David "Tinker" Juarez David "Tinker" Juarez David "Tinker" Juarez

Tinker Juarez Porträt

David "Tinker" Juarez

  • Björn Scheele
 • Publiziert vor 15 Jahren

Seine Mutter nannte ihn "Stinker". Sie konnte ja nicht ahnen, dass der Name später mal in den Geschichtsbüchern der Bike-Szene stehen würde. Auch wenn das "S" im Laufe der langen Karriere von David Juarez auf der Strecke geblieben ist.

Sein Lächeln war irgendwo zwischen Kilometer 1 500 und 2 000 auf der Strecke geblieben. Das übliche Grinsen, das David „Tinker“ Juarez (45) sonst auf den Lippen hatte, wich einem leeren Blick und einem versteinerten Nacken. Tinker wollte es mal wieder wissen: Beim Race across America wollte er herausfinden, ob die grauen Haare in seinen Dreadlocks ein Zeichen für Schwäche waren. 3 000 Meilen Kampf gegen den Schlaf musste er dafür beim größten Ausdauerrennen der Welt führen. Zehn Tage und neun Nächte, in denen seine Füße anschwollen und sein Hintern zu Reibekuchen wurde. Alles nur, um die Radwelt um eine Legende reicher zu machen. Tinker taumelte auf den dritten Platz, da wo er eben hingehört: auf das Siegerpodest. Zwei Tage später saß er wieder auf seinem Rad, denn die Welt dürstete nach neuen Heldentaten.

Kaum ein anderer Biker wird mehr verehrt als er. Unverkennbar im bunten Einheitsbrei der Trikots: die Haarpracht des Kaliforniers. Seit über zwanzig Jahren verzückt er die Radwelt. X-mal stand er ganz oben, besiegte Tomac, Overend oder Frischknecht, wurde Vize-Weltmeister und dreimal US-Champ. Er braucht das Bike wie die Luft zum Atmen und das Bike braucht ihn. Keiner nimmt sich mehr Zeit für Fans und Reporter. Sein langer Atem scheint unerschöpflich. Er war nie der schüchterne Tomac, der zur kargen Siegmaschine mutierte, kein aufgesetzter Miles Rockwell, der seine Python als Talisman zu den Rennen mitnahm. Juarez will immer nur eines – eine gute Zeit auf seinem Bike verbringen und das am besten ganz oben auf dem Siegerpodest. Die Geschichte des Jungen aus Los Angeles steht wieder einmal für den „american dream“. Zwischen Gangkriegen und Drogenbossen begann Tinker seine Karriere als Radsportler. Den Namen „Tinker“ bekam er von seiner Mutter, die ihn „Stinker“ nannte. Doch ihr mexikanischer Akzent ließ es eher wie „Tinker“ klingen. Mit 16 erhielt er seinen ersten Profi-Vertrag von Mongoose als BMX-Fahrer. Nach fünf Jahren Kleinrad sattelte er auf das Bike um – der Sport schien die Zukunft. Er war nie der Siegessammler, doch seine Konstanz belohnte ihn immer wieder. Mehrere amerikanische Meistertitel, Silbermedaillen bei Worldcups und Weltmeisterschaften verstaut er in seiner Wohnung. Und er hat noch lange nicht genug. Scheinbar wird Tinker immer besser mit den Jahren. Seine neue Leidenschaft sind Langdistanzrennen. Kopf aus, Beine an. Als seine Kräfte nicht mehr fürs oberste Podest beim Cross Country reichten, sattelte er erfolgreich auf 24-Stunden-Rennen um. Er wollte etwas Neues, wollte nicht zum alten Eisen gehören. Wo er startete, mussten nur noch zwei weitere Plätze auf dem Podest freigehalten werden – meistens der zweite und dritte Platz. Stoisch trat er dabei seine Gänge, die Konkurrenz als Statisten hinter ihm. Allein in den vergangenen sechs Jahren siegte er 28 Mal. Doch für den ewig jungen war das nicht genug, er wollte länger leiden. 2005 begann er mit dem Training für Ultradistanzrennen. Sein Ziel war das Race across America. 3 000 Meilen Einsamkeit auf der Landstraße. Immer den Schweinehund mit in der Trikottasche und den Schlaf als größten Gegner. 2007 wird er wieder am Start stehen. Vielleicht siegt er dann und wird die Sektflasche vor Schwäche kaum halten können. Seine Jünger wären aus dem Häuschen, wie jedes Mal, wenn ihr Idol ganz oben steht. Immer mit einer Baseballcap, die wie ein Sahnehäubchen auf der berühmtesten Lockenpracht der Bike-Szene sitzt.

Unbekannt,BIKE Magazin Für uns gebührt Tinker Juarez ein Platz in der Hall of Fame.

Themen: Hall of FameJuarezLegendeRennsport


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