Wer kennt es nicht? Die Tour ist wunderschön, die Landschaft zieht vorbei – doch der Blick auf das Display offenbart die schwindenden Akku-Prozente. Die Reichweitenangst gehört zu den größten Fahrspaß-Killern beim E-Biken. Die gute Nachricht: Du musst dir nicht sofort einen teuren Zweit-Akku kaufen, um weiter zu kommen. Mit den richtigen Kniffen lässt sich die Reichweite deines E-Bikes spürbar steigern.
Hier sind die effektivsten Tipps für mehr Reichweite – ohne dass der Fahrkomfort auf der Strecke bleibt.
Euer Hebel Nummer eins für mehr Reichweite ist die Unterstützungsstufe. E-Bikes verführen dazu, dauerhaft im „Turbo“- oder „Boost“-Modus durch die Gegend zu düsen. Das macht Spaß, verkürzt die Tour aber dramatisch. Denn: Dem Fahrer bleibt weniger Zeit, selbst Höhenmeter zu erstrampeln. Die Grundregeln: Nutze auf flachen Strecken den Eco- oder Tour-Modus - oder schalte den Motor gar ganz aus. Schalte die hohe Unterstützung nur dann zu, wenn sie wirklich gebraucht wird – etwa an steilen Anstiegen oder bei starkem Gegenwind. Progressive Unterstützungsstufen, die die Motorleistung noch deutlicher an die Fahrerleistung koppeln, führen ebenfalls zu mehr Reichweite. Denn sie motivieren den Fahrer zu einem engagierten Tritt. Der Motor schiebt nur dann stark an, wenn auch der Fahrer Gas gibt.
Wichtig für den Hinterkopf: Das E-Bike ist ein Hybrid-System. Mensch und Maschine sorgen gemeinsam für Vortrieb - und damit auch für Reichweite. Worst-Case-Szenario ist dabei: Der Fahrer lässt nur Faul die Beine fallen, der Motor verpulvert im Turbo sein Feuer.
Der häufigste Fehler beim E-Bike-Fahren? In einem zu hohen Gang mit niedriger Trittfrequenz anzufahren. Der Motor muss in diesem Moment extrem viel Eigenleistung erbringen, was enorm viel Strom frisst. Auch im Anstieg solltest Du den Motor mit einer höheren Trittfrequenz und flüssigem Pedalieren beglücken. Die meisten Motoren laufen zwischen 70 und 85 U/min ideal. Außerdem: Schalte vor dem Anhalten rechtzeitig in einen kleineren Gang, um dem Motor das Anfahren zu erleichtern.
Ständiges Abbremsen und erneutes Beschleunigen kostet extrem viel Energie. Eine flüssige, vorausschauende Fahrweise schont nicht nur die Bremsen, sondern auch die Batterie. Das gilt es auch bei der Tourenplanung zu beachten, denn eine vermeintlich vernachlässigbare Anfahrt durch den Stadtverkehr kann erstaunlich viel Akku kosten, wenn der Turbo beim Beschleunigen durch den Stop-and-Go-Verkehr schiebt. Tipps: Nutze den Schwung bei leichten Bergab-Passagen. Rolle langsam an rote Ampeln oder Kreuzungen heran, statt voll in die Eisen zusteigen und wieder aus dem Stand beschleunigen zu müssen. Wenn es die Beine hergeben: Beim Beschleunigen lieber nur eine sanfte Unterstützung nutzen.
Ein Zwiespältiges Thema ist die Wahl der richtigen Reifen. Hier kommt es entscheidend auf die Fahrradkategorie an. Denn auf Asphalt und bei hohen Geschwindigkeiten haben Rollwiderstand und Luftdruck einen deutlichen Einfluss auf die Reichweite eines E-Bikes. Hier lohnt sich ein schneller Pneu und ein zu niedriger Luftdruck kann sich rechen. Das gilt besonders für die Kategorien E-Rennrad, E-Gravel und auch Urban. Doch Vorsicht: Die Regel für den Luftdruck ist NICHT: Je mehr, desto besser. Gerade an Renn- und Gravel-Rädern lohnt sich ein genauer Blick auf den idealen Luftdruck. Der ist von vielen Faktoren wie der Reifenbreite, dem Fahrergewicht und dem Untergrund abhängig.
Im Gelände kann der Schuss mit dem Fokus auf Rollwiderstand voll nach hinten losgehen. Schon auf grobem Schotter ist Überrollen und Grip wichtiger als der reine Rollwiderstand. Ein zu hoher Luftdruck erschwert das Rollen über Hindernisse und kostet Energie. Das gilt auch für Schlupf, wenn der Reifen durchdreht. Je extremer der Untergrund, desto entscheidender wird also ein griffiger Reifen, den man nur mit dem passenden, eher niedrigen Luftdruck bekommt. Wer sicher und rutschfrei bergauf fährt, hat am Ende auch mehr Reichweite.
Aerodynamik und Gewicht sind zwei viel beachtete Parameter beim Radfahren. Und sie haben auch Einfluss auf die Reichweite mit dem E-Bike. Wichtig zu verstehen: Der Luftwiderstand gewinnt mit der Geschwindigkeit an Bedeutung - und zwar drastisch. Rennradfahrer, die mit 45 km/h über die Ebene rauschen, können hier sehr viel gutmachen. Bei 25 km/h mit dem E-Bike ist der Einfluss schon deutlich geringer. Und bei moderatem Tempo im Anstieg ist der Einfluss dann nahezu vernachlässigbar. Also: Wer Flachstücke auch gerne über der 25 km/h Grenze durchdrückt (z.B. auf dem E-Road- oder E-Gravelbike) sollte auf enganliegende Kleidung und eine aerodynamische Sitzposition achten. Flatternde Jacken wirken wie ein Bremsfallschirm.
An steilen Bergen mit dem E-Mountainbike übernimmt das Gewicht das Szepter. Wer 500 Gramm bei der Ausrüstung spart, darf aber keine Reichweitenwunder erwarten. Die Regenjacke sollte aus Akku-Gründen also nicht aus dem Rucksack fliegen. Unnötiges Gepäck darf aber gerne zu Hause bleiben, wenn die Tour an die Akku-Grenzen geht.
Die relevante Größe ist das Gesamtgewicht aus Fahrer, Bike und Gepäck. Also nicht wundern, wenn der Energieverbrauch bei der Mitfahrerin oder dem Mitfahrer gänzlich anders ausfällt. Gewichtsunterschiede von 20, 30 oder gar 50 Kilo machen sich auf Bergtouren drastisch bemerkbar! In der Ebene hingegen schrumpft der Unterschied, da die Kilos hier nur in den Beschleunigungsphasen wirklich Energie kosten.
Es muss nicht immer ein teurer und schwerer Zweit-Akku sein, um Touren mit Überlänge zu meistern. Wenn ohnehin eine Mittagspause an der Hütte oder im Biergarten ansteht, kann ein Ladegerät den müden Akku wieder aufladen. Je nach Charger sind in 1,5 Stunden schon beachtliche Fortschritte drin. Aber Achtung: Am besten vorab informieren, ob das Laden am Pausenstopp wirklich möglich ist. Die Unterschiede bei den Geschwindigkeiten der Ladegeräte sind teils beachtlich. Die Investition in einen Fast Charger kann sich lohnen, wenn ihr regelmäßig zu dieser Taktik greift.
Für Gruppen gibt es noch eine andere smarte Lösung, die Reichweite zu verlängern. Vorausgesetzt, ihr nutzt das gleiche Motor- und Akku-System. Bei großen Gewichts- oder Fitness-Unterschieden kann ein Akku-Sharing Sinn machen. Ein schwerer Fahrer tauscht seine Batterie frühzeitig (spätestens bei 50 % Ladestand) mit der Batterie eines leichten Fahrers. So schwinden die Prozente in Summe gleichmäßig und ihr vermeidet, dass am letzten Berg der schwere Fahrer mit leerem Akku dasteht, während der leichte noch üppig Strom zur Verfügung hat.
Die Chemie im Lithium-Ionen-Akku mag weder extreme Hitze noch Kälte. Bei Temperaturen unter 10 °C sinkt die Leistungsfähigkeit des Akkus vorübergehend. Im Winter: Lagere und lade den Akku immer bei Raumtemperatur. Setze ihn erst kurz vor Fahrtantritt im Bike ein. Wird der Akku über Nacht gefrostet und soll in ausgekühltem Zustand auf Tour starten, ist ein Drama vorprogrammiert.

Redakteur CvD
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