Ein Motor wie ein Statement: 1300 Watt Spitzenleistung. Bis zu 150 Newtonmeter Drehmoment im Boost-Modus. Unterstützungsfaktor bis zu 800 Prozent.
Das sind Zahlen, die früher in der Motocross-Garage wohnten – nicht am Trailhead.
Der neue E-Bike-Motor Avinox M2S (zum ausführlichen Test) vom chinesischen Tech-Konzern DJI wiegt dabei nur rund 2,6 Kilogramm und schmiegt sich kaum sichtbar über das Tretlager. Möglich macht das unter anderem ein kompaktes Planetengetriebe und ein wetterfest gekapseltes Gehäuse mit IP66-Schutz. Polymerbauteile sollen Gewicht sparen und Geräusche reduzieren.
Kurz gesagt: Das Decoy X ist kein leises Assistenzsystem. Es ist ein Kraftwerk mit Pedalen.
Schon bei der Vorstellung des des neuen Decoy mit Freeride-Fahrwerk (180/170 mm) im letzten Frühjahr brodelte die Gerüchteküche. Hat der Bolide den Power-Motor von Avinox, wurde spekuliert. Nein, hatte es nicht. Doch jetzt ist es soweit, mit dem Decoy X.
Das Avinox-System ist die neueste Entwicklung für E-MTBs, daher war es naheliegend, dieses System mit unserer bewährten SN-Geometrie zu kombinieren. Diese Markteinführung markiert einen Wendepunkt für YT und einen Blick in unsere Zukunft. – Markus Flossmann, Gründer und CEO
Der Rahmen besteht aus hydrogeformtem Aluminium. Kein Rückschritt, sondern eine Entscheidung.
Hydroforming erlaubt stabile Rohrformen, große Einstecktiefen für lange Dropper-Posts und eine robuste Plattform für ein Bike, das sehr schnell sehr viel kann. Die interne Kabelführung bleibt wartungsfreundlich, der Akku sitzt geschützt im Unterrohr, eine Motor-Bodenplatte übernimmt Kühlung und Einschlagschutz zugleich, schön elastisch, damit nix splittert.
Hinten arbeitet die Virtual-4-Link-Kinematik mit 160 Millimetern Federweg. Sensibel am Anfang, stabil in der Mitte, progressiv am Ende – so zumindest die Idee. Vorne ergänzt eine 170-Millimeter-Fox-Podium-Factory-Gabel das Setup.
Die Geo orientiert sich am gelungenen Decoy SN. Draufsetzen, wohlfühlen! In Größe L fällt der Reach nicht überlang aus: 475 mm. Die Kettenstreben sind angenehm kurz für ein verspieltes Fahrgefühl: 442 mm. Der Lenkwinkel liegt bei 64,2°. Das Decoy X gibt es von S bis XXL.
Das Ganze rollt im MX-Format: 29 Zoll vorne, 27,5 hinten. Kontrolle trifft Verspieltheit.
Viele E-MTBs sparen beim Akku in kleinen Rahmengrößen. YT nicht. Alle Größen von S bis XXL bekommen denselben 800-Wh-Speicher. Der wiegt rund 3,7 Kilogramm und lädt mit dem 12-Ampere-Schnelllader in etwa 2,5 Stunden voll – 75 Prozent sind nach rund 90 Minuten drin. Das ist weniger ein Detail als eine Haltung: Reichweite soll keine Frage der Körpergröße sein.
Schon die Launch Edition zeigt, wohin die Reise geht:
Die DT-Swiss-DF-Technologie erlaubt dabei wahlweise null oder zehn Grad Pedal-Float – ein Versuch, Pedal-Kickback direkt an der Quelle zu entschärfen. Das klingt technisch. Auf dem Trail bedeutet es vor allem: mehr Ruhe, wenn es ruppig wird.
Das Decoy X sitzt strategisch genau zwischen zwei bekannten Brüdern. Über dem leichteren Decoy SN mit Fazua-Motor (hier im Test). Unter dem radikaleren Decoy MX mit Bosch-CX-Antrieb (zum Test).
Oder anders gesagt: mehr Leistung als das Trail-Light-Bike, weniger Gewicht als das Full-Power-Monster. Mit dem Avinox-System entsteht hier eine neue Kategorie: High-Power-Enduro ohne Carbon-Zwang.
Die Launch Edition kostet 8499 Euro und ist bereits vorbestellbar. 4 weitere Core-Modelle sollen im Sommer folgen.
Das Entscheidende ist aber nicht der Preis. Sondern die Frage, die dieses Bike stellt: Wie viel Motor braucht ein Mountainbike eigentlich noch, bevor es etwas anderes wird?
Das Decoy X beantwortet sie nicht. Es verschiebt sie.

Redakteur