Die leichtesten 29-Zoll-Bikes der Welt? Die leichtesten 29-Zoll-Bikes der Welt? Die leichtesten 29-Zoll-Bikes der Welt?

Leserbike: Leichtbau-29er von Gustav Gullholm

Die leichtesten 29-Zoll-Bikes der Welt?

  • Stefan Loibl
 • Publiziert vor 4 Jahren

Der Schwede Gustav Gullholm setzte zwei Race-Bikes von Scott auf Nulldiät und tunte, was das Zeug hält. Das Ergebnis: Die leichtesten 29er der Welt. Wir haben beim Besitzer nachgefragt.

Irgendwann im nasskalten, schwedischen Herbst 2016 fasste  Gustav Gullholm  den Plan, sich ein oder zwei neue Cross-Country-Bikes anzuschaffen. Aber es sollten keine Serienmodelle aus dem Laden sein. Nein, er wollte die Räder selbst aufbauen und nach seinen Wünschen zusammenstellen. Und da er das schon öfter gemacht hat, musste eine neue Herausforderung her. Sie sollten leicht und puristisch sein. So der vage Plan. Da die Winter in Schweden lang sind, hatte er genug Zeit, intensiv nach Komponenten, Rahmen und Anbauteilen zu stöbern. Richtig viel Zeit sogar. Nach einer ersten Recherche fasste er schließlich den Plan, ein Hardtail unter sieben Kilo und ein Fully um die acht Kilogramm anzupeilen.

Privatfoto 6364,3 Gramm: Das Scott Scale des Schweden Gustav Gullenholm ist das leichteste 29er-Bike, das wir kennen.

Privatfoto Mit Dugast-Schlauchreifen, Tune-Kurbel und Crank Brothers-Pedalen kommt das Scott Spark RC 900 SL von Gustav Gullenholm auf 7804 Gramm. Im leichtestes Aufbau wiegt das Race-Fully sogar nur 7473 Gramm.

Als Gullhom dann die Gewichte von Carbon-Rahmen und MTB-Komponenten rauf- und runterbeten konnte, war er angefixt. Aus dem spaßigen Schrauber-Projekt wurde eine ernste Herausforderung. Er wollte plötzlich nicht mehr irgendein leichtes Bike aufbauen, sondern das leichteste. Aber nicht damit es in einer flippigen Wandhalterung das Kaminzimmer schmückt, sondern voll funktionsfähig und fahrbar sollte das Bike sein. Um schon beim Rahmen kein Gramm zu viel draufzupacken, begann er von den Carbon-Rahmen – ein Scott Scale und ein Scott Spark – den Lack zu entfernen. Ab diesem Zeitpunkt gab es kein Zurück mehr.

Privatfoto Der Rahmen ist ein Scott Scale RC 900 SL. Doch auch den hat der Schwede entlackt und mit Kleinteilen von Hopp Carbon verfeinert. Die Felgen stammen von 77Composites, die Sapim-Speichen wurden von Hand poliert. Am Ende kommt der Bastler auf ein Laufradgewicht von 1880 Gramm (beide Laufräder zusammen!).

Privatfoto Die Bremse ist eine Trickstuff Piccola, der Schmolke-Lenker und der MCFK-Vorbau sind fest miteinander verklebt. Die Ahead-Kappe aus Carbon wurde von Hand selbst gefertigt.

Privatfoto Die Federgabel ist eine Fox 32 SC Factory, die mit Parts von Hopp Carbon getunt wurde. Zudem hat Gullenholm die Gabel von Hand abgeschliffen und poliert.

Privatfoto Ein 36er-Kettenblatt von Garbaruk sitzt auf der Tune Black Foot-Kurbel. Das Schaltwerk ist von der A-GE von Acros, wurde aber auch von Hand poliert und bearbeitet.

Privatfoto Rechts die XX1-Kassette, in der Mitte die HyperBoost-Nabe von Extralite und links die Bremszange der Piccola mit Ashima Ai2-Discs.


Gustav Gullenholm im Interview

„Das Scale ist etwa 14000 Euro wert, das Spark 13000“


BIKE: Warum hast du Dich für zwei Bikes von Scott entschieden?
Gustav Gullenholm: Ich bin vorher bereits das alte Scale gefahren. Als letztes Jahr das neue vorgestellt wurde, gefiel es mir auf Anhieb. Deshalb fiel mir die Entscheidung nicht schwer. Und als dann auch noch das neue Spark so überragend aussah, war klar: Ich baue mir auch noch ein neues Fully auf. Aber natürlich habe gezielt ich auf die Rahmengewichte geschaut. Die Scott-Rahmen sind beide superleicht.


Trotzdem hast du Dich nicht mit dem Serienrahmen zufrieden gegeben.
Nein, erst einmal musste der Lack ab. Mit Kleinteilen wie dem Schaltauge von Hopp Carbon habe ich das Rahmengewicht auf 767 Gramm für das Scale gedrückt. Mein Spark-Rahmen bringt inklusive Dämpfer 1641 Gramm auf die Waage. Einfach irre! Vor allem, wenn weil die Bikes bis zu einem Fahrergewicht von 125 Kilo zugelassen sind.


Wie lange hat es gedauert, bis die Bikes fertig waren?
Mehr als ein Jahr habe ich daran gebastelt. Angefangen habe ich im September 2016. Eigentlich wollte ich im April fertig werden, also pünktlich zum Start der Bike-Saison. Aber dann gab es Verspätungen und andere Probleme beim Aufbauen. Aber irgendwie habe ich es doch hingekriegt, dass immer eins der Bikes fahrbereit war. Ende Oktober hatte ich dann endlich alle Teile beisammen, um beide fertig zu machen.

Privatfoto Die beiden Leichtbau-29er hängen nicht an irgendeinem Wandhalter im Kaminzimmer, sondern werden regelmäßig von ihrem Besitzer gefahren. Aufgrund von Sattelstütze/Sattel-Kombo und des Cockpits gilt ein Fahrergewichts-Limit von 85 Kilogramm.


Wie lange hast du in der Werkstatt verbracht?
Ach Gott. Meine Stunden beim Schrauben habe ich gar nicht gezählt. Aber ich denke, dass ich so in etwa 100 Stunden am Scale gesessen habe. Alleine wie lange ich geschliffen und getunt habe. Beispielsweise habe ich Sapim CX Super-Speichen, die es leider nur in schwarz gibt, mit der Hand abgeschliffen und poliert. Alles nur, um den silbernen Look hinzubekommen. Mindestens so viel Zeit hat mich das Polieren der Gabel auch gekostet.


Wie oft und viel fährst du die Bikes?
Mit beiden habe ich schon etwa 2000 Kilometer abgespult, in verschiedenen Setups. Die einzigen Teile, die ich noch nicht so ausgiebig gefahren bin, sind die Sattelstütze und das Cockpit. Dass man mich nicht falsch versteht: Ich nutze die Bikes als Alltagsfahrräder, trainiere auf ihnen. Nur im Winter bleiben sie in der Garage. Auch bei Marathons bin ich die Leichtgewichte schon gefahren.


Du bist also keiner dieser Leichtbau-Fanaten, die nur fürs Foto auf der Waage tunen?
Nein, nein. Ich bin vorher zwölf Jahre Downhill gefahren, erst danach habe ich mit Cross Country und Marathons angefangen. Deshalb scheue ich auch technische Trails mit den Bikes nicht. Für einen Besuch im Bikepark habe ich am Spark eine Variostütze und Flatpedals montiert, das hat auch geklappt. Mein Ziel war von Anfang an superleichte, aber eben auch 100 Prozent fahrbare Bikes aufzubauen. Klar habe ich die Furious-Fred-Reifen montiert, um das Gewicht zu drücken. Aber das mache ich, um zu zeigen, was möglich ist. Ich denke, dass das Gewicht der Bikes auch mit „richtigen“ Reifen noch herausragend ist.


Wie hast du nach den leichtesten Komponenten gesucht und woher weißt du, dass es keine leichteren mehr gibt?
Das meiste findet man in Magazinartikeln oder einfach, wenn man durch Online-Shops und MTB-Foren surft. Aber eben nicht alles. Manche Serienteile habe ich selbst getunt oder gleich Custom-Lösungen gebastelt. Vor einem Jahr beispielsweise gab es noch keine Direct Mount-Aufnahme bei Tune-Kurbeln. Aber andere Tuning-Jungs wie etwa Garbaruk hatten das schon realisiert und mir geholfen. Noch so eine Speziallösung ist das Cockpit. Schmolke -Lenker und MCFK -Vorbau sind fest miteinander verklebt, um Gewicht zu sparen. Ein paar Gramm habe ich auch mit dem guten, alten Dremel herausgekitzelt. Es sind eben die Details, die entscheidend sind, um das Gewicht so weit zu drücken.


Geht's noch leichter?
Ja, ich denke schon. Beim Scale könnte ich mittlerweile noch etwa 200 Gramm einsparen, glaube ich. Denn seitdem ich angefangen habe, die Bikes aufzubauen, gibt es schon wieder leichtere Teile am Markt. Zum Beispiel leichtere Felgen. Eine andere Option wäre Handarbeit. Oder ich könnte mir von Hopp Carbon eine Carbon-Variante der Acros A-GE-Hydraulik-Schaltung fertigen lassen, die könnte so etwa 200 Gramm wiegen. Am Ende müssen die Bikes allerdings für mich fahrbar bleiben. Eine Sattelstützen-Sattel-Kombo von Berk Composites wäre bestimmt leichter. Aber ich will nicht auf den Flex eines herkömmlichen Sattelgestells verzichten. Die Piccola-Bremse von Trickstuff könnte mit Carbon-Bremshebeln auch leichter sein, aber ich wollte die silbernen behalten. Sie passen einfach optisch perfekt an mein Scale.


Was ist deiner Meinung nach möglich?
Ein Hardtail mit um die sechs Kilogramm und ein Race-Fully um die sieben Kilo, das wäre drin.


Wie viel sind die beiden Leichtbau-29er wert?
Das Scale liegt irgendwo um die 14000 Euro und das Spark bei 13000 Euro. Aber das ist der reine Materialwert. All die Stunden in der Werkstatt sind da noch nicht mitgerechnet. Exorbitant teuer, klar. Aber nicht so schlecht für so einzigartige Bikes, wenn man bedenkt, dass manche Topmodelle von Serienbikes heutzutage auch 10000 Euro kosten.

Privatfoto Mit Rocket Ron-Reifen und Clincher-Laufrädern kommt das Spark auf 7701 Gramm. Die Carbonfelgen kommen von 77Components, die Naben von Extralite. Auch beim Fully hat Gullenholm die Speichen von Hand nachgearbeitet.

Privatfoto Fast das einzige Teil am Leichtbau-Spark, das unangetastet blieb: die Fox 32 SC Factory-Gabel.

Privatfoto Der Carbon-Sattel von Berk Composites wiegt 60,7 Gramm, die Schmolke TLO-Stütze 112,5 Gramm.

Privatfoto Twinloc-Fernbedienung, XX1-Schalthebel oder Race Face-Kurbel: Bei all diesen Komponenten hat sich Gullenholm nicht mit den Serienteilen zufrieden gegeben und selbst nachgebessert. Beispielsweise hat er Schrauben ersetzt oder Carbon-Abdeckungen laminiert.

Du hast auch ein superleichtes, getuntes Mountainbike zuhause? Egal ob Race-Hardtail oder Trailbike. Schicke uns ein paar Fotos und das Gewicht per E-Mail an news@bike-magazin.de! Wir stellen die Schätze dann demnächst auf der BIKE-Website vor.

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