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Individuelles Belastungsgetränk Nutritional Fine Tuning Individuelles Belastungsgetränk Nutritional Fine Tuning

Ausprobiert: individuelles Belastungsgetränk von NFT Sport

Prost Mahlzeit

Henri Lesewitz am 23.08.2018

Verpflegung bei Marathons – eine Wissenschaft für sich. Viele Biker plagen Magenkrämpfe, Blähungen, Übelkeit. Individuelle Belastungsgetränke versprechen konstante Power bei optimaler Verträglichkeit.

Der Mensch ist ein Wunder der Natur. Er kann Flüsse durchkraulen, Berggipfel erklimmen und Gebirge überqueren. Vor allem mit einem Mountainbike gibt es kaum Grenzen. Eine Banane und eine Flasche Wasser reichen, um 30, 40, oder sogar 50 Kilometer zurückzulegen. Je besser der Stoffwechsel trainiert ist, desto effektiver versteht der menschliche Körper, Nahrung in Energie umzusetzen. Doch kaum hängt eine Startnummer am Bike, die einen aus der Reserve lockt, kommt das Verdauungssystem ans Limit. Die Muskeln flehen nach Energie-Nachschub, wofür aber auch Unmengen an Sauerstoff benötigt werden, denn ohne den funktioniert der Stoffwechselprozess nicht. Die Lungen pumpen wie irre, der Magen ist von den eilig in den Mund gestopften Riegeln und Gels völlig gestresst. Sobald das System ins Stocken kommt, geht es mit der Leistungsfähigkeit der Muskeln bergab.

Ein Gefühl, wie dahinzusiechen. Magenkrämpfe, Übelkeit, Schwindelgefühl. Jeder, der schon mal einen Marathon gefahren ist, wird es kennen. Die richtige Ernährung ist die große Kunst beim Marathonfahren. Ach was, Kunst. Eine Wissenschaft! Das optimal hinzubekommen schaffen nur die Wenigsten, was diverse Gründe hat. Viel hilft zum Beispiel nicht viel. Die Aufnahmekapazität von Kohlenhydraten ist begrenzt, man muss die Dosis genau einhalten, sonst riskiert man Magengrummeln. Auch die Flüssigkeitsmenge, die man braucht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Wie warm ist es? Was isst man? Mit welcher Belastungsintensität ist man unterwegs? Doch selbst wenn man die theoretischen Dinge beherrscht, muss man im Wust der Elektrolyt-Pulver, Energie-Riegel und Gels erst mal die Präparate finden, die einem schmecken und die man gut verträgt.

Verpflegungsstelle MTB Marathon

Die Verpflegungsstellen sind die Tankstellen eines Marathons.

MTB Marathon Verpflegung Bananen

Typische Marathon-Verpflegung: Bananen gibt's fast überall.

MTB Marathon Gels Rahmen

Bei manchen Bikern wird das Bike bei langen Marathons zur Energiebombe.

BIKE-Reporter Henri Lesewitz kennt die Probleme, die das Thema Wettkampf-Nahrung mit sich bringt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist er auf den Langstrecken der Welt unterwegs. Er ist Rennen durch Wüsten gefahren, hat sich im Himalaya bis auf 5602 Meter Höhe gekämpft, stand bei Rennen wie Cape Epic, BIKE Transalp und Mongolia Bike Challenge am Start und hat sich bei vielen der großen Marathon-Klassiker geschunden. Als er sich nun auf die Dreifach-Variante des Erzgebirgs Bike Marathons vorbereitete, führte ihn die Suche nach einem möglichst gut verträglichen Kohlenhydrat-Präparat zu Caroline Rauscher. Die Kelheimer Ernährungsexpertin mischt mit ihrer Firma NFT Sport individuelle Sportgetränke für die verschiedenen Phasen und Anforderungen des Sports. Ein Angebot, das in der Mountainbike-Rennszene noch wenig bekannt ist. In der Triathlon-Szene dagegen sind individuelle Wettkampf-Getränke selbst unter Hobby-Athleten recht weit verbreitet. Hier der Erfahrungsbericht unseres Reporters:

Individuelles Belastungsgetränk Nutritional Fine Tuning

Die Pulver von NFT Sport kommen in einfachen Kübeln. Die Größe richtet sich nach den bestellten Portionen. Neben dem Belastungsgetränk "Hypo1" (großer Kübel), gibt es unter anderem noch die mit Protein angereicherte Variante "Hypo2", die man auf langen Strecken aller paar Stunden trinkt, was die Erholung der Muskeln ankurbeln soll. Der "Pre Bedtime Drink", genannt Schlummertrunk, wird kurz vor dem Schlafengehen getrunken und hilft bei der Regeneration.

Individuelles Belastungsgetränk Nutritional Fine Tuning

Zusammensetzung und Zubereitungsanweisung sind per Etikett auf die Kübel aufgedruckt.

"Einen Marathon fahren ohne feste Nahrung? Nur mit Trinken? Das klingt fast zu gut, um es glauben zu können. Doch, das geht, versichert Caroline Rauscher, die zunächst in einem längeren Telefonat alle wichtigen Informationen abfragt. Renndauer? Geplante Intensität? Streckenprofil? Jahreszeit? Ernährungsgewohnheiten? Unverträglichkeiten? Und so weiter und so fort. Zwei Tage später kommt der Kübel mit dem Pulver per Post. Inhaltsstoffe und Dosierungsanleitung sind aufgedruckt. Maltooligosaccharide, Fructose, Stärke, etc. – im Grunde genommen das Übliche. Nur eben ganz speziell auf mich und die Strecke des EBM300 angemischt. Laut Caroline Rauscher mache es einen großen Unterschied, ob bei einem Marathon eher lange, gleichmäßige Anstiege zu absolvieren sind, oder eher viele kurze Rampen, so wie beim EBM in Seiffen. Alle Inhaltsstoffe seien selbstverständlich UCI-konform, bestätigt Caroline Rauscher auf meine Nachfrage amüsiert.
Erster Aha-Effekt: Das Pulver löst sich in Sekunden und ohne großartiges Schütteln auf. Ein vorsichtiger Probeschluck: Leicht süßlich bis neutral. Wie Wasser mit einem Hauch Traubenzucker. Kann man trinken.

MTB Marathon Alpentour Trophy

Erster Test: Unser Reporter fuhr die viertägige Alpentour Trophy – ohne Riegel und Gels. Nur mit dem Belastungspulver "Hypo1".

Bei der Alpentour Trophy dann der erste Test unter Wettkampf-Bedingungen: Zwei Flaschen am Bike. Eine mit "Belastungsgetränk", die andere mit Wasser. Im Trikot zwei abgefüllte Portions-Tütchen zum Nachmischen an den Verpflegungsstellen. Sonst nichts. Die Angst, in den steilen Rampen rund um Schladming ohne Riegel und Gels einen fiesen Hungerast zu erleiden, schmilzt von Anstieg zu Anstieg. Auch am Schluss der Etappe ist noch genug Kraft da, um mit Druck die letzten Höhenmeter wegzupressen. Die Beine fühlen sich gut an und auch der Magen wirkt stabil. Wirklich erstaunlich. Das ebenfalls bestellte Regenerationsgetränk schmeckt etwas gewöhnungsbedürftig. Zudem erfordert es mit seinen 800 Millilitern etwas Überwindung, um es direkt nach dem Rennen innerhalb kurzer Zeit komplett hinunterzuschütten. Aber es sorgt für ein spürbares Erholungsgefühl am nächsten Tag. Der Tank fühlt sich voll an, die Beine leistungsbereit. Tatsächlich nur aufgrund des Regenerationspulvers? Oder hat der Nudelteller am Vorabend auch eine Aktie daran? Das ist die große Frage.

Um es an dieser Stelle deutlich zu sagen: Um die Wirkung von Sportgetränken wissenschaftlich nachzuweisen, wären aufwändige Untersuchungen und Labor-Analysen nötig. Daher kann dies hier auch nur ein subjektiver Erfahrungsbericht sein. Da ich aber in den vergangen zwanzig Jahren alle möglichen Pulver und Riegel sämtlicher großer Anbieter bei den unterschiedlichsten Rennen probiert habe, glaube ich doch, dass ich eine gewisse Sensibilität mitbringe, um Unterschiede und Besonderheiten zumindest im Wesentlichen beurteilen zu können. Die anderen drei Etappen der Alpentour Trophy verliefen jedenfalls wie die erste: Ich trank ausschließlich das Belastungsgetränk und hatte zu keiner Zeit das Gefühl eines körperlichen Einbruchs. Kein schleichender Druckverlust, wenn die Energie-Reserven zur Neige gehen, kein plötzliches Wiedererstarken, nachdem man hektisch ein Gel verschlungen hat – jener Wechsel von Hochs und Tiefs, wie ich es normalerweise kenne. Einfach nur das konstante, angenehme Gefühl von Kraft.

Dann der große Tag, der EBM300: Die Dreifach-Variante von Deutschlands ältestem MTB-Marathon wurde erst zum zweiten Mal überhaupt ausgetragen. Sie wurde aus Anlass des 25. Rennjubiläums im vergangenen Jahr aus der Taufe gehoben und stellt die ultimative Steigerung zur berühmt-berüchtigten A-Distanz der Salzkammergut-Trophy dar, die ja mit ihren 211 Kilometern und 7119 Höhenmetern völlig zurecht mit dem Slogan "Einmal Hölle und zurück" wirbt. Der knapp 30 Kilometer lange Rundkurs in Seiffen muss zehnmal gefahren werden. Dazu kommt noch eine 10 Kilometer lange Einführungsrunde. Knapp 300 Kilometer und fast 9000 Höhenmeter summieren sich bei dem Wahnsinnsrennen. Die Frage, wie man sich versorgt, entscheidet fast mehr über Erfolg und Niederlage, als die absolvierten Trainingskilometer. Es gibt nur 30 Startplätze und man muss sich darum bewerben. Der Veranstalter will vermeiden, dass es aufgrund von Selbstüberschätzung zu Unfällen kommt. 18 Mutige wagen das Abenteuer schließlich. Ein paar Fahrer, die bereits auf der Starterliste standen, haben kurz vor dem Rennen zurückgezogen.

MTB Marathon EBM 300 Seiffen

Die Dreifach-Variante des legendären Erzgebirgs Bike Marathons gilt als härteste Nuss der Marathon-Szene. Sie hat 300 Kilometer und knapp 9000 Höhenmeter. Die Schnellsten brauchen um die 20 Stunden. Doch den meisten geht es nur darum, überhaupt das Ziel zu erreichen.

MTB Marathon Ernährung Iso-Drinks

Kalorien ohne Ende: Mit diesem Arsenal an Gels und Kalorien-Drinks reiste unser Reporter zur letztjährigen Austragung des EBM300. Die Angst vor einem Hungerast war groß. Doch all das Kraftfutter nutze nichts. Lesewitz musste mit einer Schleimbeutel-Entzündung im Knie aussteigen.

Individuelles Belastungsgetränk Nutritional Fine Tuning

Dieses Mal vertraute unser Reporter voll auf das Belastungspulver. Für jede Runde wurden zwei Flaschen angemixt. Zur Abwechslung zwischendurch postierte er noch eine Schüssel mit gekochten Salzkartoffeln im Fahrerlager.

Ich entscheide mich, das komplette Rennen mit dem Belastungspulver zu fahren. Zwei Flaschen am Bike und jede Runde auffüllen. Zwischendurch Wasser. Und hin und wieder eine gekochte Salzkartoffel, damit der Magen auch mal was Festes hat.
Das Tempo ist von Anfang an hoch. Verhaltener als bei einem normalen Marathon, aber doch reichlich forsch angesichts der zu absolvierenden Mörderdistanz. Das Problem ist die Hitze in der Anfangsphase, denn der EBM300 startet um 15 Uhr. Durstig greife ich immerzu zu den Flaschen, die ja beide mit dem Belastungsgetränk gefüllt sind. Auf den ursprünglich noch zusätzlich geplanten Trinkrucksack mit Wasser habe ich verzichtet, um keine Rückenschmerzen zu riskieren. Ein Fehler? Die ersten 120 Kilometer fahre ich ohne Probleme. Auf Platz zwei. Knapp hinter dem Führenden liegend. Dann, inmitten der vierten Runde, wird mir schlagartig übel von dem Getränk. Irgendwann weigert sich mein Körper fast schon, davon zu nehmen. Der Grund ist mir sofort klar: Ich habe zu viel in zu kurzen Abständen davon getrunken. Die Kohlenhydrataufnahme des Körpers ist limitiert, er kann nur etwa 60 Gramm pro Stunde aufnehmen, so heißt es. Ein grober Richtwert. Denn letztlich hängt es von vielen Komponenten ab, unter anderem von Trainingszustand sowie von der Staffelung und Zusammensetzung der Kohlenhydrate. In einer 0,7-Liter-Flasche Belastungsgetränk sind ungefähr 60 Gramm Kohlenhydrate und ich habe gierig zwei Flaschen davon pro Runde getrunken – in deutlich weniger als zwei Stunden. Das war wohl etwas zu arg. Also Plan B: Ich trinke die nächsten zwei Runden nur Wasser und futtere die Kartoffeln, die ich mir Runde für Runde bei der Durchfahrt durchs Fahrerlager in die Trikottasche stecke, wie andere Fahrer Riegel. Irgendwann geht es wieder und ich trinke wieder Belastungspulver. Interessant: Als ich in den letzten beiden Runden nur noch gelegentlich einen Schluck zu mir nehme – ich habe einfach keine Lust auf Energienahrung mehr – spürte ich sofort eine rasche Entkräftung. In der letzten Runde bin ich völlig leer. Die Euphorie, das Ziel vor Augen zu haben, trägt mich aber über die letzten Kilometer. 18:44 Stunden, Platz zwei. Ich bin überglücklich.

EBM 300 Erzgebirge MTB Marathon Start

Kurz vor 15 Uhr, gleich geht es los. Henri Lesewitz (Startnummer 3011) stellt sich für ein Erinnerungsfoto auf.

EMB 300 2018 Seiffen Marathon

Nach 18:44 Stunden ist der Wahnsinn geschafft. Lesewitz geht mit den EBM-Finisher-Girls für das traditionelle Zielfoto in Pose.

Mein Fazit: Ich bin überzeugt, dass das individuelle Belastungspulver Leistungstiefs verhindert und den Körper optimal mit Energie versorgt, ohne den Magen zu stressen. Eine einzige Flasche schlägt mit etwa fünf Euro zu Buche, was eine Menge Geld ist. Zumal dann, wenn man das Getränk auch im Training einsetzt. Es ist meiner Meinung nach aber gut investiertes Geld. Teure Carbon-Laufräder und Highend-Dämpfer helfen, die Leistung zu optimieren. Doch das nutzt alles nichts, wenn die Beine nicht perfekt mit Energie versorgt werden, oder der Magen aufgrund von Riegeln und Gels rebelliert. Natürlich kann man sich auch im Sortiment der Standard-Produkte seine Wettkampf-Nahrung zusammenstellen. Das setzt allerdings Geduld und Experimentierwillen voraus, denn man muss Verschiedenes ausprobieren. Zudem sollte man über das nötige Wissen verfügen, die Riegel, Pulver oder Gels richtig anzuwenden. Das individuelle Belastungspulver macht es dem Athleten einfach. Man sagt, was man braucht und bekommt das Getränkepulver zugeschickt. Gemixt vom Experten auf die ganz persönlichen Bedürfnisse. Und sollte die Mischung nicht passen, dann reicht eine Mail und man erhält wenig später die optimierte Version."

Interview mit Caroline Rauscher, NFT Sport

Mit ihren individuell gemischten Sportgetränken hat sich Ernährungs-Expertin Caroline Rauscher von der Kelheimer Firma NFT Sport in der Ultraszene einen Namen gemacht. Sie weiß, warum Wettkampf-Nahrung für viele Sportler ein heikles Thema ist.

Individuelles Belastungsgetränk NFT Sports

Caroline Rauscher von NFT Sport aus Kelheim

BIKE: Der menschliche Körper ist ein beeindruckendes System. Unter sportlicher Belastung zeigt er aber seine Schwächen. Die Muskeln brauchen Energie, aber der Stoffwechsel ist damit schnell überfordert. Ist der menschliche Körper nicht für Mountainbike-Rennsport gemacht?

Caroline Rauscher: Doch, der menschliche Körper ist schon dafür gemacht. Die Crux ist, man muss den Treibstoff der Art der Belastung anpassen. Er muss in die Muskulatur kommen. Durch große sportliche Belastung wird auch der Magen-Darm-Trakt stärker beansprucht. Alles geht zäher. Die Anforderungen an die Qualität des Treibstoffs werden höher. Sie wachsen mit der Belastungsintensität und mit der Belastungsdauer.

Warum ist es so schwierig, bei einem Rennen die benötigte Energie zuzuführen?

Es gibt natürlich Biker, die auch auf einer Tour Vollgas geben. Aber generell ist die Belastung im Rennen deutlich höher als beim Training. Die Situation im Wettkampf ist völlig anders, schon das Stresshormon-Level verändert die Magenverträglichkeit. Man schlingt das Essen hektisch runter, nimmt sich keine Zeit. Und, und, und. Der Körper ist das nicht gewohnt. Viele Athleten legen im Training nicht so ein großes Augenmerk auf die Versorgung. Die fahren zwischendurch einfach zur Tanke und holen sich einen Schokoriegel. Die wissen gar nicht: Wie viel Energie braucht man bei einem Rennen? Was genau soll man essen? Die daraus folgende Tendenz ist, sich alles reinzuschmeißen, was geht. Immer in der Angst, einen Einbruch zu bekommen. Meist wird viel zu viel gegessen. Und dann noch eine kunterbunte Mischung. Riegel, Gels, verschiedene Getränke. Die Auswirkung auf den Verdauungstrakt ist: Das ganze System ist total überfordert.

Das Angebot an Kohlenhydrat-Konzentraten und Mineralgetränken ist riesig. Dennoch klagen viele über Beschwerden. Magenkrämpfe, Übelkeit, auch Blähungen. Was ist die Ursache?

Da gibt es viele Gründe. Zum einen das mangelnde Wissen darüber, wie man sich im Wettkampf ernährt. Wie schon gesagt: Viele schieben sich einfach rein, was geht. Die ganze kunterbunte Mischung. Ein anderer Grund ist, dass die meisten Mainstream-Produkte zu viele Zusatzstoffe haben. Riegel, Gels und auch Getränke verkaufen sich über den Geschmack. Mango, Vanille, Schoko, sogar Gels mit Tomatengeschmack gibt es. Das sind alles Zusatzstoffe, mit denen die Aromen kreiert werden. Selbst Süßstoffe werden untergemischt. Das ist nicht unethisch. Doch wenn man einen empfindlichen Magen hat, dann kann das Probleme verursachen. Der Körper kann auch nicht alle Kohlenhydrate gleich aufnehmen. Beispiel Fructose. Wenn man die nicht verträgt, kann das schon der Sargnagel sein – plakativ ausgedrückt. Ich verwende ganz gerne Fructose, aber man muss schauen, ob es der Kunde verträgt. Das lässt sich nicht pauschal sagen. Deshalb bekommt bei uns auch jeder die Mischung, die optimal für ihn ist.

Was ist der Vorteil eines individuellen Belastungsgetränks?

In der Rennsituation würde ich nichts Festes empfehlen. Das dauert zu lange, um es zu verdauen. Je höher der Dehydrationsgrad, je schwieriger wird es, Nahrung umzusetzen. Der Vorteil eines individuellen Belastungsgetränks ist, dass man das Getränk bekommt, was zu einem passt. Einer, der ein Rennen in beispielsweise Malaysia fährt, braucht eine andere Elektrolyt-Zusammensetzung als jemand, der in den Alpen unterwegs ist. Wenn man sich bei unserem Getränk an die individuell abgesprochene Zufuhrmenge hält, ist man über viele Stunden energetisch optimal versorgt und die Wahrscheinlichkeit, dass die Verträglichkeit top ist, ist sehr groß. Unser Getränk ist keine Miraculix-Mischung. Es enthält ähnliche Inhaltsstoffe, wie andere Sportgetränke auch, allerdings alles Highend und exakt auf die Bedürfnisse des Athleten hergestellt. Das macht einen großen Unterschied. Mit unserem Getränk kann man seine Leistung 1:1 im Wettkampf abrufen, so kann man es am besten auf den Punkt bringen. Was auch wichtig ist: Wir verzichten auf sämtliche Zusatzstoffe und alles ist frei von Gentechnik.

Kann das Belastungsgetränk feste Nahrung bei einem Marathon komplett ersetzen?

Ja, komplett. Eine Portion unseres Hypo1-Getränks zum Beispiel, also eine Flasche, hat etwa 60 Gramm Kohlenhydrate. Das entspricht zirka drei Energie-Gels. Wenn man das über den Zeitraum des Rennens nach Durstgefühl trinkt, dann braucht man nichts Festes. Nur zwischendrin mal etwas Wasser sowie – bei langen Ultrarennen – hin und wieder eine gekochte Kartoffel, ein Stück Kuchen oder ähnliches. Einfach zur Abwechslung zwischendurch. Oder man versorgt sich mit unserer Pampe. Eine Versorgung mit sehr hoher Energiedichte, dadurch kleinem Packvolumen und extrem schneller Energiebereitstellung. Laut unseren Athleten dauert es 60 bis 120 Sekunden, bis die Energie da ist.

Ist das nicht eher was für Profi-Sportler? Wer sind Deine Kunden?

Ich hatte früher ausschließlich im Hochleistungssport gearbeitet. In einem Bereich, wo Geld keine Rolle spielt, sondern wo das Beste vom Besten gefragt ist. Qualität steht bei mir an oberster Stelle. Ich betreue Top-Athleten aus 14 Sportarten. Das Gros meiner Kunden aber sind ambitionierte Hobby-Athleten. Viele Triathleten und Ultra-Läufer. Mountainbiker habe ich bisher noch nicht so viele. In der Bike-Szene sind wir noch nicht so bekannt.

Worauf achtest Du, wenn Du das Pulver für einen Kunden mischst?

Als erstes mache ich immer eine Bedarfsanalyse. Da lasse ich den Athleten erst mal reden und schaue, wo ich ansetzen kann. Was hat er für Ziele? Wie hat er sich bisher ernährt? Und so weiter. Wichtig sind auch die Anamnesedaten. Gibt es gesundheitliche Probleme? Werden irgendwelche Medikamente genommen? Das wird alles genau erfasst. Über allem steht schließlich immer die Gesundheit.

Und was kostet das Ganze?

Wir haben ja verschiedene Produkte, angefangen vom Belastungsgetränk für den Wettkampf, das Hypo1, bis hin zum Regenerationsgetränk. Für die Anpassung, also das Vorgespräch und die Erstellung der individuellen Mischung, berechne ich 80 Euro. Eine Portion Hypo1, also eine Flasche, kostet zirka fünf Euro. Die Menge kann jeder nach eigenem Bedarf bestellen.

Henri Lesewitz am 23.08.2018