Josh Welz
· 19.06.2026
Mit dem komplett neu entwickelten Lithos präsentiert Merida ein reinrassiges High-Performance E-Enduro. In vorerst drei Preisbereichen gibt es ein modernes Carbon-Chassis, 170 mm Federweg und modernste Bosch-Antriebstechnologie.
Das neue Merida Lithos will erstklassige Abfahrts-Kompetenz und Laufruhe vereinen. Dank modularem Akku-Konzept, intelligenter Geometrie-Anpassung und kraftvoller Bosch-Power soll es sich als durchdachtes, wartungsarmes E-Enduro für maximale Renngeschwindigkeit auf härtestem Terrain präsentieren.
Mit der Vorstellung des neuen Lithos positioniert Merida ein neues Flaggschiff im Segment der High-Performance-E-Mountainbikes. Benannt nach dem altgriechischen Wort für Fels, richtet sich diese Neuentwicklung dezidiert an ambitionierte Enduro-Fahrer und Rennfahrer, bei denen maximale Geschwindigkeit und kompromisslose Effizienz im rauen Gelände im Vordergrund stehen. Das Lithos zielt darauf ab, das Maximum an Momentum und Vortrieb aus jedem Trail herauszuholen. Das Fahrzeug verbindet ein hochentwickeltes Carbon-Chassis mit der neuesten Antriebsgeneration aus dem Hause Bosch.
Damit wird es in Meridas E-Gavity-Palette allerdings ziemlich eng. Schließlich rangiert dort bereits das günstige ETMO mit einem robusten Aluminiumrahmen, 160 mm Federweg und Bosch-Antrieb. Ebenso das eONE-SIXTY mit leichter Carbon-Karosserie und dem etwas in die Jahre gekommenen Shimano EP801. Am oberen Ende der Palette hat Merida das eONE-EIGHTY mit 180 mm Federweg für den Bikepark- und Freeride-Einsatz positioniert, mit Bosch CX-Power und 800-Wh-Akku. Ob sich mit dem neuen Lithos eines dieser Modelle aus der Palette ausschleicht, bleibt abzuwarten.
Das Herzstück des Lithos bildet ein vollständig aus CF3-Carbon gefertigter Hauptrahmen inklusive eines neu abgestimmten Hinterbaus. Merida unterstreicht das Vertrauen in die hauseigene Fertigungskompetenz durch eine lebenslange Garantie für den Erstbesitzer, zertifiziert für die Kategorie 4 (All Mountain & Enduro).
In technischer Hinsicht sticht das bewährte „Flexstay“-Federungsdesign hervor. Durch den gezielten Verzicht auf ein separates Gelenk zwischen Sitz- und Kettenstrebe wird nicht nur das Systemgewicht reduziert, sondern auch der Wartungsaufwand minimiert, da weniger Lagerpunkte schmutz- und verschleißanfällig sind. An den verbleibenden Drehpunkten setzt der Hersteller auf extra große Industrielager, um eine dauerhaft geschmeidige Performance zu garantieren.
Die Fahrwerkskinematik generiert am Heck einen großzügigen Federweg von bis zu 174 mm im Mullet-Setup, der mit einer 170-mm-Federgabel an der Front kombiniert wird. Ein wesentliches Konstruktionsmerkmal ist das Fehlen des Dämpfer-Yokes. Diese direkte Anlenkung eliminiert schädliche Querkräfte auf den Dämpfer, schützt vor vorzeitigem Verschleiß der Dichtungen und sorgt für eine progressive Kennlinie. Dadurch soll das System gleichermaßen sensibel im Anfangsbereich arbeiten und bietet gleichzeitig hohe Durchschlagsreserven bei harten Schlägen – was die uneingeschränkte Kompatibilität sowohl mit modernen, großvolumigen Luftdämpfern als auch mit klassischen Stahlfederdämpfern ermöglicht. Das Ergebnis soll ein Hinterbau sein, der unter maximaler Last besonders spurtreu bleibt.
Beim Motor setzt Merida auf die fünfte Generation der Bosch Performance CX- bzw. CX-Race-Antriebseinheiten. Diese Aggregate stellen in der Spitze ein kräftiges Drehmoment von bis zu 120 Nm sowie eine maximale Leistung von 750 Watt bereit, wodurch selbst steilste und technisch anspruchsvollste Rampen fahrbar werden.
Ein zentrales Highlight des Lithos ist sein extrem vielseitiges, modulares Batteriesystem. Fahrer haben die Wahl zwischen dem Bosch PowerTube-Akku mit 800 Wh für maximale Reichweite oder der kleineren, leichteren 600-Wh-Variante. Der Wechsel auf den 600-Wh-Akku spart rund 900 Gramm Gewicht ein und verschiebt den Schwerpunkt des Rades spürbar nach unten, was insbesondere leichteren Fahrern ein agileres Handling beschert. Das Gehäuse ist im Unterrohr mittels eines Fidlock-Verschlusses gesichert und lässt sich im Handumdrehen entnehmen. Der Clou: Das Lithos wird standardmäßig mit zwei unterschiedlichen Batterieabdeckungen ausgeliefert – dem voluminöseren „Beluga-Cover“ für den 800-Wh-Akku und einem flacheren, schlankeren Cover für die 600-Wh-Version, um die Silhouette des Bikes optimal anzupassen. Für extreme Langstrecken kann das System zudem mit dem Bosch PowerMore Range Extender erweitert werden.
Der Fokus auf Renneinsatz und Alltagstauglichkeit spiegelt sich in zahlreichen Detaillösungen des Rahmens wider. Das sogenannte Dual-Routing-System ermöglicht maximale Flexibilität bei der Zugverlegung. Ab Werk wird das Rad mit dem komplett integrierten Acros „Wire Port“-Headset ausgeliefert, bei dem alle Leitungen unsichtbar durch den Steuersatz geführt werden. Wer eine klassischere, wartungsfreundlichere Variante bevorzugt, kann die Kabel über die „Thermo Gate“-Öffnungen seitlich am Steuerrohr teil-extern in den Rahmen führen. Im Inneren des Hauptrahmens sorgen einlaminierte Carbon-Führungskanäle (Liners) dafür, dass das Verlegen neuer Züge ohne Fummelei gelingt und Klappergeräusche effektiv unterbunden werden.
Zusätzlich verfügt das Lithos über integrierte Storage-Lösungen: Unter dem Sattel befindet sich eine V-Mount-Aufnahme inklusive eines Merida-Multitools, am Rahmen ist eine Tube Base Plate zur Befestigung eines Ersatzschlauchs montiert, und der Spannhebel der hinteren Steckachse beherbergt einen integrierten 4- und 6-mm-Inbusschlüssel. Damit lassen sich im Pannenfall nahezu alle wichtigen Schraubereien direkt auf dem Trail erledigen. Ein robuster, großflächiger Kettenstrebenschutz sowie Fersenschützer bewahren den Carbonrahmen vor mechanischen Beschädigungen.
Die Geometrie des Lithos soll konsequent auf Abfahrtskontrolle getrimmt sein, vernachlässigt jedoch dank eines steilen Sitzwinkels von 78,5° nicht die Klettereigenschaften. Der Lenkwinkel steht flach bei 64°. Auffallend ist die Entscheidung, den Stack – also die Bauhöhe der Front – über alle fünf Rahmengrößen hinweg (XS bis XL) deutlich anzuheben, was in steilen Passagen ein Plus an Sicherheit bringen soll.
Kombiniert wird dies mit dem cleveren „Agilometer“-Sizing. Da die Sitzrohre extrem kurz und gerade konstruiert sind, weisen sie eine große Einstecktiefe auf. Merida verbaut serienmäßig eine hauseigene, verstellbare Dropper-Post (Team TR II) mit gewaltigen 230 mm Hub. Der Clou: Der Hub lässt sich ohne Werkzeug stufenlos um bis zu 200 mm reduzieren. Fahrer wählen ihre Rahmengröße somit nicht mehr primär nach der Beinlänge, sondern rein nach dem gewünschten Fahrverhalten (kurzer Reach für Agilität, langer Reach für Laufruhe).
Ein weiteres Highlight ist das Flip-Chip-System an der Umlenkwippe. Das Bike rollt serienmäßig im agilen Mullet-Setup (29 Zoll vorn, 27,5 Zoll hinten) vom Band. Durch das Umdrehen des Flip-Chips kann das Lithos ohne jegliche Veränderung der Tretlagerhöhe oder der Lenkwinkel auf ein reines 29-Zoll-Laufrad am Heck umgerüstet werden. Im reinen 29-Zoll-Modus verändern sich der Federweg am Heck auf 160 mm und die Kettenstrebenlänge auf 449 mm (gegenüber 174 mm Federweg und 447 mm Kettenstreben im Mullet-Modus).
| Laufradgröße (vorn/hinten) | 29" / 27.5" | 29" / 27.5" | 29" / 27.5" | 29" / 27.5" | 29" / 27.5" |
| Sitzrohrlänge (ST) [mm] | 400 | 410 | 425 | 445 | 465 |
| Oberrohrlänge (TT) [mm] | 553 | 570 | 593 | 621 | 650 |
| Kettenstrebenlänge (CS) [mm] | 447 | 447 | 447 | 447 | 447 |
| Lenkwinkel (HTA) [°] | 64,0 | 64,0 | 64,0 | 64,0 | 64,0 |
| Sitzwinkel (STA) [°] | 78,5 | 78,5 | 78,5 | 78,5 | 78,5 |
| Stack [mm] | 628 | 637 | 646 | 655 | 669 |
| Reach [mm] | 425 | 440 | 460 | 485 | 510 |
Das Merida Lithos kommt vorerst in drei hochwertig ausgestatteten Varianten auf den Markt, die das gesamte Spektrum vom edlen High-End-Rennboliden bis hin zur soliden Performance-Maschine abdecken. Während die Ausführungen 10K, 8000 und 6000 ab sofort in Deutschland verfügbar sind, folgen die Modelle 5000 und 4000 zu einem späteren Zeitpunkt, um das Portfolio preislich nach unten abzurunden. Alle fünf Modelle wird es in jeweils zwei Farbvarianten geben.
Der Preispunkt für das Modell Lithos 5000 soll bei 5.699 Euro liegen, für das günstigste Modell Lithos 4000 will Merida 4.799 Euro aufrufen.
Merida liefert mit dem Lithos eine kompromisslose Rennmaschine für anspruchsvolles Gelände. Durchdachte Details wie die extrem wandlungsfähige Laufradkonfiguration via Flip-Chip, das hochgradig anpassbare Sizing-Konzept sowie das modulare Bosch-Akkusystem hören sich nach herausragender Vielseitigkeit an. Gepaart mit hoher Laufruhe und der präzise abgestimmten Steifigkeit des CF3-Carbonrahmens will Merida mit dem Lithos im Segment der High-Performance-E-Enduros ein deutliches Ausrufezeichen für anspruchsvolle Abfahrten und Renneinsätze setzen.

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