Zehn Jahre tüftelten die Yeti-Ingenieure angeblich an dem neuen Wunder-Hinterbau herum – der Sechsgelenker soll Kräfte noch besser verteilen, für mehr Kontrolle sorgen sowie Anti-Rise und Anti-Squat positiv beeinflussen. Soweit die Theorie.
Das Enduro Yeti LT besitzt 170 Millimeter Federweg in der Front und 160 Millimeter im Heck – ein waschechtes Enduro. Es löst die zwei Modelle SB160 und SB165 ab. Die Plattform hat eine Freigabe für eine Doppelbrückengabel – allerdings nur bis 190 Millimeter.
Die Preise sind gewohnt gesalzen. Los geht's bei 7.400 Euro fürs Yeti LT 90; das Topmodell kostet 10.900 Euro. Der Fokus auf Leichtbau bleibt weiterhin sekundär – so bringt das Topmodell üppige 15,8 Kilo auf die Waage (Größe M, All-29). Alleine für das Frame-Kit sind 5.400 Euro fällig.
Auffällig: Der Dämpfer arbeitet nun stehend statt liegend. Der Rocker Link steuert den Dämpfer und verbindet das System mit dem Timing Link. Dieser rotiert um den Drehpunkt des Rocker Link und bestimmt die Bewegungsrichtung des Switch Link. Bewegt sich der Switch Link nach oben, entsteht Pedalunterstützung im SAG-Bereich. Ein hoher Anti-Squat-Wert sorgt für Effizienz beim Treten. Bewegt sich der Switch Link nach unten, fällt der Anti-Squat-Wert ab und schafft Raum für Abfahrtsperformance.
Die Kinematik ermöglicht Kontrolle über drei Parameter: Beschleunigung (Anti-Squat), Bremsen (Anti-Rise) und Hebelverhältnisse. Die einzelnen Parameter lassen sich unabhängig voneinander auf den Einsatzzweck abstimmen. Mit Sixfinity werden Kräfte verteilt, was zu höherer struktureller Festigkeit und Steifigkeit des Hinterbaus über den gesamten Federweg führt. Die Architektur erlaubt gezielte Lagerwahl ohne räumliche Einschränkungen. An jedem Drehpunkt kommt das passende Lager zum Einsatz.
Der Anti-Squat-Wert lässt sich im Sag-Bereich präzise abstimmen. Das soll maximale Effizienz eines "Pedal Anywhere"-Setups liefern und jedes Watt direkt in Vortrieb umsetzen. Sixfinity verspricht dieselben Anti-Squat-Kennlinien wie Switch Infinity. Das System bietet Kontrolle über Verlauf und Intensität der Anti-Squat-Kennlinien. Gleichzeitig eröffnet es größeren Spielraum bei Anti-Rise- und Übersetzungsverhältnissen.
Die Anti-Rise-Kennlinien der LT-Modelle fallen im Vergleich zum Vorgänger SB160 geringer aus. Das soll beim Bremsen für Balance zwischen Traktion und Geometrie-Erhalt sorgen. Die Anti-Rise-Werte bleiben über den gesamten Federweg konstant. Sixfinity ist damit auf harte Schläge unter Bremsvolllast vorbereitet. Das Ergebnis soll vorhersehbares Fahrverhalten und konstante Performance in jeder Bremssituation liefern.
Die Progression des Fahrwerks lässt sich durch Drehen eines Flip-Chips zwischen drei Kennlinien anpassen, ohne Geometrie, Anti-Squat oder Anti-Rise zu verändern. Die Progressionsraten liegen bei 15, 20 und 25 Prozent. Fahrer wählen zwischen konstantem, ausgewogenem oder geschmeidigem Fahrgefühl mit erhöhten Bottom-Out-Reserven. Die lineare Charakteristik der Kennlinien soll für berechenbares Fahrverhalten sorgen.
Der Rahmen verfügt über integrierten Stauraum "The Cavity" mit CNC-gefrästem Verschlussmechanismus und rastender Feder. Die Dual-Density-Abdeckung mit umlaufender Gummidichtung sorgt für Passform und Abdichtung. Eine innere Trennwand und die Yeti-Rahmentasche halten Werkzeug, Schlauch und Snacks sicher verstaut. Unterhalb des Stauraums befinden sich Positionen für AirTag- und Tile-Tracker.
Die Geometrie entstand aus Tests mit Sixfinity-Prototypen. Längere, rahmengrößenspezifische Kettenstreben sollen für Traktion, Fahrstabilität und ausgewogene Gewichtsverteilung sorgen. Die Plattform kommt ohne spezielle Rahmen für MX- oder Dual-29-Konfigurationen aus. Die Kettenstrebenlängen betragen bei Small 439 mm, Medium 442 mm, Large 455 mm und XL 465 mm. Mit zusätzlicher Verlängerung von 10 mm lässt sich das Fahrverhalten anpassen.
Das LT lässt sich per Flip-Chip zwischen Dual-29- und MX-Setup wechseln. Ein zusätzlicher Chip ermöglicht weitere 0,5 Grad Lenkwinkel. In Kombination mit MX-Setup sinkt die Tretlagerhöhe um 6 mm ab. Die Tretlagerhöhe beträgt 350 mm im 29-Zoll-Setup und 344 mm im MX-Setup. Optionale Steuersatzschalen basieren auf dem ZS44/56-Steuerrohrstandard und verfügen über integrierte Ausrichtungsmarkierungen.
Die Dropper-Post-Länge ist auf die Rahmengröße abgestimmt: Small 150 mm, Medium 180 mm, Large und XL 210 mm. Interne Leitungen verlaufen durch geformte Carbon-Führungskanäle und werden über Cable-Capture-Ports fixiert. In Kombination mit Chain-Slap-Schutz bleibt das Bike leise. Ein zusätzlicher Befestigungspunkt am Oberrohr bietet Platz für Montage weiterer Systeme.
Wir sind das Yeti LT bereits gefahren. Den Praxis-Eindruck lest ihr ab morgen 8 Uhr auf der Website.

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