„Da kommt eine neue Scheibenbremse von Magura auf den Markt, die Louise“, sagte der Chefredakteur Tom Bierl. „Da schicken wir den Lehner hin. Soll er mal zeigen, was er kann.“
Ich meldete mich motiviert zu Wort: „Gerne. Ich habe auch schon eine Idee. Bei dem Namen Magura denken ja viele an Japan. So nach dem Motto: Yamamoto Magura.“
Stille.
Dann fragte Tom Bierl: „Was?“
Alle anderen Redakteure schauten mich an, als hätte ich gerade behauptet, der Schwarzwald liege in Bayern. „Japan?“, sagte Bierl. „Magura kommt aus Schwaben – und das weiß jeder! Lehner, mach keinen Scheiß.“
Also fuhr ich mit leicht gemischten Gefühlen nach Bad Urach. Und kam mit einer Reportage zurück über ein Unternehmen, das seit 1893 Bremsen baut – und seine Produkte nach Familienmitgliedern benennt.
Der Name Magura selbst ist schon ein Familienkonstrukt: Er setzt sich aus Magenwirth und Urach zusammen. Firmengründer Gustav Magenwirth entwickelte hier einst Brems- und Steuerungssysteme für Motorräder, später auch für Fahrräder.
In der Fahrradabteilung ging man mit dieser Tradition auf eine ziemlich schwäbische Art um: Man machte daraus eine Familie von Bremsen. Der kräftigste Wurfanker im Programm hieß Gustav M – benannt nach dem Chef selbst. Die etwas zierlichere Zwei-Kolben-Bremse bekam den Namen seiner Frau: Louise. Danach folgten die Töchter: Clara und Julie. Eine kleine Familienaufstellung aus Aluminium und Hydraulik.
Jetzt, ein Vierteljahrhundert später, kehrt Louise zurück. Allerdings nicht mehr als zierliche Zwei-Kolben-Bremse, sondern als deutlich entschlosseneres Familienmitglied. Die Magura Louise Elite ist eine Vierkolben-Scheibenbremse – und kostet trotzdem nur 109,90 Euro. Für Magura-Verhältnisse ist das fast schon ein Kampfpreis. Seit Sommer 2025 taucht sie bereits an Komplettbikes auf. Jetzt kommt sie auch als Einzelbremse in den Fachhandel.
Der Bremssattel besteht aus einteilig geschmiedetem Aluminium. Dieses sogenannte Monoblock-Design soll vor allem eines verhindern: Undichtigkeiten. Technisch basiert die Zange auf der bekannten MT5, wurde intern aber neu konstruiert. Überarbeitete Kolbenräume und Dichtungen sorgen dafür, dass die Kolben sauber zurückfahren – was wiederum Schleifgeräusche reduziert.
Die Louise arbeitet mit 2,0 Millimeter starken Bremsscheiben. Kompatibel sind unter anderem die Modelle MDR-S 2.0, MDR-C, Storm HC und MDR-P. Als Beläge setzt Magura auf die MDP 9 Green.
Das Gesamtgewicht liegt bei 250 Gramm, inklusive 100 Zentimeter Bremsleitung.
Ein Teil der neuen Technik richtet sich klar an den wachsenden E-Bike-Markt.
Die Louise Elite ist kompatibel mit dem Bosch eBike ABS, genauer gesagt mit den Modi Touring und Trail. Ein vergrößertes Ölfördervolumen im Bremsgriff sorgt dafür, dass das System sauber mit dem ABS-Regelverhalten zusammenarbeitet.
Praktisch für Werkstätten – und für alle, die gern selbst schrauben – ist die Easy Link Technologie. Dabei wird die Bremsleitung werkzeuglos mit dem Bremsgriff verbunden. Laut Magura kann die Montage so bis zu 40 Prozent schneller gehen.
Die Leitung selbst heißt Disctube 2.2 und besitzt einen drehbaren Anschluss an der Bremszange. An der Zange sitzt außerdem eine klassische Entlüftungsschraube; ein Ventil lässt sich bei Bedarf nachrüsten.
Kurz gesagt: Servicefreundlicher als früher.
Der Bremsgriff besteht aus Maguras hauseigenem Carbotecture-Material, einer Mischung aus Polymer und Kohlefasern.
Der Hebel selbst hat eine strukturierte Oberfläche, die auch mit Handschuhen Grip bieten soll. Im Inneren arbeitet ein größerer Geberkolben, der laut Hersteller für einen härteren Druckpunkt sorgt als bei der MT5.
Die Griffweite lässt sich mit einem T25-Werkzeug einstellen.
Das radiale Design spart Platz am Lenker. Die einteilige Klemmschelle lässt sich zudem öffnen, ohne den Griff abzubauen – ein Detail, das Mechaniker mögen. Über Magura Shiftmix IG können unten an der Schelle auch Schalthebel oder Dropper-Remote montiert werden.
Magura hat außerdem an der Geräuschkulisse gearbeitet.
Die neue MDR-S 2.0 Bremsscheibe besitzt ein überarbeitetes Reibringdesign, das Vibrationen reduzieren soll. Zusammen mit dem gleichmäßigen Kolbenrückzug soll das die typischen Schleifgeräusche minimieren, die viele Scheibenbremsen nach längerer Nutzung entwickeln.
Magura ist sich bei der Haltbarkeit offenbar sicher genug, um fünf Jahre Dichtigkeitsgarantie auf Bremsgriff und Bremssattel zu geben – zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistung.
Wenn man heute auf die Produktnamen schaut, wirkt das Ganze fast ein wenig nostalgisch.
Während andere Hersteller ihre Bremsen nach Zahlenreihen, Codes oder Fantasienamen benennen, hält Magura an seiner kleinen schwäbischen Familie fest.
Gustav.
Louise.
Clara.
Julie.
Und irgendwo in Bad Urach sitzt wahrscheinlich immer noch jemand und überlegt, welches Familienmitglied als Nächstes an den Lenker darf.

Redakteur