waren diese Buchsen nach fast 700 Kilometern so stark ausgeschlagen, dass der Motor spürbares Spiel entwickelte. Die Recherche ergab: kein Einzelfall. Die Bolzen-Buchsen-Kombi konnte die Fertigungstoleranzen der unterschiedlichen Rahmenhersteller nicht ausreichend ausgleichen. Inzwischen hat Bosch reagiert, die Motor-Hardware überarbeitet und für betroffene Modelle entsprechende Nachrüstkits über den Fachhandel bereitgestellt.
Darüber hinaus leistete sich das Bike keine Schwächen. Sämtliche Lager laufen geschmeidig, nichts hat Spiel oder knarzt. Auch der Verschleiß des Antriebsstrangs hält sich dank Srams robuster T-Type-Technologie in Grenzen. Dem Motor selbst konnte das Dauerfeuer ebenfalls nichts anhaben: Er schiebt kraftvoll wie am ersten Tag, spricht sensibel an und bergab hört man nichts außer dem Poltern der Reifen und dem Surren des Freilaufs.
Das Handling ist überragend: geringes Gewicht, perfekter Schwerpunkt — so stimmig habe ich bislang kein anderes E-Mountainbike erlebt. Allein deshalb ist das Whyte empfehlenswert. Doch sorgloser Fahrspaß sieht anders aus: Das Antriebssystem erwies sich als zusätzliche Fehlerquelle und Verschleiß-Booster, und kostete mich im Test einige Nerven.
| Bewertung | |
| Positiv (+) | Top Handling |
| Positiv (+) | Zuverlässiger Antrieb |
| Positiv (+) | Hochwertige Rahmenplattform |
| Negativ (–) | Anfällige Bedienelektronik |
| Negativ (–) | Motor-Hardware und Antriebskomponenten sind dem Einsatzbereich teilweise nicht gewachsen |