Ulrich Stanciu Ulrich Stanciu

Andi Heckmaier und Uli Stanciu: MTB-Legenden im Portrait

Transalp, die Erste...

Björn Scheele am 30.11.2008

Jeden Sommer windet sich ein Lindwurm aus Bikern über die Alpen. Diesen Bike-Massentourismus bei Alpenüberquerungen haben zwei Männer zu verantworten: Andi Heckmaier und Uli Stanciu.

Der Vater der Heuschreckenplage rast mit einem schwarzen Audi um die Ecke und bremst neben dem Belegte-Brote-Stand. Dann steigt er aus, drückt seine Schuhsohle hastig in den Teer und blinzelt auf seine Armbanduhr. Der Vater heißt Uli Stanciu. Er wartet auf seine Kinder, die in den nächsten Stunden hereinsurren. 1.100 von ihnen fallen heute in das 5.000-Seelen-Nest Livigno ein. 1.100 Mountainbiker, die einmal mehr bei der Jeantex BIKE Transalp über die Alpen knechten – dem kollektiven Abenteuer. Ein Abenteuer, das Stanciu nur zu gut kennt. Vor 18 Jahren schon begann er selber über die Alpen zu fahren. Doch die Ehre, dieses Gebirge als Erster mit dem Bike bezwungen zu haben, muss er teilen.

Ulrich Stanciu

BIKE-Gründer Ulrich Stanciu.

Wer von der ersten Transalp spricht, meint zwangsläufig zwei Alpenüberquerungen. Denn der Zug über die Alpen hat statt einer Mutter zwei Urväter. Uli Stanciu und Andi Heckmaier machten sich fast zeitgleich ins Abenteuer auf, ohne voneinander zu wissen. Damals, 1990. Wenn Heckmaier heute über seine Transalp spricht, schüttelt er den Kopf: “Drei Jahre vor der Alpenüberquerung fuhr ich mit dem Bike im Himalaya. Ich kam gar nicht auf die Idee mit dem Bike über die Alpen zu fahren – obwohl sie direkt vor der Haustür lagen.”

Die Idee, von Oberstdorf aus an den Gardasee zu fahren, reifte zusammen mit seinem Freund Wolfgang Renner. Heckmaier kannte vom Bergsteigen her sämtliche Pässe. Er versuchte, eine Bike-gerechte Route zu finden. Doch welche sich für Mountainbikes eignen würden, konnte er nur grob abschätzen. Zwei Dinge galten als Maxime: wenig Asphalt, wenig schieben. Zusammen mit Renner und Gerhard Strittmatter starteten sie im Sommer 1990 von Oberstdorf nach Riva. Die Bedingungen waren gut, wenn auch nicht optimal. In Bormio standen sie im Dauerregen. Und geschoben wurde auch fleißig – teilweise über Stunden mussten die drei Pioniere ihr Bikes schleppen. Nach 400 Kilometern und 14.000 Höhenmetern Schinderei erreichten sie ihr Ziel. Fast zwei Jahrzehnte nach seiner Transalp überwiegt bei Heckmaier jedoch das Glücksgefühl. Qualen? Halb so wild. Am Ende sei die Tour einfacher gewesen als gedacht, erzählt der Bergfex.

Einige Wochen nach Heckmaier startete Uli Stanciu seine Transalp – von Mittenwald nach Bozen. Entstanden war Stancius Transalp-Idee schon 1989 auf einer mehrtägigen Tour im Inntal. “Wir fuhren von Mittenwald über Garmisch ins Zillertal und zurück. Kurz vor dem Ende der Tour fragte wir uns: Wieso sind wir nicht weitergefahren – einmal über die Alpen?” Im August 1990 startete er zusammen mit Michael Conrad und Christian Roschmann. Die Route begann in Mittenwald und endete in Bozen. Mit 300 Kilometern und 7.000 Höhenmetern noch eine Light-Version einer Transalp.

Andi Heckmaier

Transalp-Pionier Andi Heckmaier fuhr bei seiner ersten Alpenüberquerung von Oberstdorf an den Gardasee. Die Route ist bis heute nach ihm benannt.

Im Frühjahr 1991, wenige Monate, nachdem Heckmaier und Stanciu die Alpen bezwungen hatten, erschien der erste Transalp-Artikel in der BIKE. “Wir wussten gar nicht, was wir damit anrichteten, plötzlich wollte jeder über die Alpen fahren”, erinnert sich Stanciu. Heckmaier sieht das ähnlich. Nachdem seine Transalp als sechsseitige Geschichte im Stern erschien, klingelte sein Telefon Sturm. “Ich musste mir eine neue Nummer geben lassen. Jeder wollte über die Alpen.” Schnell wurde die Transalp ein Abenteuer für jedermann.

18 Jahre nach den ersten Alpenüberquerungen mit dem Bike ziehen jährlich Heerscharen von Bikern über die Berge und fallen in die kleine Alpendörfer ein. Sei es als Erlebnisgruppe oder im Wettkampf bei der Jeantex BIKE Transalp. Eines hat jedoch jeder Alpenüberquerer mit Heckmaier und Stanciu gemeinsam: eine Erinnerung, die sich für den Rest des Lebens auf die geistige Festplatte brennt.

Hall of Fame BIKE Magazin

Björn Scheele am 30.11.2008