Max Fuchs
· 31.03.2026
Trotz des Labordebakels wollen wir die Hayes Dominion A4 allen ans Herz legen, die großen Wert auf Zuverlässigkeit, feine Dosierbarkeit und viel Feintuning-Potenzial legen. Mit den richtigen Belägen reicht die Power in der Praxis vollkommen aus, im Grenzbereich spürt man gegenüber den kräftigsten Systemen am Markt jedoch einen deutlichen Unterschied. – Max Fuchs, BIKE-Redakteur
Der Labortest der Hayes Dominion verlief unglücklich. Für einen sauberen Vergleich traten alle Bremsen mit dem Belagspaar an, das auch beim Endkunden im Lieferumfang enthalten ist. In fast allen Fällen setzen die Hersteller hier auf organische Mischungen. Sie funktionieren besonders gut bei trockenen Bedingungen, liefern auch bei wenig Wärme im System einen kräftigen Initialbiss und arbeiten angenehm leise – kurz: der ideale Allround-Belag. Dass die meisten organischen Beläge bei Nässe nachlassen, nehmen viele Fahrer in Kauf. Schließlich überwiegen in der Praxis die trockenen Ausfahrten.
| Preis | 278 Euro (ohne Scheibe und Zubehör) |
| Gewicht pro Stück | 308 Gramm (inkl. 800 mm Leitung + Beläge) |
| Scheiben / Dicke | D-Series 180 / 1,94 Millimeter |
| Bremsbeläge | Metallisch |
| Bremsmedium | DOT 5.1 |
| Druckpunktverstellung | Ja, Werkzeug erforderlich |
| Hebelweitenverstellung | Ja, werkzeuglos |
| Besonderheiten | Madenschraube zur Feinjustage des Sattels, zwei Entlüftungsschrauben am Sattel, zwei Belagsarten im Lieferumfang |
Hayes legt zwei Belagspaare bei: einen organischen Allrounder und einen metallischen Spezialisten. Metallische Beläge fühlen sich erst bei hohen Temperaturen richtig wohl und spielen ihre Stärken vor allem unter Extrembedingungen aus. Die Metallfasern in der Mischung perfektionieren zudem die Nassperformance. Die Kehrseite: weniger Verzögerung beim „Kaltstart“, geringere Trockenbremsleistung und eine deutlich höhere Geräuschkulisse. Hayes riet uns dennoch zum metallischen Satz. Mit ihm, so die Empfehlung des Herstellers, lasse sich das Optimum aus der Bremse herauskitzeln.
Leider trat genau das Gegenteil ein. Bei der Trockenbremsung landet die Dominion A4 im hinteren Drittel des Testfelds. Die praxisrelevante Maximalbremsleistung von rund 600 Newton – darüber droht der Überschlag – knackt die Hayes erst bei 120 Newton Handkraft. Das Gros des Testfelds kratzt schon bei 80 Newton an diesem Wert. Sprich: Die Power ist da, lässt sich aber nur mit Mühe abrufen. Bei der Nassbremsung hingegen brilliert die Dominion A4 mit ihrem metallischen Belag und erreicht den Höchstwert. Um zu zeigen, wie stark der Belag die Bremswirkung beeinflusst, lohnt sich auch der Vergleich zwischen Nass- und Trockenbremsung der Hayes selbst: Denn bei Nässe liefert sie bei 80 Newton Handkraft sogar mehr Bremsleistung als im Trockenen.
Mit den richtigen Belägen hat die Dominion A4 in der Praxis kein Power-Problem. Obendrein überzeugen die Hebelgeometrie und das Ansprechverhalten auf ganzer Linie. Keine Bremse bietet einen derart präzisen Hebelweg. Losbrechmoment? Fehlanzeige. So lässt sich der Initialbiss mit chirurgischer Präzision ertasten. Wirklich bissig reagiert der Kandidat erst bei mittleren Handkräften – perfekt für lose und rutschige Böden. Der abgerundete Hebel mit perforierter Oberfläche entpuppt sich als regelrechter Handschmeichler. Die Hebelweitenverstellung deckt ein sehr großes Spektrum ab. Gut für alle, die ihre Bremse perfekt entlüften wollen: Je eine Entlüftungsschraube sitzt auf der linken und rechten Seite des Bremssattels. Eine Madenschraube pro Langloch am Bremssattel hilft, die Bremse hundertprozentig schleiffrei einzustellen.
| Preis (ohne Scheibe u. Zubehör) | 287 Euro |
| Bremspower (50%) | 2,7 |
| Nassbremsung (10%) | 2 |
| Trockenbremsung (40%) | 2,5 |
| Praxis (50%) | 43 |
| Modulation (30%) | 1,5 |
| Usability / Handling (10%) | 2,5 |
| Gewicht (10%) | 2,5 |
| BIKE NOTE (100%) | 2,3 |
Die Eindrücke zum Charakter, zur Dosierbarkeit und zum Handling stammen aus Praxistests. Die maximale Bremsleistung und die Wärmestandfestigkeit ermittelten wir nach DIN-Norm auf dem Rollenprüfstand vom Bremsenhersteller Magura.

Redakteur