Bafang M510RS & M560RSAvinox-Konkurrenz mit bis zu 1700 Watt!

Adrian Kaether

 · 05.09.2026

Bafang M510RS und M560RS wollen den E-Bike Markt umkrempeln und Schwergewichten wie Bosch und Avinox endlich die Stirn bieten.
Foto: Bafang

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Mit bis zu 1700 Watt Spitzenleistung prescht Bafang an die Spitze der Performance-Mittelmotor-Liga und stellt damit sogar Avinox in den Schatten. Theoretisch. Denn E-MTBs damit gibt es noch nicht.

​BIKE-Fazit: Starke Ansage, offene Fragen

Die M510RS- und M560RS-Systeme sind auf dem Papier ein Statement. Leistungsmäßig schlägt Bafang alles, was der Markt aktuell bietet – inklusive Avinox. Einschränkend muss man aber sagen: Nur mit 48 Volt System und bei etwas höherem Motorgewicht. Die durchdachten Fahrmodi, die 6-Achsen-IMU und das ausdifferenzierte Boost-System zeigen, dass Bafang auch das Thema Fahrbarkeit ernst nimmt. Wie gut der Motor in der Praxis funktioniert und wann und ob es relevante Bikes damit geben wird, muss sich aber erst noch zeigen. - Adrian Kaether, Redakteur Test & Technik


Wenn Bafang von „Racing DNA" spricht, meint das chinesische Unternehmen es diesmal ernst. Mit den neuen Mittelmotoren M510RS und M560RS präsentiert Bafang zwei Systeme, die zumindest auf dem Datenblatt alles in den Schatten stellen, was der Markt aktuell zu bieten hat – inklusive des derzeit gehypten Avinox M2S, der mit bis zu 1500 Watt Spitzenleistung aktuell als Maßstab für brutale Motorpower gilt.

Die Zahlen, die aufhorchen lassen

Konkret: Der M560RS, ausgelegt für „Extreme MTB", erreicht im sogenannten Boost-to-Limit-Modus bei 48-Volt-Betrieb eine Spitzenleistung von 1700 Watt – bei einem Drehmoment von bis zu 150 Nm. Das sind Werte, bei denen selbst hartgesottene Power-Junkies zweimal hinschauen. Der kleinere Bruder M510RS für „Performance MTB" begnügt sich in der stärksten Ausbaustufe mit 1300 Watt und bis zu 120 Nm. Beide Motoren kommen mit 36 oder 48 Volt zurecht, die Nennleistung liegt wie bei allen EU-konformen Pedelecs bei braven 250 Watt.

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Zum Vergleich: Der Avinox gilt mit bis zu 1500 Watt Peak-Power als klar stärkster E-Bike Motor aktuell. Ein Bosch CX bietet zum Beispiel “nur” 750 Watt Spitze - 600 Watt waren Jahrelang etablierter Standard bei EP8, Brose Drive S Mag und Co. Bafang übertrifft das mit dem M560RS um fast das Dreifache – zumindest wenn man den Herstellerangaben glauben kann. Eine Einschränkung: Die Rekordleistung gibt’s nur mit 48 Volt Systemen. Und: Die hohe Leistung schlägt sich beim M560 RS auch in einem hohen Gewicht nieder. Mit 3,3 Kilo ist der M560 RS deutlich schwerer als ein aktueller Avinox (2,6 kg) und auch als ein Bosch CX (2,9 kg).

ModellM510 RSM560 RS
Nennleistung250W250W
Spitzenleistung (Boost)bis 1300Wbis 1700W (nur 48 V)
Max. Drehmomentbis 120 Nmbis 150 Nm (nur 48 V)
Gewicht2,9 kg3,3 kg

Herstellerangaben; Vergleichswerte können variieren


Was steckt dahinter? Das Konzept „Boost-to-Limit"

Die Spitzenwerte sind nicht für den Dauerbetrieb gedacht, das muss man klar festhalten. Die hohen Leistungszahlen werden im Boost-to-Limit-Modus erreicht – einer Art Notfallüberschreibung, die per Knopfdruck aus dem ohnehin schon aggressiven BOOST-Modus heraus aktiviert wird. Der Unterstützungsgrad klettert dabei auf enorme 800 Prozent. Heißt: Bei 100 Watt Tret-Input legt der Motor 800 Watt oben drauf. Das ist gedacht für kurze, extreme Hindernisse und Steigungen, in denen man wirklich alles braucht.

Dazu gibt es natürlich reguläre Unterstützungsmodi mit abgestufter Leistung:

  • OFF – Motor aus, Elektronik (Display, Licht, elektronische Schaltung) läuft weiter
  • ECO – 80 % Unterstützung, Leistung auf 20 % des Maximums gedeckelt
  • TOUR – 150 % Unterstützung, bis zu 33 % Maximalleistung
  • SPORT – IMU-gesteuertes Bergauf-Assist, 300–500 % Unterstütung, situationsabhängig
  • SPORT+ – Drehmoment- und Trittfrequenz-gesteuerte Präzision, adaptiv bis 500 % Unterstützung
  • BOOST – 500 % Unterstützung, maximale Leistung
  • Boost-to-Limit – 800 % Unterstützung - kompromisslos Vollgas

Interessant ist dabei die zentrale Rolle der 6-Achsen-IMU (Inertial Measurement Unit), die Neigung, Bewegung und Fahrdynamik in Echtzeit erfasst und die Motorsteuerung entsprechend anpasst. Bafang spricht von einer Steuerungssoftware, die über 4000 Stunden auf der Rennstrecke feinabgestimmt worden sein soll.

Versprochen werden außerdem: 50 % schnellere Ansprechzeit beim Anfahren als bisher, 50 % schnellere Beschleunigung sowie ein um 33 % sensibler reagierendes Abschalten der Unterstützung. Letzteres ist vor allem für technische Trails relevant, wo ein abruptes Motoreinsetzen oder -aussetzen schnell zum Problem wird.


Das Ökosystem: Sensor, Displays, Akkus

Bafang liefert beide Motoren als vollständige Systemlösung. Dazu gehört ein neuer Geschwindigkeitssensor SR S03 mit 42 Impulsen pro Umdrehung - ähnlich wie bei der Lochscheibe, mit der Avinox, Mahle und Co. arbeiten. Das soll insbesondere bei niedrigen Geschwindigkeiten und im neuen Walk Assist 2.0 für stabilere Regelung sorgen. Der Signalring wird an der Bremsscheibe befestigt (6-Loch oder Centerlock).

Als Displays stehen zwei Optionen zur Wahl:

  • DP C030.CA: Top-Tube-integriertes Konzept (36 × 79,9 × 16 mm), 1,9"-TFT-Farb­display, ANT+ und Bluetooth
  • DP C245.CAN: Lenker-montiertes 1,9"-TFT-Display, Bluetooth, automatische Lichtsteuerung, USB-C-Ladeanschluss

Bei den Akkus gibt es drei Optionen, alle vollintegriert ins Rahmendesign:

  • BT F161.B748.C: 36V / 748 Wh / 14,7 Ah
  • BT F380.B720.C: 36V / 720 Wh / 18 Ah
  • BT F200.D840.C: 48V / 840 Wh / 16,25 Ah

Der Haken: Wo sind die Bikes?

Und damit zum entscheidenden Punkt, den das beeindruckende Datenblatt nicht kaschieren kann: Relevante E-MTBs mit M510RS oder M560RS existieren zum jetzigen Zeitpunkt nicht. Die neuen Motoren sind mit ihrer enormen Leistung sicher auch als strategische Aushängeschilder gedacht, um langfristig stabile Partnerschaften mit Bikeherstellern zu gewinnen, die Bafang bislang noch fehlen.

Bafang selbst gibt folgende Roadmap an:

M510RS:

  • Samples: Juni 2026 ✓ (laut Zeitplan bereits ausgeliefert)
  • Kleinserienlieferung: August 2026
  • Serienproduktion: Q4 2026

M560RS:

  • Samples: Oktober 2026
  • Kleinserienlieferung: Oktober 2026
  • Serienproduktion: Q4 2026

Das bedeutet: Selbst wenn alles nach Plan läuft, sind erste Serienbikes mit diesen Motoren frühestens Anfang bis Mitte 2027 zu erwarten.

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Adrian Kaether fährt am liebsten Mountainbikes auf rumpeligen Enduro-Strecken. Der Tech-Experte und Bike-Tester kennt sich aus mit Newtonmeter und Wattstunde, High- und Lowspeed-Dämpfung. Als Testleiter bei MYBIKE schaut Adrian auch gerne über den Tellerrand und testet Cargo-Bike und Tiefeinsteiger ebenso, wie die neuesten (E-)MTBs.  

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