| Federweg | 100 mm |
| Laufradgröße | 26"/559mm |
| Gewicht | 11.22 kg |
| Gabel | Rock Shox Pike DJ |
| Schaltung | keine |
| Bremse vorne | keine |
Canyon brachte seinen legendären Dirtjumper nach längerer Wartezeit zurück an den Start und stellte kürzlich das umfassend überarbeitete Stitched 360 vor. Elf Jahre nach seiner Premiere hat der Koblenzer Direktanbieter dem Erfolgsmodell ein deutliches Update verpasst. Herzstück ist ein komplett neu konstruierter Aluminiumrahmen, der für mehr Stabilität und bessere Kontrolle in der Luft sorgen soll. Wir luden uns das Top-Modell im Lineup zum Test. Dieses schlägt mit 1499 Euro zu Buche. Zu erstehen gibt es auch eine günstigere Ausstattungsvariante für 1099 Euro.
Canyon hat die Geometrie des Stitched 360 angepasst und den Reach verlängert, den Lenkwinkel abgeflacht sowie das Tretlager tiefer gelegt. Besonderes Augenmerk legten die Ingenieure bei der Entwicklung des neuen Dirtbikes auf den Bereich zwischen Kurbel und Kettenstrebe. Hier wurde mehr Platz geschaffen, damit die Kette auch bei wilden Manövern zuverlässig auf dem Kettenblatt bleibt. Canyon bietet das Stitched 360 in zwei Rahmengrößen an. Fahrer können zwischen einer kurzen, wendigen Variante und einem längeren, laufruhigeren Setup wählen. Für unseren 1,90 Meter großen Testfahrer und den Einsatz im Pumptrack entschieden wir uns für die größere der beiden Optionen. Der Rahmen wurde vom Hersteller nach der höchsten Belastungskategorie Fünf getestet, was maximale Stabilität garantieren soll. Mit den Verbesserungen reagiert Canyon auf das Feedback seiner Profi-Athleten und zielt darauf ab, ein noch agileres Bike für Sprünge, Pumptracks und Tricks zu liefern. Ob die Rechnung aufgeht? Das haben wir in einem ausführlichen Test herausgefunden.
Die Farbe des Canyon-Rahmens polarisiert. Fest steht: Der Look ist clean. Individualisten könnten mit lila Details nachsteuern. Die Ausstattung? Top! DT-Swiss Dirtbike-Laufräder und die Highend-Gabel Rockshox Pike DJ finden sich bei anderen Herstellern meist erst an teureren Bikes. Der spezielle Singlespeed-Freilaufkörper der Hinterradnabe verspricht lange Haltbarkeit. Spannend ist der hauseigene Bremshebel, den Canyon mit einem Bremssattel von Shimano kombiniert. Leider spuckt diese Kombination nur eine mäßige Power aus – absolut kein Beinbruch auf dem Pumptrack, bei größeren Dirt-Stunts, technischen Manual-Lines und Liptricks im Skatepark fehlt jedoch der Biss. Außerdem quietscht der günstig gelagerte Hebel bei jedem Zug. Kleines Detail mit großer Wirkung: Dick und gut gedämpft, lang und griffig – was will man von einem Dirtbike-Griff mehr?
Der Lenker des Rose Stitched 360 baut sehr breit, aber auch flach. Das zieht den Piloten in eine frontlastige Fahrposition. Zusammen mit einem Lenkwinkel, der trotz Update noch auf der eher steilen Seite liegt, verlangt die Front des Canyon Dirtbikes nach einem erfahrenen Händchen am Lenker. Der Vorbau ist superkurz, das Handling sehr direkt. Auch der Radstand baut kompakt. Gut für enge Lines und Rotations-Tricks, weniger gut für die Souveränität bei richtig schnellen Runs. Insgesamt fühlt sich das Stitched 360 nochmal leichter an, als es ohnehin schon ist. Nur wer diese Leichtfüßigkeit zu beherrschen weiß, kann aus dem Canyon gleichzeitig Pumptrack-Speed herausholen und trotzdem technische Stunts im Skatepark ziehen. Für Einsteiger ist das Setup nicht immer ideal. Auch sie können aber zum Beispiel mit einem höheren Riser-Lenker gegensteuern, für den Pumptrack lieber die größere Rahmengröße wählen und so oder so vom guten Preis-Leistungs-Verhältnis des Stitched 360 profitieren.
Schick, schnell, Preis-Leistungs-attraktiv: Das Canyon Stitched 360 CLLCTV ist ein richtig gutes Dirtbike, das unter fahrtechnisch starken Fahrern besonders aufblüht. Die Agilität kommt Tricksern zugute. Anfänger brauchen möglicherweise etwas länger, um mit dem Canyon warm zu werden, erhalten aber dennoch eine super Basis für alles von Pumptrack über Street bis Dirt. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur

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