Florentin Vesenbeckh
· 03.02.2026
Eines vorweg: Wer einfach nur ein solides Bike zum guten Kurs schießen will, braucht sich bei Pivot nicht umschauen. Die amerikanische Edelschmiede gehört zu den richtig exklusiven Brands am MTB-Markt. Und das ändert sich auch mit der Neuauflage des Pivot Shuttle LT nicht. Doch wer einige wirklich innovative Detaillösungen sehen will - oder einfach nur ein verdammt heißes und richtige schnelles E-MTB - der sollte unbedingt weiterlesen. Denn die Neuerungen am Shuttle LT sind mehr als ein kleines Upate.
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Auf dem Trail konnten schon die Vorgänger des Pivot Shuttle LT voll überzeugen. 2023 sicherte sich das Shuttle LT, damals noch mit Shimano-Motor, bei uns sogar den Testsieg in einem hochkarätig besetzten E-Enduro-Testfeld. Stets ein Highlight: Der super austarierte DW-Link-Hinterbau. Natürlich hält Pivot auch bei der Neuauflage an diesem System fest.
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Das Update auf die neueste Generation des Bosch Performance CX bzw. CX-R ist keine Überraschung. Neben mehr Power, nämlich bis zu 750 W Leistung und 100 Nm Drehmoment, ist der neue Bosch auch endlich klapperfrei. In den beiden teuren Modellen steckt der minimal leichtere CX-R mit dem aggressiven Race-Modus, im Einstiegsmodell der klassische CX. Damit reiht sich das Shuttle LT neben dem ebenfalls neu aufgelegten Shuttle AM in die Riege der Pivot-Bikes mit dem neuen Bosch-System ein.
Alle Shuttle LT-Modelle kommen ab Werk mit dem reichweitenstarken Powertube 800, zuvor war es der 750er. Der neue 800-Wh-Akku ist sogar noch deutlich leichter als der Vorgänger mit nur 750 Wh. Die noch relevantere Neuerung: Die Batterie ist jetzt entnehmbar und nicht mehr fest verbaut. Zwar müssen dafür drei Schrauben herausgeschraubt werden, doch der Wechsel geht recht schnell von der Hand. Außerdem passt auf Wunsch auch der 600er-Akku ins Bike, was das Gewicht um knapp ein Kilo reduziert. Ein entnehmbarer Akku ist in diesem Segment nicht selbst verständlich. Egal ob Orbea Wild, Yeti LTE, Santa Cruz Bullit oder YT Decoy: Viele Kontrahenten haben die Batterie fest im Unterrohr verbaut.
Ein herausstechendes Merkmal sind die diversen Einstelloptionen des Shuttle LT. Die Option, durch einen Flipchip zwei verschiedene Laufradgrößen-Setups (29/27,5” oder 29/29”) zu fahren, hatte schon der Vorgänger. Neu ist dagegen der Flipchip an der unteren Dämpferaufnahme, über den die Progression der Heckfederung angepasst werden kann. Außerdem gibt es zwei weitere Möglichkeiten, die Geometrie zu tunen. Die Kettenstrebenlänge kann um 8 Millimeter angepasst werden. Und auch der Sitzwinkel kann durch ein ganz spezielles System steil oder flach eingestellt werden. Das bietet gerade versierten Bikern die Möglichkeit, das Bike perfekt auf persönliche Vorlieben anzupassen. Manchen Piloten könnten die vielen Optionen aber auch überfordern.
Während die meisten Systeme zur Winkelanpassung mehrere Werte gleichzeitig verändern, kümmert sich die Pivot-Lösung isoliert um den Sitzwinkel. Dafür ist das Sitzrohr oval angelegt. Ein Einsatz platziert die Sattelstütze wahlweise vorne oder hinten im Rohr. Dadurch verändert sich der Sitzwinkel an unserem Testbike um fast zwei Grad.
Die Geometriewerte hat Pivot nicht drastisch angepasst. Lenkwinkel, Reach und Radstand nehmen moderne Werte an, ohne ins Extrem abzudriften. Der größte Unterschied zum Vorgänger sind etwas längere Kettenstreben - selbst in der kürzeren Einstellung. Den Luxus von mitwachsenden Kettenstreben, passend zur Rahmengröße, spart sich Pivot weiterhin. Über die diversen Anpassungsoptionen lässt sich die Geometrie noch deutlich abändern. Vor allem der auf Wunsch extrem steile Sitzwinkel ist ein Charakterzug, den man von den Vorgängermodellen definitiv nicht kennt.
Die krassen Einstelloptionen wirken sich natürlich auch auf die Fahreigenschaften aus. Gerade die Sitzwinkelverstellung hat einen massiven Einfluss auf die Sitzposition. Nachdem wir bei den Vorgängern stets den etwas flachen Sitzwinkel kritisiert hatten - an steilen Rampen saß man zu weit hinten - ist die Sitzposition in der steilen SMST-Einstellung absolut progressiv. So sitz man sehr weit vorne im Bike, was sich in steilen Anstiegen mit einer extrem guten Kontrolle bemerkbar macht. Für klassische Touren und flaches Gelände kann diese Position zu krass ausfallen. Dann schafft die flachere Position Abhilfe.
Wir sind das Shuttle LT hauptsächlich in der Einstellung mit langen Kettenstreben und hoher Progression im Dämpfer gefahren - und haben das Fahrverhalten so als richtig ausgewogen erlebt. Die hohe Front prägt den Charakter des E-Enduros. So steht man bergab gut integriert im Bike - und das Vorderrad lässt sich leicht entlasten. Im rauen Gelände bleibt das Shuttle LT gelassen und vermittelt viel Sicherheit. Das Fahrwerk glättet selbst fiese Steinfelder richtig souverän und geschmeidig. Dabei gibt es dem Fahrer trotzdem noch genug Feedback und Gegenhalt, was gerade bei sportlicher und schneller Gangart die Kontrolle verbessert. Auffallend stark ist die Traktion des Bikes. Daran hat auch die Upsidedown-Gabel Fox Podium ihren Anteil.
Bei all seiner Highspeed-Stärke und Fahrsicherheit kommt aber auch der Fahrspaß nicht zu kurz. Engere Kurven, Manuals oder andere Spielereien mit dem Gelände gehen leicht von der Hand. Das höhere Gewicht von 24 Kilo merkt man dem Shuttle LT kaum an, denn es bleibt richtig spaßig und lebendig. Sowohl beim Fahrwerk, als auch beim Handling trifft das Shuttle LT ziemlich gut die berühmte goldene Mitte - ein Tausendsassa für ambitionierte Trail- und Enduro-Biker.
Dass das Shuttle LT im Gelände eine richtig gute Figur abgibt, ist nicht neu. Doch mit den Neuerungen hebt Pivot sein E-Enduro auf eine neue Stufe. Der entnehmbare Akku ist im Feld der kultigen Gravity-Brands eher die Ausnahme und die umfassenden Einstelloptionen machen das Bike wirklich besonders. Der Einstiegspreis ist leider richtig happig. - Florentin Vesenbeckh, stv. Chefredakteur BIKE Magazin
Das Pivot Shuttle LT kommt in drei Ausstattungsvarianten. Doch selbst der Einstieg ist schon richtig kostspielig. Los geht’s erst bei 9299 Euro. Jedes Modell kommt ab Werk mit dem Bosch Powertube 800. Die günstigste Variante “Ride 70/90 Eagle Transmission” hat den klassischen Bosch Performance CX verbaut, die beiden teureren Modelle Pro und Team kommen mit dem exklusiven CX-R. Das Pivot Shuttle LT ist in jeder Variante in den Farben Black Royal Purple und Stone Cold White erhältlich. Den optionalen Bosch Power More 250 Range Extender gibt’s für 500 Euro separat oder ab Werk als Upgrade.
Der Ride Build kombiniert für beste Kontrolle auf langen Anstiegen und Fahrspaß pur in technischen Abfahrten den Bosch Performance Line CX Antrieb mit einer Fox 38 Performance Gabel und einem Float X Dämpfer.
Der Pro Build setzt auf den Bosch CX-R Antrieb, die brandneue Fox Podium Upside-Down-Gabel und den Performance Elite Float X Dämpfer – für ein präzises, direktes Lenkgefühl und kompromisslose Stabilität, wenn es im Gelände richtig zur Sache geht. Wie bei Fox’ Performance Elite Baureihe üblich sind Dämpfer und Gabel funktional bereits auf Factory-Niveau und bieten umfangreiche Einstelloptionen, auch bei der Druckstufe.
Der Team-Build ergänzt das Gesamtpaket mit dem Bosch CX-R Motorsystem, der Fox Factory Podium Gabel, dem Factory Float X2 Dämpfer, DT Swiss Carbon Laufrädern und der SRAM XX Transmission – ein kompromissloses Setup für steile Abfahrten, hohes Tempo und maximale Präzision auf anspruchsvollsten Trails. Für die Team-Builds ist außerdem ein Fox Live Valve Neo Coil Shock Upgrade für nochmal 1.500 Euro erhältlich.