Superenduro: Liteville 601 im Praxistest Superenduro: Liteville 601 im Praxistest Superenduro: Liteville 601 im Praxistest

Test 2017: Liteville 601

Superenduro: Liteville 601 im Praxistest

  • Chris Schleker
 • Publiziert vor 4 Jahren

Neuer Wein in alten Schläuchen – wer macht denn so was? Sieht doch keiner! Den Liteville-Jungs ist das Wurst. Alles neu: Geo, neues, revolutionäres Sattelstützenkonzept, Kinematik, Rohrsatz, Laufräder...

Colin Stewart Superenduro Liteville 601: Tritt sich gut bergauf, fährt sich saugut bergab. In der vierten Entwicklungsstufe ist das 601 nah dran am optimalen Do-it-all-Bike.

Als das 601 vor einigen Jahren auf den Markt kam, war es einzigartig: Ein Enduro mit Federwegen und Geodaten wie ein fetter Freerider – das hatte kein anderer Hersteller im Angebot. Aber moderne Enduros fahren sich vermehrt wie kleine Downhiller. Damit hat das 601 Konkurrenz bekommen. 2016 war es in unserem Vergleichstest mit seinem kurzen Reach, dem hohen Tretlager und leicht bauchiger Kennlinie etwas "hinten dran". So was hört ein ausgewiesener Perfektionist wie Firmenchef Jo Klieber natürlich nicht gern: Er hat das 601 vom Ausfallende bis zum Steuersatzdeckel neu aufgesetzt. Herausgekommen ist ein Bike, bei dem jede einzelne Neuerung eigentlich für ein zusätzliches Modelljahr gereicht hätte: Das MK4 ist deutlich länger und tiefer, die Reifenfreiheit ist dank eines speziellen Tret­lageryokes und eines vorverlegten Sitzrohres gewachsen (2,6er-Schlappen passen rein). Gleichzeitig ist die Kettenstrebe kürzer geworden. Eine neue Wippe soll die Kennlinie linearer machen. Die voll integrierte Eightpins-Teleskopstütze ist einzigartig in Hub, Idee und Ausführung. Ihr spezieller Setback-Kopf gleicht das vorverlegte Sitzrohr aus, der 33-Millimeter-Durchmesser macht sie extrem steif. Außerdem wurden die Züge komplett längungsfrei nach innen verlegt, der Rahmen für Metric-Dämpfer und Di2-Elektronikschaltung kompatibel gemacht. Geblieben ist die sonst fast manische Perfektion: selbstklemmende Schraubenköpfe am Dämpferauge, an die Rahmengröße angepasste Kettenstrebenlänge und Dämpferposition, Sondereditionsreifen von Schwalbe, Ersatzschaltaugenschraube im Yoke, Geoverstellung an Dämpferaufnahme und Steuerrohr, komplett neue Carbonlaufräder und die wohl hochwertigste Lenker-Vorbau-Kombi am Markt – wow!

Zur Übergabe ist Liteville im Dreierteam angerückt. Nicht nur, um stolz alle Neuerungen zu erklären, sondern auch, um den Prototyp der Stütze auf meine Schrittlänge anzupassen. Die Konstruktion mit gedämpfter Gasdruckkartusche muss einmalig über Shims auf den maximal möglichen Hub für den jeweiligen Fahrer eingestellt und die Sattelstütze entsprechend gekürzt werden. Bei meiner zwergigen 77er-Schrittlänge und Rahmengröße M kommt das System auf beachtliche 160 Millimeter Absenkung. Größere Menschen können bis zu 220 Millimeter ausschöpfen und das bei einem Systemgewicht von unter 500 Gramm! Ebenfalls extrem leicht sind die neuen Carbonlaufräder. Die Felge soll nur knapp über 400 Gramm wiegen, der gesamte Laufradsatz mit neuen Boost-Naben und 28 (selbst entwickelten) Speichen kommt auf gerade mal 1590 Gramm – mit voller Bikeparkfreigabe. Schöne neue Welt?

Colin Stewart Liteville 601

Zehn Tage gaben mir die Liteville-Mannen Zeit, das 601 MK4 auf Herz und Nieren zu prüfen. Aussagen über die Langzeitfunktion der Stütze lassen sich da natürlich noch nicht machen. Aussagen über die Funktion des Bikes aber sehr wohl. Die neue Geo hat zu einem verhältnismäßig hohen Stack geführt. In der tiefen Tretlagerposition fuhr ich das Rad deshalb ohne Spacer unter dem 50er-Vorbau. So saß ich ausgewogen mit genug Druck auf dem Vorderrad für steile Anstiege. Das konkurrenzfähige Gewicht und die leichten Laufräder helfen bergauf genauso wie die antriebsneutrale Kinematik. Im Sitzen sehr ruhig und hoch im Hub, im Sprint ebenfalls erstaunlich stabil. Nur im stumpfen Wiegetritt pumpt es hubgemäß. Die Eightpins-Stütze hat null Spiel und arbeitet genau mit der richtigen Ausfedergeschwindigkeit. Das fette, biegesteife 33er-Sitzrohr fügt sich perfekt in die robuste Optik des Bikes. Die exklusiven 2,5er-Reifen mit sehr weicher Gummimischung sind aber eine extreme Wahl. Der breite Magic Mary rollt gerade hinten zäh und nutzt sich erfahrungsgemäß sehr schnell ab.

Bergab gibt es dafür kein Halten mehr: Das 601 MK4 ist ein ganz anderes Kaliber als der Vorgänger. Die lange und tiefere Geo gibt viel Sicherheit und das Fahrwerk liegt richtig satt. Dabei tendiert es nicht zu sehr in Richtung Mini-Downhiller, sondern bleibt überraschend handlich und geht leicht aufs Hinterrad. Auch gelungen: Die Kinematik entlockt dem Heck sehr linear die 180 Millimeter Hub und ist so variabel tunebar. Mit 33 Prozent Sag wird das Heck enorm plüschig, ohne in Kompressionen durchzusacken. Mit 25 Prozent wird es racig mit direkterem Feedback, nutzt den Federweg aber dennoch effektiv. Eine gelungene Endprogres­sion verhindert harte Durchschläge. Ideal gelingt so die harmonische Abstimmung mit der Lyrik an der Front. Egal ob Rennteilnahme, Bikepark oder Abenteuertouren, das 601 passt in alle Einsatzbereiche. Bis auf etwas allroundtauglichere Reifen gibt es da nichts zu verbessern.



Fazit von Christian Schleker, FREERIDE Tester (47, 172 cm, 69 Kilo):
"Beim 601 MK4 hat Liteville viele sinnvolle Entwicklungsschritte in ein altbekanntes Gewand gepackt und das Bike damit wieder voll konkurrenzfähig gemacht – ohne es zu sehr zum Mini-Downiller zu mutieren. Die voll integrierte Sattelstütze ist ein Meilenstein. Die moderne, variable Geometrie und das tolle Fahrwerk lassen wenig Wünsche offen, dazu kommen elegante Detaillösungen und konkurrenzfähiges Gewicht. In einem Langzeittest werden wir Bike, Laufrädern und Stütze weiter auf den Zahn fühlen. Wenn alles über Monate so gut funktioniert wie hier, ist das 601 MK4 ein absolutes Superenduro!"

Colin Stewart Chris Schleker, FREERIDE Tester


Test 2017: Liteville 601

5 Bilder

Test 2017: Liteville 601 - Die Details am Testrad.


Liteville 601 MK 4 (Prototyp)


Herstellerangaben
Vertrieb
   Syntace GmbH
Info    www.liteville.com
Material/Größen   Aluminium / S, M, L,XL
Preis/Gewicht ohne Pedale   6920 Euro / 13,4 kg


Messdaten
Federweg vorn/hinten
   180 mm / 180 mm
Hinterbausystem   Viergelenker/Horstlink


Ausstattung
Gabel/Dämpfer 
  RS Lyrik Solo Air RCT3 / RS Vivid Air
Kurbeln/Schaltung   Sram Eagle X01 / Sram Eagle X01
Bremsanlage  Sram Guide Rsc
Laufräder  Syntace C331 Carbon Systemlaufradsatz
Reifen   Schwalbe Magic Mary 2,5 Vert Star TLE
Reach   430 mm
Stack   618 mm
BB-Drop   - 9 mm

FREERIDE Magazin Liteville 601

FREERIDE Magazin Liteville 601


Sven Martin Diesen Artikel finden Sie in FREERIDE 2/2017 - das Heft können Sie hier bestellen > FREERIDE IOS App (iPad) FREERIDE Android App 

.

Themen: 601EnduroLitevilleTest


Lesen Sie das FRERIDE Magazin. Einfach digital in der BIKE-App (iTunes und Google Play) oder bestellen Sie es im Shop als Abo oder Einzelheft:

iTunes Store Google Play Store Delius Klasing Verlag
Anzeige
  • Test Parkbikes
    Billig Parken: Günstige Bikes für den Bikepark

    15.11.2012Parkbikes haben ein Problem, oder besser gesagt zwei: Sie sind eingezwängt zwischen den 180er Enduros und den Downhillbikes. Beide Klassen sind bikeparktauglich und beliebt.

  • Fahrtechnik-Spezial
    How to mit Wyn Masters: Foot out, Flat out

    12.10.2016Feuchtes Laub, Pfützen, glitschige Wurzeln, Matsch – im Herbst sind auf dem Trail andere Skills gefragt als bei Trockenheit. Worldcup-Racer Wyn Masters zeigt wie man bei Laub ...

  • Bikepark-Test: Spicak (Tschechien)
    Bikepark Spicak im großen Vergleichstest

    03.01.2016Spicak liegt im Böhmerwald, direkt hinter der deutschen Grenze. Nur 20 Autominuten vom Bikepark Bischofsmais entfernt.

  • Test-Duell 2020: Rockshox Boxxer gegen Fox 40
    Federgabel-Duell: Rockshox Boxxer vs Fox 40

    25.04.2020Wer auf Bigbikes setzt, kommt an diesen Doppelbrückengabeln nicht vorbei. Die zwei Ami-Forken dominieren den Markt und fahren im Worldcup Siege ein. Nur, welche ist die Bessere?

  • Test-Duell Specialized Enduro vs Trek Downhiller
    Test 2015: Specialized gegen Trek

    17.06.2015Specialized bohrte das „Enduro Evo“ zum Mini-Downhiller auf. Und Trek trimmte beim „Session 8 Park“ Federweg und Geometrie für mehr Tricktauglichkeit. Macht das Sinn? Lest selbst.

  • Einzeltest 2020: Scheibenbremse Hayes Dominion
    Alter Glanz: Hayes Dominion im Test

    02.07.2019Comeback der ehemaligen Bremsen-Marke Nr. 1: Mit der neuen Dominion ist Hayes ein guter Wurf gelungen.

  • Test 2017: Trailbikes bis 4000 Euro
    5 aggressive Trailbikes im Test

    22.01.2018Diese Trailbikes sind – nach FREERIDE-Maßstäben artgerecht eingesetzt – Fahrzeuge für Individualisten mit deutlicher Tendenz zum Spielen mit dem Untergrund. Sie sind: Anders. ...

  • Einzeltest 2019: Overall Endura MT 500 One-Piece
    Regenoverall von Endura im Hardcore-Test

    18.11.2019Der Endura-Regenoverall machte mich in den ersten Wochen dieses nassen Wetters glücklich. Regenwetter verlor seinen Schrecken.

  • Test 2016 – High-End-Enduros: Lapierre Spicy 527
    Lapierre Spicy 527 im Test

    10.11.2016Wow, der Franzose liebt Speed. Bergab zählte das Lapierre zu unseren Favoriten. Hier spürt man die Handschrift des zehnfachen Downhill-Weltmeisters Nico Vouilloz.