Jan Timmermann
· 04.02.2026
Konzeptbedingt hat das Hardtail-MTB gegenüber dem Fully einen Gewichtsvorteil. Ohne Federungssystem am Hinterbau mit zusätzlichen Lagern und weiteren Bauteilen kann ein Hardtail-Rahmen aus Carbon besonders leicht konstruiert werden. Gerade im High-End-Bereich der Race-Bikes lieferten sich Hersteller lange einen spannenden Wettlauf um das leichteste Rahmengewicht.
Heute ist bei immer weniger Hardtails ein geringes Gewicht Priorität Nummer eins. Dropper-Posts, breite Reifen, steifere und längere Gabeln haben den Geländeradsport revolutioniert, wiegen aber auch mehr als konservative Ansätze. Auch in der aktuellen Modellgeneration der Cross-Country- und Marathon-Hardtails finden sich aber leichte Kandidaten. Wir zeigen, welche das sind.
Für ein Ranking müssen die berücksichtigten Daten vergleichbar sein. Bei BIKE betreiben wir einen beispiellosen Aufwand, um Mountainbikes zu testen. Das BIKE-Testsystem ist einzigartig und beinhaltet auch eine Vermessung im hauseigenen Testlabor. Die Hardtails wiegen wir stets im Auslieferungszustand ohne Pedale und sonstiges Zubehör, wie etwa Flaschenhalter oder GPS-Mounts.
Zwecks Vergleichbarkeit nahmen wir in unsere Liste ausschließlich Bikes mit Rahmengröße L auf. Außerdem berücksichtigten wir nur Räder der letzten zwei Jahren mit aktuellen Standards. Sprich: Hardtails mit 29-Zoll-Laufrädern und maximal 120 Millimeter Federweg. Außerdem schlossen wir Modelle aus, die wir zwar getestet haben, welche in der Zwischenzeit aber ein Update am Rahmen erfahren haben. Übrig bleiben 15 Race- und Allround-Hardtails ab knapp 8,2 Kilo.
Das VPace C4M ist ein gertenschlanker Sportler. Mit Starrgabel, starrer Stütze, federleichtem Carbon-Rahmen und einem gewichtsoptimierten Ausstattungspaket holt sich das besondere Hardtail die Krone im Gewichtsranking. Unter 8,2 Kilo sind eine Ansage für Bergsprints und schnelle Trainingsrunden.
Im Gelände muss das minimalistische VPace Bikes mit Federgabel und mehr Komfort ziehen lassen. Dafür bleibt das Komplettbike vom deutschen Direktversender im Vergleich zur leichtgewichtigen Konkurrenz unschlagbar günstig.
Die deutsche Carbon-Manufaktur Bike Ahead hat sich für leichte Parts einen Namen gemacht. Als die Bayern einen eigenen Rahmen “made in Portugal” herausbrachten, stand bereits fest: Dieses Hardtail kann richtig leicht bauen. Am persönlichen The Frame von Bike-Ahead-Mastermind Christian Gemperlein wurde zwar aufs Gewicht geachtet, hinsichtlich der Fahrqualität sollten jedoch keine Kompromisse eingegangen werden. Ein superleichtes Gewicht trotz Federgabel, Vario-Sattelstütze und breiten Reifen plus überzeugende Fahreigenschaften bescherten den Bike einen Testsieg unter den High-End-Hatdtails.
Als das Cannondale Scalpel mit der charakteristischen Einseiter-Gabel Lefty Ocho in seiner aktuellsten Ausbaustufe vorgestellt wurde, staunten wir nicht schlecht: 110 Millimeter Federweg und ein verhältnismäßig flacher Lenkwinkel waren damals die absolute Ausnahme im Cross-Country-Startblock.
Inzwischen haben auch andere Hersteller nachgezogen, doch gerade in der gewichtsoptimierten und streng limitierten Lab71-Variante bringt das teure Scalpel Fahrreserven und einen guten Wert an der Waage weiterhin perfekt in Einklang.
Der Name Pinarello Dogma dürfte vor allem bei Rennrad-Fans einen hohen Bekanntheitsgrad genießen. Spätestens aber seit die Radsport-Superstars Tom Pidcock und Pauline Ferrand-Prévot den Cross-Country-Worldcup im Namen der italienischen Marke aufmischen, ist Pinarello auch in der Mountainbike-Szene ein Begriff.
Im BIKE-Test präsentierte sich das Dogma XC Hardtail besonders angriffslustig und stellte seine Rennfahrer-Attitüde unverhohlen zur Schau. Das Pinarello verpasst die Top-Drei nur haarscharf.
Als sich Merida nach jahrelangen Erfolgen auf der großen Cross-Country-Bühne aus dem Rennsport zurückzog, wurde es still ums Hardtail-Modell Big.Nine. Die Rückkehr gleicht einem Paukenschlag. Die Mischung aus lang-flacher Geometrie, breiten Reifen und leichtem Gewicht räumt im BIKE-Test Bestnoten ab. Das High-End-Modell 10K mit neuem elektronischen Shimano-XTR-Antrieb lässt bis auf eine Kleinigkeit keine Ausstattungswünsche offen - wer eine will, muss die absenkbare Sattelstütze nachrüsten.
Auf den Plätzen sechs bis zehn unseres Gewichts-Rankings werden die Hardtails schon deutlich schwerer aber auch bedeutend günstiger. Nur das Carbon-Bike von Storck bleibt noch unter der magischen Zehn-Kilo-Grenze. Das Scott Scale kommt in der Gravel-Version mit Starrgabel. Wegen seines im Vergleich zu den High-End-Modellen erschwinglichen Preises bricht es aber keine Gewichts-Rekorde.
Auf den Plätzen elf bis 15 dieser Gewichts-Wertung tummeln sich ausschließlich preiswerte Hardtails. Der Bikepacking-Spezialist von Kona kommt mit Stahlrahmen, ansonsten setzen alle Hersteller bei diesen günstigen Mountainbikes auf einen Rahmen aus Aluminium.
Jenseits der 13 Kilo leidet die Fahrdynamik eines Hardtails im Gelände erfahrungsgemäß stark. Diese Modelle müssen mit anderen Qualitäten punkten, wie etwa einer robusten Konstruktion und Schnäppchen-Preisen.
Vier weitere Hardtails wollen wir unserer Auflistung nicht vorenthalten. Im Ranking fahren sie jedoch außer Konkurrenz, denn getestet haben wir sie nicht in einer vergleichbaren Rahmengröße.
Einen raketenschnellen Antritt bringt kein Mountainbike so kompromisslos wie ein richtig leichtes Hardtail. Die teure Creme de la Creme schafft es auch heute noch unter die magische Zehn-Kilo-Grenze. Minimalismus hat aber auch seine Grenzen: Starre Sattelstützen und Starrgabeln beschneiden die Fahrqualität im Gelände. Günstige Hardtails erreichen heute locker Fully-Gewichte. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur