Das Raymon Tarok Ultra ist das erste Serien-Bike mit dem neuen, ultrakompakten ZF CentriX Motor. Diesen verpackt der deutsche Hersteller in einem edlen E-Enduro mit Carbon-Rahmen. Wir waren sehr gespannt, wie sich das Raymon Tarok mit ZF Motor in Labor und Praxis schlagen würde.
Noch nie vom Raymon Tarok gehört? Auch, wenn sich das Unternehmen erst 2024 in Rekordzeit neu formierte, stecken hinter Raymon doch einige sehr erfahrene Köpfe der E-MTB-Szene. So muss es nicht überraschen, dass das allererste Serien-Bike mit dem neuen ZF-Motor von den Schweinfurtern kommt. 600 Watt Spitzenleistung und maximal 90 Newtonmeter Drehmoment verspricht das ZF-Aggregat. Angesichts der kleinen, kreisrunden Baugröße und des leichten Motorengewichts von nur 2,53 Kilo sind das beeindruckende Werte und wir waren sehr gespannt auf den ausführlichen Test des neuen Raymon. Die Modelle des Enduro-Flaggschiffs Tarok starten ab 5899 Euro mit Carbon-Rahmen. Der abschließbare Akku im Unterrohr lässt sich klassisch herausklappen oder zur Gewichtsersparnis durch eine kleinere 504-Wh-Version ersetzen. Apropos: Obwohl der Energiespeicher recht bullig baut, ist Raymon eine optisch cleane Integration gelungen. Doch steckt im Raymon Tarok mit ZF CentriX mehr als eine anziehende Optik? Wir haben es im Labor- und Praxistest herausgefunden. Den ausführlichen Test des neuen ZF CentriX Motors findet Ihr hier.
Foto: Max FuchsWir konnten das Raymon Tarok Ultra und den neuen ZF CentriX nicht nur im Labor, sondern auch auf angemessenen Enduro-Trails in Finale Ligure testen.
Fakten zum Raymon Tarok Ultra 2025
Einsatzgebiet: Enduro
Federweg: 160 / 160 mm
Laufradgröße: 29”
Preis: 10.499 Euro
Gewicht: 23,2 kg (BIKE-Messung)
Rahmenmaterial: Carbon
Motor-System: ZF CentriX
Akkukapazität: 756 Wh
Max. Systemgewicht: 130 kg
Garantie: lebenslang
Besonderheiten: erstes Serienbike mit ZF CentriX
Foto: Max FuchsKreisrund und auffällig klein bildet der neue ZF CentriX Motor das Herzstück des Raymon Tarok.
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Ausstattung
Gabel: Fox Float 38 Factory
Dämpfer: X2 Factory
Schaltung: Sram X0 Eagle Transmission
Bremsen: Sram Maven SLVR, 220/200 mm
Laufräder: Newmen Phase 30 Carbon
Reifen: Continental Kryptoptal-F Enduro SuperSoft, 29 x 2,40 / Kryptotal-R Downhill Soft, 27,5 x 2,40
Foto: Max FuchsDas Raymon Tarok wird von einer mächtigen Fox 38 mit 160 Millimetern Federweg angeführt. Für mehr Reserven würde dem Bike auch eine 170er gut stehen.
Geometrie
Foto: BIKE-MagazinBIKE-Messung des Raymon Tarok 2025 in Rahmengröße L.Foto: Max FuchsIm Hinterbau des Raymon Tarok steckt ein Fox X2 Factory Luftdämpfer mit allerlei Einstell-Optionen. 160 Millimeter Federweg liegen an
Das Raymon Tarok mit ZF CentriX im Praxistest
Gleich im ersten Uphill des Tests kann das Raymon Tarok ordentlich Punkte sammeln. Durch den steilen Sitzwinkel und den kurzen Vorbau platziert das Raymon seinen Piloten modernaufrecht im Sattel. Ein flacher Lenker sorgt für zusätzliche Last auf dem Vorderrad. So zieht das Bike mit schön viel Druck auf der Front über steile Rampen. Wer sich einmal an den monotonen aber kräftigen Schub des lauten Motors gewöhnt hat, findet im Tarok einen sehr fähigen Kletterer. Trotz Full-Power-Konzept passt in Engstellen auch die Agilität. Die leichten Carbon-Laufräder lassen sich gut auf Schwung bringen und präzise platzieren. So fühlt sich das Bike noch leichter an, als es tatsächlich ist.
Foto: Max FuchsIm Uphill hinterlässt das neue Enduro-Bike von Raymon einen überzeugenden Eindruck.
Die 23,2 Kilo Lebendgewicht des Raymon Tarok Ultra sind in Anbetracht der schweren Batterie und dicken, robusten Ausstattung schon absolut top. Passend dazu bietet der Hinterbau einen definiert-stabilen Gegenhalt und eine solide-unauffällige Traktion. Der sichere Stand im Bike macht Lust auf technische Herausforderungen. Bei erfahrenen Piloten kommt direkt Rennfieber mit Bekenntnis zur Ideallinie auf.
Foto: Max FuchsGrip-starke Continental Reifen treffen am Raymon Tarok Ultra auf leichte Newmen Carbon-Laufräder. Besser geht kaum!Foto: BIKE-MagazinDas Raymon Tarok ist ein Ort zum Wohlfühlen. Die Sitzposition fällt modern aber nicht extrem aus.Foto: Max FuchsVolle Kontrolle: Display auf dem Vorbau und Bedienpanel im Oberrohr geben Auskunft über alle wichtigen Fahrdaten, wie Unterstützungsstufe oder Akkustand.
Auch im Downhill fackelt das Raymon Tarok nicht lange und stellt seinen sportlichen, unkomplizierten Charakter offen zur Schau. Die Geometrie trifft ein gelungenes Mittelmaß aus Wendigkeit und Laufruhe. Ohne Extreme erzeugt sie eine ausgewogene Fahrposition und animiert zu allerlei Trail-Spielereien. Problemlos geht das Raymon an Kickern in die Luft und lässt sich für ein ausgewachsenes E-Enduro geschickt durch Wellen surfen.
Foto: Max FuchsAuf großen, dicken Bremsscheiben besitzt die Sram Maven Bremse besonders viel Power.
Auch der souveräne Gegenhalt im Fahrwerk unterstützt den Spieltrieb des Raymon Tarok. Dank starker Federgabel, kraftvollen Bremsen und griffigen Reifen macht das Bike auf dem Trail eine sehr gute Figur. Mit gemäßigtem Reach und Lenkwinkel liegt die passive Fahrsicherheit trotzdem etwas unter der vieler Endurobike-Kollegen. Auch der Hinterbaukomfort ist in dieser Federwegsklasse eher unter Durchschnitt.
Foto: Max FuchsDas freut Test-Redakteur Adrian-Kaether besonders: Das Raymon Tarok Ultra ist ein wunderbar leises E-Bike.
Wird es sehr steil, hätten wir uns vom Raymon Tarok Ultra eine etwas höhere Front gewünscht. Dadurch fährt sich das Bike in rauem Geläuf tendenziell etwas anstrengend. So richtig blüht das Bike in fähigen Händen auf, denn das straffe Fahrwerk und die reaktive Geo belohnen eine aktive Fahrweise mit Speed und Fahrspaß. Versierte Trail-Biker werden das Tarok mögen.
Foto: BIKE-MagazinDas Raymon Tarok Ultra besitz ein ausgewogenes Stärkenprofil mit einer kleinen Delle bei der Reichweite.Foto: Max FuchsEine Mud-Flap schütz die Hinterbau-Hardware des Raymon Enduro-Bikes.
Messdaten zu Raymon Tarok
Gesamtgewicht: 23,22 kg ohne Pedale
Akkugewicht: 4374
Gewicht Laufräder: 4920 g
BIKE-Messwerte: Akkugewicht, gegebenenfalls inkl. Cover. Laufradgewicht pro Satz mit Reifen, Kassette, Bremsscheiben.
Foto: Max FuchsHinter einer federvorgespannten Klappe im Rahmen des Raymon Tarok befindet sich ein Ladeport. So lässt sich der Akku auch in eingebautem Zustand betanken.Foto: BIKE-MagazinIn unserem standardisierten Reichhöhen-Test schaffte das Raymon Tarok 1560 Höhenmeter. Gemessen am großen Akku eine unbefriedigende Leistung.Foto: Max FuchsDie Leitungen für Hinterradbremse und Variostütze laufen am Raymon Tarok durch den Steuersatz. Letztere ist an unserem Testbike leider zu kurz geraten.Foto: BIKE-MagazinBei der Bewertung der Servicefreundlichkeit landet das Raymon Tarok im guten Mittelfeld.Foto: Max FuchsOptisch dezent integriert, besitzt das Raymon Tarok Ultra eine Seitenständeraufnahme an der Carbon-Kettenstrebe.
Fazit von BIKE-Redakteur Jan Timmermann
Geschickt bringt das Raymon Up- und Downhill-Qualitäten in Einklang. Verhältnismäßig leichtfüßig und ausgewogen besitzt es weniger die Allüren eines extremen Enduros und mehr die sportliche Mentalität eines edlen All Mountains. Handling und Fahrwerk bergen Spaßpotential, wollen mit entsprechender Fahrtechnik aber auch ausgereizt werden. Komfort ist nicht die Stärke des Tarok. - Jan Timmermann, BIKE-Redakteur
Pro
ausgewogenes, spaßiges Handling
athletischer Kletterer
aktives Fahrwerk
sehr gute Ausstattung
Contra
wenig natürliches Motorgefühl
Antriebsgeräusche
mäßige Reichweite
Foto: Georg GrieshaberBIKE-Redakteur Jan Timmermann
Jan Timmermann ist ein Mountainbiker aus echtem Schrot und Korn. Dabei deckt sein Interesse von Marathon- bis Trailbikes und von Street bis Gravel fast alles ab. Getreu dem Motto „das Leben ist zu kurz für langweilige Fahrräder“ hängt Herz des Technik-Redakteurs jedoch vor allem an Bikes mit Charisma. Nebenbei leitet Jan auch noch das Fitness-Resort unserer Radsport-Marken.