Scor BikesKrisen-Opfer Scor: Die Mini-Vita der Spaßmarke von BMC

Laurin Lehner

 · 25.03.2026

Markant: Die außergewöhnlichen Rahmenfarben von Scor. Hier das 4060 ST Trailbike, irgendwo auf einem Bergtrail in Oberbayern.
Foto: Dimitri Lehner
Die Idee war Klasse, die Bikes auch: Der Schweizer Cross-Country-Riese BMC erschuf 2021 die Bikemarke Scor. Doch warum fiel die Marke trotz Fangemeinde und guten Magazintests der Krise zum Opfer? Ein Blick auf eine kurze Firmengeschichte.

​Scor – die Schweizer Trail‑ und Enduro‑Bike‑Marke mit kurzer, aber markanter Geschichte. Scor ist aus der Schweiz und wurde 2021 innerhalb der BMC Group (BMC Switzerland AG) ins Leben gerufen. Die Idee entstand nicht in einem klassischen Management‑Meeting, sondern aus einem Herzensprojekt: Ingenieure und passionierte Biker von BMC wollten ein Mountainbike entwickeln, das weniger auf Renn‑Performance ausgerichtet ist, sondern vor allem auf Fahrspaß, Kreativität und spielerisches Trail‑Erlebnis – kurz: „Play the Mountains“.

In der Mountainbike‑Szene galt Scor als frischer, unkonventioneller Ansatz: Die ersten Modelle wie das Scor 4060 ST und LT (Shorttravel und Longtravel) und das dazugehörige E‑MTB 4060 Z kombinierten progressive Geometrien mit lange Federwegen und einer klaren Ausrichtung auf Trail‑ und Enduro‑Einsätze. Gleichzeitig setzte die Marke auf eine eigenständige Identität, die sich bewusst von der eher rennsportorientierten DNA der Muttermarke BMC abgrenzte.

Das Sortiment wurde in den Jahren darauf erweitert, unter anderem mit dem Scor 2030, einem etwas leichteren Trail‑Bike mit geringerer Federweg‑Abstimmung. Auch Kinder‑Mountainbikes wurden zeitweise angeboten, um jüngeren Fahrern einen spielerischen Einstieg zu ermöglichen.

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Doch wie viele junge Marken in der Fahrradbranche stand Scor zunehmend unter wirtschaftlichem Druck: Im Rahmen einer strategischen Neuausrichtung ihres Mutterkonzerns BMC wurde 2025 entschieden, die Entwicklung neuer Scor‑Modelle einzustellen und den Fokus wieder stärker auf die Kernsegmente von BMC zu legen. Die Produktion der bestehenden Modelle lief zwar weiter, doch die Zukunft der Marke wurde offen beziehungsweise „auf Pause“ gestellt.

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Die Homepage bleibt aktiv, bestehende Modelle erscheinen, doch sind “nicht online verfügbar”

Scor bleibt damit ein Beispiel für ein kreatives Nischenprojekt innerhalb der Fahrradindustrie: geboren aus Leidenschaft und Innovation, aufgebaut auf technischer Kompetenz – und zugleich ein Spiegelbild der Herausforderungen, denen viele junge MTB‑Marken gegenüberstehen. Wir vermissen Scor.

Scor – die vierjährige Firmengeschichte

  • 2021 – Gründung der Marke innerhalb der BMC Group (Schweiz). Ziel: Mountainbikes entwickeln, die auf Fahrspaß und Trails, statt auf Rennsport-Performance, fokussieren („Play the Mountains“).
  • 2021Markteinführung des Scor 4060: Enduro-Bike mit viel Federweg und wenig (ST und LT), progressive Geometrie, ausgelegt für aggressives Trailridig und anspruchsvolle Abfahrten.
  • 2022Erweiterung des Portfolios: Einführung des Trail-Bikes Scor 2030 mit kürzerem Federweg und leichterem Rahmen für verspieltes Trail-Riding.
  • 2022–2023Community-Aufbau & Marktpositionierung: Scor etabliert sich in der Mountainbike-Szene als Marke für kreatives Trail- und Enduro-Fahren. Erste E-MTB-Varianten des 4060 werden vorgestellt. Super-Shredder Josh Lewis fährt für die Marke.
  • 2024Wachsende Bekanntheit: Teilnahme an internationalen MTB-Events, positive Tests in Fachmagazinen, steigendes Interesse bei Enduro- und Trail-Fahrern.
  • 2025Strategische Neuausrichtung durch BMC: Entscheidung, die Entwicklung neuer Modelle einzustellen. Produktion bestehender Bikes läuft weiter, Marke wird offiziell „pausiert“. Fokus des Mutterkonzerns wieder auf Kernprodukte von BMC.
  • 2026–heuteStatus: Scor bleibt als Nischenmarke bekannt, Zukunft ungewiss. Ersatzteile und Service über BMC weiterhin möglich.

Zählt das Bike sogar zu den schönsten der Welt?

In einer Artikel-Serie kürten BIKE-Redakteure die schönsten Bikes der Branche. Hier wurde auch das Scor 4060 erwähnt. Den ganzen Artikel gibts hier: >> Die schönsten Bikes der Welt - Teil 2 <<

Leider gibt es das Label so nicht mehr, offiziell pausiert es: Scor 4060 ST | Trailbike | 140/150 mm | ab 4999 Euro.Leider gibt es das Label so nicht mehr, offiziell pausiert es: Scor 4060 ST | Trailbike | 140/150 mm | ab 4999 Euro.
Ich habe wirklich keine Ahnung, wie viele Bikes ich in meinem Leben getestet habe: 1000? Möglich. Ein paar Hundert waren es aber ganz sicher. In dieses Bike habe ich mich vom ersten Moment an verliebt. Schweinchenrosa ist eigentlich nicht meine Farbe – beim Scor fand ich sie trotzdem witzig, weil ich ohnehin wie durch eine rosarote Brille auf das Bike geschaut habe.
Geometrie, Cockpit, Ausstattung, Fahrwerk: Hier hat einfach alles gestimmt. Am meisten begeistert hat mich aber das Rahmendesign dieses Carbonflitzers. Funktional und gleichzeitig elegant, extravagant, ohne dabei übertrieben zu wirken – und ganz klar: einzigartig. Jedes Mal, wenn ich es angesehen habe, hat mein Herz einen Sprung gemacht. Und jedes Mal, wenn ich damit unterwegs war, musste ich grinsen.
Ob Alpin-Rides, Flow-Rides, Epic-Rides, Shuttle-Rides oder Bikepark-Missionen: Das Scor hat mein Spaßbarometer zuverlässig nach oben getrieben. Schade nur, dass es das Label in dieser Form nicht mehr gibt und man das Bike inzwischen nur noch in bestimmten Größen in Online-Shops findet.

Dimitri Lehner, BIKE Redakteur
Laurin Lehner

Laurin Lehner

Redakteur

Der gebürtige Südbadener Laurin Lehner ist laut eigenen Angaben ein lausiger Racer. Vielleicht fasziniert ihn deshalb kreatives, verspieltes Biken. Für ihn zählt nicht, wie schnell man von A nach B kommt, sondern was dazwischen passiert. Lehner schreibt Reportagen, interviewt Szene-Größen und testet Produkte und Bikes - am liebsten welche mit viel Federweg.

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