Merida Dirt 700 im Pumptrack-TestHighend-Dirtbike mit Flaschenhalter

Jan Timmermann

 · 27.04.2026

Das Merida Dirt 700 kostet 1999 Euro und damit mehr als die meisten Dirtbiker investieren wollen. Lohnt sich das?
Foto: Max Fuchs
2000 Euro für ein Dirtbike haben nur die wenigsten Biker übrig. Wir wollten herausfinden, ob das Merida Dirt 700 sein Geld wert ist und luden es zum Pumptrack-Test. Ob am Ende die Flaschenhalteraufnahme das Zünglein an der Waage war? Der BIKE-Test entlarvt die Stärken und Schwächen des Merida Dirtbikes.

Themen in diesem Artikel

Daten und Fakten zum Merida Dirt 700

Federweg100 mm
Laufradgröße26"/559mm
Gewicht11.39 kg
GabelRock Shox Pike DJ
Schaltungkeine
Bremse vornekeine

​Das Herzstück des brandneuen Merida Dirt ist ein Rahmen aus 6061-Aluminium, dessen Geometrie für das Modellupdate sorgfältig abgestimmt wurde. Bei der Entwicklung griff Merida auf seine langjährige Expertise in der Aluminiumverarbeitung zurück. Die Rohre sollen so konstruiert sien, dass der Rahmen eine hohe Steifigkeit bietet und zugleich ein präzises Handling ermöglicht. Sollten sich die Versprechungen bewahrheiten, wären das genau die Eigenschaften, die auf einem Pumptrack gefragt sind. Zudem wurde der Rahmen gemäß dem EFBE-Standard in der Kategorie Fünf (Downhill und Freeride) geprüft und wird mit einer fünfjährigen Garantie für den Erstbesitzer angeboten. Merida hat sich bei der Konstruktion bewusst für bewährte Standards entschieden: Das Hinterrad verfügt über einen klassischen Achsmaß von 135 x 10 Millimetern, verbaut ist ein geschraubtes BSA-Tretlager mit zweiteiligen Kurbeln. Das alles schafft Vertrauen im harten Dirt- und Street-Einsatz.

Das Merida Dirt ist in zwei Rahmengrößen erhältlich, wodurch man Kunden die Wahl zwischen einem wendigen Setup für Tricks oder einem längeren, stabileren Setup für größere Fahrer oder Pumptrack-Fans lassen will. Wir entschieden uns im Test für die längere Variante. Wer richtig Tricksen will, hat die Möglichkeit einen Gyro für die Hinterradbremse nachzurüsten. Merida bietet das Dirt in zwei Ausstattungsvarianten an. Unser Testbike, das 1999 Euro teure Dirt 700, richtet sich an ambitionierte Dirt-Jump- und Slopestyle-Rider, während sich Einsteiger und Gelegenheits-Pumptrack-Besucher mit dem 999 Euro teuren Dirt 500 anfreunden dürften.

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Merida Dirt 700 im Detail

  • ​Einsatzgebiet: Dirt / Street / Pumptrack / Skatepark / Slopestyle
  • Federweg: 100 mm
  • Laufradgröße: 26”
  • Rahmenmaterial: Aluminium
  • Gewicht: 11,39 kg (BIKE-Messung, ohne Pedale)
  • Preis: 1999 Euro
  • Besonderheiten: horizontale Ausfallenden zum Spannen der Kette, Gyro-Aufnahme, Flaschenhalteraufnahme

​Merida Dirt im Pumptrack-Test

Das neue Merida Dirt schaut mit dem direkten Übergang von Oberrohr zu Sitzstreben richtig modern-sportlich aus. Bei der Ausstattung ist zu merken, dass Merida zu den größten Bike-Herstellern der Welt gehört und einiges an Parts umsetzen muss. Der flache Lenker stammt eigentlich aus dem Trailbike-Lineup der Taiwanesen und bricht optisch mit den hohen Riser-Bars klassischer Dirtbikes. Auch die Sattelstütze ohne Pivotal-Aufnahme zeugt nicht unbedingt von Street-Credibility. Damit ist es beim Blick auf die Flaschenhalteraufnahme sowieso vorbei. Ein Flaschenhalter am Dirtbike? Naja, warum eigentlich nicht? Eine hauseigene Kurbel verwundert beim Preispunkt von 2000 Euro, steht funktional einem Markenprodukt aber in Nichts nach.

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DT-Swiss-Laufräder und eine Rockshox Pike DJ komplettieren die Ausstattung, gehören im Dirtbike-Segment zum Besten, was der Komplettbike-Markt zu bieten hat. In jeder Situation verwöhnt die Highend-Federgabel mit einem straff-definierten Dämpfungsgefühl. Der spezielle Singlespeed-Freilaufkörper der Hinterradnabe verspricht lange Haltbarkeit. Eins zu eins dieselben Parts stecken aber auch in den 500 Euro günstigeren Konkurrenten der Direktversender. Vor dem ersten Test-Meter muss man festhalten: Den Aufpreis zahlt der Kunde offensichtlich vor allem für einen Bike-Shop-Fachhändler vor Ort. Oder können das die Fahreigenschaften rechtfertigen?

Alleskönner

Mit vielen Spacern unterm Cockpit liegt die Front trotz flachem Lenker auf angenehmer Höhe. Auf dem Merida Dirt fühlt man sich auf Anhieb super integriert. Das Dirtbike platziert seinen Fahrer wunderbar zentral im Bike, was das Handling zum Kinderspiel macht. Mit seiner in Größe L recht langen Geometrie schafft das Merida eine für Mountainbiker vertraute Geometrie. In der Praxis schafft das Dirt einen starken Kompromiss aus Laufruhe und Wendigkeit. Schnelle Pumptrack-Lines oder Street-Tricksereien? Geht mit dem Merida beides. Komplettbike-Gewicht und Laufradträgheit landen im Kategorie-Vergleich im unteren Mittelfeld. Zackig lässt sich an Bord des Dirt die Fahrtrichtung wechseln ohne dass das Handling zickig wird. Diese Art der Gutmütigkeit macht das Abhaken neuer Lines und das Erlernen neuer Stunts zum Kinderspiel. Am Ende erkaufen sich Dirtbiker bei Merida also nicht nur eine starke Ausstattung, einen gut gemachten Alu-Rahmen mit Marken-Namen und die fachmännische Anbindung im Radladen, sondern auch ein breites Einsatzgebiet. Der Preis dafür bleibt schmerzlich hoch.

Fazit

Zählen nur die Fahreigenschaften, macht dem Merida Dirt kaum ein anderes Dirtbike etwas vor. Die Melange aus Agilität und Ruhe ist dem Branchenriesen einfach gelungen. Dirtline, Pumptrack oder Skatepark? Das Merida lässt alle Freiheiten. Über die Verhältnismäßigkeit des Preises und den Coolness-Faktor darf diskutiert werden. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

Pro

  • ausbalancierte Fahreigenschaften und super Fahrer-Integration
  • breites Einsatzgebiet
  • gute Ausstattung

Contra

  • teuer
  • Dirtbike-untypische Parts und Features

Jan Timmermann

Jan Timmermann

Redakteur

Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.

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