9 Scheibenbremsen im Härtetest 9 Scheibenbremsen im Härtetest 9 Scheibenbremsen im Härtetest

Test 2015: MTB-Scheibenbremsen

9 Scheibenbremsen im Härtetest

  • Peter Nilges
 • Publiziert vor 6 Jahren

Bremsen sind die wichtigsten Bauteile am Mountainbike. Nur eine hundertprozentige Funktion gewährleistet volle Sicherheit und Zufriedenheit. Unser Test zeigt die "Spaß"-Bremsen für den Trailgenuss.

Eine Hinterradbremse reicht. In diesem Punkt sind sich Dirtbiker einig. Alles andere schadet dem Flow und führt bei Tricks nur zu Knoten in der Bremsleitung. Spezielle Einsatzgebiete ermöglichen spezielles Material und Setups. Ist das Einsatzgebiet weniger eng umrissen, muss man globaler denken. Da ein Mountainbike im Gegensatz zu einem Dirtbike so ziemlich alles kann und als geländetaugliches Fahrrad mit jeder Situation zurechtkommen sollte, sind Allround-Qualiäten gefragt. Das gilt besonders für Scheibenbremsen. Schließlich sind das sicherheitsrelevante Bauteile. Von der moderaten Hausrunde mit nur wenigen Höhenmetern über steile Kanaren-Trails bis hin zu Passabfahrten in den Alpen ist alles denkbar.

Wolfgang Watzke Eine kraftvolle Bremse schont die Unterarme. Das beugt bei langen Abfahrten Ermüdung vor und wirkt sich positiv auf die Konzentration aus. 

Um diesem breiten Spektrum an Herausforderungen gerecht zu werden und auch Extreme abzudecken, ging es erneut mit neun neuen Scheibenbremsmodellen auf unsere anspruchsvolle Teststrecke bei Bozen und auf den BIKE-eigenen Trommelprüfstand. Formula, FSA, Hope, Magura, Shimano und Sram sind zum Teil mit zwei neuen Modellen in diesem Test vertreten. Die Preise reichen von 151 Euro für die Formula CR3 bis hin zu 325 Euro für die K-Force der Komponentenfirma FSA, die mit ihrem Erstlingswerk Neuland in Sachen Bremsen betritt. Besonders gespannt waren wir auf die neue MT-Linie von Magura. Die Schwaben schickten mit der MT7 einen gewaltigen Vierkolben-Anker und obendrein noch die renovierte MT8 in den Test. Ebenfalls spannend: die beiden neuen XTR-Bremsen mit Freeza-Technologie von Shimano und die in 2014 neu präsentierte Sram Guide, die die bisherigen Trail-Modelle ablöst. Das Testfeld unterteilt sich in zwei Gruppen. Fünf leichte Bremsen, die wir jeweils mit 160er- und 180er-Scheibe getestet haben. Sowie vier Modelle für den All-Mountain- bis Enduro-Einsatz mit 180er- und 203er-Scheibe.

Ein oft unterschätzter Punkt, der bereits im Stillstand vor dem ersten gefahrenen Meter über Wohlbefinden und Ablehnung einer Bremse entscheidet, ist die Ergonomie. Der sogenannte Shoptest gibt Aufschluss über das Bremsgefühl, das im Idealfall das Vertrauen in die Bremse untermauert. Liegt der Hebel angenehm am Finger? Ist der Druckpunkt klar definiert? Greift die Bremse früh, oder ist der Leerweg zu groß? Lassen sich die Bremshebel auf die Handgröße einstellen? Als sätzliche Entscheidungshilfe geben wir daher in jedem Testbrief die Hebelweitenverstellung und den Leerweg des Hebels (Druckpunktlageverstellung) an.

Test Scheibenbremsen 2015: Details

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Die Scheibenbremsen aus dem BIKE-Test 2015 im Detail.

Magura überarbeitete den Hebel der neuen MT8, der nun deutlich flächiger geworden ist und am Ende, dort, wo der Finger liegt, nicht mehr spitz zuläuft. Ein deutlicher Fortschritt. Den gewonnenen Ergonomie-Vorteil verspielen die Schwaben allerdings wieder bei der auch schon im letzten Jahr kritisierten Hebelweitenverstellung. Der minimale Abstand des Hebels zum Lenker ist bei der MT7 und MT8 so groß wie der maximale Abstand der meisten Mitbewerber. Fahrer mit kleinen Händen oder diejenigen, die eine nahe Hebeleinstellung bevorzugen, klammert Magura damit aus. Eine Sonderstellung nimmt auch die leichte Race-Bremse von Hope mit ihrem kurzen Hebel ein. Zwar gefiel den Testern der klare, harte Druckpunkt. Weniger gut kam die Form des Bremshebels mit der nur minimal ausgeprägten Biegung am Ende des Hebels an. Durch den zu kleinen Außenstopp entsteht das Gefühl, mit dem Finger leicht nach außen abrutschen zu können. Kritik gibt es ebenfalls an der Form der beiden Formula-Bremshebel. Sie bieten dem Finger durch ihr rundes, schmales Profil nur wenig Fläche. Das macht sich vor allem bei hoher Handkraft negativ bemerkbar. Die Hebel-Ergonomie der FSA K-Force und der Sram Guide gefiel uns insgesamt am besten.

Bremskraft und Standfestigkeit entscheidend

Neben der Ergonomie tragen dosierbare Bremskraft und Standfestigkeit zur maßgeblichen Qualität einer Bremse bei. In Bezug auf die Bremskraft trumpft die neue MT-Generation von Magura mächtig auf. Die Vierkolben-Zange der MT7 erzeugt die größte Verzögerung, die wir bislang auf unserem Prüfstand gemessen haben. In der Praxis bedeutet das, wenig Handkraft und satte Reserven bei dennoch sehr guter Dosierbarkeit. Auch die MT8 ist, im Vergleich zum letzten Jahr, kaum wiederzuerkennen. Sie reiht sich als Leichtbremse mit 180er-Scheibe bei der Bremskraft sogar zwischen den schwereren Trail-Bremsen ein. Die Formula CR3 überzeugt ebenfalls mit satter Bremskraft. Auch die Standfestigkeit ist über jeden Zweifel erhaben.

Wie standfest eine Bremse ist, hängt stark vom jeweiligen Fahrergewicht ab. Um die genauen Grenzen einer Bremse auszuloten, testeten wir daher mit drei unterschiedlichen Fahrergewichten (75, 85 und 95 kg). Was beim 75-Kilo-Fahrer noch problemlos funktioniert, kann nämlich bei zehn Kilo mehr bereits einen Totalausfall bedeuten. Bremsen reagieren äußerst sensibel aufs Gewicht, weshalb wir tendenziell für mehr Reserven die größere Bremsscheibe empfehlen. Der Gewichtsnachteil der größeren Scheibe samt Adapter beträgt im Schnitt nur 49 Gramm pro Bremse.

Mit durchschnittlich 20 Prozent Gefälle auf 700 Höhenmetern stellt unsere traditionelle Teststrecke harte Anforderungen, die so manche Bremse ans Limit führte und Schwachstellen in Extremsituationen aufdeckte. Auch diesmal gab es wieder Defekte. Sowohl beim Praxis- als auch beim Labortest. So schmolzen erneut die IceTech-Scheiben der beiden Shimano-XTR-Bremsen (ab dem 85-Kilo-Fahrer) im Standfestigkeitstest, was mit einem anschließenden Defekt der Bremsbeläge einherging. Die neuen IceTech-Freeza-Bremsscheiben mit Kühlrippen am Alu-Kern schaffen es zwar, die Belags- und Scheibentemperatur zu reduzieren. Dennoch können sie den etwas später einsetzenden Defekt unter extremer Belastung nicht abwenden. Ebenfalls weiterhin anfällig für Hitzeverzug zeigten sich die Sram-Centerline-Scheiben. Bei großer Belastung verzogen sie sich, liefen nach einer Abkühlphase allerdings wieder nahezu gerade. Erst beim Abschrauben von der Nabe zeigt sich eine Schirmung der Scheibe; unkritisch, aber dennoch schlechter als beim Rest des Feldes, wo es zu keinerlei Defekten kam.

Test Scheibenbremsen 2015: Defekte

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Um bei sicherheitsrelevanten Bauteilen nichts dem Zufall zu überlassen, testet BIKE in Labor und Praxis den Grenzbereich aus. Fälle aus der Praxis bestätigen unsere Ergebnisse.

Uns ist bewusst, dass ein Durchschnittsfahrer im normalen Mittelgebirgseinsatz diese Belastung niemals erreichen wird und daher höchstwahrscheinlich mit keinerlei Ausfällen rechnen muss. Ein Grund, warum wir bei den ansonsten funktionell tadellosen Bremsen nur die Standfestigkeit abwerten. Dennoch ist es unsere Pflicht, auch den Härtefall auszutesten, den kein Hersteller ausschließen kann und darf, wie einige Schadensbilder aus der Praxis bestätigen. Ein Bike ist nun mal ein breitbandiger Alleskönner, dessen Revier als letztes durch die Bremsen eingeengt werden sollte.

Diese MTB-Scheibenbremsen finden Sie im BIKE-Test:


Scheibenbremsen für Race:
• Formula R1 Racing
• FSA K-Force
• Hope Stealth Race X2 Evo
• Magura MT8
• Shimano XTR Race M-9000


Disc-Brakes für All Mountain/Enduro:
• Formula CR3
• Magura MT7
• Shimano XTR Trail M-9020
• SRAM Guide RSC

Test Scheibenbremsen 2015 – die Bremsen im Test

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Alle Scheibenbremsen im Test: 5 Race-Brakes und 4 Trail-/Enduro-Disc-Brakes.


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Gehört zur Artikelstrecke:

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Themen: BremseFSAHopeMaguraShimanoSRAM


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