Sponsor Yeti hat sein Arbeitsgerät gnadenlos auf Vollgas getrimmt. Der Trend zu immer kürzeren Kettenstreben interessiert die Amerikaner dabei reichlich wenig. Mit 442 Millimetern hat das SB6 das längste Heck in unserem Testfeld. Ein Agilitätswunder ist da in Verbindung mit dem flachem Lenkwinkel nicht zu erwarten. Bei gemächlichen Fahrten über leichtere Trails reagiert das Bike auf Lenkmanöver teilweise stur wie ein Esel. Nur mit viel Körpereinsatz lässt es sich zum Richtungswechsel zwingen. Aber wehe, man gibt dem Bike die Sporen. Traut man sich im steilen oder technischen Gelände, die Bremse loszulassen, rollt das Yeti sicher wie ein Schienenfahrzeug in Richtung Tal. Lediglich die klappernden, innen verlegten Züge stören, wenn man sich im rauen Gelände dem Geschwindigkeitsrausch hingibt. Das straffe Fahrwerk passt zum sportlichen Charakter. Obendrein ist das Yeti mit fahrfertigen 13,2 Kilo das leichteste Enduro in unserem Testfeld. Trotz Alu-Felgen ist der Laufradsatz sogar leichter als das Carbon-Pedant am Cannondale. Der 73 Grad steile Sitzwinkel reicht aus, um bergauf die Ambitionen des SB6 zu unterstreichen. Dennoch, Touren-Fahrer werden sich daran stören, dass sie sich für den Griff zur Trinkflasche bis an die Unterseite des Tretlagers verrenken müssen. Im Rahmendreieck bleibt kein Platz für die Erfrischung zwischendurch. Wenn man so will, stellt das Yeti in diesem Test den krassen Gegenpol zum verspielten Rocky Mountain dar. Kein Wunder, dass unser Profi-Tester das Megavalanche-Finale mit dem Yeti bestritt.
Leo Putzenlechner, Deutscher Enduro-Meister 2017: Mir gefiel besonders die Laufruhe bei hoher Geschwindigkeit. Das Fahrwerk mit Infinity-Link funktioniert nicht zwingend besser als die Konkurrenz, passt aber zur Auslegung des Bikes. Klappernde Züge und der fehlplatzierte Flaschenhalter nerven im Touren-Einsatz.
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