Hayes Dominion A4 im Scheibenbremsen-VergleichDie Beläge haben alles ruiniert

Max Fuchs

 · 31.03.2026

Die werkzeuglose Hebelweitenverstellung der Hayes Dominion A4 deckt ein sehr großes Spektrum ab.
Foto: Georg Grieshaber
Im Testalltag gehört die Hayes Dominion A4 zu unseren Lieblingsbremsen. Auf dem Prüfstand bei unserem Scheibenbremsen-Vergleichstest bleibt das beliebte Vierkolbenmodell wegen einer falschen Belagsspezifikation jedoch chancenlos. Wir erklären, warum diese Bremse trotzdem eine Empfehlung ist!

Themen in diesem Artikel

Fazit zur Hayes Dominion A4

Trotz des Labordebakels wollen wir die Hayes Dominion A4 allen ans Herz legen, die großen Wert auf Zuverlässigkeit, feine Dosierbarkeit und viel Feintuning-Potenzial legen. Mit den richtigen Belägen reicht die Power in der Praxis vollkommen aus, im Grenzbereich spürt man gegenüber den kräftigsten Systemen am Markt jedoch einen deutlichen Unterschied. – Max Fuchs, BIKE-Redakteur

Der Labortest der Hayes Dominion verlief unglücklich. Für einen sauberen Vergleich traten alle Bremsen mit dem Belagspaar an, das auch beim Endkunden im Lieferumfang enthalten ist. In fast allen Fällen setzen die Hersteller hier auf organische Mischungen. Sie funktionieren besonders gut bei trockenen Bedingungen, liefern auch bei wenig Wärme im System einen kräftigen Initialbiss und arbeiten angenehm leise – kurz: der ideale Allround-Belag. Dass die meisten organischen Beläge bei Nässe nachlassen, nehmen viele Fahrer in Kauf. Schließlich überwiegen in der Praxis die trockenen Ausfahrten.

Technische Daten: Hayes Dominion A4

Preis278 Euro (ohne Scheibe und Zubehör)
Gewicht pro Stück308 Gramm (inkl. 800 mm Leitung + Beläge)
Scheiben / DickeD-Series 180 / 1,94 Millimeter
BremsbelägeMetallisch
BremsmediumDOT 5.1
DruckpunktverstellungJa, Werkzeug erforderlich
HebelweitenverstellungJa, werkzeuglos
BesonderheitenMadenschraube zur Feinjustage des Sattels, zwei Entlüftungsschrauben am Sattel, zwei Belagsarten im Lieferumfang

Falscher Bremsbelag für die Hayes Dominion A4

Hayes legt zwei Belagspaare bei: einen organischen Allrounder und einen metallischen Spezialisten. Metallische Beläge fühlen sich erst bei hohen Temperaturen richtig wohl und spielen ihre Stärken vor allem unter Extrembedingungen aus. Die Metallfasern in der Mischung perfektionieren zudem die Nassperformance. Die Kehrseite: weniger Verzögerung beim „Kaltstart“, geringere Trockenbremsleistung und eine deutlich höhere Geräuschkulisse. Hayes riet uns dennoch zum metallischen Satz. Mit ihm, so die Empfehlung des Herstellers, lasse sich das Optimum aus der Bremse herauskitzeln.

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Verkehrte Welt auf dem Bremsenprüfstand

Leider trat genau das Gegenteil ein. Bei der Trockenbremsung landet die Dominion A4 im hinteren Drittel des Testfelds. Die praxisrelevante Maximalbremsleistung von rund 600 Newton – darüber droht der Überschlag – knackt die Hayes erst bei 120 Newton Handkraft. Das Gros des Testfelds kratzt schon bei 80 Newton an diesem Wert. Sprich: Die Power ist da, lässt sich aber nur mit Mühe abrufen. Bei der Nassbremsung hingegen brilliert die Dominion A4 mit ihrem metallischen Belag und erreicht den Höchstwert. Um zu zeigen, wie stark der Belag die Bremswirkung beeinflusst, lohnt sich auch der Vergleich zwischen Nass- und Trockenbremsung der Hayes selbst: Denn bei Nässe liefert sie bei 80 Newton Handkraft sogar mehr Bremsleistung als im Trockenen.

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Die Dominion A4 ist dennoch eine Empfehlung wert

Mit den richtigen Belägen hat die Dominion A4 in der Praxis kein Power-Problem. Obendrein überzeugen die Hebelgeometrie und das Ansprechverhalten auf ganzer Linie. Keine Bremse bietet einen derart präzisen Hebelweg. Losbrechmoment? Fehlanzeige. So lässt sich der Initialbiss mit chirurgischer Präzision ertasten. Wirklich bissig reagiert der Kandidat erst bei mittleren Handkräften – perfekt für lose und rutschige Böden. Der abgerundete Hebel mit perforierter Oberfläche entpuppt sich als regelrechter Handschmeichler. Die Hebelweitenverstellung deckt ein sehr großes Spektrum ab. Gut für alle, die ihre Bremse perfekt entlüften wollen: Je eine Entlüftungsschraube sitzt auf der linken und rechten Seite des Bremssattels. Eine Madenschraube pro Langloch am Bremssattel hilft, die Bremse hundertprozentig schleiffrei einzustellen.

Die BIKE-Bewertung

Preis (ohne Scheibe u. Zubehör)287 Euro
Bremspower (50%)2,7
Nassbremsung (10%)2
Trockenbremsung (40%)2,5
Praxis (50%)43
Modulation (30%)1,5
Usability / Handling (10%)2,5
Gewicht (10%)2,5
BIKE NOTE (100%)2,3

So testet BIKE Scheibenbremsen

Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.

  • ​Bremskraftprüfung im Labor: Damit die Bremsen auf dem Prüfstand ihre maximale Leistung abrufen können, schreibt die Prüfnorm ein definiertes Einbremsverfahren vor. Dabei müssen alle Modelle über 20 Bremsintervalle hinweg konstant 200 Newton Bremskraft halten, um auf Temperatur zu kommen und Belagsfading während der Bremskraftprüfung auszuschließen. Erst danach beginnt das eigentliche Kräftemessen. Es besteht aus drei Bremsungen pro Krafteintrag am Hebel. Los geht es bei 40 Newton Handkraft. Der Prüfstand erhöht die Kraft am Hebel in 20-Newton-Schritten, bis die Bremse ihren maximalen Hebelweg ausschöpft. Diese Prozedur absolviert jede Bremse zweimal: einmal im Trockenen und einmal bei Nässe. Beim Nasslauf wird die Scheibe während der gesamten Messung kontinuierlich benetzt. Für einen optimalen Vergleich laufen alle Modelle mit 180-mm-Scheiben. Die Belagsmischungen entsprechen stets der Serienausstattung. Die Scheiben durften die Hersteller – falls mehrere Optionen im eigenen Sortiment vorhanden sind – zugunsten der Bremsleistung selbst auswählen. Für einheitliche Vergleichswerte führen wir die Bremskraftprüfung und den Wärmestandfestigkeitstest jeweils mit einem frischen Belagspaar und einer neuen Bremsscheibe durch. Für die Bewertung der Bremsleistung im Labor ziehen wir nur die Ergebnisse bei 80 N Handkraft heran. In diesem Bereich liefern – insbesondere bei Trockenbremsungen – alle Modelle noch praxisrelevante Werte unterhalb der 600‑N-Schwelle. Darüber droht unter idealen Grip-Bedingungen der Überschlag.
  • Wärmestandfestigkeit: Als zweite Hürde im Labor müssen alle Bremsen zweimal einen genormten Test zur Wärmestandfestigkeit überstehen. Schließlich sollen die Kandidaten auch unter hoher thermischer Belastung zuverlässig verzögern. Pro Prüfgang stehen drei Dauerbremsungen à fünf Minuten auf dem Programm. Kurz nach jedem Intervall folgt eine abrupte Kontrollbremsung, die zeigt, ob die Bremse trotz Hitze noch einwandfrei verzögert. Abschließend ruft der Prüfstand dreimal die erforderliche Mindestbremskraft ab. Diesen Test haben alle Bremsen überstanden.
  • Praxistest: Wie eine Bremse ihre Power im Gelände entfaltet, wie sie auf geringe Handkräfte reagiert, wie fein sie sich dosieren lässt und wie sie in der Hand liegt – das kann kein Prüfstand messen. Hier zählen Erfahrungswerte. Und davon haben unsere Tester reichlich: Über 100 Komplettbikes durchlaufen jedes Jahr unser Testprozedere. Die meisten Bremsen kennen unsere Redakteure deshalb längst in- und auswendig. Zusätzlich fuhren zwei Tester alle Bremsen aus diesem Test im direkten Vergleich auf Einheitsbikes mit identischem Setup.

Max Fuchs

Max Fuchs

Redakteur

Max Fuchs hat seine ersten Mountainbike-Kilometer bereits mit drei Jahren gesammelt. Zunächst Hobby-Rennfahrer und Worldcup-Fotograf im Cross-Country-Zirkus, jetzt Testredakteur und Fotograf bei BIKE. Sein Herz schlägt für Enduros und abfahrtsstarke Trailbikes – gern auch mit Motor. Bei der Streckenwahl gilt: je steiler und technischer, desto besser.

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