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Yeti-Kult: unveröffentlichte Fotos entdeckt

BIKE bei Yeti 1993: „Im Lager bekam man riesige Augen.“

Henri Lesewitz am 15.09.2016

Als Ende der 80er der MTB-Boom losbrach, waren Yeti-Bikes bereits Kult. Dirk Belling, einst Fotoreporter bei BIKE, hat in seinem Archiv gestöbert und rare, zum Teil unveröffentlichte Schätze gefunden.

John Parker und seine Schmiede Yeti umwehte in den Neunzigern ein mythenhafter Ruf. Bilder aus der Zeit sind absolute Raritäten. Dirk Belling, einst Fotoreporter bei BIKE, ist in seinem Archiv auf einen exklusiven Ordner mit zum Teil unveröffentlichten Dias gestoßen.

Yeti-Bikes sind Kult und gesuchte Sammlerstücke

Das Mountainbiken feiert 40. Jubiläum. Noch ein Grund mehr, das Wort "Kult" in jeden Text prasseln zu lassen, der sich in irgendeiner Form mit der Historie des Sports auseinandersetzt. Wann immer in Internet-Foren, Blogs oder Magazin-Artikeln über die späten Achtziger und frühen Neunziger geschrieben wird, geht es irgendwie um Kult. Um Kult-Personen, Kult-Rennen, Kult-Firmen, Kult-Teile und so weiter und so fort.

Das meiste davon ist pure Übertreibung, ja fast schon Verklärung. Anderes dagegen stimmt exakt. Der mythenhafte Ruf zum Beispiel, der sich um die Bikes der Schmiede Yeti rankte, als Firmengründer John Parker noch das Sagen hatte. Die Bikes aus der Zeit – das F.R.O und das A.R.C und das C-26 – sind heute gesuchte Sammlerstücke.

Noch seltener jedoch sind Fotos aus den sagenumwobenen Anfangsjahren der Firma. Der Dia-Ordner, den Dirk Belling jetzt aus den Tiefen seines Archivs barg, ist eine kleine Sensation. Belling, der seit vielen Jahren als Markenberater (Brand Coach) für namhafte Fahrrad-Unternehmen arbeitet, war Anfang der Neunziger Fotoreporter bei BIKE.

Anfang 1993, als die Erfolgsgeschichte von Yeti gerade auf größter Flamme brodelte, war er zu Besuch in den heiligen Hallen in Durango (Colorado). Die Fotos, die wir digitalisiert haben, sind einzigartige Zeitdokumente und zum Teil noch unveröffentlicht. Ja, genau: Kult-Fotos, so müsste man eigentlich sagen.

Fotostrecke: Hausbesuch: BIKE bei Yeti 1993

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Rohr-Puzzle: Hier entsteht einer der schon damals legendären A.R.C.-Rahmen. Kenner wissen: der erste Alu-Rahmen mit konifizierten Rohren (exklusiv für Yeti von Easton gefertigt). Auch der A.R.C. besaß das besondere Design-Merkmal von Yeti: Aus einem Rohr gebogene Sitz- und Kettenstreben – super aufwändig zu fertigen. A.R.C. stand übrigens für Alloy Racing Composites. Der Rahmenpreis betrug unglaubliche 3990 D-Mark. Mehr konnte man für einen Rahmen fast nicht ausgeben, selbst wenn man gewollt hätte. 

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Die fantastischen Drei: Firmengründer John Parker mit Downhill-Göre Missy "The Missile" Giove auf einer alten Indian und Frank "The Welder" Wadelton.

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Keine fuhr radikaler, keine brach sich öfter die Knochen: Missy Giove war der Superstar der frühen Worldcup-Jahre. Ihr Markenzeichen war der Piranha Gonzo, der einst in ihrem Aquarium schwamm und getrocknet um ihren Hals baumelte. Auch kultig: Das Yeti A.R.C. LT – mit sieben Zentimetern Federweg damals das heißeste Geschoss im Downhill-Worldcup. Und ja, Downhill-Bikes hatten damals noch Barends und Flaschenhalter. 

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Das Yeti-Team um Missy Giove, Myles Rockwell und Jimmy Deaton galt als wildeste Truppe im Worldcup – allerdings auch als erfolgreichste. Firmen-Boss John Parker war bei den Rennen immer dabei. Er liebte die Atmosphäre im Fahrerlager und war für einen Small Talk immer zu haben.

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Das Büro vom Chef: Links an der Wand ein Foto von Teamfahrerin und Cross-Country-Weltmeisterin Julie Furtado (auf Yeti C26!). Rechts ein Original-Banner der ersten Mountainbike-WM, die 1990 am damaligen Yeti-Standort Durango ausgetragen wurde.

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Der letzte Feinschliff: Die drei Unterrohr-Schriftzüge "Easton", "Yeti" und "A.R.C." entfachen bei Mountainbike-Fans auch heute noch ehrfürchtiges Raunen, waren aber nur simple Aufkleber. Selbst das Steuerrohr-Logo mit dem berühmten Yeti-Mann war nur aufgeklebt. Yeti-Bikes waren bekannt für ihre raue Zweckoptik mit fetten, groben Schweißraupen und schnörkelloser Zweifarben-Lackierung. Hardcore-Fans liebten das. Freunde ausgefeilter Optiken standen eher auf die Rahmen von Klein, Fat Chance, Merlin oder Grove Innovations. 

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Kurios: John Parker, der Yeti Cycles Mitte der Achtziger gründete, war selbst kein aktiver Biker. Er liebte viel mehr alte Motorräder. Am aufkeimenden MTB-Sport faszinierte ihn der einzigartige Mix aus Racing, Technik und Rock’n’Roll-Spirit. Parkers Markenzeichen waren die knallbunten Shirts im Batik-Style, die er mit Yeti-Logo bedruckt auch verkaufte. 

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Immer Schmuck: Trockenfisch, Muscheln, Bikeparts – Missy Giove zelebrierte den großen Auftritt und schmückte sich stets mit allerhand obskurem Zeug. Eine ganze Generation von Mountainbiker-Jungs war unsterblich in sie verknallt. Ende der Neunziger gestand Missy allerdings einem Journalisten ihre Zuneigung zu Frauen. Seither geht sie offen mit ihrer Homosexualität um. Was aus dem Piranha Gonzo geworden ist, ist leider nicht genau überliefert. Gerüchten zufolge hat ihn Missy in den Mülleimer geworfen, nachdem er im Laufe der Zeit immer mehr zerbröselt ist.

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Da läuft Yeti-Fans der Sabber aus den Mundwinkeln: Ein ganzes Arsenal frisch lackierter Yeti. A.R.C.-Rahmen wartet auf die Veredlung mit Schriftzügen. Damals wie heute Kult: Die türkis-graue Team-Optik, wegen des pfeilartigen Farbübergangs "Dart-Lackierung" genannt.

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Wann immer es die knappe Zeit von John Parker zuließ, knatterte er mit einem seiner Motorrad-Oldtimer durch die Prachtlandschaft rund um Durango, oder schraubte an Motoren. Seine bevorzugte Marke war Indian Motorcycle. Die Feuerstühle parkten direkt neben seinem Büro. Interessantes Foto-Detail für Yeti-Sammler: Hinter dem ausgebauten Motor erkennt man zwei FTW-Vorbauten, benannt nach Frank "The Welder". Die Vorläufer der späteren Answer A-Tac sind äußerst selten und erzielen bei Internet-Auktionen heute Höchstpreise. 

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Kleine Trainings-Runde: Obwohl sie zu den besten Abfahrerinnen ihrer Generation zählte, hasste es Missy, als "Downhillerin" abgestempelt zu werden. Sie war leidenschaftliche Bikerin und fuhr auch gerne ausgedehnte Touren. Damals totschick in der Profi-Szene: Trikots mit abgeschnittenen Ärmeln. 

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Zöpfchen, Oakley, Etto-Helm: Missy posiert für BIKE-Fotograf Dirk Belling. Ganz so brav, wie sie auf dem Bild wirkt, war sie in Wirklichkeit allerdings nicht. Im Jahr 2009, kurz nach dem Ende ihrer Karriere, wurde sie wegen Drogenhandels im großen Stil zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Inzwischen fährt sie wieder Rennen. Allerdings nur zum Spaß, wie sie Reportern gegenüber immer wieder betont

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Vom Rahmen zum Bike: Hier werden die Yetis montiert. Natürlich durften nur die feinsten Teile an die Rahmen. Onza-Barends, Ringlé-Naben, Grafton-Kurbeln, Critical-Bremsen, und, und, und. Links wird gerade ein A.R.C. montiert, rechts eines der seltenen A.R.C. AS, bei denen der Dämpfer (Risse Racing) hinter dem Sitzrohr saß, um bei Cross-Country-Einsätzen zumindest für ein Minimum an Komfort zu sorgen. Downhill-Ass Jimmy Deaton gewann mit so einem AS sogar das berühmt-berüchtigte Highspeed-DH-Rennen "Kamikaze" in Mammoth. Die Manitou-Gabeln, die in den Bikes stecken, pufferten mit einfachen Elastomeren. 

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Frank "The Welder" (li.) galt als kreativer Kopf bei Yeti. Er realisierte gegen den Willen des eisernen Stahl-Verfechters Parker auf eigene Faust den Alu-Rahmen A.R.C., der zur Ikone wurde. Hier tüftelt er in seiner Werkstatt an einem vollgefederten Prototypen. 

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Missy Giove gewann in ihrer Karriere nur ein einziges Mal die Weltmeisterschaft, gilt aber für viele als größte Mountainbike-Legende der Neunzigerjahre, was sie vor allen Dingen ihren glorreichen Yeti-Zeiten zu verdanken hat. In diesem Jahr wurde sie für die MTB Hall of Fame nominiert. So wie auf diesem Porträt von Dirk Belling wird sie den Fans wohl für immer im Gedächtnis bleiben.

Yeti C-26 John Tomac original

Das Yeti C-26 von John Tomac war pfeilschnell und spannte den Bogen zwischen Zukunft und Vergangenheit. Gefertigt aus Stahl, Alu und Carbon war es Zeitgeist und Gegnern voraus – und das einzige Worldcup-Bike mit Rennradlenker. Als John Tomac damit 1990 bei der ersten MTB-WM aller Zeiten startete, war der Legendenstatus besiegelt.

In BIKE 10/2016 haben wir dem legendären Yeti C-26 von John Tomac einen eignen Artikel gewidmet. Die Ausgabe können Sie auch in der BIKE-App (iTunes und Google Play) lesen oder im DK-Shop bestellen:

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Henri Lesewitz am 15.09.2016

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