Max Fuchs
· 27.08.2026
Man muss bei diesem Preis zweimal hinschauen. 1.999 Euro für ein voll geländetaugliches Fully – vor zehn Jahren hätte das schon für Aufsehen gesorgt. Damals bekam man für dieses Geld hier und da einen Aluminiumrahmen mit solider Ausstattung. Heute, nachdem wir jahrelang kritisiert haben, dass man im Einstiegsbereich immer weniger für sein Geld bekommt, wirkt das Einstiegsmodell der neuen Stereo-Palette fast schon aus der Zeit gefallen.
Carbon-Hauptrahmen, 150 Millimeter RockShox-Federweg, Shimano-XT-Schaltwerk, Magura-Louise-Vierkolbenbremse, eine versenkbare Sattelstütze und hochwertige Continental-Enduro-Reifen. CUBE stattet sein günstigstes Stereo HPC nicht wie ein Einsteigerbike aus, sondern wie ein echtes Sportgerät.
Natürlich fordert der Preis Kompromisse. 16,3 Kilo wiegt das Stereo HPC Race – schlank geht anders. Doch genau hier setzt CUBE die Prioritäten richtig: lieber robuste Reifen, kräftige Bremsen und eine Vario-Stütze als ein paar hundert Gramm weniger auf der Waage.
Damit könnte das Stereo HPC Race zum interessantesten Bike der neuen Stereo-Familie avancieren. Nicht wegen technischer Superlative, sondern wegen etwas viel Simpleren: Es macht den Einstieg ins ernsthafte Mountainbiken wieder bezahlbar. Ob das Konzept auch auf dem Trail überzeugt, muss allerdings ein Praxistest zeigen. Die Fahrleistungen bewerten wir an dieser Stelle ausdrücklich noch nicht.
Erinnern wir uns kurz daran, was 1.999 Euro einmal bedeuteten. Ein Fully zu diesem Preis gehörte schon vor Jahren eher zur unteren, aber funktionalen Mittelklasse. Wer ernsthaft ins Gelände wollte, konnte sich glücklich schätzen, für dieses Geld ein solides Bike mit Aluminium-Chassis und brauchbaren Komponenten zu bekommen.
Heute verlangen viele Hersteller für vergleichbare Trail-Fullys ein Vielfaches. CUBE zeigt mit dem günstigsten Stereo HPC, dass es auch anders geht: Wie vor Jahren gibt es für 1.999 Euro ein vollwertiges, funktionales Fully – und diesmal sogar mit Carbon-Hauptrahmen. Der Branchenriese positioniert das Stereo HPC Race damit nicht nur als günstiges Modell innerhalb der eigenen Familie, sondern senkt die Einstiegshürde ins moderne Mountainbiken spürbar.
Der größte Aufreger steckt im Rahmen. CUBE verbaut beim Stereo HPC Race einen Hauptrahmen aus High Performance Carbon und kombiniert ihn mit einem Aluminium-Hinterbau. Der Carbon-Frontbereich nutzt CUBEs C:62-Monocoque-Technologie mit Advanced Twin Mold. Dazu kommen ein geschraubtes Tretlager, ISCG05-Aufnahme und UDH-Schaltauge.
Das ist bemerkenswert, weil Carbon bei günstigen Bikes traditionell zu den ersten Dingen gehört, an denen Hersteller sparen. CUBE dreht diese Logik um: Der teure Werkstoff sitzt dort, wo er optisch und technisch den größten Unterschied macht – im Hauptrahmen.
Dazu kommen Details, die man bei einem 1.999-Euro-Bike keineswegs voraussetzen darf: integrierte Züge, ein verstellbarer Steuersatz und ein Staufach im Unterrohr. Selbst die Kabelführung lässt sich alternativ semiintegriert verlegen.
Auch beim Federweg macht CUBE keine halben Sachen. Vorne arbeitet die RockShox Psylo Silver RC Air mit 150 Millimetern, hinten liefert der Deluxe Select+ 146 Millimeter Hub. Damit zielt das Stereo HPC Race klar auf anspruchsvolle Trails und nicht auf gemütliche Waldautobahnen.
Bei der Gabel zeigt sich allerdings, wo CUBE den Rotstift angesetzt hat – ganz ohne Sparmaßnahmen lässt sich so ein Preis eben doch nicht realisieren. Die Psylo Silver RC gehört nicht zu RockShox’ Performance-Klasse. Die Silver-Ausführung ist ein zweitklassiges Modell und bringt zudem Stahlstandrohre mit. Das macht die Gabel vergleichsweise schwer, und das einfache Innenleben kostet im Vergleich zu höherpreisigen RockShox-Modellen Reserven und Feingefühl. Für 1.999 Euro geht dieser Kompromiss allerdings in Ordnung – irgendwo muss der Kampfpreis schließlich herkommen.
Besonders frech wirkt die Reifenwahl. CUBE montiert Continental Xynotal in der Enduro-Soft-Ausführung mit 2,4 Zoll Breite. Dazu kommen Newmen Performance 30 Laufräder.
Hier hätte CUBE mit Einsteiger-Reifen problemlos Gewicht und Geld sparen können. Stattdessen steckt der Hersteller robuste, hochwertige Pneus ans Bike. Das kostet auf der Waage, zahlt aber enorm auf die Geländetauglichkeit ein.
Genau solche Entscheidungen machen den Charakter des Stereo HPC Race aus: Es will nicht nur auf dem Papier attraktiv erscheinen. Es will auch auf dem Trail überzeugen.
Beim Antrieb kombiniert CUBE ein Shimano-XT-Schaltwerk mit Deore-Komponenten. Mit 30 Zähnen vorne und einer 10–51er-Kassette hinten steht eine für Trailbikes passende Übersetzung bereit.
Noch stärker fällt die Bremse aus: Magura Louise mit Vierkolben-Sätteln und 203-Millimeter-Scheiben vorne und hinten. Dazu spendiert CUBE eine hauseigene Dropperpost mit Lenker-Remote.
Allesamt Komponenten, die auf dem Trail ihren Zweck erfüllen. Das ist genau die Ausstattung, die Einsteiger tatsächlich brauchen:
Auch bei den Einstellmöglichkeiten macht CUBE keine Abstriche. Der Lenkwinkel lässt sich über exzentrische Steuersatzschalen feintunen. 64,2 und 64,8 Grad sind möglich. In Größe M misst der Reach 455 Millimeter, die Kettenstreben bleiben mit 439 Millimetern konstant.
Damit bringt das Stereo HPC Race eine moderne Trail-Geometrie mit. Flacher gestellt soll das Bike mehr Laufruhe liefern, steiler etwas direkter reagieren. Da die Kettenstreben über alle Rahmengrößen gleich lang ausfallen, dürften sich besonders die Größen XL und S nicht ganz so ausgewogen anfühlen wie die Normgrößen M und L.
Das Stereo HPC Race zeigt, wie weit sich der Fahrradmarkt in den vergangenen Jahren von einem vernünftigen Preis-Leistungs-Verhältnis entfernt hat.
1.999 Euro für ein ausgewachsenes Carbon-Fully mit 150 Millimetern Federweg sind 2026 keine Selbstverständlichkeit. Sie sind eine absolute Ausnahme und vielleicht auch ein Weckruf an die Konkurrenz.
Natürlich bekommt man dafür kein High-End-Fahrwerk, keine Carbonlaufräder und kein gewichtsoptimiertes Trailbike. Aber darum geht es beim Stereo HPC Race auch nicht. CUBE konzentriert das Budget auf die entscheidenden Punkte: Carbon-Hauptrahmen, brauchbares Fahrwerk, kräftige Bremsen, solide Schaltung, Dropperpost und vor allem solide Reifen.
Damit könnte CUBE gerade für Einsteiger einen Nerv treffen. Wer heute mit dem Mountainbiken anfangen möchte, muss nicht mehr zwangsläufig 3.000 oder 4.000 Euro einplanen, um ein wirklich geländetaugliches Fully zu bekommen.
Ob das Bike die hohen Erwartungen auch in der Praxis erfüllt, können wir an dieser Stelle noch nicht beurteilen. Aber allein das Angebot ist bemerkenswert. Einen derart attraktiven Einstieg ins moderne Mountainbiken gab es lange nicht.

Redakteur
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