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Typen & Portrait

Yeti A.R.C.

Tomek am 13.03.2007

Das Yeti "A.R.C." hätte es eigentlich nie geben dürfen. Ein Streit unter Freunden war die Geburtsstunde des berühmtesten Alurahmens.

John Parker stand bei der Weltmeisterschaft 1990 der Schweiß auf der Stirn. Von Runde zu Runde wurde er nervöser, drückte seinen Daumen das Blut ab und schaffte es nicht einmal mehr, einen Schluck aus seiner Coke zu nehmen. Parker, der Bike-Gott, der Gründer von Yeti-Cycles, sah seine Felle davonschwimmen. Sein Rennpferdchen, Juli Furtado, tat zwar das, was sie am besten konnte: die Konkurrenz in Grund und Boden fahren. Doch heute war nicht die gesamte Damen-Elite ihr Gegner, sondern das Rad auf dem sie saß – ihr Yeti „C 26“. Ein Rad, das seiner Zeit voraus sein sollte, eigentlich. Doch das Kunststoffrad mit den drei Carbonrohren glich einem Einweg-Bike – einmal benutzt, gehörte es auf den Schrott. Es war wie russisches Roulette aus Leichtsinn und Stabilität. Und meistens gewann der Leichtsinn und das „C 26“ löste sich an den verklebten Muffen. Furtado ließ sich nicht beeindrucken und zog ihre Runden bis zum Sieg der letzten inoffiziellen Weltmeisterschaften in Durango. Parker fiel ein ganzer Steinbruch vom Herzen. Auf dem Weg nach Hause dankte er Gott und wusste, dass sich etwas ändern musste. Das war der Startschuss für das „A.R.C.“, das erste Alu-Serien-Mountainbike.

Das Kürzel „A.R.C.“ klingt für Normalsterbliche wie ein Vitamingetränk. Doch für große Teile der Bike-Gemeinde ist es ein Schrein der Bike-Religion. Hinter der Abkürzung steckt, wie bei Yeti üblich, eine schnöde Beschreibung – „Alloy Racing Composite“. Yeti hatte schon in den Vorjahren einen großen Wurf nach dem nächsten gelandet. Das „F.R.O.“ („For Racing Only“), das „Ultimate“ oder das „C 26“ waren jedes für sich ein Juwel. Fast so, als ob Lamborghini, Ferrari und Porsche aus einer Fabrikhalle kämen. Yeti erfand sich immer wieder selbst, blieb sich dabei stets treu. Doch das berühmteste Bike entstand nach einem handfesten Streit.

1990 hatte Parker groß verkündet, dass Yeti niemals Alurahmen bauen würde. Kurz darauf kam Chuck Teixeira von Easton bei Yeti vorbei, um einen Alu-Rohrsatz zu präsentieren. Parker sträubte sich. Sein Schweißer Frank „the Welder“ hingegen sah schon die Schweißwaben, die sich über die Rohre legten. Frank wollte das neue Material – er musste einen Rahmen mit diesem Rohrsatz schweißen. Während der Yeti-Chef in Mammoth zum Rennen fuhr, legte er klammheimlich los. Doch Parkers Gattin Linda petzte per Telefon. Parker kochte vor Wut und riet seinem Kumpel Frank, sich bei seiner Rückkehr rar zu machen. Frank packte seine Sache und flüchtete. Zum Glück kam BIKE-USA-Chef Zapata Espinoza des Wegs und schlichtete den Streit. Er war begeistert von dem Leichtmetall, schoss Fotos und besänftigte Parker. Kurz darauf ließ Yeti von Alu-Gigant Easton einen eigenen Rohrsatz konstruieren, den Easton „7005 Series ProGram Varilite“. Der Mann hinter den Rohren, Teixeira, hat noch heute jedes einzelne Maß des Rahmens im Kopf. Mit größtem Vergnügen betet er jedem Fragenden stoisch die einzelnen Wandstärken, Zugbelastungen und Gewichte herunter.

Ein Vertrauensbruch revolutionierte das Mountainbike. Das „A.R.C.“ wurde zur Siegmaschine. Nach dem ersten Platz auf dem Kunststoff rad holte sich Furtado 1991 auf einem „A.R.C.“ den ersten UCI-Weltmeistertitel. 1992 gewann das Bike mehr Norba-, Grundig- und Worldcup-Rennen als alle anderen Teams zusammen. John Tomac, Myles Rockwell, Jimmy Deaton, Missy Giove oder Juli Furtado saßen und siegten auf ihm. Seit über 15 Jahren wird das „A.R.C.“ produziert. Es hat sich vieles verändert, doch in jedem steckt noch der alte Glanz. Parker, Frank „the Welder“ und Teixeira haben sich mit dem „A.R.C.“ ein rollendes Denkmal geschaffen.

(Text: Björn Scheele) 

Für uns gebührt ihm ein Platz in der Hall of Fame.

Tomek am 13.03.2007

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