Ist das Transition Regulator CX überhaupt noch ein All Mountain? Diese Frage wurde während der Testphase heißer diskutiert als vegane Ersatzprodukte in der Fleischtheke. Die reinen Fakten sprechen klar dafür: Vollgefedert, 150 bis 160 Millimeter Hub, Mullet-Bereifung – damit passt es perfekt in die All-Mountain-Schublade.
Womit unsere Testgruppe schön homogen wirkt, denn auch die anderen sechs High-End-E-Mountainbikes erfüllen dieses Anforderungsprofil – zudem bleiben alle Kandidaten unter dem von uns gesetzten 10 000-Euro-Limit. Eigentlich müsste bei einer derart erfahrenen Test-Crew unter diesen Umständen Klarheit herrschen. Warum also die Diskussion?
Nicht die Eckdaten heizen unsere Gemüter auf, sondern eine Grundsatzfrage: Was muss ein echtes All Mountain können? Genau hier stößt die faktenbasierte Schubladen-Denke an ihre Grenzen. Denn per Definition geht es mit dieser Gattung über alle Berge – der Name verrät es bereits. Lange Tage im Sattel, viele Höhenmeter, technische Trails: Frei nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ sollen All Mountains bergauf wie bergab Arbeit abnehmen und Sicherheit bieten, ohne den Fahrer aus der Komfortzone zu drängen. Idealerweise ist das Bike selbst die Komfortzone.
Betrachtet man das Regulator CX durch diese Brille genauer, beginnt die All-Mountain-Fassade zu bröckeln. Arbeit abnehmen bergauf? Fehlanzeige. Auch wenn die Klettereigenschaften überzeugen, maximale Reichweite steht mit dem kleinen, voll integrierten 600-Wh-Akku nicht im Lastenheft. Auch das Santa Cruz Vala setzt auf dieses Antriebskonzept – und verlangt auf langen Touren ein diszipliniertes Energiemanagement. Mit 800 Wattstunden und mehr im Unterrohr hat die Konkurrenz auf ausgedehnten Bergtouren schlicht den längeren Atem und wird den Anforderungen an ein All Mountain eher gerecht.
„Dafür drücken die kleinen Akkus das Gewicht“, könnte man denken. Und unsere Laborwaage bestätigt es: Das Transition wiegt nur 21,62 Kilo – ganze 2730 Gramm weniger als der schwerste Kandidat, das Cannondale Moterra 1 mit herausnehmbarem 800-Wh-Akku. Wer die geringere Reichweite in Kauf nimmt, wird bergab mit einem natürlichen, lebendigen Fahrgefühl belohnt. Ob man nun das leichte Handling des Transition bevorzugt oder mit dem schweren Cannondale komfortabel wie auf einer Magnetschwebebahn ins Tal gleitet, bleibt Geschmackssache – beide vermitteln auf ihre Weise Fahrsicherheit. All-Mountain-Feeling beim Transition? Aber klar!
Rotwild und Crussis verpassen die 20 Kilo-Marke deutlich. Heißt: Auch Bikes mit DJI-Motor können beim Gewicht nicht zaubern. - Hans-Peter Ettenberger, BIKE-Testlabor
Mit dem begehrten DJI Avinox auf der einen und dem alten Shimano EP801 auf der anderen Seite bietet der Test eine spannende Mischung. Bosch stellt die Referenz.
Wie weit reicht eine Akkuladung? Pauschal ist diese Frage kaum zu beantworten, weil viele verschiedene Faktoren – vor allem das Fahrergewicht – die tatsächliche Reichweite beeinflussen. Bei BIKE erkurbeln wir daher vergleichbare Werte in einem aufwändigen Praxistest mit 90 Kilo Fahrergewicht sowie konstant 150 Watt Tretleistung bei voller Unterstützung auf einer steilen Asphaltstraße. So schaffen wir eine ideale Vergleichsbasis.
Auffällig: Bosch ist in Sachen Reichweite nach wie vor kaum zu überbieten. Sowohl die 800er als auch die kleinen 600er Akkus liefern viele Höhenmeter pro nomineller Wattstunde. Der Wert des 800er Bosch wird nur von echten Spezialisten mit 900 Wattstunden und mehr noch übertroffen. Da mit voller Unterstützung gefahren wird, klettert der DJI dafür enorm schnell und sticht den Bosch bei der Durchschnittsgeschwindigkeit klar aus. Bei angeglichenem Tempo liegt der 800er DJI im Crussis knapp hinter Bosch. Rotwilds 864er Akku präsentiert sich stark und dürfte bei angeglichenem Tempo das Niveau der großen Bosch-Akkus erreichen. Der Shimano im Canyon fährt sich angenehm, gleichmäßig und ist bergauf auch zügig unterwegs. Der neue 800er Akku fällt aber spürbar hinter die Bestwerte der 900er Batterie des Vorgängers (2200 hm / 14 km/h) zurück.
Schon in der Vorserie liefert der leichte Wechsel-Akku im Rotwild starke Reichweitenwerte auf Augenhöhe mit Boschs 800er Batterie. - Adrian Kaether, BIKE Redakteur
Was aber, wenn das eine das andere nicht ausschließt? Wenn große Reichweite und geringes Gewicht Hand in Hand gehen? Hier kommen die Mitstreiter von Rotwild und Crussis ins Spiel. Beide setzen auf den begehrten DJI-Avinox-Antrieb. Die ersten Modelle mit dem vermeintlichen Wunder-Aggregat beeindruckten trotz berserkermäßiger Power (1000 Watt) und großer 800-Wh-Akkus mit Gewichten um 20 Kilo. In diese Sphären dringen unsere Test-Bikes leider nicht vor. Mit 21,94 Kilo schiebt sich das Crussis in Sachen Gewicht nur knapp hinter dem Transition auf Platz zwei. In dieser Gewichtsklasse glänzen beide Bikes mit einem natürlichen, leichtfüßigen Handling.
Doch ein entscheidender Unterschied bleibt: Beim Crussis geht das niedrige Gewicht nicht zulasten der Reichweite. Während man beim Transition wegen des 600er Akkus hier Abstriche machen muss, hält das Crussis mit 800 Wattstunden in der Batterie auch auf ausgedehnten Touren lange durch.
Damit können wir nun endgültig hinter unsere Diskussion einen Haken setzen: Nein, das Transition ist kein All Mountain, zumindest kein reinrassiges. Warum das Bike dennoch Bestnoten einfährt, und sich die Bosch-Bikes am Ende gegen die DJI-Modelle durchsetzen, klärt unser ausführlicher Test.
| Kategorie | Gewichtung in % | Cannondale | Transition | Crussis | Santa Cruz | Rotwild | Stevens | Canyon | |
| Preis | in Euro | – | 8799 | 9999 | 8990 | 8699 | 9990 | 7899 | 5999 |
| FAHRVERHALTEN | Uphill | 20 | 1,5 | 2 | 2,5 | 3,5 | 2,5 | 3 | 4 |
| Spieltrieb | 12 | 3,5 | 1,5 | 2 | 2,5 | 3 | 3,5 | 2,5 | |
| Downhill | 12 | 2 | 2,5 | 3 | 1,5 | 4 | 2 | 3 | |
| Fahrwerk | 16 | 1,5 | 2,5 | 2,5 | 2 | 1,5 | 3,5 | 3 | |
| Note Fahrverhalten | 60 | 2,00 | 2,13 | 2,50 | 2,50 | 2,63 | 3,03 | 3,23 | |
| MOTOR | Power | 7 | 1,5 | 1,5 | 0,5 | 1,5 | 0,5 | 1,5 | 2 |
| Fahrverhalten | 5 | 1,25 | 1,25 | 1,75 | 1,25 | 1,75 | 1,25 | 2,5 | |
| Bedienung | 3 | 1,75 | 2,5 | 1,5 | 2,5 | 1,5 | 2 | 2,5 | |
| Note Motor | 15 | 1,47 | 1,62 | 1,12 | 1,62 | 1,12 | 1,52 | 2,27 | |
| LABOR | Gesamtgewicht | 5 | 3,25 | 1,25 | 1,5 | 1,75 | 2,25 | 2,75 | 2,75 |
| Reichweite | 5 | 1 | 2,5 | 1,5 | 2,5 | 1 | 1 | 1,75 | |
| Note Labor | 10 | 2,13 | 1,88 | 1,50 | 2,13 | 1,63 | 1,88 | 2,25 | |
| AUSSTATTUNG | Ausstattungsqualität | 3 | 1,5 | 1,9 | 1,1 | 2,43 | 2 | 2,28 | 1,08 |
| Usability / Mehrwert | 3 | 3,75 | 3,5 | 4 | 3,25 | 2,75 | 3 | 3,75 | |
| Transportvolumen Flaschenhalter | 3 | 3 | 3,5 | 4 | 3 | 3,5 | 3 | 3 | |
| Versand / Paket | 3 | 0,5 | 0,5 | 3,5 | 0,5 | 4 | 2,5 | 2,5 | |
| Wertigkeit / Verarbeitung | 3 | 0,5 | 0,5 | 1,5 | 1,5 | 0,5 | 1,5 | 1,5 | |
| Note Ausstattung | 15 | 1,95 | 1,98 | 2,82 | 2,14 | 2,55 | 2,46 | 2,37 | |
| SERVICE | Garantie (Jahre) | – | 5 | lebenslang | 2 | lebenslang | 5 | 6 | 6 |
| Servicefreundlichkeit | – | mittel | schwach | gut | schwach | mittel | mittel | mittel | |
| GESAMT | BIKE-NOTE | 100 | 1,93 | 2,01 | 2,24 | 2,28 | 2,29 | 2,60 | 2,86 |
Das hochpreisige All-Mountain-Segment ist ein hart umkämpftes Pflaster – besonders in diesem Jahr, wo erstmals DJI-Bikes im Vergleichstest der High-End-E-Mountainbikes mitmischen. Der anfängliche Hype um das spannende Aggregat aus China ebbte während des Tests aber ab. Das Crussis mit DJI spielt zwar vorne mit, doch der Motor allein garantiert noch keinen Testsieg. Den sichert sich das Cannondale mit Bosch-System und herausragenden Allround-Qualitäten. - Max Fuchs, Testredakteur und Fotograf bei BIKE