Gewicht: 15,4 kg
Federweg: 160/150 mm
Laufradgröße: 29"
Preis: 2999 Euro
Rahmenmaterial:/ Carbon
Gabel / Dämpfer: Fox 38 Float Factory / Fox Float X2 Factory
Schaltung / Bandbreite: Shimano XT / 510 %
Bremsen: Shimano XT /203/203 mm
Laufräder: DT-Swiss EX 1700
Reifen: Continental Kryptotal Fr Enduro Soft 29 x 2,4 / Re Enduro Soft 29 x 2,4
Sattelstütze / Hub: SDG / 170 mm
max. Systemgewicht: 115 kg
Garantie: 5 Jahre
Gesamtgewicht: 15,41 kg ohne Pedale
Gewicht Laufräder: 5569 g
Laufradträgheit: 4597 kg x cm²
Eigentlich gehört das Radon Jab gar nicht in dieses Testfeld. Es ist offiziell ein Enduro. Weil das Trailbike Slide jedoch nicht mehr verfügbar war, schickte Radon stattdessen das Carbon-Enduro Jab ins Rennen – und lag damit erstaunlich richtig. Mit seinen Genen passt es besser ins All-Mountain-Segment als man vermuten möchte. Nur die Rahmengröße machte uns einen Strich durch die Rechnung: Medium war etwas zu klein, Large etwas zu groß. So zeigte das Jab vor allem seine Stärken bei Laufruhe und Highspeed, während die Konkurrenten im Testfeld Canyon und YT mit mehr Agilität und Spielfreude punkteten. Aus früheren Tests wissen wir allerdings: Mit der passenden Größe fährt sich auch das Jab deutlich lebendiger. Unser Tipp: Medium probieren – oder gleich die MX-Version.
Der Faustschlag (Jab) ist seit Jahren ein Topseller und Evergreen bei Radon. Um genau zu sein: seit 2018. Damals stellte der Direktversender vom Rhein seinen Carbon-Allrounder zum ersten Mal vor – gezeichnet und „kinematisiert“ von Federungs-Mastermind Bodo Probst. Das Carbon-Enduro wurde sofort zum Hit, denn es war super leicht (unter 13 Kilo, damals in 27,5 Zoll), verspielt und doch potent genug, um mit hartem Gelände zurecht zu kommen. Über die Jahre wurde die Geometrie modernisiert und dem Trend folgend auf 29 Zoll aufgerüstet. Die Stärke des Jab: sein breiter Einsatzbereich. Das leichte Enduro wildert selbst im Trail- und All-Mountain-Segment. Früher bot Radon die gesamte Range an Bikes an, doch die mangelnde Nachfrage nach unmotorisierten Bikes hat das Portfolio so verschlankt, dass das Jab mittlerweile als einziges Fully übrig geblieben ist.
Fünf Modelle bietet Radon von seiner Jab-Plattform an – allesamt mit Carbonrahmen. Drei Varianten kommen als MX-Version mit kleinem Hinterrad und 160 Millimetern Federweg am Heck. Bei den zwei reinen 29ern reduziert sich der Hub auf 150 Millimeter. Alle fünf Bikes sind Radon-typisch unverschämt gut ausgestattet, knallhart kalkuliert und aktuell auch noch brutal reduziert – bis zu 2100 Euro! Wie geht das? Wir haben keine Ahnung. Unser Testrad kostet regulär 4199 Euro, aktuell sind es nur 2999 Euro – und das trotz Top-Ausstattung mit Fox-Factory-Fahrwerk samt Kashima-Beschichtung. Oder wie wir kürzlich jemanden sagen hörten: „Kashmir“. Weil so kuschelig im Ansprechverhalten. Auch die restliche Ausstattung des Jab ist makellos.
Steigt man aufs Jab, will man sofort Vollgas bergab brausen. Im Vergleich zu YT und Canyon wirkt das Bike wie eine Klasse darüber – was es streng genommen ja auch ist: ein Enduro. Dazu kommt, dass das Jab in Large groß ausfällt. In M wäre es mit 455 Millimetern Reach einen Tick zu klein gewesen. Breiter Lenker, mehr Reach, mehr Radstand, mehr Federweg – und im Steuerrohr steckt zudem die wuchtige Fox 38. Das gibt Selbstvertrauen im Ringkampf mit der Schwerkraft. Wir sind das All-29-Jab schon in allen erdenklichen Szenarien gefahren, von alpinen Epic-Rides bis hin zu Enduro-Rennen. Das Bike erzeugt viel Sicherheit bergab und sticht die Konkurrenz erwartungsgemäß aus, wenn das Gelände besonders launisch und derbe wird. In gemäßigtem Gekurve und Trail-Einsatz dagegen, wendet sich das Blatt: Hier wirkt das Jab im direkten Vergleich mit der Testkonkurrenz übermotorisiert. In schnellen Kurvenwechseln erfordert es dann mehr Nachdruck als Canyon und YT, die dort verspielt wie junge Welpen durch den Trail tollen. Wirklich abstrafen kann man das Jab dafür aber nicht. In unseren Augen ist das eher Charaktersache als fehlende Performance. Fast hätten wir es vergessen: Bergauf wippt das Jab kaum, klettert willig und taugt für nahezu jedes Abenteuer. Sehr gut!
+ top Fahrwerk
+ Downhill-Performance
+ breiter Einsatzbereich
+ Preis-Leistungs-Verhältnis
- in Large weniger verspielt
Passender für den Test wäre das Radon Slide gewesen. Doch das ist leider ausverkauft. So schickte uns der Versender sein Allround-Talent Jab, ein leichtes Enduro. Es verwundert nicht, dass das Jab die Konkurrenz in Sachen Laufruhe und Downhill-Skills abhängt. Aber auch im klassischen Trail- und All-Mountain-Einsatz macht das Jab eine gute Figur. Der Preis ist für ein Carbon-Bike mit dieser Ausstattung sensationell!

Redakteur
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