Do It yourself: Dieses Motto nahm unser Reporter wörtlich. Eigenhändig verlötete er die Rohre seines Stahlrahmens, half in der Carbonproduktion des Laufradbauers mit und besuchte den Gabel-Hersteller zu Hause.
Nun sollen alle Puzzleteile zu einem lang gehegten Traum vereint werden: Ein höchst individuelles Mountainbike mit 32-Zoll-Laufrädern. Die neue Laufradgröße ist Neuland. Bislang rollen erst wenige fahrfertige 32-Zoll-Mountainbikes über die Trails.
Erst beim Zusammenbau zeigt sich, ob Timmermann sauber gearbeitet hat und auch wirklich alle Teile zueinander passen. Wir haben den Prozess in der Werkstatt verfolgt und zeigen alle Teile plus das finale Gewicht des Dreambuilds. Das fertige Bike trägt den passenden Namen “Leovelo Goliath”.
Hobbys sind zum Träumen da. Während Oldtimer-Romantiker vom seltenen Porsche schwärmen, bekommen wir Biker bei liebevoll designten Fahrrädern weiche Knie. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Kaum jemand baut sich seinen Porsche selbst zusammen.
Für Biker ist es deutlich einfacher, den eigenen Traum Stück für Stück aufzubauen. Ein Mountainbike aus Einzelteilen zu erschaffen ist für Bike-Freaks eine beinahe schon sakrale Erfahrung. Nicht ohne Grund bringen sogenannte Dreambuild-Videos Millionen von Klicks ein. Wenn aus dutzenden Kleinteilen ein individuelles Traumbike entsteht, liegt Magie in der Luft.
BIKE-Redakteur Jan Timmermann lötete sich einen eigenen 32-Zoll-Stahlrahmen und half eigenhändig beim Laminieren der Carbonlaufräder. Jetzt folgt der Dreambuild als Veredelung unserer Do-It-Yourself-Reportagereihe.
Für mich ist ein Bike keine kalte Maschine, sondern ein höchst emotionales Stück Technologie, das mir einige der besten Momente meines Lebens beschert hat. Liebevolles Kümmern und die achtsame Wahrnehmung aller Komponenten ist mir ein Bedürfnis. Manche nennen das Fetisch, andere Leidenschaft. Der technische Aspekt nimmt für mich jedenfalls ebenso viel emotionalen Raum ein wie das eigentliche Fahren. Deshalb will ich meinen frisch lackierten 32-Zoll-Rahmen auch selbst aufbauen.
Ein riskantes Unterfangen: Fast jeder Fahrrad-Heimwerker stand schon hoffnungslos frustriert vor seinem zerlegten Bike. Fluchen gehört zum Schrauben wie der Blitz zum Donner und weder Luxus-Parts noch Werkstatt-Skills können stets vor unerwarteten Problemen schützen. Der Traum vom Eigenbau ist eine sensible Seifenblase.
Deshalb habe ich wochenlang Teile zusammengetragen und jede Schnittstelle doppelt kontrolliert. Als ich mit dem finalen Puzzlespiel beginne, habe ich fast alle Baugruppen bereits einmal zusammengesetzt und wieder zerlegt. Jetzt fehlt nur noch ein kaltes Getränk und meine Schrauber-Playlist voller Rock-Hymnen.
Ertappt schaue ich mich in der Werkstatt um. Hat jemand mein befriedigtes Lächeln bemerkt, als das dick eingefettete Lager in die Steuersatzschale glitt? Bei der Hochzeit von Rahmen und Gabel bin ich stolz wie der Vater der Braut. Ob meine Frau wohl etwas gegen ein Erinnerungsfoto im Wohnzimmer hätte?
Als nächstes schön mit dem Finger in die Montagepaste und dann das vornehme Carbon liebkosen. Länger als nötig streichle ich daran herum. Das warme Knacken des Drehmomentschlüssels ist Musik in meinen Ohren.
Rot eloxierte Aluminiumschrauben drehen sich in den Titanflaschenhalter und regen dabei meinen Speichelfluss an. Wie in Trance spüre ich die Noppen des Reifengummis an der Handfläche. Als wenig später die gewichtsoptimierte Kette surrend über die blitzblanken Ritzel fliegt, bin ich im siebten Schrauber-Himmel.
Jedes kleinste Detail ist mit Bedacht gewählt, vom federleichten Carbonsattel bis zur perfekt gefrästen Sattelklemme. Das materielle Erlebnis soll bei jeder künftigen Ausfahrt mitschwingen. In die Verwirklichung dieses Bikes ist so viel Arbeit und Hingabe geflossen - man darf von Romantik sprechen.
Das Leben ist zu kurz für langweilige Bikes - nach diesem Motto baue ich mir seit vielen Jahren individuelle Fahrräder auf. So ein besonderes wie dieses hatte ich aber noch nie in den Händen. Sobald mein Blick das Prachtstück nur schweift, muss ich an die Zeit in der Rahmenbauwerkstatt von Leovelo und das Platzieren der Carbonlagen bei Bike Ahead denken. Der Dreambuild mit exquisiten Parts setzt dem Projekt die Krone auf. Jetzt muss ich nur noch herausfinden, wie sich mein 32-Zoll-Traumbike fährt! - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
| Bauteil | Details | Gewicht (g) |
| Rahmen: Leovelo Goliath | XL-Custom-Größe | 2353 |
| Steckachse: Wolftooth Thru Axle | 41 | |
| Gabel: Intend Samurai 32 | 100 mm, ungekürzter Schaft, inkl. Kralle u. Achse | 1627 |
| Schaltgruppe: Sram Eagle 90 SL Transmission | inkl. Kurbeln, Tretlager u. Zügen | 1679 g |
| Bremsanlage: Sram Motive Ultimate | inkl. Sram HS2 Scheiben 180/180 mm u. Montage-Material | 1012 |
| Steuersatz: Wolftooth Premium | ZS/EC | 87 |
| Cockpit: Bike Ahead The Unit 66 | 66 mm Länge, 0 mm Rise, -8° Drop, inkl. 10 mm Spacer u. Ahead-Kappe | 228 |
| Griffe: Wolftooth Echo | Lock On | 120 |
| Dropper-Post: Vecnum Nivo 212 | 31,6 mm, inkl. Innen- u. Außenzug | 612 |
| Dropper-Remote: Wolftooth | inkl. Lenkerschelle | 50 |
| Sattel: Bike Ahead The Hypersaddle | 146 mm Breite | 87 |
| Sattelklemme: Wolftooth Seatpost Clamp | 34,9 mm | 19 |
| Laufräder: Bike Ahead Biturbo X 32 Safewing | inkl. Tubeless-Ventile, Prototypen-Layup | 1612 |
| Reifen: Maxxis Aspen AT / Aspen MaxxSpeed Exo TR | 32 x 2,40 | 1749 |
| Flaschenhalterschrauben: Wolftooth Water Bottle Cage Bolts | 6 Stck. | 7 |
| Tubeless-Milch u. Schmiermittel | 240 | |
| Kürzungen | Züge, Kette, Gabelschaft, lenker | -119 |
| SUMME | 11,52 kg |
| Bauteil | Details | Gewicht (g) |
| GPS-Mount: Bike Ahead GPS Mount | lang für Garmin | 13 |
| Flaschenhalter: Wolftooth Morse Cage TI | 2 Stck. | 67 |
| SUMME | 80 |

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