Cube Stereo One22Wie haltbar ist der Preisknaller im Dauereinsatz?

Peter Nilges

 · 30.01.2026

Cube Stereo One22 C:62  SLX 29 / Carbon / 3799 Euro / 12,6 Kilo / 130/120 mm Federweg
Foto: Georg Grieshaber
​Ein leichter Carbonrahmen und eine Sram X0 Transmission für gerade einmal 3799 Euro! Die Eckdaten des Cube Stereo One22 C:62 SLX 29 klingen fast zu schön, um wahr zu sein. Dauertester Franz Fischer hat das Trailbike über 46.300 Höhenmeter auf den Zahn gefühlt. Was hält, was nicht? Hier kommt die Abrechnung.

Was für ein Einstand: Noch keine 20 Kilometer auf dem Tacho und schon hebelt es mich mit Wucht über den Lenker. Der Aufprall ist hart und schmerzhaft, bleibt aber immerhin ohne ernste Folgen. Der Typ hat einfach den Radweg gekreuzt, ohne auch nur einmal nach links oder rechts zu schauen. Was bleibt, ist die Gewissheit, dass die verbauten Magura-MT-Thirty-Bremsen ordentlich zupacken und eine fette Schramme am Schaltwerk. Glück gehabt, denn so ein kapitaler Sturz kann auch übel ausgehen, gerade wenn es sich um einen leichten Carbonrahmen wie beim Cube Stereo One22 C:62 handelt.

​Günstiger Preis, keine optischen Highlights, eher schlicht und unauffällig. Doch was Cube für nur 3799 Euro auf die Reifen stellt, ist nüchtern betrachtet unschlagbar. - Franz Fischer, Dauertester für BIKE

Cube Stereo One22 C:62 SLX – ein sensationelles Paket

Aus dem Schnee in den Schnee. Franz Fischer scheuchte das Cube Stereo von Februar 2025 bis jetzt über Hometrails und Gebirgs-Touren.Foto: Georg GrieshaberAus dem Schnee in den Schnee. Franz Fischer scheuchte das Cube Stereo von Februar 2025 bis jetzt über Hometrails und Gebirgs-Touren.

Meine bisherigen Dauertest-Bikes lagen preislich meist in einer höheren Liga und versprühten etwas mehr Bling-Bling-Flair oder lösten zumindest unmittelbare Haben-will-Reflexe aus. Das dezent in schwarz gehaltene Cube Stereo One22 ist da etwas anders. Günstiger Preis, keine optischen Highlights, eher schlicht und unauffällig. Doch was Cube für nur 3799 Euro auf die Reifen stellt, ist nüchtern betrachtet unschlagbar.

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Leichtes Trailbike, top ausgestattet

Auch bei diesem Bike lebt der Fahrrad-Gigant Cube seinen Hang zum Understatement aus und schnürt ein wirklich attraktives Paket – angefangen beim nur 1950 Gramm leichten Carbonrahmen über die Sram-X0-Eagle-Transmission-Schaltung bis hin zu den leichten Newmen-Beskar-Alu-Laufrädern. Auch das Fahrwerk des Stereo One22 kommt aus dem gehobenen Mittelfeld und besteht aus einer Pike Select+ sowie einem Deluxe-Select+ Dämpfer von Rockshox.

Während des Dauertests ging es nicht immer so eisig zur Sache. Bei der Dolomitendurchquerungen im Hochsommer 
musste das Cube ordentlich Staub fressen.Foto: Franz FischerWährend des Dauertests ging es nicht immer so eisig zur Sache. Bei der Dolomitendurchquerungen im Hochsommer musste das Cube ordentlich Staub fressen.

Unterm Strich kommt das One22 damit auf ein schlankes Gewicht von nur 12,6 Kilo ohne Pedale. Ein Wert, an dem sich selbst doppelt so teure Trailbikes oftmals die Zähne ausbeißen. Mit 130 Millimetern Federweg vorne und 120 Millimetern am Heck ist das Cube funktional und absolut ausreichend für schnelle Trail-Runden oder auch ausgedehnte Mehrtagestouren in den Alpen bestückt.

ModellCube Stereo One22 C:62 SLX 29
RahmenmaterialCarbon
Preis3799 Euro >> hier erhältlich
Gewicht12, 6 Kilo
Größe / ReachM / 450 mm
Federweg (v/h)130 mm / 120 mm
Gabel / DämpferFox 34 Performance / Fox Float Select+
Bremse / SchaltungSram X0 Transmission
LaufrüstungNewmen Evolution SL A.30
Laufleistung4630 km / 46.300 hm

Cheatcode – Marke Eigenbau

Um den schlanken Preis zu ermöglichen, setzt Cube auch beim Stereo auf Eigenmarken. So stammen Griffe, Sattel und Telestütze aus dem eigenen Haus. Obwohl ich bei der Wahl des Sattels immer sehr speziell bin und bei Mehrtagestouren wie der sechstätigen Dolomitendurchquerung gerne Bewährtes wähle, blieb der Acid-Nuance-Lite-Sattel drauf und leistete einen guten Job. Ausreichend bequem, und das auch nach Stunden im Sattel. Lediglich die dünnen, schlecht dämpfenden Griffe konnten nicht überzeugen.

Die Dichtung der Teleskopstütze lief trocken und löste sich aus dem Sitz. Schmierung und ein neuer Federring lösten das Problem.Foto: Franz FischerDie Dichtung der Teleskopstütze lief trocken und löste sich aus dem Sitz. Schmierung und ein neuer Federring lösten das Problem.

Mit 150 Millimetern Hub sorgte letztlich auch die hauseigene Teleskopstütze für ausreichend Absenkung, zumal das Sitzrohr am M-Rahmen nur 405 Millimeter misst und auch für Fahrer mit kurzen Beinen genügend Bewegungsspielraum bietet. Leider lief gegen Ende der Testdauer die Dichtung der Stütze trocken und wurde beim Ausfahren mit herausgezogen. Beim Versuch, die Dichtung wieder in ihren Sitz zu bringen, riss der Federring – nervig, aber leicht auszutauschen. Bis dahin verrichtete die Stütze ihren Job ohne erhöhtes Spiel.

Top-Schaltung, aber Bremsen mit Tadel

Srams elektronische Transmission-Schaltung zeigte sich von ihrer besten Seite: robust und präzise. Selbst der Sturz zu Beginn der Testphase mit dem heftigen Schaltwerkstreffer konnte die Funktion nicht beeinträchtigen. Lediglich das Wechseln der Gänge mit dem etwas unergonomischen Controller war selbst mit meiner AXS-Erfahrung zunächst ungewohnt. Da Zahnersatz bekanntermaßen teuer ist, spendierte ich dem Stereo alle 1000 Kilometer routinemäßig eine neue Kette. Kassette und Kettenblatt sehen daher vergleichsweise gut aus.

Auf einer der ersten Fahrten löste sich unbemerkt die Abdeckschraube zur Demontage der Kurbel – Kostenpunkt: 22 Euro.
Foto: Georg Grieshaber

Etwas mehr Sorgen bereitete mir dagegen die Bremse: Die Vierkolben-Zange von Magura packte zwar beherzt zu, sorgte bei größerer Hitze aber häufig für Geräusche. Bremsscheibensurren und Quietschen waren auf langen Abfahrten ständige Begleiter. Durch den geringen Rückzug der Kolben muss man den Bremssattel zudem penibel ausrichten, sonst schleift er. Knapp 50.000 Tiefenmeter hinterlassen doch irgendwo Spuren. Mit einer Dicke von 1,85 Millimetern befinden sich die Bremsscheiben kurz vor der Verschleißgrenze und müssten demnächst erneuert werden, genau wie die hinteren Bremsbeläge.

Schönheitsfehler: Flugrost an den Lagern

Optischer Mangel: Die Hauptlager im Rahmen setzten bereits früh Rost an, drehen sich aber noch geschmeidig.Foto: Georg GrieshaberOptischer Mangel: Die Hauptlager im Rahmen setzten bereits früh Rost an, drehen sich aber noch geschmeidig.

Bis auf den unschönen Flugrost am Hauptlager des Rahmens drehen alle Kugellager spielfrei und weitestgehend geschmeidig. Das gilt auch für Tretlager und Naben. Das Speichengerüst der Newmen-Laufräder konnte die Dauerbelastung ebenfalls gut wegstecken und besitzt noch immer eine gleichmäßige Speichenspannung. Lediglich für den Rockshox-Dämpfer ist ein Service fällig. Der Lockout schließt nicht mehr zuverlässig und lässt das Heck spürbar wippen.

Fazit – Dauertest Cube Stereo One22 C:62 SLX 29

​Das Cube Stereo One22 ist eine echte Empfehlung. Für den Touren-Einsatz gibt es kaum ein Bike mit besserem Preis-Leistungs-Verhältnis. Bis auf Kleinigkeiten und den üblichen Verschleiß konnte auch die Haltbarkeit im Dauereinsatz überzeugen. – Franz Fischer, Dauertester für BIKE

Cube Stereo One22: Vorteile & Nachteile

leicht, vortriebsstark und mit hochwertigen Komponenten ausgestattet
laute Bremsgeräusche, Rost an der Hauptlagerachse, Schraube im Rahmen unvorbaubar

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