Max Fuchs
· 31.08.2026
Actofive macht bei seinem ersten E-Bike-Konzept keine halben Sachen. Statt einen bestehenden Rahmen mit Motor und Akku aufzurüsten, entwickelt die Dresdner CNC-Manufaktur eine komplett neue Plattform. Der Clou: Ein Rahmen soll sowohl als E-Bike mit Maxon-Antrieb als auch als unmotorisiertes Bike mit Pinion-Getriebe funktionieren. Dazu kommen wechselbare Batterien mit 400 oder 600 Wh, bis zu 170 mm Federweg am Heck und zahllose Einstellmöglichkeiten sind ebenfalls an Bord.
Besonders spannend: Actofive will das E-Bike nicht möglichst schwer und reichweitenstark bauen, sondern die Fahrdynamik eines klassischen Mountainbikes erhalten. Deshalb sitzt der Akku nicht fest im Unterrohr, sondern lässt sich entnehmen und bei Bedarf gegen einen frischen tauschen. Technisch steckt dahinter ein komplett CNC-gefräster Rahmen aus 7075-T6-Aluminium.
Noch steht allerdings kein fertiges Serienbike zum Verkauf. Actofive zeigt zunächst ein validiertes Engineering- und Layout-Konzept und lädt die Community ausdrücklich dazu ein, an der weiteren Entwicklung mitzuwirken.
Actofive denkt das E-Bike-Konzept neu. Die Plattform soll nicht auf einen einzigen Antrieb festgelegt sein. Wer elektrische Unterstützung möchte, bekommt einen passenden Maxon-Antrieb aus der Schweiz. Wer lieber aus eigener Kraft fährt, kann denselben Rahmen mit einem Pinion-Getriebe samt Smart.Shift und Riemenantrieb aufbauen.
Das klingt zunächst nach einer technischen Spielerei. Tatsächlich steckt dahinter eine interessante Idee: Actofive entwickelt nicht zwei Bikes, sondern eine gemeinsame Plattform für zwei völlig unterschiedliche Antriebskonzepte. Beide Varianten nutzen dieselbe Rahmenschnittstelle.
Optisch bleibt Actofive seiner bisherigen Linie treu. Der komplette Rahmen entsteht aus 7075-T6-Aluminium, das aus massiven Blöcken herausgearbeitet wird. Die charakteristische CNC-Optik gehört damit auch beim E-Bike zum Programm.
Beim Akku verfolgt Actofive einen konsequent benutzerfreundlichen Ansatz: Statt ihn fest im Rahmen zu verbauen, lässt sich der Energiespeicher unkompliziert entnehmen. So kann der Fahrer zwischen 400 und 600 Wh wählen oder komplett auf den Akku verzichten. In der unmotorisierten Pinion-Konfiguration wird der frei werdende Raum im Unterrohr zum praktischen Staufach.
Auch für lange Touren bringt der Wechselakku Vorteile: Wer mehr Reichweite braucht, nimmt einfach einen zweiten Akku mit und tauscht ihn unterwegs.
Der Akku sitzt hinter einer Abdeckung an der Unterseite des Unterrohrs. Für die beiden Batteriegrößen gibt es unterschiedliche Covers: Die schlanke Variante nimmt den 400-Wh-Akku oder die Pinion-Konfiguration auf, während die verlängerte Abdeckung für den 600-Wh-Akku zum Einsatz kommt.
Ein herausnehmbarer Akku bringt allerdings ein konstruktives Problem mit sich: Wer ein großes Loch ins Unterrohr schneidet, schwächt den Rahmen. Besonders die Torsionssteifigkeit leidet.
Die klassische Lösung wäre simpel: mehr Material. Actofive geht einen anderen Weg. Mithilfe einer Topologieoptimierung verteilt die Manufaktur die Wandstärken gezielt entlang der Kraftpfade. Wo hohe Belastungen auftreten, bleibt mehr Material stehen; an weniger kritischen Stellen kann Gewicht verschwinden.
So versucht Actofive, die Steifigkeit eines geschlossenen Unterrohrs mit der Alltagstauglichkeit eines herausnehmbaren Akkus und gutem Gewicht zu verbinden.
Wer bei MPT°, NYT°, ART° und ATT° schon geistig abschaltet, sollte noch kurz dranbleiben. Hinter den Kürzeln steckt tatsächlich ein ziemlich interessantes Baukastensystem.
MPT° – Modular-Pivot-Technology: Der Hauptlagerpunkt lässt sich austauschen und verändern. Damit beeinflusst Actofive Geometrie, Anti-Squat und Anti-Rise.
NYT° – No-Yoke-Technology: Actofive integriert Yoke und Pivot-Achse strukturell. Eine verzahnte Wellenverbindung leitet die Kräfte direkt in die Kettenstreben und schafft gleichzeitig Platz für Motor beziehungsweise Getriebe.
ART° – Adjustable-Ride-Technology: Austauschbare Ausfallenden und modulare Sitzstreben erlauben unterschiedliche Geometrie- und Laufradkonfigurationen. Möglich sind 29", 29" mit längerer Kettenstrebe, Mullet, Mullet mit langer Kettenstrebe sowie ein Super-Mullet-Aufbau mit 32 Zoll am Vorderrad.
ATT° – Adjustable-Travel-Technology: Zwei verschiedene Dämpferaufnahmen schaffen Platz für zwei unterschiedliche Dämpfergrößen. Mit einem 225 × 65 mm Dämpfer entstehen 170 mm Heckfederweg, mit 205 × 55 mm schrumpft dieser auf 150 mm.
Damit lassen sich mit derselben Plattform zwei unterschiedliche Federwegsklassen realisieren.
Besonders interessant wird das Konzept in der Pinion-Version ohne Motor. Wo beim E-Bike der Akku sitzt, schafft Actofive dort zusätzlichen Stauraum. Das Volumen soll ungefähr zwei klassischen Trinkflaschen entsprechen.
Werkzeug, Schlauch, Ersatzteile oder Verpflegung verschwinden damit direkt im Unterrohr. Für lange Touren dürfte das deutlich mehr Platz bieten als herkömmliche Rahmenstaufächer.
Hinter dem Projekt steckt nicht irgendeine neue Bike-Marke, sondern die METZNER Engineering GmbH, das Ingenieurbüro hinter Actofive. Die erste Entwicklungsphase dauerte laut Hersteller sechs Monate – von den ersten CAD-Entwürfen bis zum validierten Systemlayout.
Dabei kam unter anderem FEM zum Einsatz. Die Ingenieure simulierten Belastungen und Spannungsverteilungen und optimierten daraus das Verhältnis von Steifigkeit, Festigkeit und Gewicht.
Bevor sich die CNC-Fräse durchs Aluminium fressen durfte, entstanden außerdem physische Mock-ups und 3D-Druck-Prototypen. Damit überprüfte Actofive den Bauraum, die Ergonomie und wie gut sich die Teile fertigen lassen.
Und genau hier liegt der vielleicht wichtigste Punkt: Actofive stellt mit dem neuen Rahmen noch kein fertiges Serienprodukt vor.
Die technische Basis steht laut Hersteller, die physische Validierung läuft. Gleichzeitig will Actofive das Konzept bewusst früh öffentlich machen. Feedback von Fahrern soll noch in Ergonomie, Bedienung und praktische Details einfließen.
Das macht den neuen Rahmen weniger zum fertigen Produkt und mehr zum Blick in die Werkstatt. Actofive zeigt, wohin die Reise gehen könnte – und lässt sich dabei erstaunlich tief in die Karten schauen.
Actofive bleibt auch beim E-Bike konsequent Actofive. Statt möglichst schnell einen Rahmen mit Motor auf den Markt zu werfen, entwickelt die CNC-Manufaktur eine technisch hoch spannende Plattform. Besonders die Kombination aus herausnehmbarem Akku, Maxon-Antrieb, Pinion-Option und verstellbarer Kinematik hebt das Konzept vom üblichen E-Enduro-Einerlei ab.
Ob es das Konzept am Ende so auch auf den Trail schafft und was nach der Konzeptvorstellung noch durch Input von außen hinzukommt, bleibt allerdings offen.

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