Das Scott Spark DC könnte mit 140 Millimetern Federweg und Gewichten ab 11,5 Kilo ein echter Tausendsassa sein. Im Vergleich zu den bis zu 15 Kilo schweren Trailbikes der letzten Jahre ist das neue Down-Country-Bike der Schweizer erfrischend anders konzipiert. In unserer Testerfahrung können leichte Fullys der ideale Untersatz für alles von der kurz-spaßigen Feierabendrunde über ausgedehnte Trail-Touren bis hin zu einem Wochenendbesuch im Bikepark sein. Kann das Scott Spark DC diese Erwartungen erfüllen? Wir haben uns auf dem Trail einen ersten Eindruck verschafft.
Scott stellt mit dem neuen Spark DC ein richtig geiles Bike für eine Vielzahl an Anwendungsgebieten auf die Stollen. Der Do-It-All-Anspruch wird erfüllt, nimmt allerdings kleine Ausstattungs-Kompromisse in Kauf und geht vor allem in der leichten Topversion besonders gut auf. Fahrwerk und Geometrie konnten im ersten Test voll punkten. Mein Apell: Make Down-Country-Bikes great again! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Das Scott Spark DC übernimmt das hohe Level an Systemintegration von seinem Bruder Spark RC, basiert jedoch auf einem eigenen, extra für den Trail-Einsatz entwickelten Rahmen. Dieser versteckt nicht nur den Dämpfer sondern auch ein Rahmenstaufach, integriert Lenkanschlagsbegrenzer, Sattelklemme und SAG-Indikator. Die Anzahl an Klein- und Kunststoffteilen ist enorm! Einerseits erkennt man daran, wie viel Hirnschmalz Scott in ein rundes Gesamtkonzept gesteckt hat, andererseits bleibt im Langzeit-Einsatz abzuwarten, ob sich die Fülle und Komplexität der Features auf Dauer bewährt. Im ersten Eindruck jedoch leistet sich das Spark DC keine Patzer: Alles sitzt klapperfrei und ist gut zugänglich.
Dass das Spark DC in der zweitteuersten Ausstattungsvariante 10 angesichts dessen Gewichte ab XX Kilo erreicht ist beachtlich. Scott hat nicht nur den Carbonrahmen auf Diät gesetzt, sondern achtet auch bei der Ausstattung auf den Wert an der Waage. Leichte Reifen und Sram Motive Bremsen findet man an einem Bike mit 140 Millimetern Federweg nur selten, doch dazu gleich mehr. Mit elektronisch gesteuertem Rockshox Flight Attendant, Carbon-Laufrädern und -Cockpit der Hausmarke Syncros lässt das Scott Spark DC 10 jedenfalls keine Wünsche offen - sollte es bei einem Preis von 8499 Euro aber auch nicht.
Das neue Scott Spark DC bringt etwas ins Trailbike-Game, das viele andere Bikes dieser Gattung längst verloren haben: den Spaß am Treten aus eigener Kraft. Ausgedehnte Touren und Transalp? Dort sehen wir das Scott Spark DC absolut! Das liegt nicht nur am geringen Gesamtgewicht, sondern auch an einer flotten Reifen-Kombi. Der Maxxis Recon am Hinterrad stammt ursprünglich aus dem Cross-Country-Bereich, rollt ohne große Verluste, bietet mit der leichten Exo-Karkasse aber auch vergleichsweise wenig Pannenschutz. Wer es auf dem 140er Bike regelmäßig über felsige Trails krachen lassen möchte, sollte über ein Upgrade auf Exo+ nachdenken. Vorne führt der Maxxis Forekaster das Spark DC gekonnt über trockene Pfade. Der Grip in Kurven und Offcamber-Sektionen passt. Auch hier ließe sich aber noch mehr Downhill-Potential entfesseln - zum Beispiel mit einer weicheren Gummimischung als der verbauten MaxxTerra.
Ein weiteres cooles Touren-Feature gönnt Scott dem neuen Spark DC: einen dreistufigen Fahrwerks-Lockout. An unserem Highend-Testbike übernimmt diesen Job das elektronische Rockshox Flight Attendant System. Bei günstigeren Modellen kommt der bewährte Scott Twinloc-Hebel und ein System mit Seilzug zum Einsatz. An einem Bike, das auch mal viele Kilometer und lange Tage durchs Gelände getreten wird, ist das in unseren Augen absolut sinnvoll. Die Lösung birgt keine echten Nachteile. Dafür lassen sich Gabel und Dämpfer per Automatik oder Daumendruck straffen, um die Effizienz auf Transferetappen und im Wiegetritt zu erhöhen. Die Fahrwerks-Elektronik braucht etwas Einarbeitungszeit, um Effizienz und Komfort ideal abzumischen, dann ist sie aber ein echter Gewinn fürs Scott Spark DC. Trotz zahmem Hinterreifen kann sich die Traktion im Trail-Uphill sehen lassen.
Die Sitzposition auf dem Scott Spark DC 2027 fällt modern aus: Schön gestreckt und trotzdem effizient. Die Reach-Werte sind durchaus lang und je nachdem, wie die variablen Steuersatzschalen eingebaut werden, liegt der Lenkwinkel sehr flach. In besonders technischen und engen Uphills kann das Bike so schon mal sperrig wirken und die Front abkippen. Dann braucht es einen versierten Fahrer, um gegenzusteuern. Insgesamt hinterlässt das Scott Spark DC auf Tour trotzdem seinen sehr guten ersten Eindruck.
Fahrspaß wird am neuen Scott Spark DC groß geschrieben - so wie es bei einem Trailbike unserer Meinung nach eben sein sollte. Die Carbon-Laufräder besitzen eine hohe Drehfreude und kompakte Kettenstrebenlängen in allen Rahmengrößen halten das Handling agil. Nur in sehr engen Trail-Sektionen merkt man auf unserem XL-Testbike, dass doch sehr viel Fahrrad unter dem Piloten liegt. Die langen Reach-Werte und der flache Lenkwinkel sorgen für einen sicheren Geradeauslauf bei hohem Tempo, wollen in langsamen Engstellen aber erst einmal gebändigt werden. Am meisten Freude bereitet das Spark DC bei schneller Fahrt. Steilabfahrten meistert das Trailbike dank langer Dropper-Post und guter Fahrer-Integration mühelos.
Hier zeigt sich auch, welches Downhill-Potential im Scott-Trailbike schlummert. Das Fahrwerk macht einen hervorragenden Job, fühlt sich nach viel Federweg an und stellt jederzeit hohe Reserven zur Verfügung. Gleichzeitig sensibel und effizient saugt der Hinterbau Trail-Features von klein bis groß auf. Wir sind uns sicher: Viele Fahrer werden dem Spark DC mit griffigeren Reifen, stärkeren Bremsen als den etwas zahmen Sram Motive und eventuell einer 150er Gabel noch mehr Abfahr-Kompetenzen einimpfen. Das Chassis wäre dafür ideal. Dann wiederum müsste man bei Gewicht und Touren-Effizienz eventuell Kompromisse eingehen. So wie es Scott in den Laden stellt, ist das Spark DC ein astreines Trailbike im Down-Country-Aufbau. Kunden können das Bike sowohl für die Langstrecke als auch für den Bikepark rüsten. Das mögliche Einsatzgebiet ist riesig.
Wie seht ihr das: Könnt ihr den leichten Aufbau des Scott Spark DC wertschätzen oder würdet ihr es lieber voll auf Abfahrt trimmen? Schreibt es uns in die Kommentare!

Redakteur
Diskutieren Sie mit – fair, sachlich und respektvoll. Es gilt unsere Netiquette.