Neueröffnung MTB Hall of Fame

Die neue MTB Hall of Fame in Fairfax

  • Christoph Listmann
 • Publiziert vor 5 Jahren

In einem verschlafenen Hippie-Nest in Marin County gibt es die Geschichte des Mountainbikes zum Anfassen. Im Marin Museum of Bicycling findet man auch die Hall of Fame des Sports. Wir waren zu Besuch.

Die Hall of Fame – die Ruhmeshalle des Bike-Sports. Wie kann man sich sie vorstellen? Glamourös mit rotem Teppich, Goldrand-Bildern und Exponaten auf Samt? Ein prunkvoller Tempel wie die Walhalla bei Regensburg? Oder nüchtern modern mit  Lounge-Musik? Alles falsch. Die Ruhmeshalle des Bike-Sports versteckt sich im Hippie-Town Fairfax, eine Dreiviertelstünde nördlich von San Francisco.

Die Backstein-Mauer vorm Museum ist Teil des Finanzierungsmodells. Jeder konnte (und kann noch) Backsteine mit Gravur kaufen und damit das Museum unterstützen. Auch BIKE hat einen erworben!

In einem ehemaligen Supermarkt haben die Marc Vendetti, Otis Guy und Joe Breeze die Geschichte des Sports versammelt. Die drei gehören zu den Pionieren, die dem Bike-Sport genau hier vor 40 Jahren Leben eingehaucht haben. Und sie sorgen nun dafür, dass niemand die Gründerzeit vergisst. "Marin Museum of Bicycling & Mountainbike Hall of Fame" steht auf der Tafel überm Eingang.

Otis Guy, Marc Vendetti, Joe Breeze: Die Pioniere modellieren mit der MMBHOF ihren Nachlass.

Aber wer hier Pokalsammlungen, Wachsfiguren oder lebensgroße Aufsteller von seinen Helden erwartet, wird enttäuscht. Die "MMBHOF" ist in erster Linie ein Fahrrad-Museum. Von der Holzdecke hängen große Leuchten, Ventilatoren summen, Trockenbau-Wände teilen den Raum, der Betonboden ist opalfarben gestrichen. Ein riesiger Projektor könnte das Museum in ein 280 Quadratmeter großes Kino verwandeln. An den Wänden stehen die ersten Zweiräder aus Holz, genau genommen Laufräder, frühe Rennräder und auch die „Clunker“ oder „Ballooner“ genannten Räder mit dicken Luftreifen, aus denen die Fairfax-Gang in den Siebzigern die ersten Mountainbikes gebaut hat. Klingende Namen wie Breezer, Ritchey und Fisher, Cunningham, Specialized oder Mountain Cycle, Fat Chance, Kestrel oder Yeti. Fans und Sammlern geht hier das Herz auf.

Damals, als Titan noch der Trend-Werkstoff war: verrückte Konstruktion eines Fullys von Ibis. Man beachte die Federgabel!

Die Kirche für Mountainbike-Jünger

Bei unserem Besuch in Fairfax wird uns schnell klar: Das MMBHOF ist die Kirche für Bike-Jünger. Hier versammelt sich alles: Technik, Typen, Visionen. Die Geschichte hinter einem Produkt erzählt Joe Breeze selbst. Die Exponate machen die Progression des Sports sichtbar. Die Hall of Fame, also die Menschen hinter dem Sport, haben allerdings einen nur geringen Stellenwert.

Das Museum hat seit letztem Sommer geöffnet. In der Bildergalerie und im Video können Sie sich selbst einen Eindruck über das MMBHOF machen:


Die ausführliche Reportage zur MTB Hall of Fame lesen Sie in BIKE 6/2016 – ab 3. Mai am Kiosk. Die Ausgabe können Sie auch in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen:


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Otis Guy, Joe Breeze und Marc Vendetti posieren vor ihrem Lebenswerk, dem Museum in Marin.

Passend zum Museum: Das Buch Fat Tire Flyer von Pionier Charles Kelly. Es beschreibt detailliert die Anfänge des Sports und darf in keinem Biker-Haushalt fehlen.

Die Bücherecke im Museum. Gefüllt mit Sammlerstücken.

Clunker oder Ballooner genannt: Diese Fahrräder von 1940/41 legten den Grundstein zu dem was wir heute Mountainbike nennen.

Im Museum wird die Progression des Sports sichtbar. Ein Racebike von Gary Fisher, das erste Carbonbike von Kestrel, Alu-Monocoque von Mantis oder die ersten Fullys von Mountain Cycle und Fisher.

Nicht nur fürs Yeti-Racebike von Jimmy Deaton würden Sammler eine Menge Geld bezahlen. Man beachte das riesige Kettenblatt, extra montiert für den Kamikaze-Downhill in Mammoth Mountain.

Das Trek Carbon-Fully mit Antriebsschwinge war eine der Irrungen der Technologie. Darüber: Thomas Frischknechts Ritchey-Racebike von den Olympischen Spielen 1996.

Das interessanteste Bike versteckt sich rechts oben: Ein Moots Titan-Fully mit 29er Bereifung. Damals hätte niemand geahnt, dass 29er eine so große Marktbedeutung erreichen. Das Cannondale hingegen wurde nur in winziger Stückzahl produziert, ausschließlich für die Teamfahrer.

Die Hall of Fame des Bike-Sports ist ein Plakatständer mit Farbdrucken – enttäuschend.

Joe Murray fuhr dieses Gary Fisher-Bike als Rennfahrer von Sieg zu Sieg.

Charlie Cunningham setzte erstmals Aluminium als Werkstoff ein. Und Rennlenker. Und Kettenspanner. Und Kettenführungen.

Ohne Worte. Bei dieser Sammlung geht Fans das Herz auf.

Beim Manitou, damals schon unter der Regie des Answer-Konzern, steckt quasi eine modifizierte Manitou-Elastomer-Gabel als Federung im Hinterbau. 1993 durchaus mit Erfolg.

Im Marin Museum of Mountainbiking stehen auch ausgewählte alte Rennräder. Und Hochräder. Und Laufräder aus Holz. Die Geschichte des Fahrrads wird hier sichtbar.

Links im Bild: Eins der ersten Breezer-Bikes. Joe Breeze konstruierte die zusätzlichen Streben als Versteifung in den Rahmen hinein.

Das blaue Specialized Stumpjumper weiter hinten im Bild stammt aus dem ersten Container, den Specialized-Boss Mike Sinyard aus Fernost kommen ließ. Das Stumpjumper gilt als das erste Serienbike der Geschichte.

Hier nochmal das Stumpjumper und das Cunningham CC Proto aus 1979. Schon damals mit Alu-Rahmen, Einfach-Antrieb und Kettenführung. Der Rennlenker ist typisch für Cunningham.

Redakteur Listmann mit Joe Breeze. Links im Bild die Hall of Fame. Ja, mehr gibt es da nicht zu sehen als diese Poster…

Ein Fat Chance aus Stahl darf im Museum natürlich auch nicht fehlen.

Die Pioniere Joe Breeze und Charlie Kelly, Erfinder des Rpack-Downhill-Rennens, sind fast täglich selbst im Museum und führen gerne durch die Sammlung.

Themen: BIKE 6/2016FairfaxHall of FameKalifornienMuseumUSAVideo


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